Islam

Idee und Praxis


Masud Ahmad Jhelumi

Islam – Idee und Praxis

von Masud Ahmad Jhelumi


Diese Schrift ist früher in vervielfaltigter Form unter dem Titel:

„Die Gnade Allahs“ vertrieben worden


Erste deutsche Übersetzung/Auflage 1980 Zweite Auflage 1992

Dritte, überarbeitete Auflage 2016

Aus dem Englischen von Hadayatullah Hübsch Unter der direkten Aufsicht von

Hadhrat Mirza Masroor Ahmad Khalifatul Masih VABA (Fünfter Nachfolger des Verheißenen MessiasAS des Islam


© image Genfer Straße 11

D - 60437 Frankfurt am Main

Mehr Informationen unter www.verlagderislam.de


ISBN 978-3-944277-68-4 PRINTED IN GERMANY


Vorwort 10


Islam – Idee und Praxis 15

  1. Die Lehren und das Glaubensbekenntnis des Islams 17

  2. Die Gebote, die man annehmen und nach denen man handeln soll 19

  3. Die fünf Pfeiler des Islams 19

  4. Die Quellen des Islams 21

  5. Der Qurʾan 22

  6. Die Offenbarung des Qurʾans 26

  7. Der Heilige ProphetSAW erhält die erste Offenbarung 27

  8. Die Zusammenstellung des Heiligen Qurʾans 29

  9. Der Quran wird zu einer Ausgabe zusammengefasst 31

  10. Einheitliche Abschriften des Qurʾans 32

  11. Unterschiede in der Lesart 34

  12. Merkmale der Lehren des Qurʾans 35

  13. Europäische Schriftsteller über den Qurʾan 43

  14. Sunna 45

  15. Hadith 46

  16. Das Gedächtnis der Araber 47

  17. Warum die Hadith im Allgemeinen zu Lebzeiten des

    Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW nicht aufgeschrieben wurden 47

  18. Kategorien der Erzähler 49

  19. Die Sammlung der Hadith 50

  20. Verschiedene Arten der Sammlung von Hadith 51

  21. Verschiedene Kategorien der Hadith 53

  22. Richtlinien für eine kritische Beurteilung der Hadith 56

  23. Der Unterschied zwischen Hadith und Sunna 57

  24. Fiqh 58

  25. Die Imame der Rechtswissenschaften 60

  26. Die islamische Rechtswissenschaft und die heutige Zeit 64

  27. Die Einheit Gottes 66

  28. Die Eigenschaften Gottes – vier hervorragende Grundattribute 71

  29. Einige weitere Attribute Gottes 75

  30. Die Engel 76

  31. Iblīs 79

  32. Der Sinn von Gut und Böse 81

  33. Satan 82

  34. Dschinn 84

  35. Die Offenbarung Gottes 85

  36. Das Verhältnis des Qurans zu anderen religiösen Schriften 88

  37. Propheten 91

  38. Wer ist ein Prophet? 92

  39. Propheten, die nach Hadhrat AdamAS kamen 94

  40. Jedes Volk hatte einen Propheten 96

  41. Prophet und Gesandter 97

  42. Sündenlosigkeit der Propheten 98

  43. Die Aufgabe von Propheten 100

  44. Verschiedene Arten von Propheten: Gesetzbringende und

    andere, die kein neues Gesetz bringen 102

  45. Das Siegel der Propheten 105

  46. Fortdauer des Prophetentums im Islam 108

  47. Die Wunder im Islam 112

  48. Das Erscheinen des Messias und Mahdis 119

  49. Die Ankunft des Messias 122

  50. Die Bedeutung des Wortes „nazala“ 124

  51. Die Bedeutung der „Zweiten Ankunft“ des Messias 125

  52. Ist JesusAS zum Himmel aufgefahren? 126

  53. Der Verheißene MessiasAS erscheint 129

  54. Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad von QadianAS erhebt den

    Anspruch, der Verheißene Messias zu sein 130

  55. Der Zweck der Ankunft von Hadhrat AhmadAS 131

  56. Das Leben nach dem Tod 132

  57. Das Leben nach dem Tode – ein Ebenbild des Lebens hienieden 135

  58. Das Leben nach dem Tode ist nicht materieller Art 141

  59. Die qualvollen Erfahrungen der Bösen in der Hölle 148

  60. Die höchste und schönste Erfahrung des Gläubigen im Paradies 151

  61. Die Hölle ist nicht ewig 153

  62. Die Freuden des Paradieses sind ewig 154

  1. Das Wesen der menschlichen Seele 156

  2. Verschiedene Stadien bis zum Tage des Gerichts 157

  3. Das Gebet 159

  4. Das Erhörtwerden von Gebeten ist ein Beweis der göttlichen Existenz und Kraft 163

  5. Warum werden Gebete bisweilen nicht buchstäblich

    angenommen? 165

  6. Das Gebet als Gottesdienst 166

  7. Der Gottesdienst der fünf täglichen Gebete 167

  8. Die Gebetszeiten 168

  9. Der Aufbau des Gebets 169

  10. Die Moschee 171

  11. Frauen dürfen Moscheen betreten 172

  12. Aḏān (Gebetsruf) 172

  13. Die Waschung (wuḍūʾ) 173

  14. Ḏikr (Gedenken Allahs) 175

  15. Zakat oder obligatorische Armensteuer – die Grundlage des Ökonomischen Systems des Islams 176

  16. Freiwillige Mildtätigkeit 179

  17. Die Pilgerfahrt 183

  18. Die Geschichte der Kaʿba und der Pilgerfahrt 183

  19. Das Hauptziel der Pilgerfahrt: Liebe zu Gott und Hingabe an

    Ihn zu erwecken 187

  20. Die Pilgerfahrt fördert Einheit und vollkommene Brüderschaft

    unter den Muslimen 188

  21. Die Vollziehung der Pilgerfahrt 189

  22. Umlauf der Kaʿba (ṭawāf) 190

  23. Der Schwarze Stein 191

  24. Saʿī: das Rennen zwischen ṣafā und marwa 192

  25. Zamzam 192

  26. Minā, muzdalifa und die Ebene von ʿarafāt 192

  27. Das Opfer 194

  28. Der wahre Sinn der Pilgerfahrt 195

  29. Das Fasten 197

  30. Fasten im Mondmonat Ramadan 200

  31. Moralische, soziale und physische Werte des Fastenden 203

  32. Die Vorschriften über das Essen und Trinken 204

  33. Warum ist Schweinefleisch verboten? 206

  34. Das Alkoholverbot 208

  35. Die Stellung der Frau im Islam 209

  36. Ehe und Eheleben 212

  37. Ehescheidung 215

  38. Erziehung der Kinder 217

  39. Mehrehe 219

  40. Die Ehen des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW 222

  41. Rechte der Frauen in anderen Ländern 223

Anmerkungen des Herausgebers 224

Zum Autor 232

Vorwort

Vorwort

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Es ist erstaunlich, dass in den Diskursen rund um den Islam immer noch so viel Unwissenheit und Unkenntnis herrscht, ob- wohl nunmehr seit Jahrzehnten der Islam immer wieder Ge- genstand kontrovers geführter Debatten ist. Vielfach zeigt sich, welche vereinfachten und auf einfachen Vorurteilen beruhen- de Vorstellungen kursieren und dass die Kenntnisse oftmals nicht über rudimentäres Halbwissen hinausreichen. Dabei ist es sehr einfach, sich einen Einblick in die wesentlichen Lehren des Islam zu verschaffen. Kurze Einführungen in die zweit- größte Weltreligion können schnell einen Überblick geben und dadurch viele Vorurteile abbauen und zu einem besseren Ver- ständnis füreinander beitragen.

Hiermit liegt uns eine derartige kurze Einführung vor. In etwas mehr als hundert kurzen Kapiteln kann der Leser einen Über- blick über die Grundzüge der zurzeit am stärksten diskutierten Religion der Welt gewinnen. Erläutert werden unter anderem die Glaubensartikel der Muslime, die Bedeutsamkeit und der historische Hintergrund der Quellen des Islam (wie zum Bei- spiel der Heilige Qurʾan), die Person des Gründers des Islam, der Heilige Prophet MuhammadSAW, die Auffassungen über die Propheten der anderen Religionen, die Vorstellung über das Leben nach dem Tod, die Frage nach den Geboten und Ver- boten im Islam, wie zum Beispiel dem Alkohol- und Schwei- nefleischverbot, oder auch die obligatorischen Gottesdienste für Muslime: das Ritualgebet, die Armensteuer, das Fasten im Monat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka. Daneben gibt das Buch auch einen Einblick in islamische Konzepte der Ge- sellschaftsordnung und Lebensführung, unter anderem wird das Frauenbild im Islam erörtert und die Stellung der Ehe the- matisiert. Zu einer Einführung in den Islam für unsere heutige Zeit ist es unabdingbar auch auf das islamische Konzept des

Vorwort

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Mahdis und Messias einzugehen, einer von Gott rechtgeleite- ten prophetischen Person, die in der Endzeit zur Reformierung der Menschheit in Erscheinung tritt, ihr den Weg zu Gott weist und so die Erde in ein goldenes Zeitalter führt. Ebendies wird thematisiert, wenn auf den islamischen Messias und Reformer Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS eingegangen wird, der zum Ende des 19. Jahrhunderts in Qadian, Indien, die islamische Re- formgemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat ins Leben rief und als Prophet der Endzeit und als Beglaubigung des Heiligen Propheten MuhammadSAW einen unverstellten und klaren Blick auf die Lehren des Islam ermöglicht hat. Insofern bietet diese Einführung in den Islam einen Einblick in die progressivste und theologisch fundierteste Form des Islam; ja, in den wahren Islam selbst.


Bei dieser Ausgabe handelt es sich um die dritte Auflage der von Hadayatullah Hübsch 1980 aus dem Englischen ins Deut- sche übertragenen Übersetzung. Es wurden nur einige wenige inhaltliche Korrekturen vorgenommen, ansonsten handelt es sich um den gleichen Text wie in den Ausgaben zuvor. Für die- se Ausgabe ist folgenden Personen zu danken: Nabeel Ahmed Shad, Hasanat Ahmad, Safeer-ur-Rahman Nasir, Tariq Hübsch und Qamar Mahmood. Möge Allah sie für ihre Bemühungen segnen.


Mubarak Ahmad Tanveer Publikationsabteilung Ahmadiyya Muslim Jamaat Frankfurt am Main im Frühling 2016


Islam –

Idee und Praxis

مِ یح

َرلانِ مٰ ح

َرلاہ

لٰ لامِ س

بِ 1


  1. Die Lehren und das Glaubensbekenntnis des Islams


    Der Name der Religion, die vom Heiligen Propheten Muhammad- SAW gebracht worden ist, lautet „Islam“ und nicht „Muhamma- danismus“, wie sie im Westen oftmals fälschlicherweise genannt wird. Der Name „Islam“ ist von Gott Selbst gegeben worden, wie es im Qurʾan zu lesen steht:

    ؕانً ۡید

    ماَلس

    ِاۡلام

    کُ َلت

    یضرَ وی

    تمَ عۡ ِنمک

    یلَ عت

    مۡ مَ ۡتَاو

    مکن

    ۡید

    مکُ َلت

    لۡ مَ ۡکَامَ ۡویَ ۡلَا


    „Heute habe Ich eure Glaubenslehre für euch vollendet und Meine Gnade an euch erfüllt und euch den Islam zum Bekenntnis erwählt.“ (5:4)


    und:

    ماَلس

    ِاۡلاہ

    لٰ لاد

    نعن

    ۡید

    لاناِ


    „Wahrlich, die wahre Religion vor Allah ist Islam.“ (3:20)


    Seiner Wurzel nach heißt das Wort „Islam“: Frieden und Un- terwerfung. Dies wird so interpretiert, dass man Frieden durch Unterwerfung unter den Willen Gottes erlangen kann, was be- deutet, Frieden zu finden durch Übereinstimmung mit dem göttlichen Gesetz und unter göttlicher Führung. Nach islami- schem Konzept beschließt das götliche Gesetz alle Gesetze, die das Universum regieren und regulieren. Frieden und Ordnung



    image

    1 „Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.“

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    werden als wesentliche Voraussetzungen für den materiellen, moralischen und geistigen Fortschritt betrachtet.

    Die gesamte Religion des Islams kann in den zwei kurzen Sät- zen seines Glaubensbekenntnisses zusammengefaßt werden.

    Es lautet:

    ہلٰ لااَّلاِ ہ

    ٰلاِ ۤاَل


    Lā ilāha illallāh, d. h.: Nichts hat einen Anspruch darauf, ein Ziel der Liebe und Verehrung zu sein mit Ausnahme Allahs,

    ہلٰ لال

    ۡوس

    رَ د

    مَّ حم


    Muḥammadun r-rasūlullāh, d. h.: Muhammad ist der Gesandte Allahs, das hervorragendste Vorbild für die Menschheit.


    Ein Mensch, der die Wahrheit dieser beiden Lehrsätze bezeugt, betritt die Gemeinschaft des Islams und wird Muslim. Nach der Bedeutung des Wortes „Islam” ist ein Mensch, der sich selbst ganz dem Willen Gottes unterordnet, ein Muslim. Jesus Chris- tus, auf dem Friede sei, war in diesem Sinne ein Muslim – er verkündete immer den Willen Gottes.


    Die Glaubensartikel sind:


    1. An Allah, den Einen Gott,

    2. an Seine Engel,

    3. an Seine Bücher,

    4. an Seine Gesandten,

    5. an das Jüngste Gericht oder das Leben nach dem Tode und


    6. an Gottes Bestimmung des Guten und an Seine Bestim- mung des Bösen zu glauben.


  2. Die Gebote, die man annehmen und nach denen man handeln soll


    Um eine umfassende Darstellung der Lehren des Islams zu ge- ben, sollten wir uns nun mit den wohlbekannten 6 Glaubens- artikeln und den 5 Pfeilern, auf die sich der Islam stützt, einge- hend beschäftigen.


    Es ist so zu verstehen, dass sich die Religion des Islams aus zwei Teilen zusammensetzt, der Theorie, oder den Glaubensar- tikeln und der Praxis. Die Beziehung des zuletzt genannten zu dem zuerst genannten ist zu verstehen wie die Beziehung der Zweige zu ihrer Wurzel. Somit bedeutet Glaube in Wirklich- keit die Annahme eines Grundsatzes als Basis für Handlungen. Deswegen sind die Glaubensartikel nicht blosse Dogmen oder Lehrmeinungen, die keine Handlung erfordern; denn jeder Glaubensartikel beinhaltet einen Grundsatz, der in die Praxis umgesetzt werden soll.


  3. Die fünf Pfeiler des Islams


    Die fünf Pfeiler der Pflichten im Islam sind:

    ماقَ ِإوَ ،ہِ لٰ لالْوسُ رَّ ادمَّ حمنَّ َأوَ ہُ لٰ لااَّلاِ ہٰلِإاَّلن

    َأةِ داهَ شس

    مْ خیلَ عماَلسْ إِ ْلاَينبُِ

    یلَّ صَ يِّ بِ نّ لالِ ْوقَ وَ نامَ ْیإِ ْلاباَب،یراخبحیحص( ناضَ مرَ مِ ْوصَ وَ ،جِ حْلاوَ ،ةاَكزّ لاءاتَ ْیِإوَ ،ةاَلصّ لا

    )سمْ خَ یلَ عَ مُ َالسْ إِ ْلاَيِنُب مَ لَّ سَ وَ ہِ یْ لَ عَ ہُ َللا


    1. Zu bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Allah und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.

    2. Die täglichen Gebete zu verrichten (ṣalāt).

    3. Die Zakat (Armensteuer) zu entrichten.

    4. Die Pilgerfahrt zu vollziehen (wenn die Voraussetzungen erfüllt sind).

    5. Im Monat Ramadan zu fasten. (Buḫārī 2:1)

      ہِ لٰ لال

      ۡوسُ رَّ د

      مَّ حم

      ہُ لٰ لااَّلاِ ہ

      ٰلاِ ۤاَل


      „Es gibt keinen Gott außer Allah und Muhammad ist der Gesandte Allahs“


      Dieser Satz als ein Pfeiler der Pflichten im Islam hat seine Be- deutung als Glaubensbekenntnis. Die gesamte Religion des Is- lams ist kurz in diesen zwei Sätzen zusammengefasst. Lā ilāha illallāh, d. h. es gibt keinen Gott außer Allah, oder, dass nichts verdient, Gegenstand der Liebe und Verehrung zu sein mit Ausnahme Allahs; muḥammadun r-rasūlullāh, d. h. Muhammad ist der Gesandte Allahs. Ein Mensch betritt die Gemeinde des Islams, indem er Zeugnis der Wahrheit dieser beiden Sätze des islamischen Glaubensbekenntnisses ablegt und somit sich dem Gesetz Gottes unterwirft.


  4. Die Quellen des Islams


Die ursprüngliche Quelle, aus der alle Lehren und Grundbe- griffe des Islams sich herleiten, ist der Heilige Qurʾan.

Man kann sagen, dass es vier Quellen gibt:


  1. Den Qurʾan;

  2. Sunna und Hadith, d. h. die Gewohnheiten der frühen is- lamischen Gemeinschaft und die Überlieferungen von Worten und Taten des Heiligen Propheten Hadhrat Mu- hammadSAW des Islams;

  3. Iǧmāʿ, d. h. die einhellige Übereinstimmung der muslimi- schen Gemeinschaft zu einer bestimmten Frage;

  4. Qiyās, oder der Analogieschluss, der auf vernunftgemäßen Argumenten und deren Anwendung beruht.


    Die beiden zuletzt angeführten Quellen iǧmāʿ und qiyās, müs- sen anerkanntermaßen auf der Grundlage des Qurʾans stehen. Die letztere ist zudem nur eine Wissenschaft der Erkärung und Auslegung des Qurʾans, der selbst immer die wahre und wirk- liche Grundlage bleibt, auf der die gesamte Struktur des Islams beruht. Und weil der Qurʾan einzige, absolute und abschließen- de Grundlage und Führung in jeder Erörterung ist, die sich mit den Prinzipien und Gesetzen des Islams beschäftigt, ist er auch die alleinige Quelle, aus der alle Lehren des Islams und die Lebensgewohnheiten der Muslime ihre geistige Nahrung schöpfen.


  5. Der Qurʾan


    Der Qurʾan ist die Niederschrift der wörtlichen Offenbarun- gen, die Gott Seinem Gesandten, dem Propheten Hadhrat Mu- hammadSAW, während eines Zeitraums von ungefähr 22 Jahren (von 610-632 n. Chr.) gewährte. So heißt es im Qurʾan:

    رَ فَّ کَ ۙمۡ هِ بِّ رَّ ن

    مقُّ ح

    ۡلاَوہ

    وَّ د

    مَّ حمیلٰ عل

    زِّ ُنامَ بِ اۡونُ ماٰ وَ ت

    حٰ لِ صٰ لااْولُ مِ ع

    وَ اۡونُ م

    اٰ ن

    ۡیذِ َّلاو

    ﴾۳﴿مۡ هُ َلاَبح

    لَ صۡ َاو مۡ هِ تِ اٰ یِّ س

    مۡ هُ نۡ ع


    „Die aber gläubig sind und gute Werke tun und an das glauben, was auf Muhammad herabgesandt ward – und es ist die Wahrheit von ihrem Herrn – denen nimmt Er ihre Sünden hinweg und bessert ihren Stand.“ (47:3)


    Der Qurʾan ist somit das reine Wort Gottes, das Er in den Mund des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW gelegt hat. Demzufolge beginnt jede Sura des Qurʾans (mit Ausnahme der 9. Sura, die eine Fortsetzung der 8. Sura ist) mit dem Vers:

    مِ یۡ حَرلانِ مٰ حۡ َرلاہِ لٰ لامِ سب

    „Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.“


    Dadurch wurden Prophezeiungen aus dem Alten wie auch aus dem Neuen Testament erfüllt. So zum Beispiel:


    „Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und Meine Worte in seinen Mund geben; der soll zu ihnen reden alles, was Ich ihm gebieten wer- de. Und wer Meine Worte nicht hören wird, von dem will


    Ich’s fordern. Doch wenn ein Prophet vermessen ist, zu reden in Meinem Namen, was Ich ihm nicht geboten habe zu reden, und wenn einer redet in dem Namen anderer Götter, derselbe Prophet soll sterben.“ (5. Moses 18:18-20)


    „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch ver- kündigen.“ (Johannes 16:13)


    Die Botschaft des Qurʾans ist allumfassend. Er bestätigt die Wahrheit aller vorausgegangenen Offenbarungen und die Rechtschaffenheit aller Propheten. Wir lesen:

    وَ بۡوُقعۡ َیوَ ق

    حٰ سۡ اِ وَ لیۡ عِ مٰ سۡ اِ و

    مَ ہٖ رٰ بۡ اِ یٰۤلاِ لزِ ۡنُاۤام

    وَ انَ یۡ َلاِ لزِ ۡنُاۤام

    وَ ہِ لٰ لابِ انَّ ماٰ اۡۤوُلۡوق

    دحَ َان

    ۡیَبقُ رِّ فَ ُناَل ۚمۡ هِ بِّ رَّ ن

    منۡویُّ بِ نّ لایتِ وۡ ُاۤام

    وَ یسٰ یۡ عوَ یسٰ ۡوم

    یتِ وۡ ُاۤاموَ طابَ سۡ َاۡلا

    ﴾۱۳۷﴿نۡومُ لِ سمہٗ َلن

    حۡ َنوَ ۫ۖمۡ هُ نۡ مِ


    „Sprecht: Wir glauben an Allah und was zu uns herabge- sandt ward und was herabgesandt worden ist Hadhrat AbrahamAS und zu Ismael und Isaak und Jakob und (seinen) Kindern, und was gegeben ward (allen anderen) Propheten von ihrem Herrn. Wir machen keinen Unter- schied zwischen ihnen; und Ihm ergeben wir uns.“ (2:137)

    ﴾۵﴿نۡونُ ِقۡوُیمۡ ہةِ رَ خِ اٰ ۡلابِ وَ ۚکلِ بۡ قَ نملزِ ۡنُاۤاموَ کیۡ َلاِ لزِ ۡنُا ۤامَ بِ نۡونُ مِ ؤۡ ُینۡیذِ َّلاو


    „Und die glauben an das, was dir offenbart ward, und an das, was vor dir offenbart worden ist und fest auf das bau- en, was kommen wird.“ (2:5)


    Und damit niemand dadurch in die Irre geführt wird, dass im Qurʾan nur einige wenige Namen aus der Vielzahl der Proph- eten Gottes erwähnt werden, ist folgender Vers zu lesen:

    ۔ؕکیۡ لَ عصۡ صُ قۡ َنمۡ َّلنمَ مۡ هُ نۡ موَ کیۡ لَ عانَ صۡ صَ ق نمَ مۡ هُ نۡ مکلِ بۡ قَ نمِ اًلسُ رُ انَ لۡ سَ رۡ َادَقَلو


    „Sicherlich entsandten Wir schon Gesandte vor dir; dar- unter sind manche, von denen Wir dir bereits erzählten, und es sind darunter manche, von denen Wir dir noch nicht erzählten.“ (40:79)


    Somit anerkennt der Qurʾan die Wahrheit aller heiligen Schrif- ten der ganzen Welt, und von nun an wird immer wieder von ihm als einem Buch gesprochen, das die Wahrheiten, die vor ihm herabgesandt wurden, gutheißt und bestätigt. In seinem Verhältnis zu anderen heiligen Schriften fußt der Qurʾan deswe- gen auf der Grundlage, dass sie alle Angehörigen derselben Fa- milie sind; sie alle haben nämlich göttlichen Ursprung. Und es muss klar gesagt werden, dass der Qurʾan alle Offenbarungen, die Gott seinen Propheten gewährt hat, in ihrer ursprünglichen Form anerkennt, wie die folgenden Verse zeigen:

    وَ اوۡ داہن

    ۡیذ

    لَّ ِلاۡومُ لَ سۡ َان

    ۡیذِ َّلان

    ۡویُّ بِ نّ لااهَ بِ مُ کُ حَیۚرٌ ۡوُنوَّ یدہ

    اهَ یۡ ِفۃىرٰ ۡوتّ لاانَ ۡلزَ ۡنَا ۤاَّنا

    رابَ حۡ َاۡلاوَ نۡویُّ نِ بّٰ َرلا

    „Wir hatten die Thora hinabgesandt, in der Führung und Licht war. Damit hatten die Propheten, die gehorsam wa- ren, den Juden Recht gesprochen, und so auch die Wissen-

    den und die Gelehrten.“ (5:45)

    لیۡ جِ ۡنِاۡلاہنٰ یۡ َتاٰ وَ ۪ۃىرٰ ۡوتّ لانمہِ ۡیدَینۡیَبامَ ِّلاقً دِّ صَ ممَ َیرۡ منِ بایسیۡ عِ ِبم مۡ ہِ ِراَثاٰ یلٰۤ عانَ یۡ فَّ قَ و

    ﴾۴۷﴿نۡیقِ تَّ مُ لۡ ِّل ۃً ظَ عِ ۡوموَّ یدہوَ ۃىرٰ ۡوتّ لانمہِ ۡیدَی نۡیَبامَ ِّلاقً دِّ صَ موَّ ۙرٌ ۡوُنوَّ یدہہِ یۡ ِف


    „Wir ließen Jesus, den Sohn der Maria, in ihren Spuren folgen, zur Erfüllung dessen, was schon vor ihm in der Thora war; und Wir gaben ihm das Evangelium, worin Führung und Licht war, zur Erfüllung dessen, was schon vor ihm in der Thora war, eine Führung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen.“ (5:47).


    Evangelium bedeutet hier die Offenbarungen, die auf Jesus he- rabkamen, und nicht die Bücher, die wir gemeinhin unter die- sem Namen vorfinden.

    Das Verhältnis nun, in dem der Qurʾan zu allen früheren hei- ligen Schriften steht, ist deutlich gemacht worden durch ihn selbst.

    ۔ہِ یۡ لَ ع

    انً مِ یۡ هَ م

    وَ ب

    تٰ کِ ۡلان

    مہِ ۡید

    َین

    ۡیَبامَ ِّلاقً دِ

    صَ م

    قِّ ح

    ۡلابِ ب

    تٰ کِ ۡلاک

    یۡ َلاِ ۤانَ ۡلزَ ۡنَاو

    „Wir haben dir das Buch hinabgesandt mit der Wahrheit, als Erfüllung dessen, was schon in dem Buche war, und als Wächter darüber.“ (5:49)


    Somit ist der Qurʾan nicht nur Wahrheitsträger der heiligen Bü- cher aller Völker; er ist auch bestellt als ein Wächter über sie. So beschützt er die ursprünglichen Lehren der Heilige Propheten Gottes, denn diese Lehren hatten wesentliche Veränderungen erlitten und nur eine Offenbarung von Gott konnte die reinen göttlichen Lehren wieder herauslösen aus der Vielfalt der Irr- tümer, die inzwischen durch menschliche Einmischung ent- standen waren. Dies war die Aufgabe des Qurʾans; auch des- wegen wird er als Wächter über die früheren heiligen Schriften genannt.


  6. Die Offenbarung des Qurʾans


    Der Heilige Prophet MuhammadSAW erhielt die ersten Offenba- rungen im Alter von 40 Jahren. Von dieser Zeit an erstreckten sie sich über weitere 22 Jahre hin bis zu seinem Tode. Wie wir schon festgestellt haben, ist der Qurʾan die Niederschrift der wörtlichen Offenbarungen, die von dem Engel Gabriel oder dem „Heiligen Geist“ herabgebracht und in Worten dem Pro- pheten übergeben worden sind, der sie seinerseits der Mensch- heit überreichte.

    نمن

    ۡوکُ تَ ِلک

    بِ لۡ قَ یلٰ ع﴾۱۹۴﴿ن

    ۡیمِ َاۡلا حُ وۡ ُرلا ہ

    بِ لزَ َن﴾۱۹۳﴿ن

    ۡیمِ لَ عٰ ۡلا بّ ر ل

    ۡیِزۡنتَ َل ہٗ َّناِ و

    ﴾۱۹۶﴿ن

    ۡیبِ مُ یٍّ بِ رَ َعناس

    لِ بِ ﴾۱۹۵﴿ن

    ۡیِرذ

    نۡ مُ ۡلا

    „Siehe, dies ist eine Offenbarung vom Herrn der Welten. Der Geist, der die Treue hütet, ist mit ihm (dem Qurʾan) hinabgestiegen auf dein Herz, dass du einer der Warner seiest – in deutlicher arabischer Sprache.“ (26:193-196)

    وَ ہ

    ۡید

    َین

    ۡیَبامَ ِّلاقً دِ صم

    ہِ لٰ لانِ ذۡ اِ بِ کبِ لۡ قَ یلٰ عہٗ َلزَّ َنہٗ َّناِ فَ ل

    ۡیِرۡبجِ ِّلاوًّ دع

    ناَكنملق

    ﴾۹۸﴿نۡینِ مِ ؤۡ مُ لۡ ِلیرٰ شۡ ُبوَّ یدہ


    „Sprich: Wer immer Gabriels Feind ist – denn er ist es, der es auf Geheiß Allahs hat herabkommen lassen auf dein Herz, Erfüllung dessen, was vordem war, und Führung und frohe Botschaft den Gläubigen.“ (2:98)

    یرٰ شۡ ُب وَ یدہو اوۡ نُ ماٰ نۡیذِ َّلاتبِّ ثـیُ ِل قِّ حۡلابِ کبِّ رَّ نمسدُقۡلاحُ وۡ ر ہٗ َلزَّ َنلق

    ﴾۱۰۳﴿نۡیمِ لِ سمُ لۡ ِل


    „Sprich: Der Geist der Heiligkeit hat ihn (den Qurʾan) her- abgebracht von deinem Herrn mit der Wahrheit, auf dass Er die festige, die da glauben, und zu einer Führung und einer frohen Botschaft für die Gottergebenen.“ (16:103)


    (Es muss hier angemerkt werden, dass der Qurʾan die Worte

    »Heiliger Geist« und »Gabriel« als miteinander austauschbar ge- braucht. Die Offenbarungen wurden dem Heiligen Propheten MuhammadSAW genauso wie den ProphetenAS vor ihm vom En- gel Gabriel überbracht, der auch »Heiliger Geist« oder der »treue Geist« genannt wird.)


  7. Der Heilige Prophetsaw erhält die erste Offenbarung


    Als der Heilige ProphetSAW etwa 30 Jahre alt war, nahmen sei- ne Liebe zu Gott und der Wunsch, Ihn zu verehren, mehr und mehr zu und ergriffen Besitz von ihm. Er sah, dass alles, was um ihn herum geschah, vollständig zu Verfall, Verderbtheit und Irreführung hinleitete. Jedes Jahr nun, im Monat Ramadan, sonderte er sich von der Menge ab und hielt sich in einer Höh- le des ḥirāʾ-Gebirges auf, das ungefähr 3 Kilometer von Mek- ka entfernt liegt. Dort suchte er durch Gebete und Meditation Führung von Gott dem Allmächtigen Selbst. Nach einigen Jah- ren, die er zeitweils auf diese Weise in Meditation verbrachte, erschienen ihm in seinen Träumen Visionen, die später erfüllt wurden. Als er 40 Jahre alt war, erhielt er eine Vision in eben dieser Höhle des ḥirāʾ-Gebirges. Ein Engel erschien ihm mit ei- nem Buch in der Hand und befahl ihm zu lesen. Der Heilige ProphetSAW antwortete, dass er nicht lesen könne. Da rezitierte der Engel die Verse:

    یذِ َّلا﴾۴﴿مُ رَ ۡکَاۡلاک

    ُبّ رَ وَ ۡارَ ۡقاِ ﴾۳﴿قلَ ع

    نمناسَ ۡنِاۡلاقلَ خ﴾۲﴿قلَ خی

    ذِ َّلاک

    بِّ رَ مِ سابِ ۡارَ ۡقا

    ﴾۶﴿مۡ لَ عۡ َی مۡ َلام

    ناسَ ۡنِاۡلامَ لَّ ع﴾۵﴿مِ لَ َقۡلابِ مَ لَّ ع

    „Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf, erschuf den Menschen aus einem Klumpen Blut. Lies! Denn dein Herr ist der Allgütige, Der (den Menschen) lehrte durch die Fe- der, den Menschen lehrte, was er nicht wusste.“ (96:2-6)


    Der Heilige ProphetSAW wiederholte diese Verse, die sich ihm in sein Herz einprägten; dann verschwand der Engel. Als der Hei- lige ProphetSAW diese Offenbarung erhielt, wurde er von Furcht erfüllt wegen der großen Verantwortung, die durch Gottes Beschluss auf seine Schultern gelegt worden war. Tief bewegt von diesem eindringlichen Erlebnis ging er nach Hause; sein Gesicht war gezeichnet von diesem Ereignis, so dass seine Gat- tin Khadija ihn fragte, was vorgefallen sei. Er erzählte ihr das ganze Geschehnis und fasste dann seine Befürchtungen in den Worten zusammen: „Oh, schwacher Mann, der ich bin, wie kann ich die Verantwortung tragen, die nach Gottes Ratschluss auf meine Schultern gelegt worden ist.“

    Khadija erwiderte daraufhin sofort:

    ،مَ وْ د

    عْ مَ ْلابسکْ َتوَ ،لَ َكْلالمِ حَتوَ ،مَ حَرلالصتَ َلک

    َّنِإ،ادَبَأہُ لٰ لاک

    ْیزخْ ُیام

    ہِ لٰ لاوَ اَّلَك

    ناَكف

    یْ کَ باَبَ،يِ حْ َوْلاءِ دْ َبباتَ ِک،یراخبحیحص(۔قِّ حْلابِئاوََ نیلَ عنیعِ ُتوَ ،فیْ ضّ لايرِ قْ َتو

    َ لَّ سَ وَ ہِ یْ لَ عَ ہُ َللایلَّ صَ ہِ َللالوسُ رَ یَلِإيِ حْ َوْلاءُ دْ َب

    „Gott Selbst ist Zeuge; Er hat diese Worte nicht zu dir he- rabgesandt, damit du fehlgehen solltest und dich ihrer


    unwürdig erwiesest und dass Er dich dann fallen ließe. Wie könnte Gott so etwas tun, wo du doch freundlich und rücksichtsvoll gegenüber deinen Verwandten bist, den Armen und Einsamen hilfst und ihre Bürden trägst. Du erneuerst doch die Tugenden, die in unserem Land fast verschwunden sind. Du behandelst deine Gäste mit Ehre und hilfst denjenigen, die in Bedrängnis geraten sind. Könntest du von Gott irgendeiner Heimsuchung unter- worfen sein?“ (Buḫārī, Kitāb badʾu l-waḥy, Bāb kaifa kāna badʾu l-waḥy ilā rasūlillāh )


    Nachdem sie dies gesagt hatte, nahm Khadija den Heiligen Propheten MuhammadSAW und ging mit ihm zu ihrem Vetter Warqa bin Naufal. Dieser sagte, nachdem er das Vorgefallene erfahren hatte: „Ich bin sicher, dass der Engel, der Moses erschienen ist, ebenso auch dir erschienen ist.“ (Buḫārī)


  8. Die Zusammenstellung des Heiligen Qurʾans


    Die Offenbarung des Heiligen Qurʾans dauerte von der Offenba- rung der ersten Verse in der Höhle des ḥirāʾ-Gebirges bis kurz vor dem Tode des Heiligen Propheten Hadhrat Muhammad- SAW. Die Zeitspanne, während der der gesamte Qurʾan offenbart worden war, beträgt somit 22 Jahre. Anfangs kamen die Of- fenbarungen in unregelmäßigen Abständen und in begrenzter Länge; nach und nach aber wuchsen sie an, sowohl was den Umfang als auch was die Häufigkeit ihres Erscheinens betraf, bis sie schließlich in den letzten Jahren seines Lebens zu einem nahezu ununterbrochenen Strom anschwollen. Obwohl der Qurʾan in einzelnen Abschnitten offenbart worden war, ist es ein Fehler anzunehmen, dass er lange in bruchstückhafter Ver- fassung blieb. Jeder einzelne Vers und sogar jeder Teil eines


    Verses und jedes einzelne Kapitel, das offenbart wurde, hatte seinen eigenen, ihm bestimmten Platz in diesem Heiligen Buch.

    Wir lesen:

    ْ ْ َ

    ْ َ ْ َ َ َ

    ْ َ ُ َ

    َ ُ َ

    بتکیناكنمضعبوعَ دیفتایآلاہَِ یْ لعلَ ِزنیامم

    ملسوہیلعہللایلصيبِ نلاناك

    باتک،دوؤاديبأننس( اذکوَ اذکاهَ یْ ِفرُ کذُیيتِّ لاةِ روسلايِ فۃَ َیآْلاهِ ذہعضَ :ہُ َللْوُقَیوَ ہُ َل

    )اهَ بِ َرهَ جَ نْ مَ باَب،ةالصلا

    „Es war ein Brauch des Gesandten Allahs, dass, wenn Ab- schnitte der verschiedenen Kapitel ihm offenbart worden waren, er einen derjenigen Gefährten rief, die gewöhnli- cherweise den Qurʾan aufschrieben, und dass er zu jenem sagte: Schreibe diesen Vers in das Kapitel, wo diese und jene Verse vorkommen.“(Sunan Abī Dāwūd, Kitāb aṣ-ṣalāt, Bāb man ǧahara bihā)


    Es ist bekannt, dass eine Anzahl von Menschen vom Prophe- ten für diesen Zweck beschäftigt wurden. Von diesen Perso- nen sind 15 in den Überlieferungen erwähnt, darunter Zaid bin Thabit, Ubaiy ibn Kaʿb, Abdullah bin Rawaha, Abu Bakr, Umar, Ali und Usman. Viele Gefährten lernten die offenbarten Verse und Kapitel auswendig. Somit ruhte der Qurʾan in vollständi- ger und vorgeschriebener Form im Gedächtnis der Gefährten zu Lebzeiten des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW. Aber es gab zu dieser Zeit noch kein vollständiges, schriftlich festgehaltenes Exemplar, noch konnte ein solches angefertigt werden, denn noch war ja der Heilige ProphetSAW am Leben und er erhielt ja weiterhin Offenbarungen. Aber der gesamte Qurʾan wurde in der immergleichen Anordnung sorgfältig im Gedächtnis derjenigen Muslims aufbewahrt, die »qurrāʾ« oder

    »Vortragende« genannt wurden.


  9. Der Qurʾan wird zu einer Ausgabe zusammengefasst


    Kurz nach dem Tode des Heiligen Propheten Hadhrat Mu- hammadSAW, unter dem Kalifat von Hadhrat Abu BakrRA, als Musailima den Muslimen den Krieg erklärte und an der Spitze von 100.000 schwerbewaffneten Soldaten gegen Medina mar- schierte, sandte Hadhrat Abu BakrRA als Oberbefehlshaber von

    13.000 muslimischen Soldaten Hadhrat Khalid bin WalidRA, um Musailima entgegenzutreten. Unter diesen 13.000 Männern be- fanden sich dreitausend »qurrāʾ« oder »Vortragende«, die den ganzen Qurʾan auswendig wussten. Nun geschah es, dass 500 von ihnen in dieser Schlacht fielen, und auf Grund dieser be- trüblichen Tatsache schilderte Hadhrat UmarRA dem Kalifen Hadhrat Abu BakrRA mit drängender Betonung die Notwendig- keit, ein für gültig erklärtes Exemplar des Qurʾans zusammenzu- fassen, damit nicht auch nur ein Bruchteil des Qurʾans verloren ginge sogar für den Fall, dass alle, die den Qurʾan auswendig wussten, sterben sollten. Zuerst hatte Hadhrat Abu BakrRA Ein- wendungen dagegen vorzubringen, schließlich aber nahm er den Vorschlag Hadhrat UmarsRA an und beauftragte Hadhrat Zaid bin ThabitRA, der einer der Männer war, die auf Geheiß des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW den Qurʾan niederzuschreiben pflegten, den Wortlaut des Qurʾans zu- sammenzustellen; einige bekannte Gefährten des Heiligen Pro- pheten Hadhrat MuhammadSAW wurden zudem unterwiesen, Hadhrat Zaid bin ThabitRA bei seiner Aufgabe zu unterstützen. Hadhrat Abu BakrRA ordnete an, dass der Wortlaut des Qurʾans gesammelt werden sollte auf Grund der niedergeschriebenen Bruchstücke und dass die Genauigkeit des Wortlauts von zwei Muslimen, die den ganzen Qurʾan auswendig wussten, bestä- tigt werden sollte. Diese Aufgabe wurde bald vollendet und


    somit war ein anerkanntes, aufgezeichnetes Exemplar angefer- tigt worden, das der Sorgfalt von Hadhrat HafsaRA, einer Gattin des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW und Tochter Hadhrat UmarsRA, anvertraut wurde. (Buḫārī)


  10. Einheitliche Abschriften des Qurʾans


    Während der Regierungszeit des Kalifen Hadhrat UsmanRA, un- gefähr 14 Jahre nach dem Tode des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW, begannen Klagen darüber laut zu werden, dass verschiedene arabische Stämme bestimmte Worte des Qurʾans auf die ihnen eigene Art und Weise auszusprechen pflegten, und als Ergebnis dieses Umstandes geschah es, dass Nicht- Muslime, die diese Worte verschiedenartig ausgesprochen hör- ten, dem Missverständnis anheimfielen, dass es Unterschiede im Wortlaut des Qurʾans gäbe. Hier nun ein Bericht darüber, was damals geschehen ist:


    Hadhrat AnasRA, der Sohn von Mālik, berichtet, dass Hadhrat ḤuḏaifaRA, der zusammen mit dem Volk von Syrien gekämpft hatte, um Armenien zu besiegen, und der auch mit dem Volk von Irak in Aserbaidschan gekämpft hatte, zu Hadhrat Usman- RA kam und bestürzt war über die Veränderungen in der Art und Weise, wie sie den Qurʾan lasen; und so sagte er zu Hadhrat UsmanRA: „O du Befehlshaber der Gläubigen, halte diese Leute von ihrem Tun ab, bevor sie Unterschiede in das Heilige Buch hineinle- gen, so wie die Juden und Christen in ihren Schriften unterscheidende Veränderungen zugelassen haben.“ Hadhrat UsmanRA sandte dar- aufhin eine Nachricht zu Hadhrat HafsaRA und bat sie, ihm den Qurʾan, der in ihrem Besitz war, zu übersenden, damit er weite- re Abschriften von ihm anfertigen lassen könne. Danach würde


    er das originale Exemplar wieder zurückschicken. Demzufolge sandte Hadhrat HafsaRA ihr Exemplar zu Hadhrat UsmanRA, der Hadhrat Zaid bin ThabitRA und Hadhrat Abdullah ibn ZubairRA und Hadhrat Saʿīd ibn al-ʿĀṣra und Hadhrat ‚Abdur Rahman ibn Harith ibn HishamRA damit beauftragte, Abschriften vom Ori- ginal anzufertigen. Hadhrat UsmanRA sagte auch zu den drei Männern, die dem Stamm der Quraisch angehörten (Hadhrat ZaidRA war ein Mediner): „Wo ihr anderer Meinung seid als Zaid in irgendeiner Angelegenheit, die den Qurʾan betrifft, so schreibt das be- treffende Wort in der Sprache der Quraisch, denn es ist die Sprache, in der er offenbart worden ist.“ Sie gehorchten diesen Anordnungen und als sie die gewünschte Anzahl von Abschriften angefer- tigt hatten, sandte Hadhrat UsmanRA das Original an Hadhrat HafsaRA zurück und schickte in alle Himmelsrichtungen eine der kopierten Abschriften. Zudem befahl er, dass alle anderen Kopien oder Blätter, auf denen der Qurʾan aufgeschrieben war, verbrannt werden sollten. (Buḫārī)


    Auf die Frage, welcher Art die festgestellten Unterscheidun- gen waren, wird von Tirmiḏī etwas Licht geworfen, der diesem Bericht folgende Erzählung hinzufügte: „Es ergab sich, dass sie verschiedener Meinung waren über die Frage, ob es tābūtoder tābūheißen sollte. Die vom Stamm der Quraisch sagten, dass es tābūthei- ßen müsse und Zaid sagte, es hieße tābū‘. Diese Meinungsverschie- denheit wurde Usman überbracht, und er entschied, dass sie ‚tābūt‘ schreiben sollten und fügte erklärend hinzu, dass der Qurʾan im Dia- lekt der Quraisch offenbart worden sei.«

    Somit befahl Hadhrat UsmanRA, Abschriften von jenem Origi- nal des Qurʾans herzustellen, das als Richtschnur diente, weil es unter der Leitung von Hadhrat Abu BakrRA nach dem Ma- nuskript angefertigt worden war, das in Anwesenheit des Hei-


    ligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW selbst geschrieben worden war, Abschriften, die in ihrer Anordnung der einzel- nen Kapitel denjenigen Vorbildern nacheiferten, die in ihrem Vortrag des Qurʾans direkt der Führung des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW folgten. Es kann daher keinen Zweifel mehr daran geben, dass der Wortlaut des Qurʾans, so wie er von Hadhrat UmarRA verbreitet wurde, ganz genau derselbe war wie der, der dem Propheten offenbart worden war. Hadhrat UsmanRA ließ etliche Abschriften von diesem Originaltext an- fertigen und sieben davon in die verschiedenen Teile des mus- limischen Herrschaftsgebietes versenden.

    Diese Abschriften wurden in der Folge so rasch und so häufig vervielfältigt, dass innerhalb sehr kurzer Zeit jeder gebildete Muslim sein eigenes Exemplar des Qurʾans sein eigen nennen konnte, und darüber hinaus sind in jeder der nachfolgenden Generationen Abertausende von Muslime in der Lage gewesen, den gesamten Wortlaut des Qurʾans auswendig einhersagen zu können.


  11. Unterschiede in der Lesart


    Unterschiede in der Lesart des Qurʾans waren das Ergebnis fa- miliärer oder Stammes-Gewohnheiten und – wie auch immer – sie haben nichts zu tun mit irgendeiner Veränderung des ge- samten Wortlauts, noch berühren sie in irgendeiner Form die Bedeutung irgendeines Wortes. Trotzdem dachte Hadhrat Us- manRA, dass es weiser sei, alle Abweichungen zu verbieten, so- gar dann, wenn es nur die Selbstlaute betraf, die im arabischen veränderbar sind, ohne dass damit der Sinn des Wortes geän- dert würde. Der Qurʾan ist in der Mundart des Stammes der Quraisch, der Schriftsprache Arabiens, offenbart worden. Aber


    als gegen Ende des Lebens des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW Menschen aus verschiedensten arabischen Stämmen den Islam annahmen, stellte es sich heraus, dass eini- ge von ihnen gewisse Worte der quraischen Sprechweise nicht aussprechen konnten. Das war der Grund, warum der Heilige PropheteSAW es ihnen gestattete, manche Worte entsprechend der ihnen eigenen Spracheigentümlichkeiten auszusprechen. Diese Erlaubnis aber galt nur zur Erleichterung des öffentlichen Vortrags des Qurʾans. Der niedergeschriebene Qurʾan wurde davon nicht berührt, er war ausschließlich in der Sprache der Quraisch geschrieben.


  12. Merkmale der Lehren des Qurʾans


    Der Qurʾan ist, darüber besteht kein Zweifel, das größte Wun- der, das der Menschheit jemals von Gott anvertraut worden ist. Er ist einzigartig in jeglicher Hinsicht. Die umstürzende Verän- derung, die durch den Qurʾan in die Welt gekommen ist, sucht ihresgleichen. Die Wirkung, die der Qurʾan bei denjenigen er- zielte, die zuerst mit ihm in Berührung kamen, ist wiederum ein Wunder für sich selbst. Noch hinzugefügt zu seiner Wir- kung auf die Herzen der Menschen, ist der Qurʾan durch seinen Reichtum an Gedanken und die Schönheit seines Stils empor- gehoben worden auf einen Rang, den kein anderes Buch jemals erreicht hat und der seine Nachahmung unmöglich macht.

    Er erläutert und erklärt alles, was jetzt oder in der Zukunft not- wendig sein mag für ein vollkommenes, zufriedenstellendes

    und erfülltes Leben.

    ۔نۡیمِ لِ سمُ لۡ ِل یرٰ شۡ ُب وَ ۃً مَ حۡ ر وَ یدہ وَ ءٍ یشلّ ِ ُكِّل انایً َ بۡ تِ بتٰ کِ ۡلاکیۡ لَ عانَ ۡلزَّ َنو


    „Wir haben dir das Buch niedergesandt zur Erklärung al- ler Dinge und als Führung und Barmherzigkeit und frohe Botschaft den Gottergebenen.“ (16:90)


    Er ist bemüht, den Glauben an Gott durch Wiederholung der Zeichen Gottes zu begründen und zu festigen.

    Er trifft Vorsorge für den Wohlstand der Menschheit sowohl was weltliche wie auch sittliche und geistige Angelegenheiten betrifft. Er lehrt uns alles, was notwendig ist für eine gnaden- reiche Regelung des menschlichen Zusammenlebens, und er er- klärt die philosophischen Gedanken, die seine Lehre untermau- ern, so dass auch der Verstand befriedigt wird; und in einer Übereinstimmung aus ganzem Herzen werden wir von dem, was er uns lehrt, überzeugt.

    وَ ب

    تٰ کِ ۡلا مُ هُ مُ لِّ عَ ُی وَ مۡ هِ یۡ ِّکزَ ُی و

    ہٖ تِ یٰ اٰ مۡ هِ یۡ لَ ع

    اۡولُ تۡ َی مۡ هُ نۡ مِ اًلۡوسُ ر ن

    ّیٖ مِّ ُاۡلا یِفث

    عَ َب ی

    ذِ َّلاَوہ

    ﴾۳﴿نۡیبِ مُ

    للٰ ضیفِ َل ل

    بۡ ق نماۡوُناَكن

    اِ وَ ٭ۃَ مَ کۡ حِ ۡلا


    „Er ist es, der unter den Analphabeten einen Gesandten erweckt hat aus ihrer Mitte, ihnen Seine Zeichen vorzu- tragen und sie zu reinigen und sie die Schrift und die Weisheit zu lehren, wiewohl sie zuvor in offenkundigem Irrtum gewesen waren.“ (62:3)


    Er erläutert uns die Bedeutsamkeit, die die Aufrichtung und Aufrechterhaltung einer Verbindung mit Gott darstellt.

    Er zieht unsere Aufmerksamkeit auf die mannigfaltigen Eigen- schaften Gottes und die Wege und Mittel, mit Hilfe derer die Menschheit eine ihr gemäße Vollkommenheit erlangen könnte, wenn der Mensch die göttlichen Eigenschaften in sich selbst wi- derspiegelte.


    Der Qurʾan wiederholt oftmals, wie dringend notwendig es ist, sich und die Umwelt zu betrachten und zu beobachten und zu überlegen, den Verstand zu schulen und sich um Verständnis zu bemühen.

    اوُلوُا ۤاَّلاِ رُ َّکذَّ َیاموَ ؕارً ۡیثِ کَ ارً ۡیخیتِ وۡ ُادَقفَ ۃَ مَ کۡ حِ ۡلاتؤۡ ُیّ نموَ ۚءآشَ َیّ نمۃَ مَ کۡ حِ ۡلایتِ ؤۡ ُی

    ﴾۲۷۰﴿بابَ ۡلَاۡلا

    „Er gewährt Weisheit, wem Er will; Und wem da Weis- heit gewährt ward, dem ward wahrhaftig viel Wertvolles gewährt; niemand aber will es bedenken, außer den mit Verständnis Begabten.“ (2:270)


    Der Qurʾan handelt sehr häufig von den Zeichen Gottes, die Ge- genstand intensiven Nachdenkens und Meditierens über Ereig- nisse und wunderhafte Geschehnisse sind, wie sie im Qurʾan angeführt werden. Dies soll uns befähigen, die Wahrheit zu be- greifen, die Wirkungsweise der Attribute Gottes und Seiner Ge- setze zu verstehen, die geistigen Werte zu erfassen, unser Leben dementsprechend auszurichten, damit alle unsere Handlungen auf jedem Gebiet und in jeder Hinsicht wohltätig werden. Es ist in diesem Sinne gemeint, dass die Führung, die im Qurʾan ent- halten ist, als Heilung und Gnade für all diejenigen beschrieben wird, die ihren Glauben in ihn legen.

    ۔ۙن

    ۡینِ مِ ؤۡ مُ لۡ ِّل ۃٌ مَ حۡ رَ وَّ ءآفَ ش

    َوہام

    نِ اٰرۡ قُ ۡلانمل

    ِزّ َنُنو


    „Wir senden vom Qurʾan (allmählich) das hinab, was Hei- lung ist und Barmherzigkeit für die Gläubigen.“ (17:83)


    Und an anderer Stelle werden wir daran erinnert:

    ۃٌ مَ حۡ رَ وَ


    یدہ

    وَ ِ۬ۙروۡ د

    صّ لایِفامَ ِّلءآفَ شوَ مۡ کُ بِّ رَّ ن

    مِ ۃٌ ظَ عِ ۡومَ

    مۡ کُ ۡتءآج

    دقَ سانّ لااهَ ُیّ َای

    ﴾۵۸﴿ن

    ۡینِ مِ ؤۡ مُ لۡ ِّل


    „O ihr Menschen! Nunmehr ist eine Ermahnung zu euch gekommen von eurem Herrn und eine Heilung für das, was in den Herzen sein mag, und eine Führung und Barm- herzigkeit für die Gläubigen.“ (10:58)


    Der Qurʾan hat es der Menschheit zur eigenen Wahl überlassen, die Wahrheit anzunehmen oder sie abzulehnen. Es wird nicht verlangt, auf der Grundlage von blindem Gehorsam zu glau- ben, vielmehr wird der Mensch zum Glauben eingeladen auf der Grundlage des Verstehens.

    ۔ؕی

    نِ عَ بَ َتانِ م

    و اَنَا ةٍ رَ ۡیص

    َبیلٰ ع

    ۟ؔہِ لٰ لایَلاِ اۤۡوعُ دۡ َا یۤ

    لِ یۡ بِ س

    هٖ ذ

    ہٰ لق

    „Sprich: Das ist mein Weg: Ich rufe zu Allah. Ich und die mir folgen, haben sichere Kenntnis.“ (12:109)

    ﴾۳۰﴿بابَ ۡلَاۡلااوُلوُا رَ َّکذ

    تَ یَ ِل وَ ہٖ تِ یٰ اٰ اوۤۡ ُرَبّ دَ

    یَ ِّل ک

    رَ بٰ مک

    یۡ َلاِ ہ

    نٰ ۡلزَ ۡنَا ب

    تٰ ِک


    „Ein Buch, das Wir zu dir hinabgesandt haben, voll des Segens, auf dass sie seine Verse betrachten mögen und dass die mit Verständnis Begabten ermahnt seien.“ (38:30)


    Im Qurʾan sind zahlreiche Stellen enthalten, die darauf hinwei- sen, dass der Glaube an diese oder jene Religion eigenste An- gelegenheit des betreffenden Menschen ist und dass es jedem


    vollkommen freistehe, zu glauben oder den Glauben zu ver- neinen.

    ۔ۙرۡ فُ کۡ یَ لۡ ف

    ءآشنم

    وَّ ن

    مِ ؤۡ یُ لۡ فَ ءَ آشن

    مَ فَ ۟مۡ کُ بِّ رَّ ن

    مقُّ ح

    ۡلال

    قُ و


    „Und sprich: Die Wahrheit ist es von eurem Herrn: darum lass den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will.“ (18:30)


    Natürlich aber ist es so, dass, obwohl die eigentliche Wahl frei ist, die Folgerungen der Wahl in Übereinstimmung mit den göttlichen Gesetzen stehen, so dass es, wenn ein Mensch die Wahrheit annimmt, zu seinem eigenen Nutzen ist, gleichwie es zu seinem eigenen Schaden ist, wenn er im Irrtum verharrt.

    Es ist bisweilen gesagt worden, dass der Glaube an göttliche Offenbarungen und die Annahme der offenbarten Wahrheit zu verstandsgemäßer Starrheit und Engstirnigkeit führt. In der Tat ist es so, dass Offenbarungen den Verstand anstacheln und denkbar viele neue Wege des Geistes eröffnen, um Forschung und Erweiterung des Wissens zu ermöglichen. Die Geschich- te liefert den unumstößlichen Beweis hierfür. Der Qurʾan fand die Araber als Anbeter von Götzenbildern, Steinen und Bäu- men, doch innerhalb weniger als eines viertel Jahrhunderts be- herrschte die Verehrung des Einen Gottes das ganze Land. Der Götzendienst wurde von einem bis zum anderen Ende des Lan- des ausgelöscht. Der Qurʾan fegte allen Aberglauben hinweg und setzte an dessen Stelle den vernunftgemäßesten Glauben, den die Welt sich vorstellen kann.

    Der menschliche Verstand, der für einige Jahrhunderte nahezu in Untätigkeit eingefroren war, erfuhr eine plötzliche Befreiung und einen Anstieg seiner Nutzbarkeit, so dass die Welt Ze-


    uge einer verblüffenden, umstürzenden Entwicklung wurde. So änderte der Qurʾan den Verlauf der Geschichte. Er riss die Türen des Wissens weit auf und verbreitete Fortschritt in allen Richtungen. Es leuchtet also ein, dass der Qurʾan als ein Buch beschrieben wurde, das Licht und Klarheit in sich trägt.

    اۡوفُ عۡ َیوَ ب

    تٰ کِ ۡلان

    منۡوفُ خ

    ُتمۡ تُ نۡ کُ امَّ مِ ارً ۡیثِ کَ مۡ کُ َلن

    ّیِ بَ ُیانَ ُلۡوسُ ر مۡ ُکءآج

    دقَ بتٰ کِ ۡلالہۡ َای

    ہٗ َناَوضۡ ِرع

    بَ َتانِ م

    ہُ لٰ لاہبِ یدهۡ َیّ ﴾۱۶﴿ن

    ۡیبِ مُ بتٰ ِکوَّ رٌ ۡوُن ہِ لٰ لانمِ

    مۡ ُکءآجدقَ ۬ؕرٍ ۡیثِ کَ نع

    ﴾۱۷﴿مٍ یۡ قِ تَ س

    مُ طارَ ص

    یٰلاِ مۡ هِ ۡید

    هۡ َیوَ ہٖ ِنذۡ اِ بِ ِرۡونّ لایَلاِ ت

    مٰ لُ ظّ لان

    مِ مۡ هُ جرخۡ ُیو مِ لٰ سلالبُ س

    „O Volk der Schrift, nunmehr ist Unser Gesandter zu euch gekommen, der euch vieles enthüllt, was ihr von der Schrift verborgen hieltet, und vieles übergeht. Gekommen ist zu euch fürwahr ein Licht von Allah und ein klares Buch. Damit leitet Allah jene, die Sein Wohlgefallen su- chen, auf den Pfaden des Friedens, und Er führt sie aus den Finsternissen zum Licht nach Seinem Willen und lei- tet sie auf den geraden Weg.“ (5:16, 17)


    Die Notwendigkeit, die Menschheit mit einer allumfassenden Lehre zu versorgen, die für alle Menschen und für alle Zeiten gelten sollte, machte es einsichtig, dass eine solche Führung durch wörtliche Offenbarung übermittelt werden müsste. Der Qurʾan ist buchstäblich das Wort Gottes und so lebendig, wie das Weltall lebendig ist. Der Qurʾan besitzt die einzigartige Fä- higkeit, Führung und Leiter und Lehrer zu allen Zeiten zu sein. Diese Tatsache ist in nunmehr über 13 Jahrhunderten bewie- sen worden und das ist Gewähr genug, dass er fortfahren wird, dies auch in den kommenden Jahrhunderten zu beweisen. Der


    Qurʾan enthält Zusicherungen von Gott, dass die Führung, die darin enthalten ist, durch göttlichen Schutz bewahrt bleiben

    wird.

    ﴾۱۰﴿ن

    ۡوظُ فِ حٰ َل ہٗ َل اَّناِ و

    رَ ۡکذ

    لاانَ ۡلزَّ َنن

    حۡ َناَّنا


    „Wahrlich, Wir, Wir Selbst haben diese Ermahnung hinabgesandt, und sicherlich werden Wir ihr Hüter sein.” (15:10)


    Dieses Versprechen des göttlichen Schutzes ist schon vielmals erfüllt worden:

    1. Der Wortlaut des Qurʾans ist im Verlauf der letzten Jahrhun- derte vollkommen rein und ursprünglich bis hin zum letz- ten i-Punkt bewahrt worden. Sogar nicht-muslimische Gelehrte, die den Qurʾan nicht als göttliche Offenbarung anerkennen, gestehen zu, dass der Qurʾan Wort für Wort derselbe ist, den der Heilige PropheteSAW Hadhrat Muham- madSAW der Welt als göttliche Offenbarung gegeben hat.

    2. Die Sprache des Qurʾans ist rhythmisch, und dieser Um- stand führt dazu, dass er sehr leicht in das Gedächtnis einzuprägen ist. Die Gewohnheit, den Qurʾan auswendig zu lernen, war nicht nur auf die Zeit des Heiligen Proph- eten Hadhrat MuhammadSAW und auf die Zeit der frühen Kalifen beschränkt. Sogar dann, als der Qurʾan in einer Viel- zahl von Abschriften vorhanden war, wurde er weiterhin in jedem Zeitalter von zahlreichen Muslimen auswendig gel- ernt. Erstaunt können wir zudem feststellen, dass viele erst kürzlich zum Islam übergetretene Europäer ebenfalls viele Suren des Qurʾans sehr leicht auswendig lernen.

    3. Die Sprache, in der der Qurʾan offenbart worden war, ist eine lebendige Sprache geblieben. Das klassische Arabisch


      ist heute viel mehr Umgangssprache, als es zur Zeit des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW war.

    4. Viertens: Um für einen vollkommenen Schutz der göttli- chen Offenbarung zu sorgen, war ein ständiges Vorwärtss- chreiten geistiger Erneuerung und Verjüngung notwendig, und es war durch den Heiligen Propheten Hadhrat Mu- hammadSAW angekündigt worden, dass, um dieser Notwen- digkeit Genüge zu leisten, Gott fortfahren würde, unter den Muslimen zu Beginn eines jeden Jahrhunderts jemanden zu erwecken, der erleuchtet sein würde, um den Glauben zu erneuern. Diese Aufgabe würde er erfüllen, indem er die Aufmerksamkeit auf die im Qurʾan enthaltene Führung len- ken würde. Die Geschichte hat die Wahrheit dieser Zusi- cherung, die vom Propheten Hadhrat MuhammadSAW über- mittelt worden ist, bestätigt. In unserem Zeitalter wurde diese Prophezeiung durch die Ankunft von Hadhrat Ah- madAS (1835-1908) erfüllt, der im Licht der Offenbarungen Gottes der Menschheit die Führung des Qurʾan dargelegt und erklärt hat.


  13. Europäische Schriftsteller über den Qurʾan


    Der hochzuschätzende Rang des Qurʾans wird sogar von einer breiten Anzahl von nicht-muslimischen Schriftstellern bezeugt. Wir zitieren einige von ihnen:


    „Grenzenlose Tautologien und Wiederholungen bilden den Körper dieses heiligen Buches, das uns, sooft wir auch daran gehen, immer von neuem anwidert, dann aber anzieht, in Erstaunen setzt und am Ende Verehrung ab- nötigt.“ (Goethe, Noten und Abhandlungen zum westöst- lichen Divan)


    Der dem Islam feindlich gesinnte Sir William Muir schreibt:


    „Wir dürfen, auf die stärksten Beweise hin, feststellen, dass jeder Spruch des Quran die echte, unverfälschte Fas- sung von Muhammad[SAW] selbst ist ... Es besteht anderer- seits jede Gewähr, innerlich und äußerlich, dass wir den Text besitzen, den Muhammad [SAW] selbst ausgab und ge- brauchte.“


    Der weltbekannte Orientalist Prof. Dr. A.J. Arberry schreibt über den Qurʾan:


    „Sein Einfluss auf den Lauf der Geschichte ist offensicht- lich unermesslich groß gewesen und wird in der Zukunft ebenso unermesslich groß sein. Der Quran bildete die erste Inspiration einer religiösen Bewegung, die eine weitverb- reitete Zivilisation von großer Macht und tiefgreifender Gültigkeit einleitete. Die Literatur und die schönen Kün- ste aller muslimischen Völker entspringen diesem Quell- brunn: In den majestätisch fließenden Strom münden hier


    und dort die Nebenflüsse von den benachbarten Zivilisa- tionen; aber es bleibt bis zu diesem Tag der gleiche Strom, der vor dreizehn einhalb Jahrhunderten in den trockenen Landen Arabiens sprudelte ... (Dieses Buch) gehört zu den größten Mahnmälern der Menschheit. Bestimmt verdient es – und fordert auch – in den weitesten Kreisen des West- ens bekannt zu werden und auf Verständnis zu stoßen.”


    „Dass die besten arabischen Schriftsteller niemals mit dem Erfolg aufwarten konnten, irgend etwas dem Quran Gle- ichwertiges anfertigen zu können, ist nicht erstaunlich.” (Palmer, Introduction, Seite LV)


    „Die frühesten Offenbarungen in Mekka sind diejenigen, die das enthalten, was am höchsten bei einer großen Reli- gion und am edelsten bei einem großen Manne zu schät- zen ist.” (Lane’s Selections, Einführung Seite CVI)


    „Es war das eine Wunder, das Muhammad zu bringen be- hauptete – sein ‚ständiges Wunder’, wie er es nannte: und ein Wunder war es in der Tat.” (Bosworth Smith, Muham- mad, Seite 290)


    „Der Quran ist unvergleichbar, was überzeugende Kraft, Beredsamkeit und sogar seine Komposition anbelangt

    ... und indirekt ist es auch ihm zuzuschreiben, dass eine wunderbare Aufwärtsentwicklung aller geistigen Ziele in der muslimischen Welt stattfand.“ (Hirschfeld, New Re- searches, Seite 8/9)


  14. Sunna


    Sunna ist die zweite wichtige Quelle, aus der sich die Lehren des Islams herleiten. Das Wort „Sunna” bedeutet buchstäblich einen Weg oder eine Regel oder eine Verhaltensweise oder eine Lebensgewohnheit. In der islamischen Fachsprache steht Sun- na” für die tatsächliche Verfahrensweise des Heiligen Proph- eten Hadhrat MuhammadSAW hinsichtlich einer religiösen An- gelegenheit, die seine Anhänger zu seinen Lebzeiten und unter seiner persönlichen Leitung unternommen haben. Jede Gen- eration hielt sich streng an die genauen Anordnungen, die in der Folge an die nachkommenden Generationen weitergegeben wurden. So kann man sagen, dass der Qurʾan das Wort Gottes ist und dass die Sunna die wirkliche Erklärung dieses Wortes ist, das der Heilige ProphetSAW selbst ausübte, das von sein- en GefährtenRA weitergeführt wurde und so die nachfolgenden Generationen erreichte. Um ein Beispiel zu nennen: Der Qurʾan auferlegt die Verrichtung der Gebete ṣalāt”, aber er legt nicht auf das Genaueste die Anzahl und die Zeitpunkte der Gebete während des Verlaufs von Tag und Nacht fest, auch nicht die Art und Weise, in der das Gebet verrichtet werden soll, und ähnliches mehr. Der Heilige Prophet Hadhrat MuhammadSAW selbst aber erklärte, wie man beten solle und führte die sich daraus folgernde Sitte ein, wie man tatsächlich die Religion praktizieren möge, was von nun an in der jeweiligen Form un- veränderlich festgelegt war und so von Generation zu Genera- tion weitergegeben wurde.


  15. Hadith


    Hadith ist die dritte wesentliche Quelle des Islams. Das Wort Hadith bedeutet buchstabengetreu einen Ausspruch oder eine Feststellung, die entweder vollkommen neuartig sind oder aber auf eine neuartige Weise dargelegt wurden. Die Aussprüche des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW sind angefüllt mit neuem Wissen und unschätzbaren Wahrheiten; sie wer- den als „Ahadith“ (Plural von Hadith) bezeichnet. So wurde alles Hadith genannt, was der Heilige ProphetSAW jemals ge- äußert hatte und dazu auch Ereignisse aus seinem Leben, die von Augenzeugen berichtet wurden und die von denen, die die Überlieferungen sammelten, schriftlich festgehalten wurden. Die getreue Übermittlung alles dessen, was der geliebte Heili- ge ProphetSAW gesagt hatte, die eingehende Beschreibung alles dessen, was er getan hatte, und die Art und Weise, wie er es getan, wurde eine der verdienstvollsten Tätigkeiten. Bald ent- wickelte sich daraus eine ganze Wissenschaft der Überlieferun- gen. Schulen, in denen diese Überlieferungen gelehrt wurden, entstanden überall. Von Medina aus verbreiteten sie sich rasch in den Hauptstädten des riesigen muslimischen Herrschaftsge- bietes. Die großen Imame der Hadith stellten Vorschriften und Kriterien auf, um die Wahrheit und Genauigkeit all dessen zu beweisen und festzusetzen, was berichtet worden war und die Belange des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW be- traf. Und nichts, was nicht den schärfsten Prüfungsbestimmun- gen entsprach, wurde gebilligt.


  16. Das Gedächtnis der Araber


    Das Gedächtnis der Araber war so bemerkenswert, dass sogar von christlichen Geschichtswissenschaftlern anerkannt wird, dass sie das, was auch immer sie hörten oder sahen, sogar mit den winzigsten Einzelheiten im Gedächtnis behielten. Dies wird bildlich gemacht durch einen Brief, den der Heilige Proph- et Hadhrat MuhammadSAW an Maquqas von Ägypten sandte, in dem er ihn einlud, den Islam anzunehmen.

    Der Originalbrief wurde von französischen Touristen in einem Kloster in Ägypten im Jahre 1885 n.Chr. entdeckt. Er kann in Istanbul besichtigt werden. Eine Fotokopie hiervon wurde erstmals von der ägyptischen Zeitung Al-Hilal im November 1904 n.Chr. veröffentlicht. Als der Inhalt des Briefes mit den- jenigen Briefen verglichen wurde, die bereits in den Büchern der Überlieferungen enthalten waren, wurde festgestellt, dass zwischen Original und überliefertem Brief kein Unterschied bestand, noch nicht einmal in den Vokalisationspunkten. Auch das beweist schlüssig, welch große Sorgfalt die muslimischen Geschichtsschreiber in Hinsicht auf die authentische Überliefe- rung besonderer Angaben in ihren Arbeiten walten ließen.


  17. Warum die Hadith im Allgemeinen zu Lebzeiten des Heiligen Propheten Hadhrat Muhammadsaw nicht aufgeschrieben wurden


    Die Überlieferung der Gewohnheiten und Aussprüche des Hei- ligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW wurde unter seinen Anhängern als eine sehr verdienstvolle Tätigkeit betrachtet. Tatsächlich ist es so, dass der Heilige Prophet MuhammadSAW selbst Anweisungen zu geben pflegte, die die Überlieferung


    dessen, was er lehrte, betrafen. So zum Beispiel, als in den frühen Jahren in Medina eine Abordnung vom Stamm der Rabīʿa kam, um ihn zu besuchen, beschloss der Heilige Proph- etSAW seine Ausführungen mit den Worten: Behaltet dies im Gedächtnis und berichtet es denen, die ihr zu Hause zurückgelassen habt.” (al-Miškātu l-Maṣābīḥ 1:1-1)

    In ähnlicher Weise waren die Anordnungen zu vielerlei Gele- genheiten. In seiner letzten Pilgerfahrt hielt der Heilige Prophet Hadhrat MuhammadSAW eine Rede, die in der Geschichte be- rühmt geworden ist als die Abschiedsrede des Heiligen Proph- eten Hadhrat MuhammadSAW. Nachdem er den Muslimen die Pflicht ans Herz gelegt hatte, Leben, Eigentum und Ehre einan- der heilig zu halten, fügte er abschließend hinzu: „Derjenige, der hier anwesend ist, sollte diese Botschaft demjenigen, der abwesend ist, überbringen.“ (Buḫārī)

    Die Gefährten des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW waren sich der Tatsache bewusst, dass diese Lehren für zukünf- tige Generationen aufbewahrt werden müssten. Daher behiel- ten sie diese Lehren nicht nur im Gedächtnis, sondern biswei- len bewahrten sie sie auch in schriftlicher Form auf. (Professor Fuat Sezgin von der Frankfurter Universität hat dies eingehend behandelt in seiner wertvollen Arbeit „Geschichte des Arabi- schen Schrifttums“, Band 1, herausgegeben 1967 von F. J. Brill, Leiden, Holland.)

    Es ist dennoch eine Tatsache, dass die Aussprüche des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW üblicherweise nicht aufge- schrieben worden waren und das Gedächtnis, was deren Aufbe- wahrung betraf, die wesentliche Rolle spielte. Der Grund dafür, warum es gemeinhin vermieden wurde, die Äußerungen des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW aufzuschreiben, war die Missbilligung einer solchen Verfahrensweise durch


    den Heiligen ProphetenSAW selbst. Andererseits sehen wir aber auch, dass der Heilige ProphetSAW selbst befahl, gewisse Hadith aufzuschreiben. Auch schrieb ErSAW Briefe, und Verträge wur- den ebenfalls schriftlich festgehalten, was uns zeigt, dass ErSAW niemals der Meinung war, dass das Aufschreiben von Hadith unzulässig sei. Was ErSAW aber befürchtete war, dass, falls sei- ne Aussprüche für gewöhnlich aufgeschrieben würden, so wie der Qurʾan aufgeschrieben worden war, beides miteinander vermischt und somit die Reinheit des Wortlauts des Qurʾans be- einträchtigt werden könnte.


  18. Kategorien der Erzähler


    Bevor wir den Abschnitt über die Sammlung der Hadith be- ginnen, scheint es empfehlenswert zu sein, die verschiedenen Klassen der Berichterstattung anzuführen. Es sind dies:


    1. Ein Muslim, der ein Begleiter des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW war und ihn dies oder jenes tun sah und einiges von ihm persönlich hörte, wird eingestuft als ein ṣaḥābīoder ein Gefährte des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW. Er nimmt in der Rangfolge der Be- richterstatter eine erste Stelle ein.

    2. Der Zweite in der Rangstufe ist einer, der den Heiligen Pro- phetenSAW zwar nicht persönlich gesehen hat, aber einige von seinen Gefährten getroffen und so von ihnen einiges erfahren hat. Er wird in der Fachsprache der Geschichtswis- senschaftler eingeordnet als ein tābiʿīʿ“.

    3. Dem tābiʿīfolgend in der Rangstufe finden wir den tabaʿ tābiʿī“, das heißt, Nachfolger eines Nachfolgers eines Ge- fährten“. Daraufhin folgt die allgemeine Klasse der Erzäh-


    ler der Hadith. In ähnlicher Weise werden die Erzähler in Kategorien eingeteilt, entsprechend ihres Gedächtnisses, ihres Verstandes und ihrer Rechtschaffenheit.


  19. Die Sammlung der Hadith


    Wie bereits angeführt, wurden die ersten Schritte zur Aufbe- wahrung der Hadith schon zu Lebzeiten des Heiligen Proph- eten Hadhrat MuhammadSAW gemacht. Viele der ṣaḥābīsRA wa- ren im Besitz einer eigenen Sammlung von Hadith, die ṣaḥīfagenannt wurden. Mit dem Tode des des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW begann die Arbeit an einer Sammlung der Hadith in ein neues Stadium zu treten. Für die Gefährten des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW war die Reli- gion, die er gebracht hatte, ein besonders kostbarer Schatz, et- was, was sie im Wert höher hielten als alles andere, was diese Welt zu bieten hatte. Der Heilige ProphetSAW war ihnen liebens- werter als irgendetwas anderes aus dieser Welt. Seine göttli- che Botschaft den anderen Menschen zu überbringen, war das höchste Ziel ihres Lebens. Ein jeder von den ṣaḥābīsRA, die von irgendeinem Geschehnis Wissen erlangt hatten, einzelne Perso- nen wie Hadhrat Abu HurairaRA, Hadhrat AishaRA, die Gattin des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW, Hadhrat Ab- dullah ibn AmrRA, Hadhrat Anas ibn MālikRA und viele andere von den ṣaḥābīs waren zu einem Mittelpunkt für diejenigen ge- worden, die aus den verschiedenen Teilen der islamischen Welt herbeiströmten, um ihr Wissen über den Heiligen Propheten MuhammadSAW und seine Religion zu vermehren. Die Stellen, an denen sie sich aufhielten, wurden in der Tat Plätze, an de- nen Abu HurairaRA hatte 800 Schüler. Auch Hadhrat AishasRA Haus wurde von Hunderten von fleißigen Schülern besucht.


    Das gleiche war der Fall bei vielen anderen ṣaḥābīsRA.

    Danach kam das Zeitalter der tābiʿīn, die nicht weniger Eifer und Tatkraft zeigten in ihrem Bemühen, ein Wissen von den Hadith zu erlangen, die sich nunmehr zu einer Wissenschaft der Überlieferungen entwickelt hatte. Noch vor der Mitte des zweiten Jahrhunderts nach der Hidschra begann das Wissen über die Hadith eine immer wichtigere Gestalt anzunehmen und es war auch zu dieser Zeit als erste geschriebene Samm- lungen entstanden. Einige der großen Imame der Hadith, die im zweiten Jahrhundert Bücher schrieben, sind Imam Mālik ibn Anas und Sufyān ibn ʿUyaina in Medina, Abdullah ibn Wahab in Ägypten, Maʿmar und ʿAbdu r-Razzāq in Jemen, Imam Sufyān Ṯaurī in Kufa, Hammad ibn Salama in Basrah, Husain ibn Wasil und Abdullah ibn Mubarak in Khurasan. Diese große Arbeit der Zusammenstellung der Hadith wurde im dritten Jahrhun- dert der Hidschra vollendet.


  20. Verschiedene Arten der Sammlung von Hadith


    Es gibt drei verschiedene Hadith-Sammlungen, die musnad“,

    die ǧāmiʿund die sunan“.


    1. „Musnad“ stammt von dem Wort sanadab, das Autori- tät bedeutet, und die isnādeiner Hadith heißt, dass der Hadith nachgewiesen werden kann über zahlreiche Über- mittler bis hin zu der Gefolgschaft des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW selbst zu verfügen, auf dessen Au- torität es beruht. Diese Hadith-Sammlungen, die als mus- nad bekannt geworden sind, wurden nicht in thematischer Übereinstimmung mit den betreffenden Gegenständen der auszuwählenden Hadith zusammengestellt, sondern unter


      dem Namen des jeweiligen Gefährten, auf dessen endgül- tiger Glaubwürdigkeit die Hadith beruhte. Die wichtigste Sammlung dieser Art ist die musnad des Imam Aḥmad ibn Ḥanbal (146-241 H), die etwa 40.000 Berichte enthält.

    2. Ǧāmiʿheißt: Das, was zusammengestellt worden ist. Es bringt die Berichte gemäß ihrer Thematik und ist kritischer.

    3. Sunan(Plural von Sunna). Diese Bücher klassifizier- ten Berichte und verschiedene Hauptgesichtspunkte und machten somit für den Leser der Hadith das Nachschlagen bestimmter Hadith leichter.


    Es gibt eine beträchtliche Anzahl von Büchern der Hadith, die bis zum Ende des 3. Jahrhunderts nach der Hidschra zusam- mengestellt wurden, aber nur 6 von ihnen werden gemeinhin als authentisch bezeichnet. Sie sind deswegen als ṣiḥāḥ sittabekannt, das heißt, die sechs authentischen Bücher der Hadith. Ihre Namen lauten wie folgt:

    1. Ṣaḥīḥu l-Buḫārī: Zusammengestellt von Imam Muḥammad bin Ismāʾīl al-Buḫārī (194-256 H). Diese Arbeit des Imam Buḫārī ist ein maßgebendes Buch der Hadith. Von Imam Buḫārī kann zu Recht behauptet werden, dass er einer der hervorragendsten Gestalten unter denjenigen ist, die jemals die Hadith zusammengestellt haben. Deswegen wird die Ṣaḥīḥu l-Buḫārī als das zuverlässigste und genaueste Buch nach dem Qurʾan, dem Buch Gottes, bezeichnet.

    2. Ṣaḥīḥu l-Muslim: zusammengestellt von Imam Muslim bin al-Ḥaǧǧāǧ an-Nīšāpūrī (204-261 H). Seine Arbeit wird als die zweitbeste unter den 6 maßgeblichen Büchern der Ahadith betrachtet und gilt als eine ausgezeichnete und zuverlässi- ge Sammlung. Die meisten Gelehrten der Hadith haben die Ṣaḥīḥu l-Buḫārī und die Ṣaḥīḥu l-Muslim als die beiden feh-


      lerfreiesten und genauesten Arbeiten bezeichnet (ṣaḥīḥain).

    3. Ǧāmiʿ Tirmiḏī: Zusammengestellt von Imam Abū ʿĪsā Muḥammad bin ʿĪsā at-Tirmiḏī (209-279 H). Er war ein Schüler von Imam Buḫārī. Seine Sammlung der Ahadith erfreut sich hoher Wertschätzung.

    4. Sunan Abū Dāwūd: Zusammengestellt von Imam Abū Dāwūd Sulaiman bin al-ʾAšʿaṯ as-Saǧistānī (202-275 H). Mit seiner Sammlung rechtsgültigen Materials nimmt er einen hohen Rang ein.

    5. Sunan an-Nasāʾī: Zusammengestellt von Imam Aḥmad bin Šuʿaib an-Nasāʾī (215-306 H), einem der führenden Gelehr- ten der Hadith.

    6. Sunan ibn Māǧa: Zusammengestellt von Imam Muḥammad

    bin Yazīd al-Qazwīnī (209-273 H).


  21. Verschiedene Kategorien der Hadith


    Gelehrte haben die Ahadith in verschiedene Kategorien einge- teilt. De bekanntesten werden wir nun anführen:


    1. Ḥadīṯ qaulī: Diese Art von Hadith zitiert die Worte des Hei- ligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW, wie sie tatsäch- lich von ihm geäußert wurden. Um ein Beispiel zu geben: ein Gefährte erzählt, dass der Heilige PropheteSAW diese oder jene Äußerung zu einer bestimmten Gelegenheit getan hat oder sich mit den und den Worten mit einer bestimmten Person unterhielt oder den und den Befehl dieser oder jener Person erteilte und so weiter.

    2. Ḥadīṯ fiʿlī: Diese Hadith zitiert nicht irgendein Wort oder eine Äußerung des Heiligen Propheten Hadhrat Mu- hammadSAW, sondern erzählt uns von einer seiner Hand-


      lungen und sagt zum Beispiel, dass der Heilige PropheteSAW dieses oder jenes bei dieser und jener Gelegenheit tat und dass er diesen und jenen Dienst religiöser Art so und so vollzog.

    3. Ḥadīṯ taqrīrī: Diese Art von Hadith enthält weder eine Äuße- rung noch eine Handlung des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW, sondern berichtet, was eine bestimmte Person in Gegenwart des Heiligen Propheten Hadhrat Mu- hammadSAW sagte oder tat und dass der Heilige PropheteSAW ihm nicht verbot, das zu sagen und so zu handeln. Ḥadīṯ taqrīrī steht daher für eine Hadith, die bekräftigt, wie richtig eine Äußerung oder eine Handlung eines Gefährten war, die in Gegenwart des Heiligen Propheten Hadhrat Mu- hammadSAW geschah und gegen die er keinen Einwand er- hob.

    4. Ḥadīṯ qudsī: in dieser Hadith wird vom Propheten ein Wort oder eine Handlung Gottes direkter Weisung zugeschrie- ben. Er sagt, dass Gott ihn solches zu tun oder zu sagen anbefohlen hat. Eine solche Darstellung ist aber von den qurʾanischen Offenbarungen zu unterscheiden.

    5. Ḥadīṯ marfūʿ: Diese Hadith führt einen Bericht über Worte oder Taten des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW direkt auf ihn zurück ohne irgendeine Lücke in der Kette der Berichterstatter.

    6. Ḥadīṯ mauqūf: Die Hadith kann nicht auf den Heiligen Pro- pheten MuhammadSAW zurückgeführt werden, sondern die Kette der Überlieferer bricht ab und schreitet nicht über einen bestimmten Berichterstatter hinaus. Aber die Natur der Hadith und der Tenor und Tonfall der Bezeugungen müsste die Schlussfolgerung zulassen, dass man von dem Propheten gehört haben muss, wie er diese und jene Erklä-


      rungen machte.

    7. Ḥadīṯ muttaṣil: Die Berichterstatter dieser Hadith sind be- kannt und erwähnt, sie befinden sich in einer periodischen Reihenfolge und keiner von ihnen fehlt oder ist unbekannt geblieben.

    8. Ḥadīṯ munqaṭiʿ: Alle Erzähler dieser Hadith sind glaubwür- dig hinsichtlich a) ihres Gedächtnisses, b) ihrer Intelligenz und c) ihrer Rechtschaffenheit. Eine kleine Überlegung wird zeigen, dass diese drei Kriterien ausreichend sind, um die Glaubwürdigkeit eines Erzählers zu beweisen.

    9. Ḥadīṯ ḍaʿīf: Das ist eine Hadith, die auch von einem Erzäh- ler berichtet wird, der unglaubwürdig ist, was entweder seine Gedächtniskraft oder aber seine Intelligenz oder sei- ne Rechtschaffenheit betrifft, so dass also sogar dann, wenn nur einer der Erzähler unglaubwürdig ist und trotzdem alle übrigen Erzähler durchaus glaubwürdig sind, die betreffen- de Hadith als eine schwache (ḍaʿīf) Hadith behandelt wird.

    10. Ḥadīṯ mauḍūʿ: Eine Hadith, die bewiesenermaßen von ei- nem lügenden Erzähler erfunden worden ist.

    11. Aṯar (Plural āṯār): Das ist nichts weiter als ein Bericht, dem eine Äußerung oder Handlung eines Gefährten des Heili- gen Propheten Hadhrat MuhammadSAW zugrunde liegt. Es wird nicht einer Darstellung des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW selbst zugeschrieben. Es ist klar, dass die āṯār keinen Platz haben in der Klassifizierung der Hadith, sondern dass sie etwas davon grundverschiedenes sind. Wenngleich es üblicherweise geschieht, dass die Bü- cher der Hadith auch āṯār beinhalten, so ist es umso bedau- erlicher, dass einige Leute es manchmal versäumen, irgend- eine Unterscheidung zwischen Hadith und āṯār zu treffen.


  22. Richtlinien für eine kritische Beurteilung der Ha- dith


    Um zu beurteilen, ob eine bestimmte Hadith gefälscht oder echt war, machten diejenigen, die die Hadith zusammenstellten, nicht nur Untersuchungen hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Berichterstatter, sondern sie wandten auch andere Richtlinien an, um das, was die Hadith im Einzelnen zum Gegenstand hatte, kritisch zu untersuchen. Das genaue Studium dieser kritischen Richtlinien, ob sie nun sanad (die Kette der Erzähler) oder matan (der Wortlaut der Hadith, so wie sie der Heilige PropheteSAW äußerte) betreffen, macht es eindeutig klar, dass größtmögliche Sorgfalt von denjenigen vorgenommen wurde, die die Hadith zusammenstellten, um die Aussprüche des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW in ihrer ursprünglichen Form zu be- wahren. Diese um Echtheit so sehr bemühte kritische Betrach- tung der Hadith hat die Hadith auf einen solch hohen Rang gehoben, dass es unbezweifelbar das authentischste historische Werk ist, das jemals in der Geschichte angefertigt worden ist. Einige der Richtlinien, die von denen gefordert wurden, die die Hadith zusammengestellt haben, und nach denen die Echtheit und Reinheit des Wortlautes oder matan der Hadith festgelegt wurden, lauteten folgendermaßen:


    1. Eine Hadith darf nicht im Widerspruch zu irgendeiner Stel- le aus dem Qurʾan stehen. Sie soll nach dem Qurʾan beurteilt werden. Der Heilige ProphetSAW hatte selbst gesagt: „Es wird Erzähler geben, die Hadith von mir berichten, so beurteilt sie nach dem Qurʾan; wenn ein Bericht mit dem Qurʾan übereinstimmt,


      dann nehmt ihn an, sonst aber weist ihn zurück.“

    2. Die Hadith darf nicht gegen die Sunna des Heiligen Pro- pheten Hadhrat MuhammadSAW oder gegen die allgemei- nen Gewohnheiten seiner Gefährten sein.

    3. Sie darf nicht den historischen Tatsachen zuwiderlaufen.

    4. Sie darf nicht vernunftswidrig sein oder gegen die offen- kundigen Lehren des Islams verstoßen.


  23. Der Unterschied zwischen Hadith und Sunna


    Sunna und Hadith für ein und dasselbe zu halten ist ein Irrtum. Die Traditionen (Hadith) sind erst nach dem Tode des Heili- gen Propheten Hadhrat MuhammadSAW gesammelt und zusam- mengestellt worden, während die Sunna gemeinsam mit jedem Gebot, das im Qurʾan offenbart worden war, entstanden ist und vom Propheten selbst noch zu Lebzeiten eingerichtet und prak- tiziert wurde. Deswegen ist die Sunna ganz entschieden etwas anderes als die Hadith; sie ist beständiger und man legt grö- ßeres Gewicht auf sie als auf die Hadith. Es ist ein Irrtum an- zunehmen, dass solange die Hadith noch nicht zusammenge- stellt waren, was ja erst zwischen dem ersten und dem dritten Jahrhundert nach dem Tode des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW geschah, die Muslime sich der Einzelheiten der Gebete, der Pilgerfahrt und so weiter nicht bewusst gewesen seien. Die übliche Praxis der Muslime auf der Grundlage der Sunna war bereits den folgenden Generationen bis hin zum letzten Detail und in Übereinstimmung mit den Lehren über- mittelt worden. Und so würde es durchaus richtig sein, wenn man behauptete, dass es den grundlegenden Lehren des Islams nicht geschadet hätte, hätten die Hadith nicht existiert, denn die


    Lehren des Islams waren bereits durch Qurʾan und Sunna voll- endet worden, und zwar bevor die Hadith zusammengestellt wurden. Dennoch kann die Tatsache nicht bestritten werden, dass die Hadith eine überaus kostbare Schatzkammer histori- scher, intellektueller und geistiger Reichtümer sind. Solange eine Hadith nicht im Gegensatz zu einem Vers des Qurʾans steht oder im Gegensatz zu einer zuverlässigeren Hadith, ist es die Pflicht eines jeden Muslims, sie zu akzeptieren. Insofern sollte ein Muslim die Hadith zu einer Quelle göttlicher Führung für sein Leben machen.


  24. Fiqh


    Das Wort Fiqhbedeutet Wissen und Verstehen einer Sache. In der islamischen Terminologie heißt es das Wissen darum, wie man juristische Gesetze aus dem Qurʾan und der Hadith entnimmt, dadurch, dass man iǧtihād (Ausübung der Urteils- sprechung) und qiyās (Gedankengang, der auf einem Analogie- schluss beruht) anwendet. Der Wert der logischen Beweisfüh- rung oder der Ausübung der Urteilskraft ist vom Qurʾan und von der Hadith ausdrücklich betont worden. Der Qurʾan wen- det sich immer wieder an die Vernunft und ist voll von Aus- sprüchen wie den folgenden:


    „Wollt ihr denn nicht nachdenken?“ (6:51)

    Wollt ihr euch denn nicht besinnen?(37:156)

    Wollt ihr denn nicht begreifen?(21:68)

    „Es liegen Zeichen darin für Menschen, die verstehen.“

    (30:25)


    Jene, die ihre Verstandesfähigkeiten nicht gebrauchen, werden


    verglichen mit Tieren und als stumm, taub und blind bezeich- net. Der Heilige ProphetSAW gestattete den Muslimen, in religiö- sen Angelegenheiten die eigene Urteilskraft anzuwenden.

    Als Hadhrat MuʿāḏRA zum Gouverneur von Jemen ernannt wurde, wurde er vom Heiligen ProphetenSAW gefragt, was seine Richtschnur sei, an die er sich bei seinen Regierungsgeschäften halten würde. Er antwortete:


    „Ich würde mich an das Gesetz des Qurʾans halten.“ „Was aber, wenn du darin keine Anweisung fändest?“, fragte der Heilige ProphetSAW. „Dann will ich in Übereinstim- mung mit der Sunna des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW handeln“, gab jener zur Antwort. „Was aber, wenn du in der Sunna keine Anweisung fändest?“, wurde er wiederum gefragt. „Dann würde ich meine Ur- teilskraft anwenden und danach handeln.“ Als der Hei- lige ProphetSAW diese Antwort hörte, war er sehr davon angetan und er pries Gott und sagte: „Preis sei Allah, Der die Botschaft Seines Gesandten leitet, wie es Ihm gefüllt.“ (Abū Dāwūd)


    In der blühenden islamischen Gesellschaft wurde es bald not- wendig, dass zum Nutzen der Studenten, Lehrer, Richter und Rechtsgelehrten die islamischen Lehren zu theologischen, zivilen und strafrechtlichen Angelegenheiten zusammenge- fasst werden sollten unter dem Licht des Qurʾans, der Sunna, der Hadith und den Entscheidungen führender Gefährten des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW, insbesondere der ersten vier Kalifen (die Ḫulafāʾi Rāšidīn, das heißt, die rechtge- leiteten Kalifen). Dieser Notwendigkeit der islamischen Gesell- schaft wurde im zweiten Jahrhundert von den vier wichtigsten Schulen der Rechtswissenschaft entsprochen, die ḥanafītische,


    mālikītische, šāfiʿītische und ḥanbalītische Rechtswissenschaft genannt wurden nach ihren jeweiligen Gründern, Imam Abu ḤanīfaRH, Imam MālikRH, Imam ŠāfiʿīRH und Imam ḤanbalRH. Seit dieser Zeit haben die Anhänger dieser Schulen der Rechtswis- senschaft sich jeweils nur blindlings auf ihre eigenen Schulen beschränkt, was die Interpretation des Gesetzes und die Aus- legung der Lehre anbelangte. Sie haben jeweils alle anderen Schulen abgelehnt. Dies wird taqlīdgenannt. Dem Verheiße- nen MessiasAS, dem Gründer der Ahmadiyya-Bewegung des Is- lams, zufolge ist das Befolgen aller vier Imame der Rechtswis- senschaft ehrenvoll. Dennoch ist die Urteilskraft, die von Imām Aʿẓam (der große Imam) Abū Ḥanīfa überliefert wird, den meis- ten Fällen vorzuziehen und steht in vollem Einklang mit dem Geist des Qurʾans und der Sunna. Aber das darf nicht heißen, dass jemand sich selbst beschränkt auf eine dieser Schulen, und somit die wertvollen Dienste, die für die Sache des Islams von den übrigen Imamen geleistet wurden, ausgeschlossen werden sollten und dass die Urteilskraft eines bestimmten Imams auf eine Ebene mit dem Qurʾan oder der Hadith emporgehoben werden sollte.


  25. Die Imame der Rechtswissenschaften


    Imam Abū Ḥanīfa Nuʿmān ibn Ṯābit wurde in Kufa im Jahre 80 nach der Hidschra (699 nach Christus) geboren. Er war persi- scher Abstammung. Es wird berichtet, dass sein Vater Ṯābit zu Hadhrat AliRA wanderte, der für ihn betete und seine Kinder seg- nete. Imam Abu ḤanīfaRH hatte das Glück, Hadhrat AnasRA, den edlen Gefährten des Heiligen Propheten Hadhrat Muhammad- SAW zu treffen. Er war außergewöhnlich ehrfürchtig und fromm. Während der Regierungszeit von Marwān von den Umayyaden


    bot ihm Yazīd ibn ʾUmar, der Gouverneur von Kufa, den Posten eines Richters an, was er, um unabhängig zu bleiben, ablehn- te. Er wurde daraufhin ausgepeitscht, aber er unterwarf sich nicht. Als die Regierungszeit der Umayyaden 132 zu Ende ging und die Abbasiden an die Macht kamen, versuchte auch Manṯūr den Imam dazu zu zwingen, den Posten eines Richters anzu- nehmen, was jener wiederum ablehnte. Das machte Manṯūr so wütend, dass er ihn in das Gefängnis nach Bagdad bringen ließ, wo er im Jahre 150 seinen letzten Atemzug machte. Überall wurde er tief von den Muslimen betrauert. Er war würdevoll, großmütig, zurückhaltend, zuvorkommend, nachdenklich und sehr scharfsinnig. Die Grundlage seiner Analogie-Schlüsse war der Qurʾan und er nahm eine Hadith nur dann an, wenn er voll- kommen von deren Echtheit überzeugt war. Und da die großen Imame, die später die Hadith zusammenstellten, noch nicht mit ihrer Arbeit begonnen hatten und Kufa selbst nicht gerade ein großes Zentrum dieses Zweiges der islamischen Lehren war, akzeptierte Imam Abū Ḥanīfa verständlicherweise nur sehr we- nige Hadith und nahm immer Zuflucht zum Qurʾan, wenn er Antwort auf seine juristischen Fragen suchte. Seine Schule be- saß bei weitem die größte Anzahl von Schülern und ihre Lehre herrschte vor in größeren Gebieten Pakistans, Indiens, Afgha- nistans, Ägyptens, der Türkei und nahezu allen islamischen Ländern in Zentral-Asien.


    Imām Mālik ibn Anas wurde im Jahre 93 (713 nach Christus) in Medina geboren. Er hatte über 1300 Schüler, die über weit voneinander entfernte Länder verstreut waren. Sein System der Rechtswissenschaft basiert zum größten Teil auf den Traditi- onen, die er in Medina vorfand und auf den Gebräuchen der Menschen in Medina. Er war überaus sorgfältig in seiner Art,


    ein Urteil abzugeben, und wann immer er auch nur leisesten Zweifel an der Richtigkeit seiner Entscheidung hatte, pflegte er zu sagen: „Ich weiß es nicht.“ Imam Mālik hatte einen in hohem Grad unparteiischen Wesenszug. Einmal bat der Kalif Hārūnu r-Rašīd den Imam, seine Kinder die Hadith zu lehren. „Gott erhöhe deinen Rang, o amīru l-muʾminīn (Haupt der Gläubigen)“, antwortete der Imam, „die Wissenschaft von der Hadith ist durch ehrenhafte Männer entstanden, sie würde in rechten Ehren gehalten werden, wenn Leute wie du sie respektierten, denn sonst würde sie ja überhaupt nicht mehr länger akzeptiert werden. Die Menschen kom- men, um das Wissen zu suchen, nicht aber geht das Wissen von sich aus zu den Suchenden.“ Der Kalif merkte, dass er einen Fehler gemacht hatte und ordnete an, dass seine Kinder zum Imam gehen und gemeinsam mit anderen Kindern in der Moschee die Hadith studieren sollten. Von den elf Büchern, die ihm zuge- schrieben werden, ist das al-Muwaṭṭadas wichtigste. Es wird als das erste authentische Buch der Traditionen betrachtet. Es wurde von dem Imam 40 Jahre lang gelehrt und die Menschen kamen von den verschiedensten Plätzen der Erde, um von ihm zu lernen. Das Ergebnis davon ist, dass es nunmehr etwa 16 verschiedene Fassungen dieses Buches gibt. Der textus receptus von Mālik ist der seines spanischen Schülers Yaḥyā ibn Yaḥyā. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Büchern sind geringerer Art. Der Imam starb 179 im Alter von 86 Jahren in Medina.


    Muhammad ibn Idrīs aš-Šāfiʿī wurde im Jahre 150 (767 n. Chr.) in Palästina geboren. Er wurde im Alter von nur zwei Jahren nach Mekka gebracht, wo er seine Jugend verlebte. Die meiste Zeit seines Lebens aber arbeitete er in Ägypten, wo er 204 im Alter von 54 Jahren starb. Imam Šāfiʿī war außerordentlich in- telligent und genoss eine hervorragende geistige Verfassung.


    Er lernte den Qurʾan auswendig, als er nur 7 Jahre alt war. Das Buch Al-Muwaṭṭa von Imam Mālik lernte er auswendig im Alter von 10 Jahren und zum Mufti (einer, der juristische Entschei- dungen trifft) wurde er im Alter von 15 Jahren ernannt. Imam Šāfiʿī arbeitete sich selbst in die ḥanafītische und mālikitische Schule der Rechtswissenschaft ein, aber was er selbst begrün- dete, fand seine Grundlage in breitem Maß in der Hadith und unterschied sich dadurch vom hanafitischen System, das sich ja meistens auf den Qurʾan gründete und recht kargen Gebrauch von der Hadith machte. Gegenüber dem malikitischen System, das sich ebenfalls auf Hadith und Sunna stützte, hatte er den Vorteil, dass die Hadith, die von Imam Šāfiʿī benutzt wurden, ausdrucksreicher waren und von den verschiedensten Zent- ren der islamischen Gemeinschaft zusammengestellt wurden, während Imam Mālik sich nur mit dem zufrieden gab, was er in Medina vorfand. Das System von Šāfiʿī wird gemeinhin in Nord-Afrika und teilweise in Ägypten, in Süd-Arabien und südostasiatischen Ländern befolgt.


    Imām Aḥmad ibn Ḥanbal wurde im Jahre 164 in Bagdad geboren und starb dort im Jahre 241 im Alter von 77 Jahren. Der Ruf seiner Lehrmethoden, seine Frömmigkeit und sein unerschüt- terlicher Glaube an die Traditionen verschafften ihm eine Schar von Schülern und Bewunderern. Sein System der Rechtswis- senschaft gründet sich ebenfalls völlig auf Hadith und unter- schied sich somit vom System des Imam Abū Ḥanīfa, der die Beweisführung auf Grund logischer Folgerung aus den isla- mischen Quellen sehr frei handhabte und der versuchte, alle Fragen und ihre Antworten vom Qurʾan herzuleiten. Unter den Arbeiten von Imām Aḥmad beansprucht die große Enzyklopä- die der Traditionen, Musnad, die von seinem Sohn vollendet


    wurde und etwa 30.000 Traditionsüberlieferungen enthält, gro- ße Bewunderung. Wie wir bereits im Kapitel über die Hadith angeführt haben, sind im „Musnad“ die Ahadith nicht entspre- chend ihrem Inhalt angeordnet, sondern unter dem Namen des jeweiligen Gefährten, auf den die Hadith letztendlich zurück- geführt werden kann. Im Jahre 1957 unterzog sich die Ahma- diyya Bewegung unter Anleitung von Hadhrat Mirza Bashir ud-Din Mahmud AhmadRA, der beschwerlichen Aufgabe, die Traditionsbücher „Musnad Aḥmad ibn Ḥanbal“ entsprechend ih- res Inhalts neu zu ordnen. Diese Arbeit schreitet voran und der erste Band ist bereits von der Hauptzentrale der Bewegung in Rabwah/Pakistan veröffentlicht worden.


  26. Die islamische Rechtswissenschaft und die heutige Zeit


    Es wird allgemein angenommen, dass die Formulierung islami- scher Rechtswissenschaft durch das Ausüben der Rechtsspre- chung (iǧtihād) vollendet wurde durch die vier Imame, die wir bereits erwähnten. Tatsächlich aber wird diese Beschränkung und Eingrenzung weder vom Qurʾan noch von der Hadith noch gar von einem der vier Imame selbst gemacht. Der Islam er- laubt die Ausübung einer humanen Rechtssprechung, um den neuen Gegebenheiten und den wechselnden Notwendigkeiten einer wachsenden Gemeinschaft nach einer gewissen Zeit zu begegnen. Kein Zweifel besteht darin, dass es gewisse Bedin- gungen gibt, die notwendigerweise von denen erfüllt werden müssen, die ernannt wurden, um ihre Urteilskraft in der Schaf- fung neuer Gesetze auszuüben. Um ein Beispiel zu geben, wie ein Mensch beschaffen sein sollte, wenn er neue Gesetze durch


    seine Urteilskraft bewirken darf, führen wir diese Kriterien an: er sollte ein umfassendes Wissen des Qurʾans mit seinen ver- schiedenen Aspekten besitzen, die Kenntnis der Sunna und die Richtlinien ihrer Übermittlung, ihres Wortlauts und die Ver- schiedenartigkeit ihrer Bedeutung haben, in Einzelheiten der qiyās (Beweisführung) geübt sein und über allem eine höchst- mögliche Rechtschaffenheit, Frömmigkeit und hervorragende Geistesbeschaffenheit sein eigen nennen können. Nach einer Prophezeiung des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW Hadhrat MuhammadSAW werden solche Voraussetzungen auch weiterhin erfüllt werden durch Menschen, die direkt von Gott Selbst geleitet werden. Diese Prophezeiung ist uns überbracht worden durch eine Tradition, die von Hadhrat Abu HurairaRA, einem der prominentesten Gefährten des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW, erzählt wird: Ihm gegenüber hatte der Heilige ProphetSAW einmal erklärt: „Wahrlich, Gott wird für im- mer damit fortfahren, für diese Umma (muslimische Gemeinde) zu Beginn eines jeden Jahrhunderts jemanden zu erwecken, der für sie ihre Religion erneuern wird.“ (Abū Dāwūd, Kitāb al-fitan)

    Diese Prophezeiung ist in der Tat eine Erweiterung des folgen- den Verses des Qurʾans, in dem göttliche Leitung unter allen Bedingungen versprochen worden ist:

    نۡوظُ فِ حٰ َل ہٗ َل اَّناِ و

    رَ ۡکذ

    لاانَ ۡلزَّ َنن

    حۡ َناَّنا


    „Wahrlich, Wir, Wir selbst haben diese Ermahnung hinab- gesandt und sicherlich werden Wir ihr Hüter sein.“ (15:10)


  27. Die Einheit Gottes


    Der Mittelpunkt, um den sich der ganze Grundsatz und die Lehre des Islams dreht, ist die Einheit der Gottheit (tauḥīd). Die Einheit Gottes, nach den Lehren des Islams, bedeutet, dass Gott eins ist in Seiner Person, eins in Seinen Attributen und eins in Seinen Werken. Seine Einheit in Seiner Person bedeutet, dass es weder eine Vielzahl von Göttern gibt noch eine Vielzahl von Personen in der Gottheit. Seine Einheit in Seinen Eigenschaften besagt, dass kein anderes Wesen eine oder mehrere der göttli- chen Attribute in Vollendung besitzt. Seine Einheit in Seinen Werken bedeutet, dass niemand die Werke, die Gott getan hat oder noch tun mag, vollbringen kann. Der Qurʾan betont nach- drücklich die Einheit Gottes und verurteilt vehement irgend- eine Lehrmeinung oder Idee, die direkt oder indirekt darauf hinauslaufen mag, Gott irgendein anderes Ding oder Wesen als Partner oder als gleichwertig zuzugesellen. So heißt es:

    ﴾۵﴿د

    حَ َا اوً فُ ک

    ہٗ َّل ن

    کُ َی مۡ َل وَ ﴾۴﴿د

    َلۡوُی مۡ َل و

    ۬ۙد

    لِ َی مۡ َل﴾۳﴿د

    مَ صّ لا ہُ لٰ لَا﴾۲﴿ د

    حَ َا ہُ لٰ لا َوہلق


    „Sprich: Er ist Allah, der Einzige; Allah, der Unabhängige und von allen Angeflehte. Er zeugt nicht und ward nicht gezeugt und keiner ist Ihm gleich.“ (112:2-5)


    Von diesem Konzept der Einheit Gottes rührt die fundamenta- le Einheit des Universums, des Menschen und des Lebens her. Die sehr bekannte italienische Orientalistin Prof. Laura Vercia Vaglierie schreibt hierüber in ihrem Buch „Apologia dell‘ Islamis- co“ („Apologie des Islams“):


    „Dank dem Islam wurde das Heidentum in seinen ver- schiedenen Formen niedergeschlagen. Die Vorstellung vom Weltall, die Kultbräuche und das soziale Leben wur- den von allen Missbildungen, die sie entwürdigten, be- freit und der Geist des Menschen wurde von Vorurteilen gereinigt. Der Mensch fühlte endlich seine Würde und de- mütigte sich nur vor dem Schöpfer der Himmel und der Erde, dem Herrn aller Menschen. Er konnte, ja sollte end- lich wie Hadhrat AbrahamAS sagen:

    ﴾۸۰﴿ن

    ۡیِکرِ شۡ مُ ۡلا ن

    مِ اَنَا ۤام

    وَّ افً یۡ نِ ح

    ضَ رۡ َاۡلاوَ ت

    وٰ مٰ سّ لارَ طَ فَ ی

    ذِ لَّ ِلیَ هِ جۡ وَ ت

    هۡ جَّ وَ یۡ ِّنا

    Siehe, ich habe mein Angesicht in Aufrichtigkeit zu Dem gewandt, Der die Himmel und die Erde erschuf, und ich gehöre nicht zu den Götzendienern.‘ (6:80)


    Und mit dem Heiligen Propheten Muhammad:

    اَنَاوَ ت

    رۡ مِ ُاک

    ِلذٰ بِ وَ ۚہٗ َلک

    ۡیرِ شَ اَل﴾۱۶۳﴿ن

    ۡیمِ لَ عٰ ۡلا بّ ر ہِ لّٰ ِل یۡ تامَ م

    وَ یایَ حۡ م

    وَ یۡ کِ سُ ُنو

    یۡ تاَلصَ نَّ اِ لق

    ﴾۱۶۴﴿نۡیمِ لِ سۡ مُ ۡلال

    وَّ َا


    „Sprich: Mein Gebet und mein Opfer und mein Leben und mein Tod gehören Allah, dem Herrn der Welten. Er hat niemanden neben Sich. Also ist mir geboten und ich bin der erste der Gottergebenen.“ (6:163, 164)


    Wie der Geist von Vorurteilen befreit wurde, so wurde auch die Willenskraft von Banden gelöst, die sie an den Willen anderer Menschen oder untergeschobener okkul- ter Mächte fesselten. Die Priester, die falschen Inhaber von Geheimnissen, die Heilsmakler, alle diejenigen, die behaupteten, zwischen Gott und den Menschen Vermitt- ler zu sein, und die sich aus diesem Grund das Recht der


    Vormundschaft über den Willen eines jeden anmaßten, sollten von ihrem Thron heruntersteigen. Der Mensch wurde alleiniger Diener des Allerhöchsten und hatte den anderen Menschen gegenüber nur die Rechte des Freien gegenüber dem Freien.“


    Der Qurʾan hebt immer wieder die Einheit Gottes hervor, erläu- tert Seine Attribute und erklärt und illustriert ihre Wirkung. Er legt klar, dass Gott eins ist, dass Er keinen hat, der für Ihn ein Partner wäre oder gar Ihm gleich wäre, und dass alle Vereh- rung, Lobpreisung, Anbetung und aller Gehorsam nur Ihm al- lein gebührt. Er ist der Gegenstand der innigsten Liebe und Er- gebenheit. Seine Nähe zu suchen, in allen Dingen Seinen Willen zu tun, Sein Gefallen zu gewinnen, eine Manifestation Seiner Eigenschaften zu werden, sozusagen also Sein Ebenbild, das ist der Zweck der Erschaffung des Menschen, seine Aufgabe und sein Ziel.

    Allah ist der Ursprung aller Wohltätigkeit, jedes Ding stammt von Ihm ab und ist abhängig von Ihm und nichts existiert au- ßerhalb Seiner Kontrolle und Seiner Macht. Immer und immer wieder kommen im Qurʾan Stellen vor, bekräftigt von der Ver- nunft und Argumenten, die eine Flut von Licht auf die Existenz eines allwissenden, allgewaltigen, allmächtigen göttlichen We- sens werfen, wie zum Beispiel die folgenden Verse:

    وَ ض

    رۡ َاۡلاوَ ت

    وٰ مٰ سلاق

    لۡ خیِفنَ اِ ﴾۱۶۴﴿مُ یۡ ح

    َرلا ن

    مٰ حۡ َرلاَوہ

    اَّلاِ ہٰلاِ ۤاَلۚدحاوَ

    ہٌ ٰلاِ مۡ کُ هُ ـٰلاِ و

    ہُ لٰ لال

    زَ ۡنَاۤاموَ سانّ لاع

    فَ نۡ َیامَ بِ رح

    بَ ۡلایِفی

    ِرجَتیتِ َّلاک

    لۡ فُ ۡلاوَ ِراهَ نّ لاوَ لیۡ َّلافاَلتِ خا

    فۡیر

    صۡ َتوَّ ۪ ۃٍ َبآد

    لّ ِ ُكن

    ماهَ یۡ ِفثَ

    َبوَ اهَ تِ ۡوم

    دعۡ َبض

    رۡ َاۡلاہ

    بِ ایَ حۡ َافَ ءآمَ نمءآمَ س

    لانم

    سانّ لانموَ ﴾۱۶۵﴿ن

    ۡولُ قِ عۡ َی مٍ ۡوَقِّلتیٰ اٰ َلض

    رۡ َاۡلاوَ ءآمَ سلان

    ۡیَبرخَّ سمُ ۡلاباح

    سلاوَ حیٰ ِرلا

    وؕہِ لّٰ ِّل ابًّ ح

    دُ شَ َااۤۡونُ ماٰ نۡیذِ َّلاوَ ؕہِ لٰ لابِ

    حکَ مۡ هُ َنۡوبُّ حُیّ اداد

    ۡنَاہِ لٰ لانِ وۡ دنمذختَّ َیّ نم

    باذعَ ۡلاد

    ۡیدشہَ لٰ لانَّ َاوَّ ۙ اعً یۡ مِ ج

    ہِ لّٰ ِلةَ َوّ ُقۡلانَّ َاۙ باذعَ ۡلان

    ﴾۱۶۶﴿

    وۡ َرَیذۡ اِ اۤۡومُ لَ ظَ ن

    ۡیذِ َّلایَرَی ۡوَل


    „Euer Gott ist ein Einiger Gott, es ist kein Gott außer Ihm, dem Gnädigen, dem Barmherzigen. In der Schöpfung der Himmel und der Erde und im Wechsel von Tag und Nacht und in den Schiffen, die das Meer befahren mit dem, was den Menschen nützt, und in dem Wasser, das Allah nie- dersendet vom Himmel, womit Er die Erde belebt nach ihrem Tode und darauf verstreut allerlei Getier, und im Wechsel der Winde und der Wolken, die dienen müssen zwischen Himmel und Erde, sind fürwahr Zeichen für solche, die verstehen. Und doch gibt es Leute, die sich an- dere Zeichen zur Anbetung setzen denn Allah. Doch die Gläubigen sind stärker in ihrer Liebe zu Allah. Und wenn die Frevler (die Stunde) kennten, da sie die Strafe sehen werden (sie würden begreifen), dass alle Macht Allah ge- hört und dass Allah streng im Strafen ist.“ (2:164-166)

    تبِ نۡۢ ُی﴾۱۱﴿ن

    ۡومُ یۡ س

    ُتہیۡ ِف رٌ جَ َ ش

    ہنۡ م

    وَّ بارَ شہنۡ مِ مۡ کُ َّلءآم

    ءآمَ س

    لانملزَ ۡنَایۤ ذِ َّلاَوہ

    مٍ ۡوَقِّل ۃً َیۢ اٰ َلکِلذٰ یِف نَ

    اِ ؕترٰ مَ ثلالّ ِ ُكن

    موَ بانَ عۡ َاۡلاوَ لیۡ خ

    نّ لاوَ نۡوتُ ۡیزّ لاوَ عَ رۡ زّ لاہ

    بِ مۡ کُ َل

    ؕهٖ ِرمۡ َابِ ترٰ خَّ سم مُ ۡوجنّ لاوَ َؕرمَ َقۡلاوَ س

    مۡ شّ لاوَ ۙراهَ نّ لاوَ ل

    یۡ َّلامُ کُ َلرَ خَّ س و﴾۱۲﴿ن

    وۡ رُ کَّ فَ تَ َی

    کِلذٰ یِفنَ اِ ؕہٗ ُناوَۡ لَاافً لِ تَ خمض

    رۡ َاۡلایِفمۡ کُ َلَارَ ذاموَ ﴾۱۳﴿نۡولُ قِ عۡ َی مٍ ۡوَقِّلتٍَ َیٰ اٰ َلک

    ِلذٰ یِفنَ ا

    اۡوجرختَ سَتوَّ ایًّ رطامً حۡ َلہنۡ م

    اۡولُ ُكۡاتَ ِل رَ حبَ ۡلا رَ خَّ سیذِ َّلاَوہ

    وَ ﴾۱۳﴿ن

    وۡ رُ ّکذّ َیّ مٍ ۡوَقِّل ۃً َیاٰ َل

    مۡ کُ لَّ عَ َلوَ ہٖ لِ ضۡ فَ نماۡوغُ تَ بۡ تَ ِلوَ ہ

    یۡ ِفرَ خاَومک

    لۡ فُ ۡلایَرَتوَ ۚاهَ َنۡوسبَ لۡ َتۃً یَ لۡ ح

    ہنۡ م

    نوۡ دتََ هۡ َتمۡ کُ لَّ عَ َّل اًلبُ س

    وَّ ارً هٰ ۡنَاو

    مۡ کُ بِ دیۡ مِ َت نَای

    ساوَ رَ ضرۡ َاۡلایِفیقٰ ۡلَاوَ ﴾۱۵﴿ن

    وۡ رُ کُ شۡ َت

    نوۡ رُ ّکذَتاَلفَ َاؕقلُ خ

    َیاَّلنمَ کَ قلُ خَیّ نمَ فَ َا﴾۱۷﴿ن

    وۡ دتَ هۡ َی مۡ ہ مِ جنّ لابِ وَ ؕتمٰ لٰ ع

    وَ ﴾۱۶﴿

    ﴾۱۹﴿مٌ یۡ ح

    رَّ رٌ ۡوفُ غَ َل ہَ لٰ لا نَ

    اِ ؕاہَ ۡوصح

    ُتاَلہِ لٰ لاۃَ مَ عۡ ِناوۡ دُ عُ َتناِ وَ ﴾۱۸﴿


    „Er ist es, Der Wasser aus den Wolken niedersendet; da- von habt ihr Trank und (davon) wachsen die Bäume, von denen ihr (euer Vieh) fressen lasst. Damit lässt Er Korn sprießen für euch und den Ölbaum und die Dattelpalme und die Trauben und Früchte aller Art. Fürwahr, darin ist ein Zeichen für nachdenkende Leute. Und Er hat für euch die Nacht und den Tag dienstbar gemacht und die Sonne und den Mond; und die Sterne sind dienstbar auf Sein Ge- heiß. Fürwahr, darin sind Zeichen für Leute, die von der Vernunft Gebrauch machen. Und was Er auf der Erde für euch erschaffen hat, ist mannigfach an Farben. Fürwahr, darin ist ein Zeichen für Leute, die es beherzigen. Und Er ist es, Der euch das Meer dienstbar gemacht hat, dass ihr frisches Fleisch daraus esset und Schmuck aus ihm her- vorholen möget, den ihr anlegt. Und du siehst die Schiffe es durchpflügen, dass (ihr damit reisen möget) und su- chet Seine Huld und dass ihr dankbar seiet. Und Er hat feste Berge in die Erde gegründet, dass sie nicht mit euch wanke, und Flüsse und Wege, dass ihr recht gehen möget. Und (andere) Wegzeichen; (durch sie) und durch die Ge- stirne folgen sie der rechten Richtung. Ist nun wohl Der, Der erschafft, dem gleich, der nicht erschafft? Wollt ihr es also nicht beherzigen‘? Und wenn ihr Allahs Wohltaten aufzählen wolltet, ihr würdet sie nicht berechnen können. Fürwahr, Allah ist allverzeihend, barmherzig.“ (16:11-19)

    ضرۡ َاۡلایِفاموَ توٰ مٰ س

    لایِفامہٗ َلؕمٌ ۡوَناَلوَّ ۃٌ نَ س

    هٗ ذخُ ۡاَتاَل۬ۚمُ ۡویُّ َقۡلایُ ح

    ۡلَاَۚوہ

    اَّلاِ ہٰلاِ ۤاَلہُ لٰ لَا

    نۡوطُ یۡ حُیاَلوَ ۚ مۡ هُ فَ لۡ خاموَ مۡ هِ ۡید

    ۡیَان

    ۡیَبام

    مُ لَ عۡ َیؕہٖ ِنذۡ اِ بِ اَّلاِ هۤٗ د

    نۡ ع عفَ شۡ َییذِ َّلااذنمؕ

    َوہوَ ۚامَ هُ ظُ فۡ حهٗ دُ ۡؤُـَیاَلوَ ۚض

    رۡ َاۡلاوَ توٰ مٰ سلاہیُّ سرۡ ُکعسوَ ۚءآش

    امَ بِ اَّلاِ ۤہٖ مِ لۡ عن

    مِ ءٍ ی

    شَ ب

    ﴾۲۵۶﴿مُ یۡ ظِ عَ ۡلا یُ لِ عَ ۡلا


    „Allah, es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Lebendi- gen, dem aus Sich Selbst Seienden und Allerhaltenden. Schlummer ergreift ihn nicht noch Schlaf. Sein ist, was in den Himmeln und auf Erden ist. Wer ist es, der bei Ihm fürbitten will, es sei denn mit Seiner Erlaubnis? Er weiß, was vor ihnen ist und was hinter ihnen; und sie begrei- fen nichts von Seinem Wissen, außer was Ihm gefällt. Sein Wissen umfasst die Himmel und die Erde; und ihre Er- haltung beschwert Ihn nicht; und Er ist der Erhabene, der Große.“ (2:256)


  28. Die Eigenschaften Gottes – vier hervorragende Grundattribute


    Allah ist der eigentliche oder persönliche Name des göttlichen Wesens. Dieser Eigenname wird unterschieden von allen ande- ren Namen, welche bestimmte Eigenschaften bezeichnen, z.B. Allgerechter, Allweiser, etc. Ein Eigenname trägt nicht notwen- digerweise eine Bedeutung in sich, aber weil Allah der Eigen- name des göttlichen Wesens ist, umfasst er alle die Attribute, die im einzelnen in den verschiedenen Namen Gottes, die Seine speziellen Eigenschaften bezeichnen, enthalten sind, wie sie im Qurʾan in unterschiedlichen Zusammenhängen angeführt wer- den. Deswegen enthält der Name Allah alle die vollkommenen Eigenschaften Gottes; und da Er ein einzigartiges, vollkomme-


    nes Wesen ist, besitzt Er jedwede Vorzüglichkeit.

    Die hervorragendsten Eigenschaften Gottes, mit denen alle an- deren göttlichen Attribute verknüpft sind, werden ganz zu An- fang des einleitenden Kapitels des Qurʾans erwähnt:


    1. Rabbu l-ʿālamīn: Für gewöhnlich wird es, wenn man nach einem geeigneten Äquivalent sucht, mit „Herr der Welten“ übersetzt, aber entsprechend der qurʾanischen Ausdrucks- weise bedeutet es, dass Er der Schöpfer und Erhalter aller Welten und Wesen ist und sie Schritt für Schritt zur Voll- kommenheit führt. rabbbedeutet deswegen, der Herr, Der alles, was im Universum vorhanden ist, durch die ver- schiedenen Stufen des Wachsens auf eine Ebene der Voll- kommenheit leitet. „rabb“, also Wegbereiter zur Vollkom- menheit, ist somit eins der wichtigsten göttlichen Attribute. Ein Vergleich des attributiven Namens des göttlichen We- sens, „rabb“, mit dem Namen des „ab“ oder „Vater“, wie die Christen Ihn anreden, ist hier überaus bemerkenswert. Denn während „ab“ oder „Vater“ in sich die Idee der väter- lichen Gemütsregung trägt, verbunden mit der Absicht, das Kind geistig und körperlich zu ernähren, enthält das Wort

      „rabb“ eine weitaus größere Idee, nämlich die Idee einer unbegrenzten Liebe und Gemütsregung des Schöpfers die- ses Universums, Der nicht nur jedes Ding in den Zustand seiner Existenz gebracht hat, sondern Der darüber hinaus Vorsorge getroffen hat, um die gesamte Schöpfung in jeder Hinsicht mit Nahrung zu versorgen, die schrittweise zur Vollendung führt.

    2. Ar-Raḥmān: Der Gnädige, Der Vorsorge getroffen hat zur Erfüllung des Zwecks der Schöpfung des Menschen und der Universen. Ohne dass seitens Seiner Geschöpfe irgendeine


      Anstrengung unternommen werden müsste, versorgt Er sie mit allem, was notwendig ist für ihre Entwicklung und ih- ren Fortschritt und stellt jedem, ob gläubig oder nicht, die Schätze der Natur zur Verfügung.

    3. Ar-Raḥīm: Der Barmherzige, Der Seine Wohltaten denjeni- gen gewährt, die der Leitung folgen und rechtschaffene Ta- ten vollbringen. ar-Raḥīmist eine Form der Barmherzig- keit Gottes, die wir durch unsere eigene Anstrengung auf uns lenken. Es ist bemerkenswert, dass die beiden Attribute

      ar-Raḥmānund ar-Raḥīmvon derselben Wortwurzel herstammen, nämlich von raḥama“, das Zärtlichkeit be- deutet, welche die Ausübung von Wohltätigkeit erfordert und somit die Vorstellung von Liebe und Gnade enthält. Die islamische Vorstellung des Allmächtigen ist von christ- lichen Schriftstellern oftmals missverstanden worden. Der Gott des Islams wird gemeinhin dargestellt als gnadenlos und tyrannisch. Tatsächlich aber ist die allumfassende Gna- de des Allmächtigen eines der großartigsten Themen des Qurʾans. Die Namen ar-Raḥmānund ar-Raḥīm“, mit de- nen jedes Kapitel des Qurʾans eröffnet wird, äußern eine tie- fe, alles durchdringende Überzeugung Seiner Liebe, die die göttliche Gnade für die gesamte Schöpfung entfaltet.

    4. Māliki yaumi d-dīn: Meister des Gerichtstages. Es muss fest- gestellt werden, dass dieses vierte der vier Hauptattribute Gott als den Meister des Gerichtstages beschreibt und nicht bloß als Richter. Der wesentliche Unterschied zwischen ei- nem Richter und einem Meister ist der, dass der erstere da- ran gebunden ist, Gerechtigkeit auszuüben und diejenigen, die schlechte Taten vollbracht haben, für jedes Übel, dass sie begangen haben, bestrafen muss, während der Meister mit Umsicht und nach seinem Ermessen vorgehen kann und


      den Übeltäter entweder bestrafen oder aber ihm verzeihen kann. Die fehlende Hochschätzung dieses Attributes Gottes hat die christliche Kirche dazu geführt, eine so unhaltbare Doktrin wie das Sühneopfer Christi anzunehmen. Diejeni- gen, die diese Doktrin einführten, haben gedacht, dass Gott etwa so wie ein weltlicher Richter nicht die Macht habe, dem Menschen zu vergeben. Deswegen sei es notwendig, dass der „Sohn Gottes“ für die üblen Taten der Menschheit büße, denn Gott als Richter könne keine Sünden vergeben, bis nicht jemand gefunden werde, der sich für die Sünder als Ausgleich opfert. Im Qurʾan hingegen wird gesagt, dass Gott nicht nur Richter ist, sondern auch Meister, weswegen Er denen, die Unrecht getan haben, auch vergeben kann. Ist es nicht seltsam, dass ein göttliches Wesen nicht in der Lage sein sollte, menschlichen Wesen zu vergeben, wenn doch ein Mensch in der Lage ist, seinen Mitmenschen zu verge- ben. Gottes Gnade und Barmherzigkeit, Seine Güte und Sei- ne Wohltaten sind ohne Grenzen. Tatsächlich bestraft Gott nicht jede Sünde oder jedes Vergehen; vieles übersieht Er und vergibt es ganz und gar.

      ۔رٍ ۡیثِ کَ نعاۡوفُ عۡ َیو


      „Und er vergibt vieles.“ (42:31)


      Sein Gesetz ist, dass Er züchtigt, wo Züchtigung notwendig ist zur Verbesserung der Umstände, aber dass Seine Barmherzig- keit alle Dinge umfasst:

      ۔ءٍ یشلَ ُكتعَ سوَ یتِ مَ حۡ رَ و


      „Meine Barmherzigkeit umfasst jedes Ding.“ (7:157)


  29. Einige weitere Attribute Gottes


    Der Bereich göttlicher Attribute ist riesig und überaus ausge- dehnt. Der Qurʾan hat diese Thematik mit einzigartiger Vor- züglichkeit und bis in alle Einzelheiten behandelt. Tatsächlich könnte jedes Attribut, das wie alle anderen von den vier Haupt- Eigenschaften abstammt, die wir gerade beschrieben haben, in sich selbst einen ungeheuren Bereich darstellen. Aus diesem Grunde ist es nicht möglich, hier mit einer ausführlichen Er- läuterung der verschiedenen Attribute zu beginnen; insgesamt sind es 103 Attribute, die direkt im Qurʾan erwähnt worden sind. Wir zählen hier einige der herausragenden Attribute Got- tes, wie sie der Islam darstellt, auf:

    Er ist der Allmächtige, der Allwissende, der Allgerechte, der Herr der Welten, der Schöpfer der Himmel und der Erde, der Herr über Leben und Tod, in Dessen Händen die Herrschaft ist und unwiderstehliche Macht, der Große, der Mächtige, der Starke, der Höchste, der Urheber, der Allweise, der Wahrhafti- ge, der Wisser jedes noch so geringen Guten oder Schlechten. Er ist der König, der Heilige, der Friedfertige, der Treue, der Wächter über Seine Diener, der Führer auf den geraden Weg, der Erlöser und Heiler aller Leiden, der Freund, der Gnadenrei- che, der Allhörende, der Allsehende, der Nahe, der Geduldige, der Barmherzige, der stets Verzeihende, der Verleiher der Si- cherheit, die Quelle des Friedens, der Liebreichste.


  30. Die Engel


    Das arabische Wort für Engel ist „malak“, der Plural davon heißt „malāʾika“. Dieses Wort stammt von der Wortwurzel

    „malka“ ab, das im Sinne von „eine Botschaft übermitteln“ ge- braucht wird. Das Wort „malak“ hat somit die Bedeutung von

    „Überbringer einer Botschaft“. Das erklärt die Zielrichtung der Erschaffung der Engel. Sie finden ihre Bedeutung darin, Gottes Botschaft den Menschen zu übermitteln und Seinen Willen im Universum auszuführen. Das heißt nun nicht, dass Gott nicht allmächtig und allwissend und alles umschließend ist, und dass Er irgendwelcher handelnder Wesen bedarf, die Seinen Willen ausführen oder Seine Botschaft übermitteln. Aber in Seiner ewi- gen Weisheit hat Er Sich dafür entschieden, mit einem System zu arbeiten. Geradeso wie Er ein System in der physischen Welt geschaffen hat, hat Er auch ein System in der geistigen Welt geschaffen. Somit sind Engel Teil des Systems, mit dem Gott Seinen Willen in beiden Welten, der physischen und geistigen, ausdrückt. In der physischen Welt gestalten sie das erste Binde- glied mit einer Anzahl von physischen Kettengliedern, die nach unten herabsteigen. In der geistigen Welt aber sind sie ein di- rektes Bindeglied zwischen Gott und Mensch. Wir wissen, dass in der physischen Welt Gott zur vollständigen und perfekten Erfüllung unserer Sinne die Elemente, Sonne, Mond und ande- re Satelliten, bestimmt hat, die unseren Fähigkeiten und Sinnen beistehen, um die geeigneten Ergebnisse zu bekommen. Um ein Beispiel zu geben: das persönliche Licht des menschlichen Auges ist nicht ausreichend zum Sehen, wenn das Licht der Sonne es nicht unterstützte; ebenso können menschliche Ohren nicht hören, wenn nicht die Luft zum Träger der Töne würde und die Naturanlage unseres Hörens unterstützte. Das macht


    ziemlich deutlich, dass Gott die Naturgesetze auf eine solche Art geschaffen hat, dass unsere Fähigkeiten Vollkommenheit nur durch äußere Ursache erreichen können. Eine eingehende Beschäftigung mit dieser Thematik wird uns davon überzeu- gen, dass wir nicht nur in ein oder zwei Fragen, sondern zur Vervollständigung aller unserer Sinne, Fähigkeiten und Kräf- te, Hilfe und Unterstützung von außen benötigen. Falls nun dieses Gesetz des Allmächtigen, in Dessen Handlungen wir Einheitlichkeit, Ausgewogenheit und Ebenmaß finden, strikt in der naturwissenschaftlichen Welt verankert zu sein scheint, dann ist es nicht unerheblich, dass gleichermaßen in unserer geistigen Bedeutung und Vervollkommnung eben dies Gesetz in Kraft tritt, so dass beide Gesetze, die von der gleichen Ver- anlagung und Wesensart sind, hinweisen auf den gleichen und einen Schöpfer und Urheber dieses Universums. Es ist in sich selbst Beweis genug, dass, wenn Gott in der naturwissenschaft- lichen Welt aus Seiner Weisheit heraus es so eingerichtet hat, dass unsere Sinne und Fähigkeiten ihre Vervollständigung und Vollkommenheit mit Unterstützung und der Wirkungsweise äußerer Einflüsse (wie himmlische Körper und andere Elemen- te) erreichen mögen, dann muss Er die gleiche Weisheit, das gleiche Gesetz und das gleiche System auch für unsere geistige Welt gewünscht haben. Die äußeren Kräfte, die uns beeinflus- sen (so wie Sonne, Mond und andere Elemente), die die Bedürf- nisse der geistigen Welt erfüllen, werden von nun an Engel ge- nannt werden und in ähnlicher Weise haben Kräfte, die in die Richtung der Schlechtigkeit führen, die Namen Satan oder Iblīs erhalten.

    Wir mögen vielleicht nicht ganz die Beschaffenheit ihrer Wesen

    verstehen, aber wir mögen wohl den Zweck ihrer Erschaffung begreifen und ihre Aufgaben, die zu vollbringen ihnen Gott


    auferlegt hat. Dies ist einer der wesentlichsten Gründe, warum der Islam den Glauben an die Engel unter die grundlegenden Glaubensartikel (Qurʾan 2:286) einbezogen hat, weil die Vernei- nung der Engel bedeuten würde, dass man die ganze breite Al- lee, durch die das Licht Gottes zum Menschen fließt, versperren würde.

    Engel sind für das physische Auge nicht sichtbar. Jedoch er- scheinen sie bisweilen einem Menschen in der einen oder ande- ren Form. Diese Erscheinungsform ist nicht real, sondern eine Art Manifestation. Dies erklärt auch, warum das Erscheinen des gleichen Engels zu unterschiedlichen Zeiten unterschied- liche Formen annehmen kann. Diese Verbindung mit ihm ist nicht eingebildet, sondern wirklich und bewirkt eine unmittel- bare Beeinflussung, die deutlich verspürt wird. Es muss klar verstanden werden, dass wir, wenn wir davon sprechen, dass ein Engel einem menschlichen Wesen erschienen ist, nicht mei- nen, dass er tatsächlich auf die Erde hinabsteigt und seinen fest- gelegten Ort in den Himmeln verlässt. Wir meinen einfach sei- ne Manifestation, durch die er eine Form annimmt, die für den Menschen sichtbar wird. Weiterhin muss es richtig verstanden werden, dass ein Engel nicht bloß eine Kraft ist, sondern ein lebendiges Wesen, das den Willen seines Herrn vollstreckt, wo auch immer und in welcher Angelegenheit auch immer es von ihm verlangt wird.

    Der Qurʾan zählt eine Anzahl von Aufgaben der Engel auf. Eini- ge der wichtigsten seien im Folgenden aufgeführt.


    1. Sie sind die Überbringer göttlicher Botschaften. (22:76)

    2. Sie beeinflussen Menschen zu rechtschaffenen Werken, sie bewegen deren Herzen zur Rechtschaffenheit. (91:9)


    3. Sie dienen den Propheten und helfen zur Erlangung ihrer Ziele. (15:30; 4:167) Sie helfen auch den Gläubigen. (41:31,

      32)

    4. Sie bringen Bestrafung über solche, die den Propheten zu- widerhandeln (6:159); und sie erfüllen deren Feinde mit Furcht. (3:125, 126)

    5. Sie setzen die Naturgesetze durch und tragen den Thron Gottes auf ihren Schultern. (40:8)


  31. Iblīs


    Nach der Wurzelbedeutung des Wortes ist Iblīs ein Wesen, das wenig Gutes und viel Schlechtes in sich enthüllt und dies, weil Iblīs infolge seines Ungehorsams an der Gnade Gottes verzwei- felte und in seiner Verwirrung den rechten Weg nicht mehr se- hen konnte. Iblīs wird öfters als identisch mit Satan angesehen, aber er ist in einigen Punkten verschieden von ihm, wie wir später erörtern werden. Iblīs – und das muss ganz deutlich klar- gelegt werden – war nicht einer aus der Schar der Engel.

    نمناَك وَ ٭۫رَ َبکۡ تَ ساوَ یبٰ َاؕسیۡ لِ بۡ اِ ۤاَّلاِ اوۤۡ دجسفَ مَ دَ اٰ ِ لاوۡ دجساۃکَ ئِ لٰٓ مَ لۡ ِلانَ لۡ قُ ذۡ اِ و

    ﴾۳۵﴿نۡیرِ فِ کٰ ۡلا

    „Und (gedenke der Zeit) da Wir zu den Engeln sprachen:

    ‚Gehorchet Adam‘, und sie alle gehorchten; nur Iblīs nicht, er weigerte sich und war zu stolz, denn er war der Un- gläubigen einer.“ (2:35)


    In diesem Vers wird Iblīs als einer beschrieben, der Gott nicht gehorcht, und die Engel werden geschildert als Wesen, die im-


    mer „gottergeben“ und „gehorsam“ sind. Der Qurʾan sagt fer- ner:

    ﴾۷﴿نوۡ ُرمؤۡ ُی امنۡولُ عَ فۡ َیوَ مۡ ہُ َرمَ َا ۤامہَ لٰ لانۡوصعۡ َیاَّل۔۔۔ ۃٌ کَ ئِ لٰٓ م

    „Engel, die Allah nicht ungehorsam sind in dem, was Er ihnen befiehlt, sondern alles vollbringen, was ihnen gehei- ßen wird.“ (66:7)


    Iblīs konnte deswegen kein Engel gewesen sein.

    Der Einwand, warum Gott denn böse mit Iblīs war, während doch das Gebot in dem oben erwähnten Vers (2:35) für die En- gel gedacht war und nicht für ihn, ist nicht stichhaltig, denn an einer anderen Stelle macht der Qurʾan klar, dass es auch Iblīs befohlen wurde, Adam zu dienen.

    ۔ؕکُترۡ مَ َا ذۡ ا دجسَت اَّلَا کعَ نَ ماملاق


    „Gott sagt: Was hinderte dich (o Iblīs), dass du dich nicht (Adam) unterwarfst, als Ich es dir gebot?“ (7:13)


    Das zeigt, dass Iblīs, obwohl er kein Engel war, auch beauftragt war, sich Adam zu unterwerfen. Es ist daher deutlich, dass Iblīs zu einer geheimen Schöpfung Gottes gehörte. Er war, den Engeln unähnlich, von Gott in die Lage versetzt worden, Ihm zu gehorchen oder nicht zu gehorchen. Es wird weiterhin im Qurʾan berichtet, dass, als Iblīs unverschämterweise Gott nicht gehorchte, Er Sich von ihm abwandte und ihn wegen seines re- bellischen Verhaltens verfluchte, worauf Iblīs den Eid schwor, dass er die Menschen in die Irre führen wolle und versuchen wolle, sie daran zu hindern, dem rechten Weg zu folgen. (7:12- 19; 15:35, 36, 40; 17:63)


    َ

    An einer anderen Stelle sagt Gott zu Iblīs:

    ﴾۴۳﴿نۡیوِ غٰ ۡلا نم کعَ بَ تانِ ماَّلاِ نطٰ لۡ سمۡ هِ یۡ لَ عک

    َلس

    یۡ َلی

    دابَ ع

    نَ ا

    „Fürwahr, du sollst keine Macht haben über Meine Die- ner, bis auf jene der Verführten, die dir folgen.“ (15:43)


    Einmal heißt es im Qurʾan, dass Iblīs einer der Dschinn war, das ist die geheime Schöpfung. (18:51)

    Und über die Dschinn sagt der Qurʾan weiter:

    ﴾۵۷﴿نِ وۡ د

    بُ عۡ یَ ِلاَّلاِ سَ ۡنِاۡلاوَ نَ

    جِ ۡلات

    قۡ لَ خ


    امو


    „Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum ge- schaffen, dass sie Mir dienen.“ (51:57)


  32. Der Sinn von Gut und Böse


    Über die Existenz von Gut und Böse in der Welt sei so viel ge- sagt, dass Gott in Seiner unendlichen Weisheit den Menschen zu einem handelnden Wesen gemacht und ihm die Möglichkeit gegeben hat, entweder den richtigen Weg zu wählen oder auf den falschen Weg geführt zu werden. Dieses System, in dem so- wohl die Engel als auch Iblīs ihren Platz einnehmen, bewegt sich in der Angemessenheit der Dinge und ist zum eigenen Nutzen des Menschen. Wäre nämlich der Mensch kein frei handelndes Wesen, könnte er sich auch kein Lob verdienen oder berech- tigt sein, Belohnung für seine guten Taten zu empfangen. Und wenn der Mensch einen Anspruch darauf hat, Belohnung für gute Handlungen zu erhalten, dann muss er notwendigerweise auch verantwortlich sein für seine Missetaten, Fehler und Sün-


    den, weil sein Wesen, das es ihm gestattet, frei zu handeln, auf beiden Seiten wirken muss.

    Gott hat für den Menschen noch mehr getan. Er hat jedem Men- schen einen guten Lebensbeginn gewährt dadurch, dass Er ihm eine gute und rechtschaffene Natur gegeben hat, und es ist der Mensch selbst, der späterhin das Gute seiner Natur entweder aufrechterhält oder zerstört, indem er einen schlechten Weg einschlägt. Der Heilige ProphetSAW sagt: „Jedes Kind wird mit ei- ner guten Natur geboren (d. h. mit den Naturanlagen des Islams). Es sind seine Eltern, die ihn später zu einem Juden, Christen oder Feuer- anbeter machen.“ (Buḫārī) Gott erweckt darüber hinaus Prophe- ten und sendet Seine Offenbarungen herab, um der Menschheit dadurch Gelegenheit zu geben, ihren geistigen Zustand zu ver- bessern, so dass die Menschen, wenn sie auf eigenen Entschluss oder unter dem Einfluss übler Kräfte oder schlechter Gefährten in die Irre gegangen sein sollten, durch Seine Offenbarungen zur Wahrheit zurückgerufen werden mögen.


  33. Satan


    Nach der Wörterkunde bedeutet das Wort „Satan“ („šaiṭān“):


    1. Den bösen oder üblen Geist. d. h. Satan;

    2. Jeden, der verletztenderweise die maßgebenden Grenzen überschreitet und übertrieben stolz und rebellisch ist;

    3. Eine Schlange;

    4. Irgendeine tadelnswerte Kraft oder Fähigkeit oder Neigung wie Wut usw.;

    5. Irgendeinen peinvollen Zustand wie übermäßiger Durst usw. In seinem weiter Gefassten Sinn ist das Wort dann


    auch für irgendetwas gebraucht worden, das schädlich ist und boshaft und eine Ursache für Leiden.


    Es muss klargestellt werden, dass das Wort „Satan“ eine weitaus größere Bedeutung hat als Iblīs, denn während Iblīs der Name ist, der dem bösen Geist gegeben wurde, der zu den Dschinn gehörte und der sich weigerte, Adam zu dienen, woraufhin er zum Anführer der Kräfte des Bösen im Universum wurde, wird das Wort „Satan“ gebraucht, um irgendein Übel zu bezeichnen oder ein schädliches Wesen oder Ding, sei es ein Geist oder ein menschliches Wesen oder ein Tier oder eine Krankheit oder ir- gend etwas anderes. Iblīs ist somit ein Satan, seine Gefährten und Genossen sind Satane; bösartige Tiere sind Satane; Feinde der Wahrheit sind Satane; boshafte Menschen sind Satane und Krankheiten sind Satane.

    Der Qurʾan und die Ahadith und die arabische Literatur sind voller Beispiele, in denen das Wort Satan freimütig gebraucht wird für eins der erwähnten Dinge oder alle. So sagt der Qurʾan, dass es Satane sowohl unter den Menschen als auch den Dschinn gibt (6:113); Verderben bringende Feinde der Wahrheit werden im Qurʾan ebenfalls Satane genannt (2:15). Der Heilige Prophet MuhammadSAW gebrauchte einmal den Namen Satan für einen Dieb, der wiederholt Hadhrat Abu HurairaRA beraubt hatte. (Buḫārī) Er sagte einmal, dass ein schwarzer Straßenhund ein Satan wäre (Māǧa); wieder ein anderes Mal hat er seinen Gefährten befohlen, ihre Gefäße, die Nahrungsmittel und Ge- tränke enthalten, zu bedecken, damit Satan nicht seinen Weg da hinein finden könne, und er meinte offensichtlich damit, dass schädliche Insekten und Bazillen nicht die Speisen und Geträn- ke verseuchen sollten, was der Fall sein könnte, wenn die Gefä-


    ße unbedeckt blieben. (Māǧa) An einer anderen Stelle ermahnt der Heilige ProphetSAW seine Anhänger, dass sie ihre Nasenlö- cher reinigen sollten, wenn sie morgens vom Schlaf aufstehen, denn Satan hält sich in ihnen auf. Er wies damit darauf hin, dass während des Schlafens schaden bringende Substanzen sich in den Nasenlöchern angesammelt haben könnten, die, wenn sie nicht entfernt würden, die Gesundheit beeinträchtigten. (Mus- lim) Durch diese Beispiele wird es klar, dass Satan eine sehr all- gemeine Redewendung ist und für alle bösen oder schädlichen Wesen und Dinge verwendet wird.


  34. Dschinn


    Das Wort Dschinnstammt von ǧannaab, was bedeutet: be- deckt sein oder verborgen, versteckt oder geschützt. Nach sei- ner Wortableitung heißt Dschinndas, was ein Ding versteckt oder bedeckt oder verdunkelt oder was immer verborgen ist oder unsichtbar ist oder unsichtbar wird. Nach der allgemeinen Auffassung sind Dschinn Wesen, die für uns unsichtbar sind, und wir sind nur dann in der Lage, sie zu sehen, wenn sie selbst sich uns enthüllen. Der Glaube an die Existenz solcher Geistes- wesen ist weitverbreitet und findet sich in allen Zeitaltern. Das Wort Dschinnfindet im Qurʾan und auch in der Hadith mit unterschiedlicher Bedeutung Erwähnung, Erwähnungen, die alle auf den beiden grundlegenden Bedeutungen des Wortes basieren, nämlich:


    1. Das, was versteckt oder verborgen bleibt und

    2. das, was versteckt oder verbirgt oder bedeckt.

    In keinem Fall aber wird Dschinnfür eine andere als die


    menschliche Gattung verwendet. Das Wort Dschinnim

    Qurʾan hat folgende Bedeutungen:

    1. Böse Geister, die üble Gedanken einflüstern. Sie sind die Be- auftragten Satans und seine Verkörperung. (114:6, 7)

    2. Einige eingebildete Wesen, die von den Ungläubigen ver- ehrt werden, die aber nirgendwo auf der Welt existieren. (34:42)

    3. Die Einwohner hügeliger Gegenden. (55:16, 40, 57)

    4. Menschen, die fremden Religionen angehören. (34:13)

    5. Grausame und wilde Völker, die nicht zivilisiert sind und nicht einem Gesetz unterliegen und wegen ihres hitzigen und rebellischen Verhaltens Dschinngenannt werden. (15:28)

    6. Hochgestellte und mächtige Menschen, die den schwachen und armen Klassen entgegengesetzt sind. Solche Menschen werden auch deswegen Dschinngenannt, weil sie sich sehr selten mit der allgemeinen Öffentlichkeit mischen und zurückgezogen leben. (6:128)


  35. Die Offenbarung Gottes


    Der Glaube an alle offenbarten Bücher und Nationalitäten ist einer der Glaubensartikel des Islams. In seinem breiten Sinn be- deutet „Offenbarung“ Führung, die unmittelbar von Gott dem Menschen gewährt wird. Sie hat verschiedene Gestalten.


    1. Die deutlichste und wohl bekannteste Form von Offenba- rung ist offenbartes Gesetz; zum Beispiel die Bücher Mose und der Qurʾan.

    2. Von Zeit zu Zeit wird von Gott Offenbarung gewährt, die


      die Aufmerksamkeit des Menschen erneut auf die vielfälti- gen Aspekte dessen lenkt, was bereits offenbart worden ist, aber was noch nicht in seinem vollen Wert gewürdigt wor- den ist, oder was vielleicht übersehen oder vernachlässigt wurde, nachdem es eine Zeit lang eine bestimmte Wirkung ausgestrahlt hatte. Ein Beispiel hierfür sind die Offenba- rungen, die dem Heiligen Propheten MuhammadSAW nach Hadhrat MosesAS gewährt wurden.

    3. Die dritte und unterste Form von Offenbarung ist eine in- dividuelle Erfahrung, die die Möglichkeit einer direkten Verbindung zu Gott veranschaulicht und einen Menschen mit einer großen Freude beglückt. In solchen Fällen ist sie meistens auf wahre Träume und klare Visionen beschränkt, wenngleich auch wörtliche Offenbarung nicht ausgeschlos- sen ist.


    Gott der Allmächtige hat dieses Universum geschaffen und hat Vorsorge getroffen für alle physischen und geistigen Bedürf- nisse der Menschheit. In der Tat ist Offenbarung als eine indivi- duelle Erfahrung eine Notwendigkeit und eine Vervollkomm- nung des geistigen Lebens. Nur die Erfahrung einer direkten Verbindung mit Gott durch Offenbarung schafft in den Herzen und Köpfen der Menschen die absolute Sicherheit des Glau- bens an einen lebendigen und barmherzigen Schöpfer. Dass aber die Vernunft an sich zu der Entdeckung geführt haben könnte, dass Gott existiert oder zu dem Glauben daran, wider- spricht der Wirklichkeit. Die Vernunft an sich mag oder mag auch nicht einen Menschen dazu bringen zu bezeugen, dass Gott existieren muss; es ist allein Offenbarung, die ihn befähigt, mit vollkommener Überzeugung und vollem Vertrauen zu er- klären, dass Gott da ist.


    Offenbarung ist eine allgemeine und andauernde Erfahrung der Menschheit, und das muss auch so bleiben. Es kann keinen Zweifel daran geben, dass das Sprechen ein Attribut Gottes ist, gerade so wie das Sehen und das Hören Seine Eigenschaften sind. Diese Seine Eigenschaften, dass Er spricht und Sich of- fenbart, werden wie alle Seine anderen Eigenschaften niemals aufhören zu wirken. Eine Unterbrechung der Offenbarung würde ein Zurückziehen der unmittelbaren Verbindung zwi- schen dem Menschen und Dem, Der ihn erschaffen hat, bedeu- ten, was hieße, dass jegliches geistiges Leben vernichtet würde. Das geistige Leben wird ununterbrochen erneuert durch die Erfahrung der Offenbarung, sei sie direkt oder indirekt in ihren verschiedenen Formen. Wie wir angeführt haben, ist Offenba- rung nicht beschränkt auf seinen Hauptzweck, der Menschheit ein göttliches Gesetz und göttliche Leitung zu übermitteln oder zu verdeutlichen. Durch die Annahme des göttlichen Gesetzes und Übereinstimmung mit ihm wird einem Menschen die Er- fahrung der individuellen Offenbarung zuteil, oder, mit ande- ren Worten, es geschieht ihm, dass er die Freude einer wirkli- chen Verbindung mit Gott verspürt. So gewinnt Offenbarung die Bedeutung, die höchsten geistigen Bedürfnisse des Men- schen und seine ganze Sehnsucht erfüllen zu können, so Gott will. Dass Gott auch heute zu Seinen rechtschaffenen Dienern spricht, ist im folgenden Vers des Qurʾans klar zum Ausdruck gebracht worden:

    وَ اۡوُنزَ ح

    َتاَلوَ اۡوفاخ

    َتاَّلَا ۃُ کَ ئِ لٰٓ مَ ۡلامُ هِ یۡ لَ علزَّ َنتَ َتاۡوماَقتَ سامَّ ُث ہُ لٰ لاانَ ُبّ رَ اۡوُلاقَ ن

    ۡیذِ َّلا نَ ا

    ﴾۳۱﴿نوۡ دعَ ۡوُتمۡ تُ نۡ کُ ی

    تِ َّلا ۃ

    نَّ ج

    ۡلابِ اوۡ رُ شِ بۡ َا


    „Die aber sprechen: ‚Unser Herr ist Allah‘ und dann standhaft bleiben – zu ihnen steigen die Engel nieder und sprechen: Fürchtet euch nicht, und seid nicht betrübt, sondern freut euch des Paradieses, das euch verheißen ward.“ (41:31)


  36. Das Verhältnis des Qurʾans zu anderen religiösen Schriften


    Wie wir bereits geschildert haben, ist der Glaube nicht nur an den Qurʾan allein, sondern an alle Bücher Gottes einer der Ar- tikel des islamischen Glaubens. (2:5) Der Qurʾan akzeptiert die Allgemeingültigkeit dessen, was von ihm offenbart worden ist und verkündigt, dass kein Teil der Menschheit mit göttlicher Leitung unversorgt gelassen wurde, sondern dass jedes Volk die Leitung erhielt, die ihrem Bedürfnis entsprach. Der Qurʾan sagt hierzu ausdrücklich, dass jedes Volk seinen Gesandten oder geistigen Führer gehabt hat.

    ﴾۴۸﴿ن

    ۡومُ لَ ظۡ ُیاَلمۡ ہ

    وَ طِ س

    قِ ۡلابِ مۡ هُ نَ یۡ َبی

    ضِ قُ مۡ هُ ُلۡوسُ رَ ءآج

    اذَ اِ فَ ۚل

    ۡوسُ رَّ ۃ

    مَّ ُا لّ ِ ُكِل و

    „Und für jedes Volk ist ein Gesandter. Wenn also ihr Ge- sandter kommt, so wird zwischen ihnen entschieden nach Gerechtigkeit und kein Unrecht widerfährt ihnen.“ (10:48)


    Die Frage, wie die Haltung des Qurʾans zu solchen Offenbarun- gen ist, dessen Wahrheit er bestätigt, wird dadurch beantwor- tet, dass die vorhergehenden Offenbarungen begrenzt waren in ihrem Wirkungskreis. Jede Offenbarung war dazu bestimmt, den Bedürfnissen des Volkes zu entsprechen, zu dem sie herab- gesandt war, während jenes Stadiums ihrer Entwicklung, die


    dieses Volk gerade zu betreten begann. Um besonders hervor- zuheben, dass die Führung hinreichend war für deren Bedürf- nisse und dass sie für sie ausreichte, wird festgestellt, dass sie herabgesandt wurde in Übereinstimmung mit den jeweiligen Erfordernissen von Wahrheit und Weisheit. (17:106) Jede die- ser Offenbarungen enthielt grundlegende Wahrheiten, die bin- dend waren für Jahrhunderte hinsichtlich der Bedürfnisse der gesamten Menschheit, aber sie enthielten auch Führung, An- weisungen und Gebote, die bloß örtlichen und zeitbedingten Charakter hatten. Darüber hinaus gingen im Verlauf der Zeit Teile dieser Offenbarungen verloren oder unterlagen Verände- rungen durch Menschenhand, und tatsächlich hat ja auch im menschlichen Geist im Verlauf der Zeit ein evolutionärer Pro- zess stattgefunden. Deswegen ist das, was örtlicher und zeitge- mäßer Natur war, im Qurʾan nicht mehr enthalten und das, was in den früheren Offenbarungen noch nicht enthalten war, weil die Notwendigkeit dafür damals noch nicht gegeben war, ist nunmehr im Qurʾan zu finden. Somit erfüllt er ausnahmslos alle Bedürfnisse des Menschen. Also erklärt der Qurʾan:

    ۔انً ۡیدِ ماَلسۡ ِاۡلامُ کُ َلت

    یۡ ضِ رَ وَ ی

    تِ مَ عۡ ِنمۡ کُ یۡ لَ عت

    مۡ مَ ۡتَاوَ مۡ کُ نَ ۡیدِ مۡ کُ َلت

    لۡ مَ ۡکَامَ ۡویَ ۡلَا


    „Heute habe ich eure Glaubenslehre für euch vollendet und Meine Gnade an euch erfüllt und euch den Islam zum Bekenntnis erwählt.“ (5:4)


    Und das war ja bereits von Jesus Christus, Friede sei auf ihm, prophezeit worden, indem er sagte: „Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in die ganze Wahrheit leiten.“ (Johannes 16:12, 13)


    Somit ist die Offenbarung durch den Qurʾan vollkommen ge- worden. Neben seiner Aufgabe, die Religion der Vervoll- kommnung zu bringen und deutlich zu machen, was in den früheren Schriften unklar geblieben war, erhebt der Qurʾan den Anspruch, Wächter zu sein über jene Schriften, indem er die wahren Lehren der Heilige ProphetenSAW behütet und über das

    den Richterspruch fällt, was sie voneinander unterscheidet.

    مۡ کُ حافَ ہیۡ لَ عانً مِ یۡ هَ موَ بتٰ کِ ۡلانمہۡیدَینۡیَبامَ ِّلاقً دِ صمقِّ حۡلابِ بتٰ کِ ۡلاکیۡ َلاِ ۤانَ ۡلزَ ۡنَاو

    ۔ہُ لٰ لالزَ ۡنَاۤامَ بِ مۡ هُ نَ یۡ َب


    „Wir haben dir das Buch hinabgesandt mit der Wahrheit, als Erfüllung dessen, was schon in dem Buche war, und als Wächter darüber. Richte darum zwischen ihnen nach dem, was Allah hinabgesandt hat.“ (5:49)


    Wenn der Qurʾan ausdrücklich fordert, auch an die vor ihm of- fenbarten Bücher zu glauben, bedeutet dies nicht, dass ein Mus- lim all den Anordnungen und Erlassen folgen soll, die in den heutigen Fassungen der früher offenbarten Bücher enthalten sind. Was der Qurʾan bejaht und bestätigt, ist die ursprüngli- che Offenbarung, die den früheren Propheten gewährt worden war; und was in den heutigen Versionen dem Qurʾan wider- spricht, war nicht die Offenbarung, die die Propheten erhielten.


  37. Propheten


    Allah ist der Schöpfer des Universums und kraft Seiner Attri- bute, die Vorsorge für das Wohlergehen der Menschheit tref- fen, hat Er sowohl für die geistigen als auch die materiellen Bedürfnisse der Menschen Hilfsmittel bereitgestellt. Für den Menschen ist der lebendige Glaube an die Existenz Gottes stän- dige geistige Notwendigkeit. Allah hat Vorsorge getroffen zur Erfüllung dieses Bedürfnisses, indem Er Offenbarungen sand- te. Der Qurʾan sagt dazu, dass es Gott obliegt, den Menschen mit

    Führung zu versehen:

    ﴾۱۳﴿یدٰ هُ لۡ َلانَ یۡ لَ ع

    نَ ا


    „Wahrlich, Uns obliegt die Führung.“ (92:13)


    Sobald der menschliche Geist in die Lage versetzt wurde, den Nutzen unmittelbarer Verbindung zu Gott wahrzunehmen und Offenbarungen als verbindliches Erlebnis zu erfahren, wurde ihm auch nach und nach geistige Leitung durch weitere Offen- barungen gewährt; die Engel wurden angewiesen, ihm Hilfe- stellung in seinem Bemühen zu leisten, gute und rechtschaffene Ziele und Absichten vorzubereiten und zu erfüllen.


    ﴾۷۳﴿ن

    ۡیدجس

    ہٗ َل اۡوعُ َقفَ ی

    حوۡ رُّ ن

    مہیۡ ِفت

    خفَ َنوَ ہٗ تُ ۡیَوّ س

    اذَ اِ ف


    „Und wenn Ich ihn gebildet und von Meinem Geist (gött- liche Offenbarung) in ihn gehaucht habe, dann neiget euch und bezeugt ihm Ehrfurcht.“ (38:73)


  38. Wer ist ein Prophet?


    Propheten sind die Empfänger der Offenbarungen Gottes. Sie teilen den Menschen den Willen Gottes mit und dienen als Vor- bilder, denen man nachfolgen und die man nachahmen sollte. Ein Prophet ist ein Mensch, der häufig mit göttlicher Anrede begünstigt wird. Er verkündet mit der überzeugenden Kraft der Offenbarungen von Gott zukünftige Ereignisse und verbor- gene Geheimnisse, die früher oder später verwirklicht werden. Gott Selbst mag ihn mit dem Namen Prophet bezeichnen.

    Das Prophetentum ist ein Geschenk Gottes, das Er einem Men- schen verleihen kann. Es kann nicht erworben werden durch gute Werke. Dass Gott einen Propheten erwählt, ist eine Ange- legenheit von Ihm selbst. Es ist ausschließlich Seine Entschei- dung, jemanden auszuwählen, der bereit und fähig ist, Seine Worte zu empfangen. Gott sagt hierzu im Qurʾan:

    ۔ؕہٗ تَ َلاسَ ِرل

    عَ ج

    َیث

    یۡ ح

    مُ لَ عۡ َاہُ لٰ لَا


    „Allah weiß am besten, wo Er seine Botschaft hinlegt.“ (6:125)


    Hadhrat AdamAS, der vor ungefähr 6000 Jahren lebte, wird ge- meinhin für den ersten Propheten gehalten, den Gott erweckte. Diese Sicht der Dinge findet bei einer genaueren Betrachtung keine Bestätigung. Die Wahrheit ist, dass die Welt durch ver- schiedene Zyklen der Erschaffung und Zivilisierung gegangen ist, und Hadhrat AdamAS, der Ahnherr der heutigen mensch- lichen Rasse, ist nur das erste Glied des gegenwärtigen Zyk- lus und nicht der allererste Mensch in Gottes Schöpfung. Diese


    Ansicht wird auch von einigen gewichtigen muslimischen Ge- lehrten für richtig gehalten. Muḥyi d-Dīn ibn ʿArabī, der große Mystiker, sagt, dass er einmal in einem Traum gesehen habe, wie er selbst eine Umkreisung der Kaʿba vollzogen habe. In diesem Traum erschien ein Mann vor ihm und erklärte, einer seiner Vorfahren zu sein. „Wie lange ist es her, seit du gestorben bist?“ fragte ibn ʿArabī. Der Mann erwiderte: „Mehr als 40.000 Jahre“. „Aber diese Zeitspanne ist weitaus größer als die, die uns von Hadhrat Adamas trennt“, sagte ibn ʿArabī. Der Mann entgegnete:

    „Von welchem Adam redest du? Redest du von dem Adam, der dir am nächsten ist oder von irgendeinem anderen?“ „Dann erinnerte ich ( mich eines Ausspruchs, der zum Inhalt hat, dass Allah nicht weniger als 100.000 Adams ins Sein gerufen hat, und ich sagte zu mir, viel- leicht ist dieser Mann, der behauptet einer meiner Vorfahren zu sein, einer von diesen vorausgegangenen Adams.“ (Futūḥat III 607)


    Wenn wir die Zeitspanne, die von den Nachkommen eines je- den Adams erfüllt wurde, mit durchschnittlich 7000 Jahren an- nehmen, dann ist, auf dem Ausspruch des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW basierend, die menschliche Rasse etwa 700 Millionen Jahre alt, und allein die Nachkommenschaft aller Adams ist so alt, solche Rassen nicht eingeschlossen, die mögli- cherweise vor der Erschaffung des ersten Adams gelebt haben. Es wird nicht behauptet, dass die Rasse, die vor Adam lebte, vollständig dahingerafft wurde, bevor Adam geboren war. Höchstwahrscheinlich ist ein kleiner, verkümmerter Rest der alten Rasse übriggeblieben und Adam war einer von ihnen. Gott hat ihn dann auserwählt und ihn zu einem Vorfahr einer neuen Rasse gemacht, zum Wegbahner einer neuen Zivilisati- on. Der Gründer der Ahmadiyya-Bewegung des Islams sagt in diesem Zusammenhang:


    „Wir folgen nicht dem Standpunkt der Bibel, die besagt, dass die Welt mit der Geburt Adams vor sechs- oder siebentausend Jahren begann und dass zuvor gar nichts war, und Allah war faul und ohne Arbeit. Wir behaup- ten auch nicht, dass die gesamte Menschheit, wie wir sie nunmehr in den verschiedenen Teilen der Welt vorfinden, die Nachkommenschaft ein und desselben Adams ist. Im Gegenteil. Wir halten es so, dass dieser Adam nicht der erste Mensch war. Es hat Menschen gegeben, die schon vor ihm gelebt haben und dafür finden sich sogar Hinwei- se im Qurʾan, wenn es von Adam heißt:

    ۔ؕۃً فَ یۡ لِ خضرۡ َاۡلایِفلعاجیۡ ِّنا


    ‚Ich will einen Statthalter (Khalifa) auf Erden einsetzen.‘ (2:31)


    Da KhalifaNachfolger heißt, ist es klar, dass eben schon vor Adam Menschen existiert haben. Demzufolge kön- nen wir von nun an nicht sagen, ob die ursprünglichen Einwohner von Amerika, Australien, etc. Nachkommen dieses letzten Adams sind oder Nachkommen eines jener anderen Menschen namens Adam, die vor jenen dahinge- gangen sind.“ (AI-Hakam, 30.Mai 1908)


  39. Propheten, die nach Hadhrat Adamas kamen


    Hadhrat AdamAS, der Statthalter Gottes, war der erste Vorbote des Friedens, der die Botschaft Gottes seinem Volk überbrachte. Vor ihm gab es kein Gesetz und Menschen lebten wie Wilde. Hadhrat AdamAS gab ihnen ein einfaches Gesetz, das sich auf eine Anzahl sozialer Lebensregeln gründete.

    Hadhrat NoahAS war der nächste Bringer eines Gesetzes; sei- ne Lebensspanne erstreckte sich über mehr als 950 Jahre; diese


    Jahreszahl möge bedeuten, dass sein Gesetz für etwa 1000 Jahre dauerte und das Leben der Menschheit solange beeinflusst hat. Nach Hadhrat NoahAS ist Hadhrat AbrahamAS der nächste Pro- phet. Er wird Vater der Propheten genannt. So sagt der Qurʾan:

    وَ ۚد

    تَ هۡ مُ

    مۡ هُ نۡ مِ فَ ب

    تٰ کِ ۡلاو

    ةَ َوّ بُ نّ لاامَ هِ تِ َیّ ِرّ ذ یِفانَ لۡ عَ ج

    وَ مَ یۡ ہِ رٰ بۡ اِ وَّ احً ۡوُن انَ لۡ سَ رۡ َا د

    َقَلو

    ﴾۲۷﴿نۡوُقسفٰ مۡ هُ نۡ مِ

    رٌ ۡیثِ ک



    „Wir entsandten ja auch Noah und Abraham und gaben ihren Nachkommen das Prophetentum und die Schrift. Einige unter ihnen waren auf dem rechten Weg, doch vie- le unter ihnen waren Empörer.“ (57:27)


    Hadhrat Abrahams jüngster Sohn Hadhrat IsaakAS wurde das Oberhaupt einer langen Kette von Propheten unter den Isra- eliten und Hadhrat IsmaelAS, der ältere Sohn, war selbst ein Prophet. Unter seinen Abkömmlingen erschien Hadhrat Mu- hammad, der Heilige ProphetSAW, für alle Welten und alle Ge- nerationen. Dadurch, dass der Heilige Prophet Hadhrat Mu- hammadSAW unter den Mekkanern, den Nachkommen Hadhrat IsmaelsAS, erweckt wurde, erhörte Gott das Gebet Hadhrat Ab- rahamsAS, der gebetet hatte:

    مۡ هِ یۡ ِّکزَ ُیوَ ۃَ مَ کۡ حِ ۡلاوَ ب

    تٰ کِ ۡلامُ هُ مُ لِّ عَ ُیوَ ک

    تِ یٰ اٰ مۡ هِ یۡ لَ ع

    اۡولُ تۡ َیمۡ هُ نۡ مِ

    اًلۡوسُ رَ مۡ هِ یۡ ِفث

    عَ ۡباوَ انَ َبّ ر

    ﴾۱۳۰﴿مُ یۡ کِ ح

    ۡلازُ ۡیزِ عَ ۡلات

    ۡنَاکَّناِ ؕ


    „Unser Herr, erwecke unter ihnen (unseren Nachkom- men) einen Gesandten aus ihrer Mitte, der ihnen Deine


    Zeichen verkünde und sie das Buch und die Weisheit leh- re und sie reinige; gewiss Du bist der Allmächtige, der Allweise.“ (2:130)


    Vor der Ankunft des Heiligen Propheten Hadhrat Muhammad- SAW, dem größten der Propheten, war Hadhrat MosesAS erschie- nen als ein Prophet Gottes, der ein neues Gesetzbuch für die Israeliten brachte. Er war der größte unter den Propheten Is- raels und sein Buch, die Thora, war Quelle des Lichts und der Leitung für etwa 1300 Jahre. Hadhrat JesusAS, der Sohn Marias, war der letzte der Propheten, die kamen, um dem Volk Israel den Weg zur Erlösung zu zeigen.


  40. Jedes Volk hatte einen Propheten


    Der Qurʾan erwähnt namentlich nur 24 Propheten, jedoch sind es nach Aussage des Heiligen Propheten Hadhrat Muhammad- SAW 124.000 Propheten, die in der Welt erschienen sind. (Musnad, V 226) Der Qurʾan sagt dazu:

    ۔رٌ ۡیذِ َناهَ یۡ ِفاَلخاَّلا ۃمَّ ُا نمِ ناِ و


    „Es gibt kein Volk, bei dem nicht früher schon ein Warner erschienen wäre.“ (35:25)


    Dieses große und erhabene Prinzip leitet zu dem Glauben an den göttlichen Ursprung aller Religionen, zu dem Glauben, dass deren Gründer göttliche Gesandte waren und dass es so- mit zu einem Glaubensartikel wurde, an den ein Muslim glau- ben soll. Er soll die Religionen und ihre Gründer gleichermaßen respektieren und sie alle verehren. Indem der Islam der Welt dieses edle Prinzip gibt, legt er den Grundstein für ein gemein-


    sames brüderliches Band aller Menschen. Deswegen kann ein Muslim nichts als Ehrerbietung für die Gründer und Führer an- derer Religionen empfinden. Für ihn sind Hadhrat KrischnaAS, Hadhrat BuddhaAS, Hadhrat ZoroasterAS und Hadhrat Konfu- ziusAS ebensolche Propheten Gottes wie Hadhrat MosesAS und Hadhrat JesusAS. Der einzige Unterschied zwischen ihnen ist der, dass die zuletzt genannten Propheten im Qurʾan erwähnt werden, und dass demzufolge für sie ein größeres Maß an Si- cherheit für die Handlungen und Aussagen vorhanden ist.


  41. Prophet und Gesandter


    Die beiden Wörter nabīy(Prophet) und rasūl(Gesandter) werden im Qurʾan auswechselbar verwendet:

    ﴾۵۲﴿ایًّ بِ َّن اًلۡوسُ رَ ناَكوَّ اصً لَ خم

    ناَك ہٗ َّناِ ۫یسٰۤ ۡومب

    تٰ کِ ۡلایِفرۡ ُکذاو


    „Erzähle, was in diesem Buch über Moses steht. Er war fürwahr ein Erwählter; und er war ein Gesandter, ein Pro- phet.“ (19:52)


    Die Worte „er war ein Gesandter, ein Prophet“, erklären und beheben ein allgemeines Missverständnis. Nach der verbreite- ten Ansicht, wonach ein rasūl (Gesandter) ein neues Gesetz und ein neues Buch bringt, und ein nabīy (Prophet) jemand ist, der von Gott nur zur Neugestaltung seines Volkes beauftragt ist, ist jeder rasūl (Gesandter) notwendigerweise ein nabīy (Prophet), aber nicht jeder nabīy ein rasūl. Der vorhin erwähnte Vers wider- legt diese falsche Ansicht, denn wenn ein rasūl jemand ist, der ein neues Buch und ein neues Gesetz bringt und somit notwen- digerweise ein nabīy ist, dann ist die Hinzufügung des Wortes


    nabīyzu dem Wort rasūlin diesem und in anderen Versen überflüssig. Tatsächlich ist jeder rasūl ein nabīy und jeder nabīy ein rasūl. Die beiden Wörter beschreiben zwei Gesichtspunkte derselben Aufgabe und zwei Tätigkeiten derselben Person. Ein göttlicher Reformer ist ein rasūl insoweit, als er Botschaften von Gott empfängt („risālatbedeutet „Botschaft“), und er ist ein nabīy in dem Sinne, dass er diese Botschaften dem Volk, zu dem er gesandt ist, übermittelt („nabuwwat“ bedeutet „die Übermitt- lung einer Botschaft“). Somit ist jeder rasūl ein nabīy, weil er ja, nachdem er göttliche Botschaften erhalten hat, diese Botschaf- ten seinem Volk übermittelt, und jeder nabīy ist ein rasūl, weil er ja seinem Volk jene Botschaft übermittelt, die er von Gott erhalten hat. In seiner Eigenschaft als rasūl empfängt er zuerst Botschaften von Gott, die er dann in seiner Eigenschaft als nabīy seinem Volk übermittelt. Aus diesem Grunde wird überall dort, wo im Qurʾan die Wörter rasūlund nabīyvorkommen, un- verwechselbar das Wort nabīydem Wortlaut rasūlfolgen, weil dies ja die natürliche Reihenfolge ist. Ein neues Buch oder ein neues Gesetz zu bringen ist deswegen nicht notwendiger Begleitumstand eines nabīy oder eines rasūl.


  42. Sündenlosigkeit der Propheten


    Propheten werden von Gott erweckt, damit sie andere reinigen mögen (2:152), deswegen müssen sie selbst frei sein von aller

    Unreinheit.

    ﴾۲۸﴿ن

    ۡولُ مَ عۡ َیهٖ ِرمۡ َابِ مۡ ہ

    وَ لِ ۡوَقۡلابِ ہٗ َنۡوُقبِ س

    َیاَل

    „Sie sprechen vor Ihm kein Wort und sie handeln nur nach Seinem Befehl.“ (21:28)


    Dieser Vers stellt die Tatsache fest, dass göttliche Gesandte Gott gegenüber nicht ungehorsam sind oder ein moralisches Verge- hen oder eine Sünde begehen können. Der Vers sagt, dass sie, erstens, nicht sprechen, bevor nicht Gott gesprochen hat, das heißt, sie sprechen entsprechend dem, was Er sie gelehrt hat, und zweitens, wenn sie handeln, handeln sie nur Seinem Befehl gemäß. Somit geschehen sowohl ihre Worte als auch ihre Taten in Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen und deswegen können Sünden oder Ungehorsam gegen Gott nicht zu ihren Eigenschaften gezählt werden.

    Der eigentliche Zweck, weswegen Propheten erweckt werden,

    d. h. die Reinigung der Menschen von Sünden, macht uns klar, dass jene Menschen, die für dieses hohe Amt ausgewählt wor- den sind, selbst frei sein müssen von der Gefangenschaft, in die uns Sünden werfen, und darüber hinaus müssen sie hohe moralische Eigenschaften besitzen. Über den Heiligen Prophe- ten MuhammadSAW des Islams hat Gott Selbst uns das Zeugnis gegeben, dass er der vortrefflichste, erhabenste und hervorra- gendste unter den Menschen ist, der alle jene moralischen Vor- züglichkeiten, die ein Mensch nur haben kann, in vollem Maße besitzt, Eigenschaften, die vereint ihren Träger zu einem voll-

    kommenen Ebenbild seines Schöpfers machen.

    ﴾۵﴿مٍ یۡ ظِ عقلُ خیلٰ عَ َلکَّناِ و

    „Du besitzest ganz sicherlich hohe moralische Eigenschaf- ten.“ (68:5)


  43. Die Aufgabe von Propheten


    Propheten und Gesandte sind Träger und Überbringer der göttlichen Leitung, und ihr Ziel und ihr Bemühen ist es, den Glauben an Gott zu begründen und zu stärken, indem sie Seine Zeichen vortragen. Diese Zeichen sollen abwägend betrachtet werden und es sollte darüber nachgedacht werden. Sie sind das Mittel, um das geistige Leben zu stützen und zu bereichern, ein Leben, das letzten Endes selbst Ausdruck einer Verbindung und Vereinung mit Gott ist und somit Erfüllung findet. So der

    َ

    Qurʾan:

    ٰ

    فۡوخاَلفَ حلَ صۡ َاوَ یقتانِ مَ فَ ۙیتِ یٰ اٰ مۡ کیۡ لَ ع

    نۡوصُّ ُقَیمۡ کنۡ مِ ل

    سُ رُ مۡ کنّ یَ تِ اَیامَّ اِ مَ دَ اٰ یۤ

    نِ بَ ی

    ﴾۳۶﴿ن

    ۡوُنزَ ح

    َیمۡ ہاَلوَ مۡ هِ یۡ لَ ع


    „O Kinder Adams, wenn zu euch Gesandte kommen aus eurer Mitte, die euch Meine Zeichen verkünden – wer dann gottesfürchtig ist und gute Werke tut, keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie trauern.“ (7:36)


    In dem nun folgenden Vers des Qurʾans werden vier hauptsäch- liche Aufgaben der Propheten erwähnt:

    ۃَ مَ کۡ حِ ۡلاوَ ب

    تٰ کِ ۡلامُ کُ مُ لِّ عَ ُیوَ مۡ کُ یۡ ِّکزَ ُیوَ انَ تِ یٰ اٰ مۡ کُ یۡ لَ ع

    اۡولُ تۡ َیمۡ کُ نۡ مِ

    اًلۡوسُ رَ مۡ کُ یۡ ِفانَ لۡ سَ رۡ َا ۤامَ ک

    ﴾۱۵۲﴿نۡومُ لَ عۡ َتاۡوُنۡوکُ َتمۡ َلامَ

    مۡ کُ مُ لِّ عَ ُیو


    „Genau so wie Wir zu euch aus eurer Mitte einen Gesand- ten schickten, der euch Unsere Zeichen ansagt und euch reinigt, euch das Buch lehrt und die Weisheit und euch das lehrt, was ihr nicht wusstet.“ (2:152)


    Nach diesem Vers soll ein Prophet folgendes tun:


    1. Den Menschen die Zeichen Gottes darlegen, damit sie da- durch Überzeugung für ihren geistigen Weg gewinnen;

    2. Das Leben der Menschen reinigen und für sie die Straßen geistigen und körperlichen Fortschritts öffnen (das arabi- sche Wort für reinigen ist tazkiya“, das ursprünglich be- deutet: „ein Fortschritt, der erzielt wird durch göttlichen Segen“, ein Wort, das sowohl das Leben im Diesseits als auch im Jenseits betrifft);

    3. Die Menschen das Gesetz Gottes lehren;

    4. Sie einführen in die Betrachtungsweise göttlicher Anord- nungen, denn solange eine Weisheit, die einem Befehl untersteht für den menschlichen Geist nicht heimisch ge- worden ist, solange wird man nicht den Drang verspüren, danach zu handeln, sondern im Gegenteil diese Weisheit als Bürde betrachten.


    Mehr noch, alle göttlichen Gesandten haben eine zwiefältige Vi- sion zu erfüllen: sie bringen frohe Botschaft für eine bestimmte Art von Menschen und Warnungen für andere. Diejenigen, die die Propheten anerkennen, erhalten segensreiche Zeichen, und diejenigen, die sich den Warnungen widersetzen, erhalten An- drohungen von Strafe. Im Qurʾan sagt Gott:

    اَلو

    مۡ هِ یۡ لَ عف

    ۡوخاَلفَ حلَ صۡ َاوَ ن

    ماٰ نمَ فَ ۚن

    ۡیِرذنۡ موَ نۡیَ ر

    شِّ بَ ماَّلاِ ن

    ۡیلِ سَ رۡ مُ ۡلال

    سرۡ ُنامو

    ﴾۵۰﴿نۡوُقس

    فۡ َیاۡوُناَك امَ بِ باذ

    عَ ۡلامُ هُ سُ

    مَ َیانَ تِ یٰ اٰ بِ اۡوُبذ

    کَ نۡیذِ َّلاو

    ﴾۴۹﴿نۡوُنزَ ح

    َی مۡ ہ


    „Wir schicken die Gesandten nur als Bringer froher Bot- schaft und als Warner. Die also, die da glauben und sich


    bessern, keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie trauern. Die aber Unsere Zeichen leugneten, sie wird die Strafe ereilen, weil sie ungehorsam waren.“ (6:49, 50)


    Mit der Übergabe der ihm anvertrauten Botschaft endet die Pflicht eines Propheten, und er ist nicht zur Rechenschaft zu ziehen, wenn ein Volk trotz klarer Warnungen seine Botschaft zurückweist. Einem Propheten ist nicht die Macht gegeben, sie zum Glauben zu zwingen, wie es heißt:

    ﴾۱۰۰﴿ن

    ۡومُ تُ کۡ َتام

    وَ ن

    وۡ د

    بۡ ُتام

    مُ لَ عۡ َیہُ لٰ لاوَ ؕغ

    لٰ بَ ۡلااَّلاِ لِ ۡوسُ َرلایلَ عام


    „Dem Gesandten obliegt nur die Verkündigung. Und Al- lah weiß, was ihr offenkundig macht und was ihr ver- hehlt.“ (5:100)


  44. Verschiedene Arten von Propheten: Gesetzbringen- de und andere, die kein neues Gesetz bringen


    Es wird oft angenommen, dass ein Prophet notwendigerweise auch ein neues Gesetz gibt. Er müsste entweder ein neues Ge- setz bringen, oder er müsste Teile eines älteren Gesetzes auf- heben, oder er müsste frei sein von der Verpflichtung, vorher- gehenden Propheten zu gehorchen. Die Sachlage ist jedoch so, dass diese Bedingungen nicht notwendigerweise für einen Pro- pheten gelten müssen, damit er auch wirklich ein Prophet ist. Ein Prophet mag oder mag nicht diese Bedingungen erfüllen. Es kann sein, dass ein Prophet keine dieser Bedingungen erfüllt und dennoch ein Prophet ist. Der folgende Vers des Qurʾans wirft Licht auf dieses Thema:

    ؕتجٰ رَ د

    مۡ هُ ضَ عۡ َبع

    فَ رَ وَ ہُ لٰ لامَ لَّ َكن

    مَ مۡ هُ نۡ مۘض

    عۡ َبیلٰ ع

    مۡ هُ ضَ عۡ َبانَ لۡ ضَّ ف ل

    سُ ُرلاک

    لۡ ت


    „Jene Gesandten haben Wir erhöht, einige über die ande- ren: darunter sind die, zu denen Allah sprach (d. h. ein neues Gesetz gab); und einige hat Er erhöht um Rangstu- fen.“ (2:254)


    Dieser Vers besagt nicht, dass es Propheten gibt, zu denen Al- lah nicht spricht oder dass unter ihnen einige sind, die nicht auf Rangstufen erhoben wurden. Er weist darauf hin, dass es zwei Arten von Propheten gibt:


    1. Solche, die ein neues Gesetz bringen, d. h. diejenigen, die Offenbarungen empfangen, die neue und direkte Anwei- sungen von Gott enthalten; und

    2. solche, die kein neues Gesetz geben, d. h. deren Propheten- schaft nur in der Erhabenheit ihres geistigen Ranges besteht.


    Mit dem Wort „sprechen“ ist hier also eine besondere Art von „sprechen“ gemeint, d. h. eine Offenbarung, die ein neu- es Gesetz bringt. Somit sind jene Gesandten, „zu denen Allah sprach“, die gesetzbringenden Propheten, während jene, die hier angeführt werden als solche, die einfach in ihrem Rang erhöht wurden, Gesandte Gottes sind, die auf einen Rang als Prophet erhoben wurden, ohne dass ihnen ein neues Gesetz mitgegeben worden ist. Von Hadhrat MosesAS, der ein Gesetz

    bringender Prophet war, sagt der Q

    َ ۡ

    ُuٰrʾanَّ َ:

    ﴾۱۶۵﴿امیلِ كتیسومہللاملكو

    „Allah richtete an Moses eine Rede, ausführlich und ein- gehend.“ (4:165)


    Dass es zwei Arten von Propheten gibt, und zwar, erstens, die mukallam (zu denen Gott ausführlich redet), d. h. Gesetzgeber, und zweitens ġair mukallam (zu denen Gott nicht in diesem be- sonderen Sinne spricht), d. h. keine Gesetzgeber, wird ebenfalls durch einen Ausspruch des Heiligen Propheten Hadhrat Mu- hammadSAW klar. Als er von Hadhrat Abu DharrRA gefragt wur- de, ob Hadhrat AdamAS ein Prophet gewesen sei, antwortete er:

    „Ja, er war ein mukallam Prophet.“ (Musnad)

    Die Hinzufügung des Wortes mukallamzeigt eindeutig, dass es zwei Arten von Propheten gibt, eben mukallam (gesetzgeben- de) und ġair mukallam (nicht gesetzgebende). Hadhrat AdamAS war ein gesetzgebender Prophet, weil er es war, der das ele- mentare Gesetz brachte. In einem anderen Vers des Heiligen Qurʾans, der ebenfalls diese Ansicht unterstützt, sagt Gott:

    وَ اوۡ داہنۡیذ

    لَّ ِلاۡومُ لَ سۡ َان

    ۡیذِ َّلانۡویُّ بِ نّ لااهَ بِ مُ کُ ح

    َیۚرٌ ۡوُنوَّ یدہاهَ یۡ ِفۃىرٰ ۡوتّ لاانَ ۡلزَ ۡنَا ۤاَّنا

    ۚءآد

    هَ شہیۡ لَ ع

    اۡوُناَكوَ ہِ لٰ لاب

    تٰ ِکن

    ماۡوظُ فِ حتُ ساامَ بِ رابَ حۡ َاۡلاوَ ن

    ۡویُّ نِ بّٰ َرلا


    „Wir hatten die Thora hinab gesandt, in der Führung und Licht war. Damit haben die Propheten, die gehorsam wa- ren, den Juden Recht gesprochen, und so auch die Wissen- den und die Gelehrten; denn ihnen wurde aufgetragen, das Buch Allahs zu bewahren, und sie waren seine Hü- ter.“ (5:45)


    Dieser Vers legt ebenfalls klar, dass es nicht notwendig für jeden Propheten ist, ein neues Gesetz zu bringen. Die Propheten, die unter den Juden nach Hadhrat MosesAS erschienen – Hadhrat JesusAS eingeschlossen –, brachten nicht ein neues Gesetz, son- dern folgten Hadhrat MosesAS und handelten nach dem Gesetz,


    das ihm offenbart worden war. Diesem Vers zufolge waren die Propheten, die den Juden mit der Thora Recht sprachen, sicher- lich auf eben dieses Buch ausgerichtet, und sie hatten kein ei- genes Gesetz.


  45. Das Siegel der Propheten


    Viel Verwirrung und viele Missverständnisse scheinen über die Frage vorzuherrschen, welches der wirkliche geistige Stand und Rang des Heiligen Propheten des IslamsSAW ist, wie er durch den Ausdruck ḫātamu n-nabiyyīn(Siegel der Propheten) in dem folgenden Vers zum Ausdruck kommt:

    ؕنّیٖ بِ نّ لا مَ َتاخ

    وَ ہِ لٰ لال

    ۡوسُ رَّ ن

    کِ ٰلوَ مۡ کُ ِلاج

    ِرّ ن

    مِ د

    حَ َا ۤاَبَاد

    مَّ حم

    ناَكام


    „Muhammad ist nicht der Vater eines eurer Männer, son- dern der Gesandte Allahs und das Siegel der Propheten (ḫātamu n-nabiyyīn).“ (33:41)


    Manche vertreten die irrige Auffassung, dass in diesem Vers der Ausdruck ḥātamu n-nabiyyīn„den letzten Propheten“ be- deute. Dies würde heißen, dass nach dem Propheten Hadhrat MuhammadSAW keine Art von Prophet mehr erscheinen würde, nicht einmal unter den Nachfolgern des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW selbst. Eine eingehende Würdigung der obenerwähnten zwei Kategorien von Propheten und ein sorgfältiges Studium des Zusammenhangs dieses Verses wird aber falsche Vorstellungen aus dem Weg räumen. In Mekka, als alle männlichen Kinder des Heiligen Propheten Hadhrat Mu- hammadsaw in ihrer Kindheit starben, haben seine Feinde ihn damit verspottet, dass er ja abtarsei, d. h. einer, der keine


    männlichen Nachkommen habe, und sie meinten damit, dass durch das Fehlen von männlichen Erben, die ihm in seiner Be- wegung nachfolgen könnten, seine Bewegung eben früher oder später zu einem Ende kommen würde. (Muḥīṭ) Als Antwort auf den Spott der Ungläubigen wurde in der Sura al-Kauṯar (108) nachdrücklich erklärt, dass nicht der Heilige ProphetSAW, son- dern seine Feinde ohne Nachkommen bleiben würden. Nach- dem die Sura al-Kauṯar offenbart worden war, fand bei den frü- hen Muslimen verständlicherweise die Idee Gefallen, dass der Heilige ProphetSAW mit Söhnen gesegnet würde, die auch er- wachsen werden würden. Der Vers, der gerade zur Diskussion steht, beseitigt dieses Missverständnis insoweit, als er erklärt, dass der Heilige ProphetSAW nicht der Vater irgendeines heran- wachsenden jungen Mannes ist, dies niemals war und auch nie- mals sein wird („ar-raǧulbedeutet herangewachsener junger Mann). Dieser Vers, der im Widerspruch zu stehen scheint mit der Sura Kaūṯar, in der ja festgestellt wird, dass nicht der Hei- lige ProphetSAW, sondern seine Feinde davon betroffen werden, ohne Nachkommen zu sein, versucht in Wirklichkeit, alle Zwei- fel und Missverständnisse zu beseitigen. Er sagt, dass der Heili- ge ProphetSAW „rasūlullāh“ (Gesandter Allahs), d. h. der geistige Vater einer ganzen Umma(Bewegung) und ebenfalls ḫātamu n-nabiyyīn“, also das Siegel der Propheten ist, was bedeutet, dass er der geistige Vater aller vergangenen und zukünftigen Pro- pheten ist. Wenn er somit geistiger Vater aller Gläubigen und aller Propheten ist, wie kann man dann von ihm behaupten, er sei abtar“, also ohne Nachkommen. Wenn aber der Ausdruck

    ḫātamu n-nabiyyīnso verstanden wird, als bedeute er, dass der

    Heilige ProphetSAW der letzte der Propheten sei und dass kein Prophet mehr nach ihm erscheinen werde, dann scheint dieser Vers aus dem Zusammenhang gerissen zu werden und statt die


    Angriffe der Ungläubigen abzuwehren – dass er nämlich ohne Nachkommen sei – unterstützt man sie und bestärkt sie.

    Nach der Bedeutung des Wortes ḥātamkann der Ausdruck

    ḫātamu n-nabiyyīnvier mögliche Bedeutungen haben.


    1. Dass der Heilige ProphetSAW Muhammad das Siegel der Propheten war, d. h. kein Prophet in Vergangenheit oder Zukunft kann als wahrer Prophet angesehen werden, wenn sein Prophetentum nicht das Siegel des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW trägt. Das Prophetentum eines je- den Propheten vor dem Erscheinen des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW muss von diesem bestätigt und be- zeugt werden, und keiner kann nach ihm das Prophetentum erlangen, seine Nachfolger ausgenommen. Alle Ansprüche eines Prophetentums müssen beurteilt und geprüft werden im Lichte der Offenbarung, die der Heilige ProphetSAW emp- fangen hat und im Lichte seiner Lehren. (Dies wird einge- hend im berühmten Kommentar des Qurʾans Fatḥu l-Bayān Vol. VII, Seite 286, erklärt)

    2. Dass der Heilige Prophet MuhammadSAW der beste, der edelste und der vollkommenste aller Propheten war, und dass er auch eine Quelle der Verschönerung für sie war. (Laut Zurqānī in Šarḥu Muwāhibu l-Ladunniyya, Vol 11, Seite 163)

    3. Dass der Heilige Prophet MuhammadSAW der letzte der ge- setzbringenden Propheten war. Diese Interpretation ist von vielen hervorragenden muslimischen Theologen und Ge- lehrten angenommen worden; zum Beispiel von ibn ʿArabī, Shah Waliullah, Imam Ali Qari, Mujaddid Alf Thani und anderen. Entsprechend der Auffassung dieser großen Ge- lehrten kann kein Prophet nach dem Propheten Hadhrat


      MuhammadSAW kommen, der seine millat (Gemeinde) auf- heben sollte oder nicht in seiner Jamaat sein sollte. (Fatḥūḥāt, Tafhīmāt, Mauḍūʿāt-e kabīr und al-Yawāqīt wa-l-ǧawāhir)2. Hadhrat AishaRA, die begabte Gattin des Heiligen Prophe- ten Hadhrat MuhammadSAW, hat alle Ungewissheit über den Ausdruck ḫātamu n-nabiyyīnbeseitigt. Sie sagte: „Sagt, dass er ‚ḫātamu n-nabiyyīn‘ ist, aber sagt nicht, dass es keine Pro- pheten nach ihm geben werde.“ (Manṯūr)

    4. Dass der Heilige Prophet MuhammadSAW der letzte der Pro- phet war, aber nur in diesem Sinne, dass alle die Vorzüge und Eigenschaften des Prophetentums ihren vollkommens- ten und vollständigsten Ausdruck und ihre Vollendung in ihm gefunden haben. ḫātamim Sinne von „das letzte Wort an Vorzüglichkeit und Vollkommenheit“ wird häufig in der arabischen Sprache gebraucht. so zum Beispiel ḫātamu l-fuqahāʾ(der vollkommenste der Juristen), ḫātamu š-šuʿarāʾ(der größte der Dichter), ḫātamu l-ʾauliyāʾ(der hervorragenste unter den Freunden Allahs). Hadhrat Maulāna Ǧalālu d-dīn Rūmī, dessen Gedichtband Maṯnawīweithin unter den Muslimen bekannt und geschätzt ist und der anerkannt wird als ein Aufenthaltsort geistiger Wahr- heiten und hoher Weisheit, hat in seinem Maṯnawī(Teil 6, Seite 8) den gleichen Sinn in einer äußerst klaren und erhel- lenden Art und Weise dargelegt.


  46. Fortdauer des Prophetentums im Islam



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    2 Ausführlich ist hierzu nachzulesen in „Meaning of Khatam-un-Nabiyyin“ von A. R. Dard, veröffentlicht von Al-Shirkatul Islamia Ltd. Rabwah/Pa- kistan und „Truth about Khatam-e-Nabuwwat“ von Mirza Bashir Ahmad, veröffentlicht von Vakil al-Tabshir, Rabwah. (Anm. d. Ü.)


    Durch unsere kurze Erklärung des Ausdruckes ḫātamu n-nabiyyīn(Siegel der Propheten) ist gezeigt worden, dass der einzige Vers des Qurʾans, von dem gesagt wird, dass er als Schlusspunkt aller Arten von Propheten nach dem Auf- treten des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW selbst sehr deutlich zeigt, dass er die Tür des Prophetentums offen- lässt. Und mehr noch: der Qurʾan spricht klar von der Ankunft von Propheten nach dem Auftreten des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW. Die beiden folgenden Verse lassen in dieser Beziehung keinen Zweifel gelten.

    وَ ن

    ۡیقِ ۡیدِ

    صّ لاوَ ن

    ّیٖ بِ نّ لانمِ مۡ هِ یۡ لَ ع

    ہُ لٰ لامَ عَ ۡنَانۡیذِ َّلاعمک

    ئِ ٰٓلوُافَ لۡوسُ َرلاوَ ہَ لٰ لاعِ طِ ُیّ نمو

    ﴾۷۰﴿اقً یۡ ِفرَ ک

    ئِ ٰٓلوُانسحوَ ۚن

    ۡیح

    لِ صٰ لاوَ ءآدهَ شّ لا


    „Wer Allah und dem Gesandten gehorcht, soll unter de- nen sein, denen Allah Seine Huld gewährt hat, nämlich unter den Propheten, den Wahrhaftigen, den Blutzeugen und den Gerechten; und das sind die besten Gefährten.“ (4:70)

    فۡوخ

    اَلفَ ح

    لَ صۡ َاوَ یقٰ َتانِ مَ فَ ۙیتِ یٰ اٰ مۡ کُ یۡ لَ ع

    نۡوصُّ ُقَیمۡ کُ نۡ مِ ل

    سُ رُ مۡ کُ نَّ یَ تِ ۡاَیامَّ اِ مَ دَ اٰ یۤ

    نِ بَ ی

    ﴾۳۶﴿ن

    ۡوُنزَ ح

    َیمۡ ہاَلوَ مۡ هِ یۡ لَ ع


    „O Kinder Adams, wenn zu euch Gesandte kommen aus eurer Mitte, die euch Meine Zeichen verkünden – wer dann gottesfürchtig ist und gute Werke tut, keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie trauern.“ (7:36)


    Der erste Vers (4:70) beschreibt die Stufen des geistigen Fort-


    schritts als weiterhin für die Muslime zugänglich. Die vier geis- tigen Rangstufen – 1. der Propheten, 2. der Wahrhaftigen, 3. der Märtyrer und 4. der Rechtschaffenen – können nur erlangt werden, indem man dem Propheten Hadhrat MuhammadSAW nachfolgt. Das ist eine Ehrung, die dem Heiligen ProphetenSAW allein vorbehalten bleibt. Kein anderer Prophet teilt diese Ehre mit ihm. Diese Schlussfolgerung wird weiterhin von folgendem

    Vers, der von Propheten

    َ ُ ّ

    im Allgemeinen spricht, untermauert:

    ٰ

    ّ ّ

    ۔ؕمۡ هِ بِ ردنع

    ءآدهشلاوَ ٭ۖنۡوقید

    صّ لامُ ہکئِ ٰٓلوا ہٖ لِ سُ رو

    ہِ للابِ اۡونمان

    ۡیذ

    لاو


    „Und die an Allah und Seine Gesandten glauben, das sind die Wahrhaftigen und die Blutzeugen vor ihrem Herrn.“ (57:20)


    Liest man diese beiden Verse zusammen, so besagen sie, dass, während die Gefolgsleute anderer Propheten nur die Ränge der Wahrhaftigen und der Märtyrer erklimmen und nicht hö- her steigen konnten, die Nachfolger des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW sogar höhere Rangstufen zu bekleiden in der Lage sind. Sie können nämlich auch die Rangstufe der Propheten betreten.

    Abu Hayyan, weltberühmter Autor von Baḥru l-Muhīṭund ar-Rāġib, der große Lexikograph, stimmen mit dieser Ansicht überein. Das Buch Baḥru l-Muhīṭ(Band 111, Seite 287) zitiert ar-Rāġib wie folgt: „Gott hat die Gläubigen in diesem Vers (4:70) in vier Klassen aufgeteilt und hat damit für sie vier Stufen festgesetzt, von denen einige niedriger sind als andere. Und Er hat die wahren Gläubigen ermahnt, nicht unter einer von diesen Stufen zu bleiben.“ Diese Erklärung zeigt, dass die beiden Kommentatoren des


    Qurʾans die Meinung unterstützen, dass der Rang des Prophe- tentums unter den Nachfolgern des Heiligen ProphetenSAW er- reichbar ist. Ebenfalls schreibt der Autor des weltbekannten Kommentars Rūhu l-Maʿānībei der Erklärung dieses Verses:

    „Prophetentum ist auf zwei Ebenen möglich, im Allgemeinen und im Besonderen, das besondere Prophetentum, d.h. das gesetzbringende, ist nunmehr unerreichbar. Das allgemeine Prophetentum aber besteht weiter.“

    Im zweiten Vers (7:36) sind mit den Worten „O Kinder Adams“ hier wie auch in den vorhergehenden Versen die Menschen, die zur Zeit des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW lebten, gemeint und die Generationen, die noch geboren wer- den sollten – nicht aber jene Menschen, die in den vergangenen Jahrhunderten und unmittelbar auf Adam folgten.

    Es ist somit klar geworden, dass Gesandte Gottes auch wei- terhin erscheinen werden und zwar so lange als die Kinder Adams auf Erden leben. In diesem Vers (7:36) bedeuten die Worte „wenn zu euch Gesandte kommen aus eurer Mitte“ nicht, dass Gesandte Gottes kommen mögen oder nicht kommen mö- gen, geradeso wie die Worte „wenn zu euch Weisung von Mir kommt“ (2:39) nicht heißen, dass Weisung nun kommen mag oder nicht kommen mag. In der Tat ist es so: das Wort immā(wenn) ist in der Absicht geschrieben, dass es bedeutet: „wenn es der Fall sein sollte, dass du zu einer Zeit lebst, in der ein Ge- sandter Gottes erscheint, dann solltest du dich beeilen, ihm zu folgen“. Somit bedeutet dieses Wort einfach, dass es durch die Zeit nicht festgesetzt ist; ein Gesandter Gottes mag in der einen oder anderen Generation erscheinen, aber wann immer es auch ist, man muss ihn anerkennen.

    Die Worte „die euch Meine Zeichen verkünden“ weisen auf die


    Tatsache hin, dass die Gesandten, die nach dem Propheten Hadhrat MuhammadSAW kommen sollten, kein neues Gesetz mit sich bringen würden, sondern dass sie einem bestehenden Gesetz folgen würden, dem Gesetz des Islams: es wäre ihre Aufgabe, die bereits im Qurʾan offenbarten Worte zu wiederho- len und vorzutragen.

    Der Heilige ProphetSAW selbst ließ keinen Schatten auf der Fra- ge der Fortdauer des Prophetentums. Es wird berichtet, dass er gesagt hat: „Falls Ibrahim (sein Sohn) lange gelebt hätte, wäre er ein Prophet geworden.“ (Māǧa, Kitābu l-ǧanāʾiz)

    Und: Abu Bakr ist der beste der Menschen nach mir, den Fall ausge- nommen, dass ein Prophet erscheint.“3


  47. Die Wunder im Islam


    Das Wort muʿǧaza(Wunder) ist zwar ein arabisches Wort, aber nirgendwo – weder im Qurʾan noch in der Hadith, wird es benutzt. Das Wort muʿǧazakommt von dem Wort iʿǧāz“, welches heißt „hilflos sein“. In der religiösen Terminologie be- deutet es ein Stadium der Hilflosigkeit seitens eines Gegners, der sich einem Gesandten Gottes gegenübergestellt sieht und der sich in seiner Gegnerschaft des Handelns unfähig fühlt.

    Der Qurʾan verwendet für Wunder das Wort āya“, das heißt, ein augenscheinliches Zeichen oder Markierung, unter der ein Ding bekannt ist und das zu einem anderen Ding hinleitet. Da- rin liegt ein Hinweis, dass die Zeichen, die von Gott dem All- mächtigen kommen, einem bestimmten höheren Zweck und


    image

    3 Zum eingehenden Studium dieses Gegenstandes lesen Sie bitte „Truth about Khatam-e-Nabuwat“ von Mirza Bashir Ahmad, herausgegeben durch Tabshir, Rabwah, Pakistan.


    Ziel dienen müssen. Das Wort muʿǧaza(Wunder) trägt in sich die Bedeutung von Kraft und Macht, die den Gegner hilflos ma- chen, während das Wort „āya“ (Zeichen) erklärt, dass dahinter eine Absicht zu finden ist; um diese Absicht für die Menschheit klar zu machen, ist das Zeichen als ein Argument gebraucht worden.

    ۔تنٰ یِّ َبانَ تُ یٰ اٰ مۡ هِ یۡ لَ عیلٰ تۡ ُتاذَ اِ و


    „Und wenn Unsere deutlichen Zeichen verlesen werden.“ (19:74)


    Wir wissen, dass es einige Aspekte in der Religion gibt, welche dem bloßen Auge verborgen sind. Um die Wirklichkeit solcher verborgener Aspekte zu beweisen, wird es notwendig, sich auf einige Argumente zu stützen. Von diesen Argumenten sind ei- nige auf der Grundlage des reinen Verstandes zu finden, an- dere sind schwerwiegend, weil sie Beweise der Allmacht des Allwissenden und Allmächtigen Selbst sind. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Prophetentum. Alle Propheten haben den Anspruch erhoben, Offenbarungen, von Engeln vermittelt, be- kommen zu haben. Aber niemand hat gesehen, wie Engel zu den Propheten herabstiegen. Weil es eine verborgene Angele- genheit ist, wird es nun deswegen durch āya(Zeichen) be- stätigt, Zeichen, die Zeuge dafür sind, dass es nicht von dem Propheten selbst ist, sondern von dem allmächtigen Gott. Also heißt nach der islamischen Auffassung āyaein Zeichen, das als Beweis oder um die Wahrheit der Propheten zu bezeugen und zu erläutern, für diesen höheren Zweck auftritt. In Kür- ze gesagt: vor diesen Zeichen liegt immer ein höchster Zweck.


    Sie zeigen sich zur Bestätigung jener, die die göttlichen Wege aufzeigen und zur Widerlegung jener, die versuchen, göttli- chen Zeichen zu widersprechen. Es sind keine Spielzeuge, die man vorzeigt oder verlangt; sie bilden die Grundlage religiöser Heiligkeit, denn sie bezeichnen ein göttliches Schwergewicht über routinemäßige und eintönige Handlungen der Menschen. Gleichzeitig sind sie notwendig, weil der wahre Sucher unter ihrem Licht nach Leitung sucht und in ihrer Erscheinung Trost findet.

    Die islamische Auffassung von Wundern ist ganz anders, ja völ- lig verschieden von der Auffassung aller anderen Religionen. Im Christentum zum Beispiel sind Wunder das ein und alles. Die ganze Lehre der christlichen Religion ist begründet auf der Behauptung, es seien Wunder geschehen, insbesondere das von der Auferstehung Jesu von den Toten. In den Evangelien neh- men Wunder nicht nur den Platz von Argumenten ein, sondern ebenso den der religiösen Pflicht wie auch den der moralischen und geistigen Erbauung. Viele wunderbare Taten, die häufig in den Evangelien erwähnt werden, so wie die Auferweckung von Toten aus ihren Gräbern, die Heilung von Kranken, die Ver- wandlung von Wasser in Wein, die Austreibung von Teufeln und so weiter, hinterlassen den Eindruck, dass die große Auf- gabe, die durch diese Wunder verzeichnet werden soll, nicht darin besteht, eine Veränderung zu bewirken, indem tieferer Glaube an Gott in die Herzen gepflanzt wird; die Überzeugung von der Wahrheit wird nicht dadurch gesucht. dass man Argu- mente sammelt oder einen Appell an das Herz richtet, sondern indem der Geist durch Wunder eingeschüchtert wird.

    Es ist eine Tatsache, dass die grundlegenden Gesetze sich nie- mals verändern. Es ist zum Beispiel ein Naturgesetz, dass ein


    Wesen, das wirklich tot ist, niemals wieder ins Leben zurück-

    kehren kann.

    ﴾۹۶﴿ن

    ۡوعُ ج

    رۡ َی اَلمۡ هُ َّنَا ۤاهَ نٰ کۡ لَ ہۡ َا ۃٍ َیرۡ َقیلٰ ع

    مٌ رٰ حو


    „Es ist ein unwiderruflicher Bann für eine Stadt, die Wir zerstört, dass sie nicht wiederkehren sollen.“ (21:96)


    Deswegen können wir geradewegs eine Meinung zurückwei- sen, nach welcher jemand die Fähigkeit haben soll, einen toten Menschen ins Leben zurückzurufen. Die Wunder, die in der Bi- bel erwähnt werden, dass nämlich JesusAS Tote wiedererweckt habe usw. sind Beispiele für Metaphern und keineswegs wört- lich zu nehmen.

    Der Gründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat hat sich ausführ- lich mit dem Problem der Wunder beschäftigt und erklärt, dass Wunder sichtbare Zeichen der Wahrheit der göttlichen Befehle sind. In seinem Buch „Barāhīn-e aḥmadiyya“ schreibt er:

    „Wunder sind wie eine mondhelle Nacht mit Wolken- fetzen hier und dort. Aber für einen Menschen, der an Nachtblindheit leidet und der nachts keine Gegenstände voneinander unterscheiden kann, ist das Licht des Mon- des so gut wie nutzlos. Wunder können nicht und des- wegen werden sie auch nicht so geschehen, wie sie am Tage des Gerichts geschehen werden ... Jedermann, der behauptet, dass solche Wunder in der Tat irgendwann in der Vergangenheit stattgefunden haben, arbeitet un- ter dem Joch durch Selbsttäuschung geborener Mythen, die nicht anders denn als ohne Basis anzusehen sind. Er weiß nichts über die Wege, die Gott geht. Wenn Wunder solcher Art stattfinden würden, würde die Welt aufhören, die Welt zu sein, die wir kennen. Der Vorhang vor dem Gesicht des Unsehbaren, Ungewussten wäre aufgehoben


    ... Ein Wunder wird um deretwillen gebracht, die für die Wahrheit eintreten, um das Wahre vom Falschen zu un- terscheiden ... Und eine Art Wunder zu sehen, ist immer im Zusammenhang mit den Bedürfnissen des Zeitalters, in dem es geschieht.“


    Im gleichen Buch schreibt der Verfasser weiter:


    „Ein Wunder in seinem Wesensgehalt ist ein außerge- wöhnliches Phänomen, ähnliches ist von einem Gegner der Propheten nicht zu schaffen, abgesehen von der Tat- sache, dass ein solches Phänomen auf den ersten Blick nicht als außerhalb der menschlichen Fähigkeiten liegend erscheinen mag. Das qurʾanische Wunder ist der Fall, den wir hier als Beispiel zitieren möchten. Er enthält die Her- ausforderung an die gesamte arabische Welt, etwas ihm Gleiches hervorzubringen, was auf den ersten Blick nach menschlichen Erwägungen nicht unmöglich gewesen wäre; dennoch versagten die Araber darin, etwas ihm Ebenbürtiges zustande zu bringen ... Folglich ist der wah- re und große Zweck eines Wunders der, die Echten von den Falschen und die Wahrhaftigen von den Heuchlern zu unterscheiden. Ein derart ausschlaggebendes Phäno- men ist es, das ein Wunder oder mit anderen Worten ein Zeichen genannt wird.“


    Es gibt viele Arten von Wundern. Einige haben zum Zweck, den Glauben in den Herzen der Gläubigen zu festigen. Die Gegner der Propheten mögen oder mögen nicht solche Wunder annehmen, die Wunder aber lassen in den Herzen der wahren Gläubigen den Glauben an die Existenz eines liebenden und allmächtigen Gottes wachsen. Die andere Art von Wunder stellt Argument und Beweis für die Wahrheit des Propheten dar. Deswegen geschehen Wunder auf solche Art und Weise,


    dass der Prophet sie als ein Argument gegen seine Opponenten gebrauchen kann.

    Zu solchen Wundern gehört der Qurʾan als das größte Wunder des Islams. Während die Wunder der früheren Propheten ein Teil der nunmehr vergangenen Geschichte sind, steht dieses Wunder noch unumstößlich und unangefochten als Aufforde- rung an die Welt da. In den folgenden Versen des Qurʾans hat Gott Selbst die Welt herausgefordert, etwas ihm Ähnliches her- vorzubringen:

    ۡوَلوَ ہٖ لِ ثۡ مِ بِ ن

    ۡوُتۡاَیاَلنِ اٰرۡ قُ ۡلااذہٰ لثۡ مِ بِ اوُۡ تۡاَیّ نَایلٰۤ عنُ جِ ۡلاوَ سُ ۡنِاۡلات

    عَ مَ تَ جانِ ئِ َّللق

    ﴾۸۹﴿ارً ۡیهِ ظ ضعۡ بَ ِلمۡ هُ ضُ عۡ َبناَك


    „Sprich: Ob sich auch die Menschen und die Dschinn ver- einigten, um ein diesem Qurʾan Gleiches hervorzubringen, sie brächten doch kein ihm Gleiches hervor, selbst wenn sie einander beistünden.“ (17:89)

    نِ وۡ دن

    مِ مۡ تُ عۡ طَ تَ سانِ م

    اۡوعُ داوَّ تیٰ رَ َتفۡ م

    ہٖ لِ ثۡ مِ رٍ َوس

    رشۡ عَ ِباۡوُتۡافَ ل

    قُ ؕہىرٰ َتفان

    ۡوُلۡوُقَیمۡ َا

    ﴾۱۴﴿ن

    ۡیِقد

    صمۡ تُ نۡ کُ ن

    اِ ہِ لٰ لا


    „Sagen sie: Er hat es erdichtet? Sprich: So bringt doch zehn ebenbürtige, erdichtete Suren hervor und ruft an, wen ihr vermögt, außer Allah, wenn ihr wahrhaft seid!“ (11:14)

    مۡ تُ نۡ کُ ن

    اِ ہِ لٰ لانِ وۡ دنمِ مۡ تُ عۡ طَ تَ سانِ ماۡوعُ داوَ ہٖ لِ ثۡ مِ ةٍ رَ ۡوسبِ اوُۡ تۡافَ لقُ ؕہىرٰ َتفانۡوُلۡوُقَیمۡ َا

    ﴾۳۹﴿نۡیِقدص


    „Sagen sie: Er hat ihn erdichtet? Sprich: Bringt denn eine


    Sura wie diesen (Qurʾan) hervor und rufet, wen ihr nur könnt, außer Allah, wenn ihr wahrhaftig seid.“ (10:39)

    مۡ ُکءآد

    هَ ش

    اۡوعُ داوَ ۪ہٖ لِ ثۡ مِ نمِ ةٍ رَ ۡوس

    بِ اۡوُتۡافَ اَند

    بۡ عیلٰ عانَ ۡلزَّ َنامَّ مِ ب

    ۡیرَ ی

    ِفمۡ تُ نۡ کُ ن

    اِ و

    ﴾۲۴﴿ن

    ۡیِقد

    صمۡ تُ نۡ کُ ن

    اِ ہِ لٰ لانِ وۡ دنمِ


    „Und wenn ihr im Zweifel seid über das, was Wir hinab- gesandt haben zu Unserem Diener, dann bringt eine Sura hervor wie diesen (Qurʾan) und ruft eure Helfer auf, außer Allah, wenn ihr wahrhaft seid.“ (2:24)


    Die große Behauptung des Qurʾans gewinnt noch an Bedeutung, wenn wir nach seinen 1400 Jahren die folgenden Zitate moder- ner Schriftsteller lesen:


    „Es war das eine Wunder, das von Muhammad bean- sprucht wurde, – sein ‚beständiges Wunder‘, wie er es nannte; und es ist in der Tat ein Wunder.“ (The Life of Muhammad, von Besworth Smith, S. 290)


    „Der Qurʾan ist unerreichbar, er enthält überzeugende Kraft und Beredtheit, seine ganze Anlage ist eben uner- reicht.“ (New Researches, von Hirschfeld, S. 8)


    „Der beste arabische Schriftsteller hat niemals solche Höhe erlangt, in dem er durch irgend etwas Vergleichba- res sich verdient gemacht hätte, so wie es der Qurʾan getan hat – und das ist nicht erstaunlich.“ (Einführung zur Über- setzung des Heiligen Qurʾans von Palmer, S. IV)


  48. Das Erscheinen des Messias und Mahdis


    Es gibt eine Prophezeiung des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW, dass der Messias und Mahdi unter den Musli- men erscheinen werde. Angemessen dem Mangel an geeigne- ter Annäherung an ein Verständnis dieser Prophezeiung, hat ein mehr oder weniger allgemeines Missverständnis unter den Muslim um sich gegriffen. Erstens: Mahdi und Messias wer- den als zwei verschiedene Personen angesehen, während sie von der Hadith als zu einer und derselben Person zugehörig betrachtet werden.

    Zweitens: Die Ankunft des Messias wurde als physisches Her- absteigen des israelitischen Propheten Jesus ChristusAS verstan- den.

    Das Wort Mahdi bedeutet „der Geleitete“ und, da alle Leitung von Gott kommt, kam es zu der Bedeutung „der göttlich Ge- leitete“. Es wird insbesondere als Name für denjenigen ange- wandt, für den der Heilige Prophet MuhammadSAW gute Zei- chen gab, dass er am Ende der Zeit erscheinen würde. (Ency. des Islams)

    ibn Ḫaldūn (gest. 808/1406 n.Chr.) führt in seinem Buch Mu- qaddama24 Überlieferungen an, die sich mit dem Mahdi be- schäftigen, und er fügt sechs weitere hinzu, er kritisiert aber die Echtheit aller. In der „Tazkira“ von al-Qurṭubī gibt es eine weitere Ansammlung von ausschweifenden Einzelheiten hier- zu, die ibn Ḫaldūn offensichtlich verschmäht hat, in sein Buch mit aufzunehmen.

    Nawab Siddiq Hasan Khan von Bhopal, ein bekannter Theolo- ge der Ahl-e-Hadith-Sekte, unternahm große Anstrengungen, allem Traditionen, die sich mit der Ankunft des Mahdis be- schäftigen, zu sammeln. Er veröffentlichte sein Werk Ḥuǧaǧu


    l-Karāmaim Jahre 1291 des islamischen Kalenders. Auf Seite 365 schreibt er:


    „Es besteht kein Zweifel, dass es in der Kette der Über- lieferer der meisten Traditionen Personen gab, die sorg- los waren, mit schlechtem Gedächtnis behaftet, schwach oder von kraftloser Urteilsfähigkeit. Oder sie hatten an- dere Fehler. Diese schwachen und fehlerhaften Traditio- nen legen, wenn man sie insgesamt betrachtet, Zeugnis ab von der Tatsache, dass der Mahdi in den letzten Tagen der Menschheit erscheinen wird, wenngleich sehr viele dieser Traiditionen rein sind.“


    Auf Seite 384 schreibt er:


    „Alle diese Traditionen, die sich auf das Erscheinen des Mahdis beziehen, die Ereignisse, Vorfälle, Gefahren und die Überwindung der Zeitereignisse usw. zeigen nur die Wahrheit seines Erscheinens; auf was für eine Art sie auch immer geschehen mag.“


    Die Enzyklopädie des Islams sagt hierzu:


    „Aber es ist auch deutlich, dass die Lehre vom Erscheinen des Mahdis spät entstand und nicht allgemein angenom- men worden ist ... Je später wir also in der Geschichte ge- hen und umso allgemeiner unsere Quellen werden, desto stärker finden wir den Glauben an den eschatologischen Mahdi. Je mehr nun die muslimischen Massen sich selbst anerkannt und beleidigt gefühlt haben, entweder durch ihre eigenen Herrscher oder durch Nicht-Muslime, desto inbrünstiger war ihr Sehnen nach dem letzten Wiederher- steller des wahren Islams, nach dem Eroberer der ganzen Welt für den Islam.“


    Klammern wir alles Wunschdenken aus und fegen wir alle spä- teren Hinzufügungen zu der Prophezeiung vom Erscheinen des Mahdis beiseite, so fühlen wir uns zu der Entscheidung ge- zwungen, im Licht der Tatsachen zu sehen, dass das Erscheinen des Mahdis niemals wirklich getrennt von dem des Messias ge- meint war. Mālik, Buḫārī und Muslim sind die frühesten und größten Autoritäten der Hadith, und es ist überaus bemerkens- wert, dass sie das Erscheinen des Mahdis in keiner ihrer Samm- lungen erwähnt haben. Sie sprechen nur von der Wiederkunft des Messias. Die folgenden Überlieferungen von Aussprüchen des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW, die in den be- rühmten Hadith Sammlungen des ibn Māǧa und Musnad Aḥmad bin Ḥanbal enthalten sind, machen diesen Punkt deutlich:


    1. ibn Māǧa berichtet den folgenden Ausspruch des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW: „Der Mahdi ist kein an- derer als der Messias.“ (Sunan Ibn Māǧa, Kitāb al-fitan, Bāb šiddatu z-zamān)

    2. Musnad Aḥmad bin Ḥanbal berichtet ebenfalls: Hadhrat Abu HurairaRA überliefert, dass der Heilige ProphetSAW sagte: „Es ist durchaus möglich. dass einer von euch, der dann noch lebt, Jesus, den Sohn der Maria, treffen mag, der der Mahdi ist und ein gerechter Richter; er wird das Kreuz brechen und das Schwein töten.“


    Durch diese Worte des Heiligen Propheten Hadhrat Mu- hammadSAW ist es deutlich, dass er die Ankunft von nur einem Individuum meint, dem zwei verschiedene Namen gegeben sind. Die gleiche Person wird sowohl Mahdi als auch Messias heißen.


  49. Die Ankunft des Messias


    Nachdem wir in dem vorausgegangenen Kapitel die Tatsache besprochen haben, dass der Mahdi kein anderer ist als der den Muslimen versprochene Messias, wenden wir uns nun der Fra- ge nach der Ankunft des Messias zu.

    Die zuverlässigste Überlieferung hierzu wird von Buḫārī ver- mittelt. Hadhrat Abu HurairaRA berichtet, dass der Heilige Pro- phetSAW sagte:


    „Bei Dem, in Dessen Hand meine Seele liegt, die Zeit ist si- cherlich nahebei, dass der Sohn Marias unter euch erschei- nen wird (er wird kommen und bei euch bleiben); er wird Richter sein; er wird gerecht sein, er wird das Kreuz bre- chen (christliche Lehrmeinungen mit verstandesgemäßen Ar- gumenten zurückweisen – Kommentar von Aimee zu Buḫārī) und das Schwein töten; und er wird den Krieg beenden; und Reichtum wird anwachsen, so dass keiner ihn anneh- men wird; und eine einzige saǧda (Niederwerfung) wird besser sein als die ganze Welt und was darin enthalten ist.“ (Ṣaḥīḥu l-Buḫārī, Kitab aḥādīṯi l-ʾanbiyāʾ, Bāb nuzūli ʿĪsā ibn Maryam)


    Es gibt in dieser Hadith zwei Punkte, die einer näheren Erläu- terung bedürfen:


    1. Um das Kommen des Messias zu erläutern, hat der Heilige ProphetSAW das Wort nazalagebraucht. Christen genauso wie später Muslime sagen, dass dieses Wort bedeutet: „Er stieg herab von einem hohen Ort.“ Demzufolge müsste Jesus körperlich von den hohen Himmeln herabsteigen.

    2. Der Heilige Prophet MuhammadSAW sagt, dass der Sohn


    Marias kommen wird, es müsste also Jesus selbst sein, der persönlich kommt und nicht irgendein anderer Mensch.


    Diese beiden Punkte sind vom Propheten selbst verdeutlicht worden, indem er sagt: „Wie werdet ihr sein, wenn der Sohn der Maria unter euch herabsteigen wird (kommen und bei euch bleiben wird), und er wird euer Imam sein; unter euch selbst.“ (Buḫārī 60:49) Der Sohn der Maria war schon seit langem gestorben und es ist eine festgesetzte Tatsache, dass physisch Tote niemals auf diese Welt zurückkommen werden.

    ﴾۹۶﴿ن

    ۡوعُ ج

    رۡ َی اَلمۡ هُ َّنَا ۤاهَ نٰ کۡ لَ ہۡ َا ۃٍ َیرۡ َقیلٰ ع

    مٌ رٰ حو


    „Es ist ein unwiderruflicher Bann für eine Stadt, die Wir zerstört, dass sie nicht wiederkehren soll.“ (21:96)


    Somit ist es unverkennbar, dass der Heilige Prophet Mu- hammadSAW nicht das neuerliche Kommen des gleichen Sohnes der Maria meinen konnte, der einer der israelitischen Prophe- ten war und ungefähr 1300 Jahre nach dem Propheten MosesAS erschienen war. Der Heilige ProphetSAW hat weiterhin seine An- sicht klar dargelegt, indem er sagte, dass der Verheißene Mes- sias „einer von euch selbst“ sein würde, daher, er würde we- der von den Himmeln herabsteigen noch würde er der gleiche Sohn der Maria sein, der ja tot ist; andererseits würde er unter den Muslimen seines Zeitalters erscheinen.

    Gemeinhin wird der Name eines Menschen einem anderen dann verliehen, wenn zwischen beiden eine bestechende Ähn- lichkeit vorhanden ist. Abu Sufyan sagte zu seinen Gefährten über den Heiligen Propheten MuhammadSAW, nachdem er He-


    raklius, den römischen Kaiser, getroffen hatte: „Der Sohn von Abi Kabsha hat sicherlich die Oberhand behalten, denn sogar der König der Bani Asfar fürchtet ihn.“ (Buḫārī) Jedermann weiß, dass der Heilige Prophet MuhammadSAW nicht der Sohn von Abi Kabsha war, aber Abu Sufyan nannte ihn so, weil der Heilige ProphetSAW an die Einheit Gottes so sehr glaubte, wie der Sohn von Abi Kabsha.


  50. Die Bedeutung des Wortes nazala


    Das Wort nazala“, das in der oben erwähnten Überlieferung gebraucht wird, mag „er stieg herab“ bedeuten, aber es kann nicht – wir sehr wir auch seine Bedeutung dehnen – „er stieg körperlich vom Himmel herab“ bedeuten. Es gibt auch nicht die leiseste Rechtfertigung dafür. Das gleiche Wort wird für das Kommen des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW ge-

    braucht.

    ٰ ّ ّ

    ٰ ٰ ۡ َ

    ۡ ُ ۡ َ ً َ

    ً ۡ ّ َ ۡ

    ۔تنیِ بمہِ للات

    یا مکیلع اولتیالوسر﴾۱۱﴿ارکذ

    مکیلاِ ہللا لزنا دق


    „Allah hat euch fürwahr eine Ermahnung hernieder ge- sandt – einen Gesandten, der euch die deutlichen Zeichen Allahs vorträgt.“ (65:11, 12)


    Niemand jedoch kann behaupten, dass der Heilige ProphetSAW körperlich von den Himmeln hernieder gekommen ist. Das Wort nazalaerzählt uns nur, dass das, was herabsteigt, ein Werkzeug Seiner Majestät und der Kraft Gottes ist. Diese Be- deutung des Ausdrucks nazalaoder nuzūlist im Einklang

    mit

    dem

    ّ

    Gebrauch

    َ ّ

    des

    Qurʾans.

    ُ ۡ َ ٰ

    ّ َ ۡ َ َّ

    بذعواہوَرتملادۡونجل

    زناوَ نینِ مِ ؤملایلعوَ ہٖ ِلۡوسریلعہتنیۡ کِ س

    ہللالزنامث

    ۔ؕاوۡ رُ فَ کَ نۡیذِ َّلا


    „Dann senkte Allah Seinen Frieden auf Seinen Gesandten und auf die Gläubigen und sandte Heerscharen hernieder, die ihr nicht sahet ...“ (9:26)

    ۔اساعَ ُّنۃً نَ مَ َامِّ غَ ۡلادعۡ َبنمِ مۡ کُ یۡ لَ علزَ ۡنَامَّ ُث

    „Dann, nach dem Kummer, sandte Er Frieden zu euch hernieder ...“ (3:155)


    Weiterhin siehe 7:27; 2:58; 42:28 und 57:26.


  51. Die Bedeutung der „Zweiten Ankunft“ des Messias


    Die Frage der „Zweiten Ankunft“ ist von Jesus selbst behandelt worden. Die Juden glaubten, dass Elias ein zweites Mal vor der Ankunft des Messias erscheinen würde und diese „Zweite An- kunft“ des Elias ist als Bedingung für das Erscheinen des Mes- sias im Buch Maleachi genannt worden. Dort steht geschrieben:


    „Siehe, Ich sende euch den Propheten Elias, ehe der groß und furchtbare Tag des Herrn kommt.“ (Maleachi 4:5)


    Aber, wie es geschehen ist, Jesus erschien und kein Elias stieg vom Himmel herab. Als Jesus darüber befragt wurde, antwor- tete er: „Denn alle Propheten und das Gesetz haben auf Johannes hin geweissagt, und wenn ihr es annehmen wollt: er ist Elias, der kommen soll.“ (Matthäus 11:13, 14) Auf diese Weise erklärte Jesus, dass, wenn die Prophezeiungen vom zweiten Kommen eines Pro- pheten sprechen, der von den Himmeln herabsteigen sollte, sie in Wirklichkeit die Ankunft eines Propheten „ihm ähnlich“ mei-


    nen. Ebenso sollte das zweite Kommen von Jesus verstanden werden. Aus einer anderen Stelle der Bibel geht hervor – und es bestellt kein Zweifel daran – dass mit den zweiten Kommen Jesus immer das Kommen eines anderen Propheten als er selbst meinte. Er sagt: „Ihr werdet mich von jetzt an nicht (mehr) sehen, bis ihr sprechen werdet: ‚Gepriesen sei, der da kommt in Namen des Herrn.‘“ (Matthäus 23:29) Dieser Vers zeigt ganz klar, dass nur jene in der Lage sein würden, den Messias wieder zu sehen, die daran glauben, dass ein Mensch „im Nehmen des Herrn“ erscheinen wird. Diejenigen aber, die in dem Glauben verhar- ren, dass der gleiche Jesus wieder kommen wird, werden fort- fahren, darauf zu warten, und ihr Warten wird vergebens sein.


  52. Ist Jesusas zum Himmel aufgefahren?


    Studiert man die entsprechenden Stellen der Bibel mit der ihr gebührenden Absicht, die Wahrheit zu erfahren, kommt man zu dem Schluss, dass es falsch ist, die Theorie der Himmelfahrt Christi auf einer so unsicheren Basis zu gründen.4 Ziehen wir den Heiligen Qurʾan zu Rate, so werden wir feststellen, dass nirgendwo behauptet wird, dass Jesus in den Himmel aufge- stiegen wäre. Anderseits wird klargestellt, dass er eines natürli- chen Todes starb. Der Qurʾan sagt:

    تۡنَا وَ ؕمۡ هِ یۡ لَ عب

    یۡ ِقَرلات

    ۡنَات

    نۡ کُ ینِ تَ یۡ فَّ َوَتامَّ لَ فَ ۚمۡ هِ یۡ ِفت

    مۡ د

    امَ

    ادیۡ هِ ش

    مۡ هِ یۡ لَ عت

    نۡ کُ و

    ﴾۱۱۸﴿د

    یۡ هِ ش

    ءٍ یش

    لّ ِ ُكیلٰ ع


    image

    4 Bitte beachten Sie die ausführliche Diskussion darüber in dem Buch

    „Where did Jesus die?“, verfasst von J. D. Shams und veröffentlicht von The oriental and religious Publishing Corporation Ltd., Rabwah, Pakistan.


    „Und ich (Jesus) war ihr Zeuge, solange ich unter ihnen weilte, doch seit Du mich sterben ließest, bist Du der Wächter über sie gewesen; und Du bist aller Dinge Zeu- ge.“ (5:118)

    لعاج

    و اوۡ رُ فَ کَ ن

    ۡیذِ َّلانمکُرهِّ طَ موَ یَّ َلاِ ک

    عُ ِفارَ وَ کیۡ ِفّ َوتَ م

    یۡ ِّناِ یسٰۤ یۡ عِ یٰ ہُ لٰ لالاقَ ذۡ ا

    ۔ۚۃمَ یٰ قِ ۡلامِ ۡوَییلٰ اِ اوۤۡ رُ فَ کَ ن

    ۡیذِ َّلاقَ ۡوفَ ک

    ۡوعُ بَ َتانۡیذِ َّلا


    „Wie Allah sprach: O Jesus, Ich will dich (eines natürli- chen) Todes sterben lassen und will dir bei Mir Ehre ver- leihen und dich reinigen (von den Anwürfen) derer, die ungläubig sind, und will die, die dir folgen, über jene set- zen, die ungläubig sind, bis zum Tage der Auferstehung.“ (3:56)


    Alles in allem hat der Qurʾan in mehr als dreißig Versen den ab- surden Glauben an die körperliche Himmelfahrt Hadhrat Jesu- AS und sein vermutetes Leben im Himmel vollständig widerlegt. Es gibt überhaupt keinen Hinweis, weder in den Aussprüchen des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW noch in den Überlieferungen seiner frühen Gefährten, der die angenomme- ne körperliche Himmelfahrt Jesu von NazarethAS unterstützte. Es ist nun eine eingestandene Tatsache, dass durch die freie Ver- mischung von Muslimen und Christen und durch den Übertritt von Hunderten und Tausenden von Christen zum Islam, die Meinung, dass JesusAS lebendig zum Himmel aufgestiegen sei, weitverbreiteten Glauben unter den Muslimen gefunden hat, wie auch das Missverstehen der Prophezeiung über die zweite Ankunft Jesu diesem Glauben Unterstützung verleiht. Es wird berichtet, dass der Heilige ProphetSAW gesagt hat: „Würden Mo- ses und Jesus heute noch leben, sie würden sich selbst in der Lage


    befunden haben, gezwungen zu sein, mir zu folgen.“ (Zurqānī Vol. VI Seite 54) Der Heilige ProphetSAW hat sogar das Alter von Jesus mit 120 Jahren angegeben. (Muwāhibu l-Ladunnīyya von Qasṭalānī, Vol. I Seite 42) Unter den frühen bedeutenden Theologen und Gelehrten der islamischen Lehre, die rundweg die Idee eines körperlichen Aufsteigens von Hadhrat JesuAS zum Himmel ab- gelehnt haben, sind auch Folgende: Hadhrat Hasan, Sohn von Hadhrat AliRA, dem dritten Kalifen des Islams; Hadhrat ibn Ab- bas; Hadhrat Imam Mālik; Hadhrat Imam ibn Hazm; Hafiz ibn al-Qayyam; ʿAllāma Šauqanī; Abu Abdullah Muhammad bin Yusuf; ʿAllāma Ǧabbaī und Šaiḥ Muḥyi d-Dīn ibn ʿArabī.


    Unter den bedeutendsten muslimischen Theologen unserer Zeit wird es wohl kaum einen geben, der nicht die Vorstellung eines körperlichen Entrückens Hadhrat JesuAS in den Himmel zurückweisen würde. Allama Rashid Raza, Muhammad Abd, Mahmud Shaltut, Ahmad al-Ajuz, Mustafa Al-Muraghi, Abdul Karim ash-Sharif, Abdul-Wahab al-Nayyar, Dr. Ahmad Zaki Abu Shadi, Dr. Allama Iqbal, Maūlānā Abu l-Kalām Azād und Maūlānā Maudūdī – sie alle stimmen darin überein, dass JesusAS tot und nicht lebendig im Himmel ist.

    Der Mufti von Ägypten und Rektor der Al-Azhar-Universität Kairo, Sheikh Mahmud Shaltut, ein hervorragender muslimi- scher Gelehrter von weltweitem Ruf hat seine Fatwa (Verdikt) zu diesem Thema gegeben, die von der islamisch-kulturellen Abteilung der Universität Al-Azhar in der Sammlung seiner Fatwas veröffentlicht wurde. Nach eingehender Diskussion der verschiedenen Gesichtspunkte kommt der Groß-Mufti von Ägypten zu dem Schluss: dass „es weder im Qurʾan noch in der Sunna des Heiligen Propheten Hadhrat Muhammadsaw irgendeine


    Quelle gibt, die dieser Ansicht Unterstützung verleiht und die dem Herzen Befriedigung gewähren würde, dass Jesus körperlich zum Himmel aufgefahren wäre und noch dort sei.“

    Es gibt keinen Widerspruch zu der Tatsache, dass JesusAS tot und nicht lebendig im Himmel ist.


  53. Der Verheißene Messiasas erscheint


    Auf den vorausgegangenen Seiten haben wir deutlich gemacht:


    1. Dass Hadhrat JesuAS von Nazareth eines natürlichen Todes gestorben und nicht lebendig im Himmel ist;

    2. Dass der Messias und der Mahdi eine und dieselbe Person ist, die nur zwei verschiedene Namen, Messias und Mahdi, hat;

    3. Propheten, die kein Gesetz mit sich bringen, können unter den Muslimen erscheinen.


    Nichts kann uns nunmehr daran hindern, die Wahrheit des Glaubens anzunehmen, dass die Prophezeiung, die die zweite Ankunft des Messias betrifft, durch eine Person erfüllt wer- den wird, die unter den wahren Gefolgsleuten und Ergebenen des Heiligen Propheten des IslamsSAW erscheinen wird. Er wird auftreten mit der Kraft und dem Geist von Jesus, und die Pro- phezeiung über die abschließenden Siege des Islams und seine Verbreitung in alle Welt mit friedlichen Mitteln wird durch ihn erfüllt werden.


  54. Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad von QadianAS erhebt den Anspruch, der Verheißene Messias zu sein


    Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad AS (1835-1908), Gründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat, erhob den Anspruch darauf, der Messias und Mahdi zu sein, der in den heiligen Schriften vor- ausgesagt worden war. Sein Anspruch gründete sich auf eine Offenbarung, die er direkt von Gott erhalten hatte:

    „Wir haben dich zum Messias, Sohn der Maria, gemacht.“


    Im Jahre 1890 erklärte Hadhrat AhmadAS in seinem Buch Fatḥ-e ism“:


    „Ich sage es immer wieder und nichts kann mich davon abhalten, es zu sagen, dass ich derjenige bin, der gesandt wurde, die Menschheit zu erneuern, damit die Religion und die Liebe Gottes abermals in den Herzen der Men- schen errichtet werden. Ich bin gesandt worden wie jener, der nach Moses kam und dessen Geist nach vielen Leiden während der Regierung des Herodes in die Himmel auf- genommen worden ist.“


    In der göttlichen Offenbarung war Hadhrat AhmadAS auch zum verheißenen Lehrer erklärt worden, dessen Erscheinen im letz- ten Zeitalter von nahezu jedem Propheten vorausgesagt wor- den ist. In einer Offenbarung, die er erhielt, hat Gott ihn mit den folgenden Worten angesprochen:


    „In deiner Person sind die Prophezeiungen der früheren Propheten erfüllt worden. Du bist gekleidet in den Ge- wändern aller Propheten (d. h. du bist begabt mit ihren


    Kräften und ihrem Geist). Aller Preis gebührt Gott, Der dich zum Messias, Sohn der Maria, gemacht hat. Niemand kann Ihn befragen, warum Er es so eingerichtet hat, aber die Menschen werden befragt werden ob ihres Versäum- nisses, sich Seinem Ratschluss zu unterwerfen. Du bist der Meister und der Messias, dessen Zeit und Arbeit nicht vergeblich verbracht werden wird. Es ist den Menschen nicht ratsam, dem Propheten entgegenzuwirken, der gleich dem Propheten der Brahmanen ist. Du bist der ge- segnete Krischna, der Heger der Kühe, und dein Lob wird in der Gita verkündet.“


    Diese Prophezeiung zeigt, dass Gott ihn zur Erneuerung der Menschheit bestimmt hat, dass er der Verheißene Messias ist und Krischna sowie der Brahmin Avatar, und dass er derjenige ist, der die Prophezeiungen aller Propheten erfüllt.


  55. Der Zweck der Ankunft von Hadhrat Ahmadas


    Der Zweck der Ankunft von Hadhrat AhmadAS, dem Verheiße- nen Messias, war der Dienst am Islam, und die Erneuerung des Islams und die Verbreitung des Islams, sowie der, die Mensch- heit durch den Islam zu Gott zu leiten. Hadhrat AhmadAS er- läutert den Zweck seiner Ankunft in den folgenden Worten:


    „Das allerhöchste Ziel der Ankunft von Propheten und ihrer Botschaft ist der, dass der Mensch den Allmächti- gen erkennen möge und von einem Leben sich frei mache, das durch sündiges Verhalten zur Hölle und Zerstörung führt. In der Tat ist dies das wichtigste und wesentlichste Ziel aus der Sicht der Propheten. Dies geschieht auch in diesem Zeitalter; Gott hat deswegen eine Bewegung ge- gründet und mich erweckt. Somit ist der Zweck meiner


    Ankunft der gleiche, wie derjenige der Propheten, das heißt, ich möchte darlegen, was Gott ist, mehr noch, ich möchte dies zeigen und zu dem Pfad leiten, der vor Sün- den behütet.“ (Malfūẓāt Band III, S. 11)


    Und weiter sagt er:


    „Ich bin als Demütiger gesandt worden, um nur diese Bot- schaft der Menschheit zu verkündigen, dass unter den ge- genwärtigen Religionen der Welt allein jene die Wahrheit bringt und entsprechend dem Wunsch Gottes besteht, die der Qurʾan gebracht hat; und die Tür und das Haus der Erlösung näher zu bringen ist möglich durch das Bekennt- nis: ‚lā ilāha ʾillallāh muḥammadun r-rasūlullāh‘ (d. h. nie- mand ist anbetungswürdig außer Allah und Muhammad ist der Gesandte Allahs).“ (Huǧǧatu l-ʾislām, S. 12-13)


  56. Das Leben nach dem Tod


    Der Glaube an ein Leben nach dem Tod ist das letzte der grund- legenden Prinzipien des Islams. Der Qurʾan misst dem Glauben an ein zukünftiges Leben eine Wichtigkeit bei, die dem Glauben an Gott überhaupt gleichkommt. Sehr oft werden alle Lehrsätze des Glaubens so zusammen gefasst, dass sie auf den Glauben an Gott und ein zukünftiges Leben zugleich hinauslaufen:

    ﴾۹﴿ن

    ۡینِ مِ ؤۡ مُ بِ مۡ ہام

    وَ ر

    خِ اٰ ۡلامِ ۡویَ ۡلابِ وَ ہِ لٰ لابِ انَّ م

    اٰ ل

    ۡوُقَیّ نم

    سانّ لانمو


    „Unter den Leuten sind solche, die sagen: ‚Wir glauben an Allah und an den Jüngsten Tag‘, und sind gar nicht Gläubi- ge.“ (2:9)

    اَلوَ مۡ هِ یۡ لَ عف

    ۡوخ

    اَلوَ ۪ۚمۡ هِ بِّ رَ د

    نۡ ع

    مۡ ہُ ُرجۡ َامۡ هُ لَ فَ احً ِلاصل

    مِ ع

    وَ ر

    خِ اٰ ۡلامِ ۡویَ ۡلاوَ ہِ لٰ لابِ ن

    ماٰ نم

    ۔نۡوُنزَ حَیمۡ ہ


    „Wer immer wahrhaft an Allah glaubt und an den Jüngs- ten Tag und gute Werke tut –, sie sollen ihren Lohn erhal- ten von ihrem Herrn, und keine Furcht soll über sie kom- men noch sollen sie trauern.“ (2:63)


    Die grundlegenden islamischen Glaubens- und Lehrsätze sind in der Tat Ursprung und Basis aller Handlungen und sie bieten die Rechtschaffenheit, von der die Rechtschaffenheit der Hand- lungen abhängt. Es gibt verschiedene Punkte des Glaubens, die der Islam für wesentlich hält, der fundamentalste davon ist der Glaube an Gott, der den zentralen Punkt des Glaubens darstellt. Das Zweitwichtigste ist der Glaube an den letzten Tag oder den Tag des Gerichts, von dessen wahrhaftem Verständnis die Richtung, die ein Mensch durch seine Handlungen einschlägt, abhängt. Das Leben nach dem Tode ist etwas, über das wir si- cheres Wissen nur durch Offenbarung erlangen können. Es ist offensichtlich, dass die Beschaffenheit des Lebens nach dem Tode, wenngleich sie in gewisser Hinsicht auch durch mensch- liche Rede ausgedrückt werden kann, nicht den gleichen Cha- rakter wie die Umstände dieses Lebens hat. Verglichen mit den Umständen dieses Lebens ist sie rein von geistiger Art und zeigt somit deutlich, dass sie mit größerer Intensität gefühlt, erfahren und wahrgenommen werden wird als die Beschaffenheit dieses Lebens es zulässt. Es ist mit unseren gegenwärtigen Fähigkeiten nicht möglich, die wahre Natur der Beschaffenheit des Lebens nach dem Tode zu empfinden. Was möglich ist, ist der Versuch, ein annährendes, intuitives Verständnis von ihr zu erreichen.


    Wie der Heilige Prophet MuhammadSAW gesagt hat, ist es für den menschlichen Verstand und sein Auffassungsvermögen nicht möglich, die Wirklichkeit jenes Lebens nach dem Tode zu begreifen. Es ist eine Täuschung, anzunehmen, dass die Fort- dauer des Lebens im Jenseits bedeutet, dass die Knochen und Gebeine des toten Körpers zusammengefügt werden, nachdem sie verwest waren. Leben nach dem Tode bedeutet nicht, dass die Toten wieder fleischlich erweckt werden. Der Qurʾan zieht unsere Aufmerksamkeit auf die Phänomene des Schlafens und Träumens, um zu illustrieren, dass der Mensch in der Lage ist, Erfahrungen zu machen und Eindrücke zu erhalten ohne kör-

    َ

    perliche Teilnahme. Er stellt fest:

    ٰ َ ّ ُ ۡ ۡ

    ُ ۡ َ

    َّ َ َ ّ

    اهیلعیَضۡ قُ یَّۡ تَِ لاَّکسِۡ َ مّ یفٰۚ اٰ هَ مَ انٰمیِفَّ تمتمًّ لَ یۡ ُّ تِ لاوَ اَ هتِ ٰۤومنٰۤ یۡحِ ُ س

    فنالای

    ُ ۡ

    فوتی ہللا

    َ ۡ َ ۡ

    ﴾۴۳﴿نورکفتی مٍ وقِل ت

    یالکِلذی

    ِفناِ ؕیمسمل

    جایلاِ یرخالالس

    ریوتوملا


    „Allah nimmt die Seelen (der Menschen) hin zur Zeit ih- res Absterbens und (auch) derer, die nicht gestorben sind, während ihres Schlafes. Dann hält Er die zurück, über die Er den Tod verhängt hat und schickt die andere wieder zurück bis zu einer bestimmten Frist. Hierin sind sicher- lich Zeichen für Leute, die nachdenken.“ (39:43)


    Tod und Schlaf haben vieles gemeinsam. Der Unterschied zwi- schen den beiden ist, dass im Tod die menschliche Seele voll- kommen und andauernd vom Körper getrennt ist, während im Schlaf die Trennung nur zeitlich begrenzt und unvollständig ist. Das Geschehen aber, das ein Mensch in seinen Träumen be- zeugt, kann nicht rein seelisch oder rein geistig genannt wer- den, weil er ja auch während seines Träumens einen Körper hat.


  57. Das Leben nach dem Tode – ein Ebenbild des Le- bens hienieden


    Es ist eine leicht nachweisbare Tatsache, dass gut und böse ih- ren Lohn haben. Jede Ursache hat ihre Wirkung und alles, was geschieht, muss seine Früchte tragen. Die guten oder schlech- ten Handlungen und Taten eines Menschen kennen keine Aus- nahme für diese allgemeine Regel. Nach dem Qurʾan bedeutet der physische Tod eines Menschen kein Ende des menschlichen Lebens, sondern er öffnet nur das Tor zu einer höheren Form von Leben. Das Studium das Qurʾans enthüllt, dass die Hand- lungen des Menschen einen Eindruck auf die Seele machen und dort Spuren hinterlassen und dass die Seele, wenn sie das zu- künftige Leben betritt, die gesamte Summe der Eindrücke mit sich trägt und dem entsprechend in jenem Leben handelt. Die

    „Niederschrift“ der Handlungen einer Person und deren Kon- sequenzen werden ihr überreicht werden wie ein offenes Buch, und es wird ihr anbefohlen werden, dieses Buch zu lesen und der Richtschnur, die es darstellt, zu folgen. Ihre Reaktion wird vorausbestimmt sein durch diese Niederschrift. Sie wird sich selbst eine Rechnung ausstellen über die Art und Weise, in der sie ihr Leben auf Erden verbracht hat und eben diese Rechnung wird ihre Belohnung oder Bestrafung enthalten.

    ﴾۱۴﴿ارً ۡوشُ نۡ م

    ہىقٰ لۡ َی

    َ

    ابً تٰ ِکۃ

    مَ یٰ قِ ۡلامَ ۡوَیہٗ َلجُ ر

    خۡ ُنوَ ؕہٖ قِ نُ ع

    یِف هٗ َرئِ طٰٓ ہ

    نٰ مۡ زَ ۡلَاناسَ ۡناِ لَ

    ُكو

    ہٖ س

    فۡ نَ ِلی

    دتَ هۡ َیامَ ّناِ فَ یدٰ تَ ہانِ م﴾۱۵﴿ابً یۡ سَ ح ک

    یۡ لَ ع

    مَ ۡویَ ۡلاک

    سفۡ نَ بِ یفٰ کَ ؕک

    بَ تٰ ِکۡارَ ۡقا

    ؕاهَ یۡ لَ علُ

    ضِ َیامَ ّناِ فَ لَ

    ضنم

    وَ ۚ


    „Und einem jeden Menschen haben Wir seine Werke an den Nacken geheftet: und am Tage der Auferstehung werden Wir ihm ein Buch vorlegen, das er entsiegelt fin- den wird. ‚Lies dein Buch. Heute genügt deine eigene Seele als Rechnerin wider dich.‘ Wer nun den rechten Weg befolgt, der befolgt ihn nur zu seinem eigenen Heil; und wer ir- regeht, der geht irre allein zu seinem eigenen Schaden.“ (17:14-16)


    Der Qurʾan legt großes Gewicht darauf, dass das Bewusstsein, jeden Moment seines Lebens in der Gegenwart und unter dem Angesicht Gottes zu Ieben, das wirksamste Abschreckungsmit- tel gegen falsche Handlungen und der kräftigste Ansporn für rechtschaffene Taten ist. Jene, die ihr Leben in vollem Bewusst- sein des allgegenwärtigen Angesichts Gottes leben, sollen das neue Leben in vollkommener geistiger Gesundheit betreten und alle ihre Erlebnisse werden einst freudenvoll sein.

    لاقَ وَ اهَ ُباَوبۡ َاتحتِ فُ وَ اہَ وۡ ءآج

    اذَ اِ یتّٰۤ ح

    ؕارً مزُ ۃنَّ ج

    ۡلایَلاِ مۡ هُ َبّ رَ اۡوَقَتانۡیذِ َّلاق

    یۡ سو

    انَ قَ دصیذِ َّلاہِ لّٰ ِلدمۡ حۡلااوُْ لاقَ وَ ﴾۷۴﴿نۡید

    لِ خٰ اہَ ۡولُ خ

    دافَ مۡ تُ بۡ طمۡ کُ یۡ لَ عمٌ لٰ ساهَ تُ َنزَ خمۡ هُ َل

    ﴾۷۵﴿نۡیلِ مِ عٰ ۡلاُرجۡ َا مَ عۡ نِ فَ ۚءآشَ َنث

    یۡ ح

    ۃنَّ جۡلان

    مُاَوّ بَ تَ َنضرۡ َاۡلاانَ َثرَ وۡ َاوَ هٗ د

    عۡ و


    „Jene, die ihren Herrn fürchteten, werden in Scharen in den Himmel geführt werden, bis dass, wenn sie ihn er- reichen und seine Pforten sich öffnen, seine Wächter zu ihnen sprechen: ‚Friede sei auf euch! Seiet glücklich und gehet dort ein, ewig zu weilen.‘ Sie werden sprechen: ‚Aller Preis, gehört Allah, Der Seine Verheißung an uns erfüllt hat und uns das Land zum Erbe gegeben hat, dass wir in dem Garten woh- nen können, wo immer es uns gefällt.‘ Wie schön ist also der Lohn derer, die (Gerechtigkeit) wirken!“ (39:74, 75)


    Der Qurʾan erklärt, dass die Beschaffenheit des Lebens nach dem Tode symbolische Auswirkungen der Gedanken, Absich- ten und Handlungen des Menschen enthalten wird, eine Folge- rung hieraus oder eine Frucht.

    اۡوقُ ِزرُ امَ لَّ ُك ُؕرهٰ ۡنَاۡلااهَ تِ حَتنمی

    ِرج

    َتتنّٰ جمۡ هُ َلنَّ َات

    حٰ لِ صٰ لااولُ مِ عوَ اوۡ نُ م

    اٰ نۡیذِ َّلار

    شِّ َبو

    ۔ؕاهً باشَ تَ مہٖ بِ اوُۡ تُاوَ ۙل

    بۡ قَ ن

    مانَ قۡ ِزرُ ی

    ذِ َّلااذ

    ہٰ اۡوُلاقَ ۙاقً زۡ ِرّ ةٍ َرمَ َثن

    ماهَ نۡ م



    „Bringe frohe Botschaft denen, die glauben und gute Wer- ke tun, dass Gärten für sie sind, durch die Ströme fließen. Wann immer ihnen von den Früchten daraus gegeben wird, werden sie sprechen: ‚Das ist was uns zuvor gegeben wurde‘, und Gaben gleicher Art sollen ihnen gebracht wer- den.« (2:26)


    Dieser Vers zeigt, dass die Rechtschaffenen mit den Früchten des Gartens im Kommenden Leben beschenkt werden, und wenn dies geschieht, werden sie sagen, dass sie diese Früchte als eine Freude wiedererkennen, die sie bereits in diesem Leben genossen hatten.

    Sie werden an die geistigen Vergnügungen, die sie im Diesseits erfahren hatten, erinnert werden, und sie werden die Ähnlich- keit zwischen jenen und den paradiesischen Früchten feststel- len. Der Gründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat sagt zu die- sem Thema:

    »Glauben ist ein großer Reichtum. An etwas zu glauben, bedeutet, dass unser Wissen davon noch unvollständig ist, während der Kampf mit Zweifeln und Bedenken noch weiter geht. Somit ist ein Gläubiger jemand, der aus dem


    Innersten seines Herzens an etwas glaubt und dies mit sei- ner Zunge bezeugt. Er wird dann aus der Sicht Gottes als wahrhaftig und glaubend angesehen. Daraus ergibt sich, dass für ihn die Stufen vollkommenen geistigen Wissens erreichbar gemacht werden. Somit spricht der Qurʾan, wo auch immer er das Paradies erwähnt, im gleichen Atem- zug vom Glauben als vorhergehender notwendiger Bedin- gung zur Erlangung des Paradieses – und wenn jemand den Zustand des Glaubens erlangt hat, spricht der Qurʾan von guten Taten. Belohnung für Glauben und gute Werke ist das Paradies – Gärten, unter denen Ströme fließen.

    Und weil Flüsse benötigt werden, um die Gärten übers Jahr frisch und grün zu erhalten, sind gute Werke notwen- dig: sie sind die Flüsse, die den Glauben immer frisch und grün erhalten. In der nächsten Welt werden diese guten Taten die Gestalt von fließenden Strömen annehmen.

    Sogar in dieser Welt beobachten wir, dass je mehr ein Mensch in guten Taten voranschreitet, desto mehr hält er sich gern fern von Ungehorsam Gott gegenüber und des- to stärker wird sein Glaube. Durch jede gute Tat gewinnt der Mensch Gemütsruhe und sein Seelenfrieden erlangt größere Festigkeit, sein Herz kommt immer mehr zur Ruhe. Er beginnt, Gefallen an Gotteskenntnis zu bekom- men, und schließlich wird ein Stadium erreicht, in dem als Geschenk der Güte und Großzügigkeit Gottes solch eine Liebe zu seinem Herrn im Herzen des Gläubigen gebo- ren wird, dass sein ganzes Selbst davon erfüllt wird wie eine überfließende Schale; erfüllt mit Seiner Liebe und mit der Freude und der Befriedigung, die aus solcher Liebe resultiert: die Lichter Gottes umhüllen sein Herz und, der Reihe nach, entfernen sie von ihm jegliche Art von Dun- kelheit, Kummer und Betrübnis. In solcher Lage können sogar alle Widrigkeiten und Schwierigkeiten, die ihn auf dem Pfade Gottes befallen mögen, auch nicht für einen


    Moment seinen Seelenfrieden stören oder sein Herz be- trüben. Vielmehr sind sie eine Quelle der Wonne. Dies ist das endliche Stadium des Glaubens.

    Es gibt sieben vorbereitende Stufen des Glaubens, und dazu gibt es noch eine abschließende Stufe, die von Gott als Geschenk gewährt wird. Dementsprechend gibt es auch sieben Tore zum Himmel und das achte wird nur durch die Gnade Gottes geöffnet. Man muss sich verge- genwärtigen, dass der Himmel und die Hölle der nächs- ten Welt kein neuer Himmel und keine neue Hölle sind. Sie sind lediglich Widerspiegelungen des Glaubens und der guten bzw. schlechten Werke des Menschen. Das ist die wahre Philosophie des Himmels (und der Hölle). Der Himmel ist nicht irgendein Ding, das von außen in den Besitz des Menschen kommt. Er ist ein Zustand, der aus dem Inneren entsteht. Wie auch immer die Umstände sein mögen, es gibt für den Gläubigen immer einen Himmel in dieser Welt. Der bestehende Himmel dieser Welt und der versprochene Himmel im Jenseits sind in der Tat eine und dieselbe Angelegenheit. Somit ist es sehr wahr und of- fensichtlich, dass der Himmel eines jeden Menschen sein eigener Glaube und seine guten Werke sind, und das Ver- gnügen daran beginnt man schon in dieser Welt zu haben. Der wahre Glaube und die guten Werke eines Menschen nehmen unterschiedliche Gestalt an und werden sichtbar als Gärten und Ströme. Mit Wahrhaftigkeit sage ich – und ich sage es auf der Basis meiner eigenen persönlichen Er- fahrung –, dass sogar in dieser Welt Gärten und Ströme wahrgenommen werden können, in der nächsten Welt dann werden sie deutlich sichtbar, fühlbar. Gleichermaßen ist die Hölle auch das Ergebnis von Unglauben und bösen Werken. Geradeso wie das Gleichnis für das Gute Bäume und Gewächse von Trauben und Granatäpfeln in Verbin-


    dung mit dem Himmel gebraucht wird, wird erwähnt, dass es einen Baum in der Hölle geben wird, zaqqūmgenannt. Und so wie es Ströme von Nektar, Ingwer und Kampfer im Himmel geben wird, so wird es Ströme mit heißem Wasser und Eiter in der Hölle geben. Meditation über diese Tatsachen macht es uns klar, dass geradeso wie Glaube aus Demut und der Hingabe der eigenen Ansicht geboren wird, wird Unglaube aus Hochmut und Anma- ßung geboren, die dann die Gestalt des Baumes zaqqūmin der Hölle annehmen. Und die schlechten Werke und das Unheil, die Ergebnis des Hochmuts und der Selbstbe- weihräucherung sind, werden die Gestalt von siedendem Wasser und Eiter annehmen, die den Bewohnern der Höl- le zu trinken gereicht werden.

    Es ist ganz offensichtlich, dass geradeso wie das Paradies

    schon in dieser Welt beginnt, so wird auch das Leben der Hölle vom Menschen aus diesem Leben zum Jenseits ge- tragen. In Verbindung mit der Hölle wird im Qurʾan er- klärt:

    علِ طَّ َت ی

    تِ َّلا﴾۷﴿ةُ دقَ ۡومُ ۡلاہِ لٰ لاراَن﴾۶﴿ۃُ مَ طَ حۡلا امکىرٰ دۡ َا ۤام وَ ﴾۵﴿ۃمَ طَ حۡلایِفنَ ذبَ نۡۢ یُ َل اَّلَك

    ﴾۱۰﴿ةٍ دَ دَ مَ مُ دمَ ع یِف﴾۹﴿ةٌ دصَ ؤۡ مُ مۡ هِ یۡ لَ عاهَ َّناِ ﴾۸﴿ةِ دـِٕ فۡ َاۡلایلَ ع

    ‚Nein! Er (der Mensch) wird sicherlich bald in das Verzeh- rende geschleudert werden. Und was lehrt dich wissen, was das Verzehrende ist?- Das Feuer Allahs, das entzün- dete, das über die Herzen hinwegzüngelt. Es wird sich wölben über ihnen in ausgestreckten Säulen.‘ (104:5, 10)


    Das ist die Hölle, ein Feuer, dessen Ursache der Zorn Al- lahs ist, geboren aus Sünde, und es umhüllt als erstes das Herz. Es wird deutlich sichtbar daraus, dass die Wurzel dieses Feuers Kummer, Trübsal und Schmerz ist, die einen Menschen umgeben. Dies ist so, weil geistige Bestrafung


    vom Herzen ausgeht, geradeso wie das Herz die Quel- le aller geistigen Freuden ist. Und in der Tat sollte die- se Bestrafung vom Herzen ausgehen, weil das Herz der Ursprung von Glauben und Unglauben ist. Die Knospe des Glaubens und Unglaubens sprießt im Herzen, dann beginnt sie auf den ganzen Körper einzuwirken, auf alle seine Teile, bis er schließlich vollkommen von ihrer Wir- kung umfasst wird. So bedenkt, dass ein Mensch seinen Himmel und seine Hölle mit sich umherträgt, von diesem Leben bis hin zum Jenseits. Man darf dabei nicht verges- sen, dass Himmel und Hölle nicht wie diese materielle Welt sind. Vielmehr liegt ihr Ursprung auf der geistigen Ebene. Dennoch ist es wahr, dass sie im Jenseits körperli- che Formen annehmen.“


  58. Das Leben nach dem Tode ist nicht materieller Art


    Die Einwände, die wegen dieser Beschreibung des Lebens nach dem Tode erhoben werden, gründen sich auf einen Fehler und der Unkenntnis über die wirklichen islamischen Lehren. Der Qurʾan hat eindeutig klargemacht, dass es in diesem Leben für die Menschen nicht möglich ist, die Art und Weise des Lohns im kommenden Leben zu erfassen.

    ﴾۱۸﴿ن

    ۡولُ مَ عۡ َی اۡوُناَك امَ بِ ۢءآزَ ج

    ۚنُیعۡ َاةِ رَّ ُقن

    مِ مۡ هُ َلی

    فِ خۡ ُا ۤامَ

    سٌ فۡ َنمُ لَ عۡ َتاَلف


    „Doch niemand weiß, was für Augenweide für sie verbor- gen ist als Lohn für ihre Taten.“ (32:18)


    Somit können wir feststellen: was auch immer der Qurʾan über Himmel und Hölle sagt, es ist nur metaphorisch gemeint. Die Beschreibungen (Seide, Milch und Honig, Früchte, Huris etc.)


    können nicht in dem Sinne aufgefasst werden, in dem sie ge- wöhnlicherweise in diesem Leben verstanden werden. Der Heilige Prophet MuhammadSAW sagt über die Beschaffenheit der nächsten Welt: „Kein Auge hat sie je gesehen noch hat irgendein Ohr sie jemals gehört noch kann sich die menschliche Vorstellungs- kraft irgendein Bild davon machen.“ (Buḫārī)

    Es taucht die Frage auf, warum den Umständen des Lebens nach dem Tode Namen gegeben wurden, die für materielle Dinge in dieser Welt gebraucht werden? Dies geschieht deswe- gen, weil die einzige Sprache, die der Mensch verstehen kann, diejenige ist, die er gewohnt ist. Es kann nur durch die Mittel der Umschreibungen und Erklärungen versucht werden, den menschlichen Geist näher an ein Verstehen jener Bedingungen zu bringen, deren Wirklichkeit in der Tat jenseits des Gesichts- kreises der Menschen liegt.

    Es ist bereits gesagt worden, dass die qurʾanische Beschreibung des Lebens nach dem Tode nur metaphorisch ist. Deswegen kann sie nicht wörtlich genommen werden. Wir lesen im Qurʾan:

    اۡوقُ ِزرُ امَ لَّ ُك ُؕرهٰ ۡنَاۡلااهَ تِ حَتنمی

    ِرج

    َتتنّٰ جمۡ هُ َلنَّ َات

    حٰ لِ صٰ لااْولُ مِ عوَ اوۡ نُ م

    اٰ نۡیذِ َّلار

    شِّ َبو

    ؕاهً باشَ تَ مہٖ بِ اوُۡ تُاوَ ۙل

    بۡ قَ ن

    مانَ قۡ ِزرُ ی

    ذِ َّلااذ

    ہٰ اۡوُلاقَ ۙاقً زۡ ِرّ ةٍ َرمَ َثن

    ماهَ نۡ م


    „Und bringe frohe Botschaft denen, die glauben und gute Werke tun, dass Gärten für sie sind, durch die Ströme flie- ßen. Wann immer ihnen von den Früchten daraus gege- ben wird, werden sie sprechen: ‚Das ist, was uns zuvor gegeben wurde.‘ Und (Gaben) gleicher Art sollen ihnen gebracht werden.“ (2:26)


    Wie schon gesagt, wird den rechtschaffenen Gläubigen die


    Frucht ihres Glaubens geschenkt werden, Früchte, die jenen gleichen, an denen er sich bereits im Diesseits erfreuen konnten. Es besteht somit eine Ähnlichkeit zwischen beiden. Das Wort

    mutašābihā(ähnlich) weist auf die enge Beziehung von gu- ten Taten in dieser Welt zu den Früchten des Paradieses hin. Je ernsthafter also ein Mensch sich den Geboten Gottes unterwirft, desto mehr Früchte wird er im Paradies genießen. Es steht so- mit in der Macht jedes einzelnen Menschen, die Qualität seiner Früchte so zu verbessern, wie es ihm gefällt.

    In diesem gerade erwähnten Vers heißt die Erwähnung von Gärten Glaube; und Ströme sind gute Taten. Gärten können nicht an Schönheit zunehmen ohne bewässernde Ströme, noch Glauben ohne gute Taten. Deswegen sind Glaube und Werke untrennbar und notwendig zur Erlangung des Seelenheils. In der kommenden Welt werden die Gärten den Gläubigen an sei- nen Glauben in diesem Leben erinnern und Ströme lassen ihn seiner guten Taten gedenken. Wiederum lesen wir im Qurʾan:

    کلْ تِ ؕاهَ لُّ ظِ وَّ مٌ ِئآد

    اهَ لُ ُكُاُؕرهٰ ْنَاۡلااهَ تِ حَتنمیِرجَتَؕن

    ۡوُقتَّ مُ ْلادعِ وُ ی

    تِ َّلاۃ

    نَّ ج

    ْلال

    ثَ م

    ﴾۳۶﴿رانّ لانۡیرِ فِ کٰ ْلایبَ قْ عُ وَّ ٭ۖاوَۡ قتان

    ۡیذِ َّلایبَ قْ ع

    „Das Bild des Himmels, den Gottesfürchtigen verheißen: Ströme durchfließen ihn, seine Frucht ist immerwährend, wie sein Schatten. Das ist der Lohn derer, die rechtschaf- fen sind; und der Lohn der Ungläubigen ist das Feuer.“ (13:36)


    Weil nun die Früchte dieser Welt nicht immerwährend sind, müssen die Früchte und Ströme des Jenseits als etwas anderes betrachtet werden als jene diesseitigen materiellen Früchte und


    Ströme. Diese sind vergänglich, jene aber sind ewig. Auch wird im Qurʾan gesagt, dass im Leben nach dem Tod edle Gottes- fürchtigen in der Lage sein werden die Sorte der Früchte, die sie bevorzugen, auszuwählen und ebenso die Sorte des Fleisches, das sie ersehnen. Das Fleisch, auf das hingewiesen wird, ist

    „das Fleisch von Vögeln“.


    ﴾۲۲﴿ن

    ۡوهُ تَ شۡ َیامَّ مِ

    رٍ ۡیط

    مِ حۡ َل وَ ﴾۲۱﴿ن

    وۡ رُ َّیخ

    تَ َیامَّ مِ

    ۃهَ ِکافَ و


    „...und (mit den) Früchten, die sie vorziehen; und Fleisch vom Geflügel, das sie begehren möchten.“ (56:21, 22)


    In der Umschreibungsart des Qurʾans bedeutet nun „Fleisch“ auch Verhalten oder Werke.

    ۔ؕہٖ قِ نُ ع

    یِف هٗ َرئِ طٰٓ ہ

    نٰ مۡ زَ ۡلَاناسَ ۡناِ لَ

    ُكو

    „Und einem jeden Menschen haben Wir seine Werke an den Nacken geheftet.“ (17:14)


    An einer anderen Stelle des Qurʾans lesen wir:

    رۡ َّیغَ تَ َی مۡ َّلنَبَّلنمِ رٌ هٰ ۡنَا وَ ۚنٍ ساٰ ِرۡیغ

    ءآمَ

    نمِ رٌ هٰ ۡنَاۤاهَ یۡ ِفٰ ؕن

    ۡوُقتَّ مُ ۡلاد

    عِ وُ ی

    تِ َّلاۃنَّ جۡلال

    ثَ م

    لّ ِ ُكنماهَ یۡ ِف مۡ هُ َلوَ ؕیفًّ صمُ لسعنمِ

    رٌ هٰ ۡنَاوَ ۬ۚن

    ۡیبِ ر

    شلِّل ةٍ ذَّ َّل رٍ مۡ خ

    نمِ

    رٌ هٰ ۡنَاوَ ۚہٗ مُ عۡ ط

    ۔ ؕمۡ هِ بِّ رَّ نمِ

    ةٌ رَ فِ غۡ م

    وَ ت

    رٰ مَ ثّ لا


    „Ein Gleichnis von dem Paradiese, den Rechtschaffenen verheißen: Darin sind Ströme von Wasser, das nicht ver-


    dirbt, und Ströme von Milch, deren Geschmack sich nicht ändert, und Ströme von Wein, köstlich für die Trinken- den, und Ströme geläuterten Honigs. Und darin werden sie Früchte aller Art haben und Vergebung von ihrem Herrn.“ (47:16)


    Es gibt nichts Materielles in diesem Vers. Er spricht von einem Gleichnis des Gartens, der den Gläubigen verheißen wird. Die Ströme und alles, was darin enthalten ist, bezeichnen gewis- se geistige Eigenschaften und Beschaffenheiten. Wasser zum Beispiel bezeichnet Gedeihen jeder Art, glücklich sein; Milch bedeutet Wissen von den göttlichen Attributen; Wein bedeu- tet die Liebe des Menschen zu Gott, oft gebraucht für eine Per- son, die vor Entzücken berauscht oder trunken ist aus Liebe zu einem Menschen oder aus Liebe zu Gott; und Honig steht für Gnade oder Barmherzigkeit Gottes. In Verbindung mit der Er- wähnung von Wein in diesem Zusammenhang sollte man be- denken, dass dieser Wein nicht mit Alkohol zu verwechseln ist. Der Qurʾan beschreibt ihn so:

    ﴾۴۸﴿ن

    ۡوفُ زَ ۡنُیاهَ نۡ ع

    مۡ ہ

    اَلوَّ ل

    ۡوغ

    اهَ یۡ ِفاَل﴾۴۷﴿ن

    ۡیبِ ر

    شٰ لِّل ةٍ ذَّ َل ءآضَ یۡ َب


    „Weiß, wohlschmeckend den Trinkenden, darin keine Be- rauschung sein wird, noch werden sie dadurch erschöpft werden.“ (37:47, 48)


    Und ebenfalls in der Sura 56 (Verse 19, 20):


    ﴾۲۰﴿ن

    ۡوفُ ِزۡنُی اَلوَ اهَ نۡ ع

    نۡوعُ دَ

    صَ ُی اَّل﴾۱۹﴿ن

    ۡیعِ مَ ن

    مِ س

    ۡاَكوَ ۬ۙقَ ۡیِراَبَاوَّ باَوۡکَاب


    „Mit Bechern und Krügen und Trinkschalen gefüllt aus einem fließenden Born – keinen Kopfschmerz werden sie davon haben, noch werden sie berauscht sein.“


    Und wiederum sagt Gott über den Wein im Himmel:

    ۔مٌ یۡ ثِ ۡاَت اَلوَ اهَ یۡ ِف وٌ غۡ َل اَّل

    „Worin weder Eitelkeit noch Sünde ist.“ (52:24)


    Während der Wein in dieser Welt folgendermaßen beschrieben wird:

    نِ طٰ یۡ شّ لال

    مَ ع

    نمِ

    سٌ جۡ ِرماَلزۡ َاۡلاوَ باصَ ۡنَاۡلاوَ رُ سِ یۡ مَ ۡلاوَ ُرمۡ خَ ۡلاامَ َّناِ اۤۡونُ م

    اٰ ن

    ۡیذِ َّلااهَ ُیّ َای

    ﴾۹۱﴿نۡوحلِ فۡ ُت مۡ کُ لَّ عَ َل هُ ۡوبُ نِ تَ جاف

    مۡ ُکدَ

    صُ َیوَ ر

    سِ یۡ مَ ۡلاوَ ِرمۡ خَ ۡلایِف ءآضَ غۡ بَ ۡلاو ةَ وادعَ ۡلامُ کُ نَ یۡ َب عِقۡوُی نَان

    طٰ یۡ شّ لاد

    ۡیِرُیامَ َّنا

    ﴾۹۲﴿نۡوهُ تَ نۡ مُ مۡ تُ ۡنَالهَ فَ ۚةِ ولٰ صّ لانِ عوَ ہِ لٰ لارِ ۡکذِ نع

    „O die ihr glaubt! Wein und Glücksspiel und Götzenbil- der und Lospfeile sind ein Gräuel, ein Werk Satans. So meidet sie allesamt, auf dass ihr Erfolg habt. Satan will durch Wein und Glücksspiel nur Feindschaft und Hass zwischen euch erregen, um euch so vom Gedenken an Allah und vom Gebet abzuhalten. Doch werdet ihre euch abhalten lassen?“ (5:91, 92)


    Der Qurʾan sagt über die Bestrafung der

    ۡ َ َ ّ َ ّ

    Bösen:

    ٰ

    ۡ ۡ

    ﴾۸﴿ةِ دـِٕ فالایلع علِ طت ی

    تِ لا﴾۷﴿ةدقوملاہِ للاران


    „Das Feuer Allahs, das entzündete, das über die Herzen hinwegzüngelt.“ (104:7,8)


    Dies macht klar, dass es Folgerungen aus schlechtem Verhal- ten gibt, das durch die Wirksamkeit des göttlichen Gesetzes die Gestalt eines entflammenden Feuers annimmt, das über die Herzen züngelt und eine Qual für das Herz darstellt. An einer anderen Stelle sagt der Qurʾan über die Hölle:

    ﴾۴۵﴿ مٌ ۡوس

    قۡ مَ

    ءٌ زۡ ج

    مۡ هُ نۡ مِ

    باَبلّ ِ ُكِلؕباَوبۡ َا ۃُ عَ بۡ س

    اهَ َل

    „Sieben Tore hat sie und jedem Tor ist ein Teil ihrer zuge- wiesen.“ (15:45)


    Hölle ist nun nicht ein bestimmter, physischer Ort; „Tore“ kann in diesem Zusammenhang nur heißen „Weg der Annäherung“ oder „Möglichkeit des Eintretens in sie“! In Arabien wird die Nummer sieben genauso wie die Nummer siebzig oftmals als Ausdruck gebraucht, der nicht eine bestimmte Zahl bezeichnet, sondern entweder Vollkommenheit oder Vollständigkeit oder überfließenden Reichtum darstellt. Die Zahl sieben kann man hier auch auf die sieben Sinne beziehen, die Sinne des Sehens, Hörens, Riechens, Schmeckens, Berührens, Schmerz und der Temperatur, Sinne die dem Menschen gewährt wurden, damit er Eindrücke der äußeren Welt empfangen kann. Der Ausdruck

    „ein Teil ihrer zugewiesen“ bedeutet, dass jeder der Einwohner der Hölle sie durch das Tor betreten wird, das seinen Vergehen entspricht. Dementsprechend wird in einem Ausspruch des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW über den Himmel gesagt, dass jeder seiner Einwohner ihn durch ein Tor betre- ten wird, das seinen besonderen guten Taten zugehört. (Buḫārī,


    Kapitel über faḏāʾil aṣḥābu n-nabīy) Dies alles zeigt, dass die Be- dingungen des Lebens nach dem Tode in der Tat nichts gemein haben mit ihrem Gegenstück in dieser Welt, ausgenommen den Namen. Die wirklichen Lebensumstände des Lebens nach dem Tode sprengen die menschliche Vorstellungskraft. Alle Schilderungen können sich nur des Vergleichs bedienen. Das Leben des Menschen auf Erden ist in sich kein vollkommenes Leben. Es wird diese Stufe der Vollkommenheit erst im Jenseits erreichen. Mit dem gleichen Endziel im Auge wurde das Zu- sammensein von Mann und Frau erwähnt, dem in keinem Falle eine körperliche Bedeutung angeheftet werden sollte. Einige Kritiker des Islams haben den schlimmen Fehler begangen, die metaphorische Bedeutung der Beschaffenheit des Lebens nach dem Tode nicht richtig zu würdigen und haben Angriffe ge- gen diese Beschreibungen geführt. Sie sagen zum Beispiel, dass den Gläubigen im Himmel Frauen versprochen werden, was zeige, dass sexuelle Beziehungen auch im Jenseits fortgeführt würden. Eine solche Hinwendung an die Sexualität sei hinder- lich für ein geistiges Ende. Diese Kritik basiert auf Fehlern und verrät Unkenntnis der wirklichen islamischen Lehren.


  59. Die qualvollen Erfahrungen der Bösen in der Hölle


    Der Qurʾan macht auf die verschiedenen Qualen aufmerksam, die eine kranke Seele erfahren kann.

    ﴾۱۳﴿ارً ۡیِفز وَّ اظً یُّ غَ َتاهَ َل اوۡ عُ مِ سدیۡ عِ َبناَكمَ نمِ مۡ هُ ۡتَار اذَ ا


    „Wenn es (das Feuer der Hölle) sich ihnen aus der Ferne anzeigt, werden sie sein Rasen und Brüllen hören.“ (25:13)

    تۡومَ ۡلاہ

    یۡ تِ ۡاَیو

    ہٗ غُ یۡ سُیداَكَیاَلو

    ہٗ عُ َرّ جتَ َیّ ﴾۱۷﴿د

    ۡیدصءآمَ ن

    میقٰ س

    ُیوَ مُ نَّ هَ ج

    ہٖ ِئآرَ وَّ نمِ

    ﴾۱۸﴿ظٌ یۡ لِ غ

    باذع

    ہٖ ِئآرَ وَ ن

    موَ ؕت

    یِّ مَ بِ َوہام

    وَّ ناَكم

    لّ ِ ُكنم

    „Vor ihm liegt die Hölle und getränkt soll er werden mit siedendem Wasser. Er soll daran nippen und soll nicht imstande sein, es leicht hinunterzuschlucken. Und der Tod soll zu ihm kommen von allen Seiten, doch er soll nicht sterben. Und außerdem ist noch eine strenge Strafe.“ (14:17, 18)

    ﴾۲۶﴿اقاسَ غ وَ امً یۡ مِ ح اَّلاِ ﴾۲۵﴿ابارَ ش اَل وَ ادً رۡ َباهَ یۡ ِفنۡوقُ وۡ ذَیاَل


    „Sie werden dort weder Erquickung noch Getränk kosten, es sei denn siedendes Wasser und stinkende Flüssigkeit.“ (78:25, 26)

    اهَ َل اۡوعُ مِ ساهَ یۡ ِفاۡوُقۡلُا ۤاذَ اِ ﴾۷﴿رُ ۡیصمَ ۡلاسئۡ بِ وَ ؕمَ نَّ هَ جباذع مۡ هِ بِّ َربِ اوۡ رُ فَ کَ نۡیذ

    لَّ ِلو

    ﴾۸﴿رُ ۡوفُ َت یہِ وَّ اقً یۡ هِ ش


    „Und für jene, die nicht an ihren Herrn glauben, ist die Strafe der Hölle, und eine üble Bestimmung ist das! Wenn sie hineingeworfen werden, dann werden sie sie brüllen

    hören, indes sie aufschäumt.“

    ۡ ۡ

    (67:7, 8)

    َ

    ۡ َ ُ

    ﴾۴۲﴿نیمِ لِ ظلایزِ جنکِلذکوؕشاوغمهِ ِقوفنم

    و داهم

    منهجنم

    مهل


    „Sie sollen die Hölle zum Pfuhl haben und als Decke über sich. Also belohnen Wir die Ungerechten.“ (7:42)

    ﴾۱۴﴿ارً ۡوبُ ُثکِلانَ ہ اوۡ عَ د نۡیِنرَّ قَ مُ اقً یِّ ضاًناكَ ماهَ نۡ ماۡوُقۡلُا ۤاذَ اِ و


    „Und wenn sie, zusammengekettet, in seinen engen Raum (des Feuers) geworfen werden, dann werden sie dort den Tod wünschen.“ (25:14)

    نم رُ خَ اٰ وَّ ﴾۵۸﴿قاسَ غوَ مٌ یۡ مِ حهُ ۡوقُ وۡ ذیَ لۡ فَ ۙاذہٰ ﴾۵۷﴿داهَ مِ ۡلاسئۡ بِ فَ ۚاهَ َنۡولَ صۡ َیۚمَ نَّ هَ ج

    ﴾۵۹﴿جاوَ زۡ َا ۤہٖ لِ ۡكشَ

    „Die Hölle, die sie betreten werden; welch schlimme Stät- te! Dies ist (für die Ungläubigen). Mögen sie es denn kos- ten: eine siedende Flüssigkeit und einen übelriechenden Trank, fürchterlich kalt, und andere Gruppen von gleicher Art dazu.“ (38:57-59)

    ﴾۵﴿ارً ۡیعِ س وَ اللً ٰ غۡ َاوَ ا۠ َلسلٰ سنۡیرِ فِ کٰ لۡ ِل انَ دتَ عۡ َا ۤاَّنا

    „Wahrlich, Wir haben für die Ungläubigen Ketten, eiserne Nackenfesseln und ein flammendes Feuer bereitet.“ (76:5)

    ﴾۵﴿ۃً یَ ماحاراَنیلٰ صۡ َت﴾۴﴿ۃٌ بَ صانَّ ۃٌ لَ ماع﴾۳﴿ۃٌ عَ شاخذئِ مَ ۡوَی هٌ ۡوجو

    „Manche Gesichter werden an jenem Tag (des Gerichts) niedergeschlagen sein; sich abarbeitend, müde, werden sie in ein schreckliches Feuer eingehen.“ (88:3, 4)


    Aber die schrecklichste und qualvollste der Erfahrungen wird sein, dass

    ۔ۚۖمۡ هِ یۡ ِّکزَ ُی اَلوَ ۃمَ یٰ قِ ۡلامَ ۡوَیہُ لٰ لامُ هُ مُ لِّ َكُیاَلو


    „Allah wird sie nicht anreden am Tage der Auferstehung, noch wird Er sie reinigen.“ (2:175)

    ۔مٌ یۡ ِلَاباذع

    مۡ هُ َلوَ ۪مۡ هِ یۡ ِّکزَ ُیاَلوَ ۃ

    مَ یٰ قِ ۡلامَ ۡوَیمۡ هِ یۡ َلاِ رُ ظُ نۡ َیاَلوَ ہُ لٰ لامُ هُ مُ لِّ َكُیاَلو


    „Und Allah wird weder zu ihnen sprechen noch auf sie blicken am Tage der Auferstehung, noch wird Er sie reini- gen; und ihnen wird schmerzliche Strafe.“ (3:78)


    Die Bewohner der Hölle würden also wie niemals zuvor fest- stellen, wie sie sich selbst genau entgegengesetzt dem Zweck ihrer Erschaffung plaziert haben.


  60. Die höchste und schönste Erfahrung des Gläubigen im Paradies


    Die höchste, schönste Erfahrung der Bewohner des Paradieses wird die Wahrnehmung sein, das Gefallen Allahs gefunden zu

    haben.

    َ ّ ُ

    َ ۡ َ

    ٰ ٰ ۡ َ

    ّٰ ّ

    ۡ َ َ َ

    وةرهطمجاوزاواهیِفنید

    لِ خرهنالاّٰاهتِ َ حّ تنمِ یِرجت تنجمهِ بِ ردنع

    اوقتانیذ

    لِل

    ۔ؕہِ للانمناوضِر


    „Für jene, die Gott fürchten, sind Gärten bei ihrem Herrn, die Ströme durchfließen – dort sollen sie wohnen – und reine Gattinnen und Allahs Wohlgefallen.“ (3:16)

    وَ لاَومۡ َاۡلایِفرٌ ُثاَكَتوَ مۡ کُ نَ یۡ َب ۢرٌ خافَ َتوَ ۃٌ نَ ۡیزِ وَّ وٌ هۡ َلوَّ بعِ َلایَ ۡند

    لا ةُ ویٰ ح

    ۡلاامَ َّنَااۤۡومُ لَ عۡ ا

    یِفوَ ؕاماطَ حنۡوکُ َی مَّ ُثارًّ فَ صۡ مہىرٰ َتفَ جیۡ هِ َیمَّ ُث ہٗ ُتابَ َنرافَّ کُ ۡلاب

    جعۡ َاثیۡ غ

    لثَ مَ کَ ؕداَلوۡ َاۡلا

    ِروۡ ُرغُ ۡلا عاتَ ماَّلاِ ۤایَ ۡندلا ةُ ویٰ حۡلااموَ ؕناَوضۡ ِروَ ہِ لٰ لانمِ ةٌ رَ فِ غۡ م

    ﴾۲۱﴿

    وَّ ۙدۡیدش

    باذع ةِ رَ خِ اٰ ۡلا


    „Wisset, dass das Leben in dieser Welt nur ein Spiel und ein Tand ist und ein Gepränge und Geprahle unter euch, und ein Wettrennen um Mehrung an Gut und Kindern. Es gleicht dem Regen (der Pflanzen hervorbringt), deren Wachstum den Bebauer erfreut. Dann verdorren sie, und du siehst sie vergilben; dann zerbröckeln sie in Staub. Und


    im Jenseits ist strenge Strafe und Vergebung und Wohl- gefallen Allahs. Und das Leben in dieser Welt ist nur eine

    Sache der

    ٌ ُ

    Tۡäuschung.ّ “ (5ٰ 7:2ّ 1)

    ۡ ُ ُّ ۡ َ

    ﴾۲۱﴿میقِ ممیعِ ناهیِف مهل ت

    نجوناوضِروہنم

    ۃمحربِ مهبرمہرشِ بی


    „Ihr Herr verheißt ihnen Barmherzigkeit und Sein Wohl- gefallen und Gärten, worin ewige Wonne ihr sein wird.“ (9:21)

    نکِ سٰ م

    وَ اهَ یۡ ِفنۡیدلِ خٰ ُرهٰ ۡنَاۡلااهَ تِ ح

    َتنمی

    ِرجَتتنّٰ جتنٰ مِ ؤۡ مُ ۡلاوَ ن

    ۡینِ مِ ؤۡ مُ ۡلاہُ لٰ لاد

    عَ و

    ﴾۷۲﴿مُ یۡ ظِ عَ ۡلا زُ ۡوفَ ۡلا َوہک

    ِلذٰ ؕرُ َبۡکَاہِ لٰ لان

    مِ ناَوضۡ ِروَ ؕنٍ دعت

    نّٰ ج

    یِفۃً بَ یِّ ط


    „Allah hat den gläubigen Männern und den gläubigen Frauen Gärten verheißen, die von Strömen durchflossen werden, immerdar darin zu weilen, und herrliche Wohn- stätten in den Gärten der Ewigkeit. Allahs Wohlgefallen aber ist das größte. Das ist die höchste Glückseligkeit.“ (9:72)

    ہُ لٰ لای

    ضِ رَّ ۙناسحۡ اِ بِ مۡ ہُ ۡوعُ بَ َتان

    ۡیذِ َّلاوَ ِراصَ ۡنَاۡلاوَ ن

    ۡیِرج

    هٰ مُ ۡلانم

    نۡوُلوَّ َاۡلانۡوُقبِ سٰ لاو

    زُ ۡوفَ ۡلاک

    ِلذٰ ؕادَبَا ۤاهَ یۡ ِفنۡیدلِ خٰ ُرهٰ ۡنَاۡلااهَ تَ حَتیِرجَتتنّٰ جمۡ هُ َلدَ عَ َاوَ ہنۡ عاۡوضُ رَ وَ مۡ هُ نۡ ع

    ﴾۱۰۰﴿مُ یۡ ظِ عَ ۡلا

    „Die Vordersten, die ersten der Auswanderer (aus Mek- ka) und der Helfer (in Medina), und jene, die ihnen auf die beste Art gefolgt sind, mit ihnen ist Allah wohl zufrieden und sie sind wohl zufrieden mit Ihm, und Er hat ihnen Gärten bereitet, durch welche Ströme fließen. Darin sollen sie weilen ewig und immerdar. Das ist die höchste Glü- ckelseligkeit.“ (9:100)


  61. Die Hölle ist nicht ewig


    Der Qurʾan lehrt, dass die Qualen und Schmerzen der Hölle zu einem Ende kommen werden, während die Belohnungen und die Freuden, die die Gläubigen im Leben nach dem Tode erfah- ren werden, immerwährend sind und an Intensität zunehmen; die gesamte Menschheit wird letztendlich Zugang zu der Gna- de und Barmherzigkeit Gottes finden. Im Qurʾan steht es:

    ؕءٍ یشلَ ُكتعَ سوَ یتِ مَ حۡ رَ وَ ۚءآشَ َا نم ہٖ بِ بیۡ صِ ُا یۤ باذع


    „Ich treffe mit Meiner Strafe, wen Ich will, doch Meine Barmherzigkeit umfasst jedes Ding.“ (7:157)


    In der Tat ist die Menschheit zur Erfüllung der Gnade Gottes geschaffen worden. So heißt es weiter

    ؕمۡ هُ َقلَ خک

    ِلذٰ ِلوَ ؕک

    ُبّ رَ مَ ح

    رَّ نم

    اَّلا


    „ ... deren dein Herr Sich erbarmt hat, und dazu hat Er sie erschaffen.“ (11:120)


    Wenn Schmerzen, Bestrafung und Qualen ihren Zweck erfüllt haben, der ja ein Heilungsprozess und in sich selbst eine Mani- festation der Gnade Gottes ist, dann wird die göttliche Gnade jedes menschliche Wesen in die Lage versetzen, freudig in den Zustand des Lebens nach dem Tode eingehen zu können.

    Für wie lange Sünder im Stadium der Hölle verbleiben müs- sen, ist uns nicht bekannt. Jedenfalls aber, da eine Zeitspanne in Schmerzen und Qualen immer nur sehr langsam vorbeizu- gehen scheint, wird der Aufenthalt in der Hölle den Sündern


    endlos erscheinen, in Wirklichkeit aber wird er begrenzt sein.

    ؕکُبّ رَ ءآشام

    اَّلاِ ض

    رۡ َاۡلاوَ ت

    وٰ مٰ س


    لات


    مادام

    اهَ یۡ ِفن

    ۡید


    لِ خ


    „Darin zu bleiben, solange die Himmel und die Erde dau- ern, es sei denn, dass dein Herr es anders will.“ (11:108)


    Es ist überliefert worden, dass der Heilige ProphetSAW sagte:


    „Eine Zeit wird kommen, in der die Hölle leer sein wird; und der kühlende Hauch von Gottes Gnade wird durch sie wehen.“ (Kommentar Maʿālimu t-Tanzīl zu Vers 107 der Sura 11)


    Ein anderer Ausspruch des Heiligen Propheten Hadhrat Mu- hammadSAW wird von Hadhrat UmarRA überliefert:


    „Sogar dann, wenn die Einwohner der Hölle zahllos wie der Sand der Wüste sein mögen, wird ein Tag kommen, da sie aus ihr herausgeholt werden.“ (Fatḥu l-Bayān 71 Maqāṣida l-Qurʾān)


  62. Die Freuden des Paradieses sind ewig


Über die Freuden dieses Lebens nach dem Tode sagt Gott im

Qurʾan, dass es

ذٍ وۡ ذجم رَ ۡیغءآطَ ع


„eine Gnade (ist), die nicht unterbrochen werden soll.“ (11:109).


Und noch einmal:

﴾۷﴿نٍ ۡونُ مۡ مَ

رُ ۡیغ

رٌ جۡ َا مۡ هُ لَ فَ ت

حٰ لِ صٰ لااولُ مِ ع

وَ اۡونُ م

اٰ ن

ۡیذِ َّلا اَّلا


„Doch so sind sie nicht, die glauben und gute Werke üben; denn ihrer ist unendlicher Lohn.“ (95:7)


Es wird im Jenseits ständige Anstrengungen aller geben. Jene, die unter Strafe stehen, werden sich bemühen, aus ihrer Strafe herauszukommen, Strafe, die nicht als Buße gedacht ist, son- dern als ein Heilungsprozess, der dazu bestimmt ist, die Seele von ihren Fehlern zu heilen, die sich im Erdenleben angesam- melt haben; nunmehr soll sie in ein Stadium der Reinheit und Gesundheit gebracht werden, in dem sie die Freuden und Ver- gnügungen des Lebens nach dem Tode empfinden können.

Die Rechtschaffenen werden fortwährend beten, weil sie die vollkommene Manifestation der göttlichen Eigenschaften zu erlangen suchen. Da nun die göttlichen Eigenschaften außer- halb unseres Fassungsvermögens stehen, wird das Bemühen, vollkommene Manifestation zu erfahren, endlos sein. Und die Rechtschaffenen werden von ihrem Herrn begrüßt werden:

یِف ی

لِ خ

دافَ ﴾۲۸﴿ۃً یَّ ضِ رۡ مَ ۃً یَ ضارَ ک

بِّ ر یٰلاِ یۤ

عِ جرا﴾۲۷﴿ۃُ نَّ ئِ مَ طۡ مُ ۡلاس

فۡ نّ لااهَ تُ َیّ َای

﴾۳۰﴿ی

تِ نَّ ج

یلِ خ

داو﴾۲۹﴿ی

دبٰ ع


„Du o beruhigte Seele, kehre zurück zu deinem Herrn, be- friedigt in (Seiner) Zufriedenheit! So tritt denn ein unter Meine Diener, und tritt ein in Meinen Garten.“ (89:28-31)


  1. Das Wesen der menschlichen Seele


    Die Seele ist nicht von außen in den menschlichen Körper hin- eingelegt worden, sondern sie wächst im Körper, so wie sie sich im Mutterleib entwickelt hat, als wäre sie ein Licht oder eine Es- senz, die verborgen im Samen liegt und mit dem Wachsen des Körpers wächst. Sie ist im Samen verborgen, so, wie Feuer im Feuerstein verborgen liegt. Die Seele hat zuerst keine getrennte Existenz vom Körper, aber die Prozesse, die der Körper wäh- rend seiner Entwicklung im Mutterleib durchläuft, ziehen aus dem Körper das Beste ab, eine besondere Essenz, die wir See- le nennen. Sobald die Beziehung zwischen der Seele und dem Körper vollkommen abgestimmt ist, beginnt das Herz seine Funktion auszuüben und der Körper wird lebendig. Die Seele hat dann eine gesonderte Existenz eigener Art, getrennt vom Körper. Was wir Tod nennen, ist nichts anderes als bloße Tren- nung der Seele vom Körper. Die menschliche Seele kann ihre Vollkommenheit nur erlangen, nachdem sie den physischen Körper verlassen hat, denn dieser Körper ist zu beschränkt, um vollkommenes Ebenbild der göttlichen Eigenschaften zu wer- den. Deswegen ist die Umsetzung der Seele von einer Form in die andere notwendig. Der Heilige Qurʾan sagt:

    ۚقُّ حۡلاکلِ مَ ۡلا ہُ لٰ لایلَ عٰ تَ فَ ﴾۱۱۶﴿نۡوعُ جرۡ ُتاَلانَ یۡ َلا مۡ کُ َّنَاوَّ اثً بَ عمۡ کُ نٰ قۡ لَ خامَ َّنَامۡ تُ بۡ سحفَ َا

    ﴾۱۱۷﴿مِ ۡیرکَ ۡلا شرۡ عَ ۡلا بُ رَ َۚوہاَّلا ہٰلاِ ۤاَل

    „Glaubtet ihr denn, Wir hätten euch in Sinnlosigkeit ge- schaffen, und dass ihr nicht zu Uns zurückgebracht wür- det? Doch erhaben ist Allah, der wahre König. Es gibt kei- nen Gott außer Ihm, dem Herrn des herrlichen Throns.« (23:116, 117)


  2. Verschiedene Stadien bis zum Tage des Gerichts


    Erstes Stadium: Das Stadium der Seele zwischen Tod und Wie- derauferstehung wird barzaḫgenannt, was ein Stadium be- deutet, das zwischen zwei Stadien liegt. Der Qurʾan sagt:

    ﴾۲۳﴿هٗ رَ شَ ۡنَا ءآشاذَ اِ مَّ ُث﴾۲۲﴿هٗ رَ َبقۡ َاف ہٗ َتامَ َا مَّ ُث


    „Dann lässt Er ihn (den Menschen) sterben und bestimmt ihm ein Grab; dann, wenn Er will, erweckt Er ihn wieder.“ (80:22, 23)


    Dieses Zwischenstadium ist auch unter dem Namen qabr(Grab) bekannt, das Wort wird auch im weiteren Sinne ange- wandt: zur Bezeichnung des Stadiums, das unmittelbar auf den Tod folgt.

    Hier hat der Islam einen Vergleich gezogen zwischen dem Le- ben nach dem Tode und dem Leben eines Menschen in seinem früheren Stadium. So wie ein Mensch sich vom Sperma im Schoß der Mutter (der eine ähnliche Dunkelheit aufweist wie das Grab) zu einem Embryo entwickelt, und nach der Geburt durch ein Stadium der Schwäche geht, in dem er beginnt, sich auf die Bedingungen dieses Lebens einzustellen, so durchläuft die Seele nach dem Tode während des Stadiums der barzaḫ – oder Grabes – verschiedene Stufen und Erfahrungen, bis eine neue Seele sich in ihm entwickelt, und diese Seele besitzt ein weitaus höheres und feineres und zartfühlenderes Wahrneh- mungsvermögen und entsprechende Fähigkeiten, als die Seele, aus der sie hervorgegangen ist. Die alte Seele dient dann dieser neuen Seele als Körper.


    Zweites Stadium: Dann beginnt ein anderes Stadium, das mit der Geburt eines Kindes verglichen werden kann. Dies wird

    „Auferstehung des Fleisches“ genannt. Es bedeutet, dass der Mensch nun mit einer neuen Seele und mit einem neuen Kör- per ausgestattet ist, so wie das Kind im Mutterleib mit einem Körper und einer Seele bekleidet ist. In diesem Stadium geht der Mensch aus dem Stadium Mutterleib oder Grab oder barzaḫ hervor.

    Drittes Stadium: Das nächste Stadium wird „Tag der Aufer- stehung“ genannt und mag mit dem Stadium der Kindheit ver- glichen werden. In ihr ordnet die Seele ihr Wissen gemäß dem Neuen, das sie umgibt. Die Seele ist nun besser ausgestattet als sie es beim Herauskommen aus dem Grab oder barzaḫ war, aber sie hat diese Art Vollkommenheit erst nach der Erfahrung dieses Tages erlangt, an dessen Ende sie wie eine jugendliche, entwickelte Persönlichkeit dasteht, vollständig darauf vorbe- reitet, die verschiedenen Aspekte des Lebens wahrzunehmen. Am Ende dieser neuen Periode, die „Letztes Gericht“ genannt wird, wird der Mensch in die Lebensbedingungen versetzt, die wir als Himmel und Hölle kennengelernt haben.

    Durch alle diese Stadien erfährt der Mensch den Zustand des Lebens nach dem Tode. Hat er eine gesunde Seele, nimmt er Freude und Seligkeit wahr und nähert sich diesen Glückszu- ständen. Hat er eine kranke Seele, fühlt er Qualen, Schmerzen und Bestrafung, also Ferne von Gott.

    Es gibt keinen Zwischenraum zwischen Tod und der Erfahrung von Wohlgefallen und Schmerz. Die Seele des Menschen geht

    fortwährend von einem Stadium

    ۡ َ ّ َ َ

    in dasۡ َ andere. Der Quٰrʾan sagّt:

    ناِ یلَبؕءٍ ۡوس

    نمل

    مَ عنانکام

    مَ لسلااُوقلاف۪مۡ هِ س

    فنای

    مِ ِلاظۃکئِ لمَ لامُ هىفَوتتن

    ۡیذلا

    ﴾۲۹﴿نۡولُ مَ عۡ َت مۡ تُ نۡ کُ امَ بِ ۢمٌ یۡ لِ ع

    ہَ لٰ لا

    ﴾۳۰﴿ن

    ۡیِرِّبکَ تَ مُ ۡلایَوثۡ مسئۡ بِ لَ فَ ؕاهَ یۡ ِفن

    ۡید

    لِ خٰ مَ نَّ هَ ج

    باَوبۡ َااۤۡولُ خ

    داف


    „Denen, die die Engel sterben lassen, indes sie wider sich selbst sündigen und dann also die Unterwerfung anbie- ten: ‚Wir pflegten ja nichts Böses zu tun.‘ Nein, fürwahr, Al- lah weiß wohl, was ihr zu tun pflegtet. So tretet ein in die Tore der Hölle, darin zu wohnen. Schlimm ist fürwahr die

    Wohnstatt der Hoffärtigen.“ (16:29, 30)

    ۡ ّ ۡ

    ّ َ َ

    متنکامَ بِ ۃنجلااولخداۙمُ کیۡ لعمٌ لسنۡولۡوُ قیَۙ نیبِ یِّ ط ۃکئِ لمَ لامُ هىفَوتتن

    یذلا

    ﴾۳۳﴿ن

    ۡولمَ عۡ ت


    „Sie, die die Engel in Reinheit sterben lassen. Sie sprechen: Friede sei mit euch! Tretet ein in den Himmel für das, was ihr zu tun pflegtet.“ (16:33)


  3. Das Gebet


    Im Islam wird das Gebet als grundsätzliche Voraussetzung be- trachtet, um eine Gemeinschaft mit Gott herzustellen. Das Ge- bet ist ein Ausströmen der Seele und des Herzens in demüti- gen, flehentlichen Bittgesuchen an die göttliche Majestät, wenn der Mensch sich seiner Nichtigkeit bewusst wird und Sicher- heit erlangt über die weitreichende Gnade, Barmherzigkeit und Macht Gottes. Das Gebet ist nicht eine Art Handeln mit Gott, indem ein Muslim danach ausschaut, etwas für sein Beten zu erhalten. Gebete reinigen das Leben des Menschen. Durch Ge- bet gewinnt der Mensch die Sicherheit im Wissen, die Zweifel ausschaltet und somit hilft, einen wirklichen und lebendigen Kontakt zwischen ihm und seinem Schöpfer herzustellen.


    Dass Gebete einen wichtigen Weg darstellen, um zu einer voll- kommenen Vereinigung mit Gott zu gelangen, ist vom Grün- der der Ahmadiyya-Bewegung des Islams in seinem überaus bekannten Essay „Die Lehren des Islams“ so bewegend darge- stellt worden:


    „Der edle Qurʾan hat uns zwei Wege genannt, um zur voll- kommenen geistigen Vereinigung mit Gott zu gelangen, nämlich: vollständige Unterwerfung unter dem Willen Gottes, bekannt unter dem Namen ‚Islam‘ und andauern- de Gebete und flehentliche Bitten, wie es die eröffnende Sura des Qurʾans lehrt, die wir unter dem Namen ‚Fatiha‘ kennen. Der Kern des religiösen Kodex unseres Glaubens ist in dem Wort ‚Islam‘ und der Sura ‚Fatiha‘ enthalten. Dies sind zwei Wege, die zur Quelle der Erlösung führen und die allein die sicheren Begleiter sind, die uns zu Gott führen: Dies sind die einzigen Möglichkeiten, das ersehn- te Ende des höchsten geistigen Fortschritts und der letzt- endlichen Vereinigung mit Gott zu erlangen. Allein dieje- nigen können Gott finden, die die wahrhafte Bedeutung des Islams wahrnehmen, indem sie sein Haus betreten; diejenigen, die so beten, wie es in der Sura Fatiha gelehrt wird.

    Was ist Islam? Islam ist das hell lodernde Feuer, das alle

    niederen Begierden verzehrt; er ist die Kraft, die falsche Gottheiten ins Feuer wirft, Leben, Eigentum und Ehre als ein Opfer für Gott anbietet. Islam ist die Quelle, aus der wir das Wasser eines neuen Lebens trinken. Die geisti- gen Kräfte in uns sind so stark miteinander vereint wie die Glieder einer Kette. Ein Feuer, das dem eines aus uns herausblitzenden Lichtes ähnelt, ein Feuer, das von oben herabsteigt. Diese beiden Flammen verzehren, wenn sie miteinander vereint sind, alle niederen Beweggründe und


    körperlichen Begierden und die Liebe zu anderen als zu Gott. Eine Art Tod kommt über unser vorhergehendes Leben. Dieses Stadium wird durch das Wort ‚Islam‘ ge- kennzeichnet. Islam bringt den Tod der Leidenschaften des Fleisches und verleiht uns ein neues Leben. Das ist die wahrhafte Wiederbelebung. Das Wort Gottes muss der Person, die dieses Stadium erreicht, enthüllt werden. Dieses Stadium wird mit dem Ausdruck ‚Vereinigung‘ belegt, denn es ist dann so, dass ein Mensch das Gesicht Gottes sieht. Seine Verbindung mit Gott ist so stark, dass es für ihn so ist, als sähe er das Gesicht Gottes. Ihm wird Kraft von oben gewährt; die inneren Fähigkeiten sind alle erleuchtet und die Anziehungskraft eines reinen, himm- lischen Lebens ist stark wirksam: Wenn jemand dieses Stadium erreicht, wird Gott das Auge, mit dem er sieht, die Zunge, mit der er spricht, die Hand, mit der er Angrif- fe zurückweist, das Ohr, mit dem er hört, und der Fuß, mit dem er geht. Es ist mit Bezug auf dieses Stadium, dass Gott der Allmächtige sagt:

    ۔ۚمۡ هِ ۡید

    ۡیَا قَ ۡوف

    ہِ لٰ لادَی


    ‚Die Hand Allahs ist über ihren Händen.‘ (48:11)


    d. h. die Hand des Heiligen Propheten Hadhrat Mu- hammadSAW, die über ihren Händen liegt, ist die Hand Gottes. Und weiterhin:

    ۔ۚیمٰ رَ ہَ لٰ لانَ کِ ٰلوَ تیۡ مرَ ذۡ اِ تیۡ مرَ امو


    ‚Und du warfst nicht, als du warfst, sondern Allah warf.‘ (8:18)

    In Kürze, dies ist das Stadium der Vollkommenheit des Menschen und seiner Vereinigung mit Gott. Der Wille


    Gottes überwiegt jedes Begehren und die moralische Be- schaffenheit, die zuerst hilflos gegen die Leidenschaften war, wird gestärkt, so dass sie undurchdringlich gegen je- den Angriff wird. Mit dieser heiligen Umwandlung wird auch der Verstand und die Vernunft gereinigt. Es ist diese Beschaffenheit, zu der der Vers ‚Und Gott unterstützte sie mit Seinem Heiligen Geist‘ gehört. Die Liebe eines solchen Menschen zu seinem Herrn kennt keine Grenzen. Für Gott zu sterben und Verfolgung und Schande um Seinetwillen zu erleiden, wie merkwürdig auch immer diese Äußerun- gen für andere Ohren klingen mögen, für ihn sind sie eine natürliche Angelegenheit. Von Gott angezogen, fliegt er zu Ihm und weiß nicht, was ihn fesselt. Eine unsichtbare Hand unterstützt ihn in allen Angelegenheiten und den Willen Gottes zu vollziehen wird das erstrangige Ziel sei- nes Lebens. Er findet sich selbst nahe bei Gott. So wie der

    Qurʾan sagt:

    ۔د

    ۡیِرَوۡلا ل

    بۡ ح

    نم ہ

    یۡ َلاِ ب

    رَ ۡقَا ن

    حۡ َنو


    ‚Wir sind ihm näher als seine Halsschlagader.‘ (50:17)


    So wie eine reife Frucht von selbst vom Baume fällt, wer- den die niederen Beziehungen eines solchen Menschen in ähnlicher Weise von sich selbst getrennt. Er hat eine tiefe Beziehung mit Gott und ist weit entfernt von den Geschöp- fen, die sich nicht um Gott kümmern. Er spricht mit Gott und wird von Ihm angesprochen. Die Türen zu diesem Stadium sind nunmehr weit geöffnet, so wie sie es in der Vergangenheit waren. Die Gnade Gottes hält jetzt diese Segnungen von ernsthaften Suchern nicht mehr fern, son- dern gewährt sie ihnen heute genauso gnadenreich wie in der Vergangenheit. Die Selbstgefälligkeiten der Zunge aber führen nicht in diese Richtung, und reine Prahlerei und eitles Geschwätz öffnen diese Türe nicht. Viele er-


    sehnen es, dieses Ziel zu erlangen, aber nur sehr wenige finden es, weil es nicht ohne ernsthafteste Suche und wah- re Opfer gefunden werden kann. Singe: ‚Siehe, Triumph‘ solange du willst, es wird dir nichts nützen. Schwierig ist der Weg und gefährlich der Pfad und du kannst nicht auf ihm wandeln, solange du deinen Fuß nicht mit wahrhafti- ger Aufrichtigkeit auf das lodernde Feuer setzest, das an- dere meiden. Prahlerei hilft wenig, wenn es keinen Eifer und Ernsthaftigkeit gibt. Lies diesen Vers des Qurʾans:

    وَ یۡ ِلاۡوبُ یۡ ج

    تَ س

    یَ لۡ فَ ۙ ناعَ د

    اذَ اِ عاد

    لاةَ َوعۡ دبیۡ جِ ُاؕب

    َ

    ۡیرِ َقیۡ ِّناِ فَ ی

    نِّ عی

    دابَ عک

    َلَاس

    اذَ اِ و

    ﴾۱۸۷﴿ن

    وۡ دشُ رۡ َی مۡ هُ لّ عَ َل ی

    بِ اۡونُ مِ ؤۡ یُ ۡل

    ‚Wenn Meine Diener dich nach Mir fragen (sprich): Ich bin nahe, Ich antworte dem Gebet des Bittenden, wenn er zu Mir betet. So sollten sie auf Mich hören und an Mich glauben, auf dass sie den rechten Weg wandeln mögen.‘“ (2:187)


  4. Das Erhörtwerden von Gebeten ist ein Beweis der göttlichen Existenz und Kraft


    Gott allein ist es wert, dass Gebete an Ihn gerichtet werden und Er allein hat die Kraft und Fähigkeit, Gebete zu beantworten. Das Fehlen dieser Fähigkeit ist der Hauptgrund für das Zu- rückweisen aller anderen Ansprüche auf Göttlichkeit, seien sie vollständig oder nur teilweise im Namen irgendeines anderen Wesens erhoben.

    ہیۡ فَّ کَ طِ سابَ کَ اَّلاِ ءٍ یشَ بِ مۡ هُ َلنۡوبُ یۡ جتَ سَیاَلہٖ ِنوۡ دنمنۡوعُ دَی نۡیذِ َّلاوَ ؕقِّ حۡلا ةُ َوعۡ د ہٗ َل

    ﴾۱۵﴿للٰ ض یِف اَّلاِ نۡیرِ فِ کٰ ۡلاءآعَ داموَ ؕہٖ غِ ِلابَ بِ َوہاموَ هُ افَ غلُ بۡ یَ ِلءآمَ ۡلایلَ ا


    „Ihm gebührt das wahre Gebet. Und jene, die sie statt Ihn anrufen, geben ihnen kein Gehör; (sie sind) wie jener, der Seine beiden Hände nach Wasser ausstreckt, damit es seinen Mund erreiche, doch es erreicht ihn nicht. Und das Gebet der Ungläubigen ist bloß ein verschwendetes Ding.“ (13:15)


    Der Qurʾan führt die Annahme und das Erhören von Gebeten als eindeutigen Beweis für die göttliche Macht an. Gott allein hat diese Macht. Niemand sonst kann Gebete beantworten.

    یِرج

    َیّ لُكَ۫ۖرمَ َقۡلاوَ س

    مۡ شّ لارَ خَّ س

    وَ ۙلیۡ َّلایِفراهَ نّ لا جُ ِلۡوُیوَ ِراهَ نّ لایفِ ل

    یۡ َّلا جُ ِلۡوُی

    نمنۡوکُ لِ مۡ َیامہٖ ِنوۡ دن

    منۡوعُ دَتنۡیذِ َّلاوَ ؕک

    لۡ مُ ۡلا ہُ َلمۡ کُ ُبّ ر

    ہُ لٰ لامُ کُ ِلذٰ ؕیمًّ سمُ لجَاِ ل

    ۃمَ یٰ قِ ۡلامَ ۡوَی وَ ؕمۡ کُ َل اۡوُباجتَ سااماۡوعُ مِ س

    ۡوَلوَ ۚمۡ ُکءآعَ داۡوعُ مَ س

    َیاَلمۡ ہُ ۡوعُ دَتناِ ﴾۱۴﴿رٍ ۡیمِ طۡ ِق

    ﴾۱۵﴿رٍ ۡیبِ خل

    ثۡ مک

    ئُ بِّ نَ ُیاَلوَ ؕمۡ کُ ِکرۡ شِ بِ ن

    وۡ رُ فُ کۡ َی


    „Er lässt die Nacht übergehen in den Tag und den Tag übergehen in die Nacht. Und Er hat die Sonne und den Mond dienstbar gemacht: ein jedes läuft seine Bahn auf eine bestimmte Zeit. Dies ist Allah, euer Herr: Sein ist das Reich, und jene, die ihr statt Ihn anruft, haben nicht Macht über das Häutchen eines Dattelkerns. Wenn ihr sie anruft, sie werden euren Ruf nicht hören; und hörten sie ihn so- gar, sie könnten euch nicht antworten. Und am Tage der Auferstehung werden sie leugnen, dass ihr (sie) zu Göt- tern nahmt. Niemand kann dich unterweisen wie der All- wissende.“ (35:14, 15)


  5. Warum werden Gebete bisweilen nicht buchstäb- lich angenommen?


    Es gibt keinen Zweifel darüber, dass das demütigste und ernst- hafte Gebet, wird es in tiefem Glauben dargeboten, von Gott gehört und von Ihm, dem Allmächtigen, beantwortet wird. Zu Zeiten mag ein Gebet nicht buchstäblich angenommen werden, aber das bedeutet nicht, dass das Gebet vergeblich war. In der Tat wird kein ernsthaftes Gebet umsonst verrichtet, jedoch wir, in unserem begrenzten Wissen, können ja niemals sicher sein, ob es zu unserem Nutzen sein mag oder ob es am Ende zu un- serem Schaden gereicht. Bisweilen könnte ja das buchstäbliche Erhören des Gebetes sogar nicht einmal eine Manifestation der Gnade und Barmherzigkeit sein. In solch einem Fall könnten wir beschützt werden vor den Folgen unseres fehlerhaften Wissens, und eben dies würde die wahrhafte Gnade und Barmherzigkeit und Teil der Antwort auf unser Gebet sein. Somit werden alle ernsthaften Gebete von Gott gehört und beantwortet und sie bringen uns in die Nähe von Ihm. Oftmals kann es geschehen, dass wir irgend etwas mit unserem begrenzten Verstand sehn- lich wünschen und sogar dafür beten, während es für uns alles in allem nicht geeignet ist. Darüber der Qurʾan:

    و مُ لَ عۡ َیہُ لٰ لاوَ ؕمۡ کُ َّلرٌّ ش

    َوہ

    وَّ ائً یۡ ش

    اۡوبُّ حُتنَایسٰۤ عوَ ۚمۡ کُ َّلرٌ ۡیخ

    َوہ

    وَّ ائً یۡ ش

    اۡوہُ رَ کۡ َتن

    َایسٰۤ عو

    ۔نۡومُ لَ عۡ َتاَل مۡ تُ ۡنَا


    „Aber es ist wohl möglich, dass euch etwas missfällt, was gut für euch ist; und es ist wohl möglich, dass euch etwas gefällt, was für euch übel ist. Allah weiß, ihr aber wisset nicht.“ (2:217)


  6. Das Gebet als Gottesdienst


    Die Art und Weise des Betens findet die höchste Entwicklungs- stufe im Islam. Dieses Thema ist auf viele Arten im Islam be- handelt worden. Wir zitieren hier aus der Einführung in den Qurʾan, Seiten 125, 126, Verlag Der Islam:


    „Der Gottesdienst, vom Qurʾan eingehend behandelt, wird in vier Kategorien eingeteilt. Wir unterscheiden:

  7. Der Gottesdienst der fünf täglichen Gebete


    Das arabische Wort für den fünfmal täglich stattfindenden Ge- betsgottesdienst ist ṣalātund bedeutet „beten“ oder das Äu- ßern einer flehentlichen Bitte. Im regelrechten Sinne ist das ṣalāt ein gemeinschaftlicher Gebetsgottesdienst.

    ۔اتً ۡوقُ ۡومَ

    ابً تٰ ِک ن

    ۡینِ مِ ؤۡ مُ ۡلایلَ ع

    تَناَك ةَ ولٰ صّ لانَ ا


    „Denn das Gebet zu bestimmten Zeiten ist den Gläubigen eine Pflicht.“ (4:104)


    Für sehr wichtig wird es gehalten, das Gebet in geeigneter Form und in seinem wahren Geist zu verrichten. Äußere und innere Form spielen eine sehr große Rolle. Die Reinigung vor


    dem Gebet, die Moschee, die Festsetzung der Gebetszeiten – all dies sind Zeichen für die äußere Form des Gottesdienstes, ohne die der Geist nicht lebendig gehalten hätte werden können. Die Einrichtung des Gebetes im Islam ist nicht nur Nahrung und Erfrischung für die Seele des Einzelnen, sondern auch geeignet für die vollkommene Entwicklung der Gesellschaft und stellt somit ein Mittel für die Einigung der Menschheit dar. Um die- ses letztgenannte Ziel zu erreichen, ist die Einrichtung des Ge- betes so organisiert, dass es einen festgesetzten Platz dafür gibt, eine festgesetzte Zeit und eine gemeinsame Art, es gibt zudem einen gemeinsamen Weg, ein Ziel, einen Ort, durch die die In- dividuen versammelt werden sollen, damit der Einzelne sich im Geist der Gemeinschaft findet.


  8. Die Gebetszeiten


    Das ṣalāt umfasst fünf Gebetsgottesdienste, die über den ganzen Tag verteilt sind: In der Morgendämmerung, um die Mittags- zeit, am Nachmittag, nach Sonnenuntergang und zur Nacht- zeit. Die Namen hierfür lauten: faǧr, ẓuhr, ʿasr, maġrib und ʿišāʾ. Alle Gebete werden von einem Imam geleitet, der aber auf kei- ne Weise ein Vermittler ist. Es gibt keine kirchliche Hierarchie im Islam. Jedes Mitglied der Gemeinde sollte fähig sein, den Gebetsgottesdienst zu leiten. Wenn nur zwei Muslime zusam- menkommen, um Gott anbetend zu verehren, dann leitet einer von ihnen das Gebet. Üblicherweise sollte das ṣalāt in Gemein- schaft verrichtet werden, wenn aber ein Mensch allein ist und niemanden finden kann, der mit ihm betet, dann mag er sein Gebet einzeln Gott darbieten.


  9. Der Aufbau des Gebets


    Das ṣalāt (Gebetsgottesdienst) besteht aus zwei Teilen, dem Ge- meinschaftsteil, der farḍgenannt wird, und dem individuellen Teil, der Sunnagenannt wird. Jeder Teil besteht aus einer An- zahl von rakʿāt(eine Gebetseinheit). Die Gottesdienste bestehen aus 2, 3 oder 4 rakʿāt (Plural von rakʿa). rakʿabedeutet ein voll- kommener Akt der Hingabe, der folgende Körperhaltungen um- schließt: Stehen, sich Verbeugen, Niederwerfung und ehrfurchts- volles Sitzen. Alle diese verschiedenen Haltungen helfen, sich auf die Worte des Gebets in der Gegenwart Gottes zu konzentrieren. Der Heilige ProphetSAW sagt: „Verehre Allah so, als ob du Ihn siehst; denn wenn auch du Ihn nicht siehst, so sieht Er doch sicherlich dich.“ So- mit ist das gesamte Gebet eine überaus feierliche und heilige An- gelegenheit; während dieser Zeit sollte der Anbetende seine Auf- merksamkeit keinem anderen Ding zuwenden; auch darf er nicht mit irgendeiner falschen Bewegung einer Ablenkung nachgeben, denn dies würde ja das Ziel seines Gebetes stören. Das Gebet ist so- mit eine Art Meditation über das Göttliche, die nicht unterbrochen werden darf und während dessen Herz und Körper vollständig von den Bittgesuchen in Anspruch genommen werden. Der Hei- lige ProphetSAW sagt: „Gott achtet nicht des Gebetes, in dem das Herz nicht den Körper begleitet.“ Der grundlegende Teil des Gebetes ist die Rezitation des eröffnenden Kapitels des Qurʾans, al-Fātiḥagenannt (die Sura wird auf arabisch rezitiert, wir geben hier den

    Versuch einer Übersetzung in das Deutsche wieder):

    مِ ۡوَیکلِ م﴾۳﴿مِ یۡ حَرلانِ مٰ حۡ َرلا﴾۲﴿نۡیمِ لَ عٰ ۡلابّ رَ ہِ لّٰ ِلدمۡ حۡلَا﴾۱﴿مِ یۡ حَرلانِ مٰ حۡ َرلاہِ لٰ لامِ سب

    نۡیذِ َّلاطارَ صِ ﴾۶﴿مَ یۡ قِ تَ سمُ ۡلاطارَ صِ لاانَ دہۡ ا﴾۵﴿نۡیعِ تَ سۡ َنکاَیّ اِ وَ دبُ عۡ َنکاَیّ ا﴾۴﴿نِ ۡیدلا

    ﴾۷﴿نۡیِّلآضّ لااَلوَ مۡ هِ یۡ لَ عبۡوضُ غۡ مَ ۡلاِرۡیغۙمۡ هِ یۡ لَ عتمۡ عَ ۡنَا


    „Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen. Al- ler Preis gehört Allah, dem Herrn aller Welten, dem Gnä- digen, dem Barmherzigen, dem Meister des Gerichtstages. Dir allein dienen wir, und zu dir allein flehen wir um Hil- fe. Führe uns auf den geraden Weg, den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, die nicht (Dein) Missfallen er- regt haben und die nicht irregegangen sind.“ (Sura 1)


    Die Sura al-Fātiḥa wird laut vom Imam während des Morgen-, Sonnenuntergangs- und Nachtgebetes gesprochen, während ihm die anderen Betenden nachfolgen und für sich die Sura mitsprechen. Bei den beiden anderen Gebeten wird die Sura al-Fātiḥa von allen Betenden leise für sich rezitiert. Der Sura al- Fātiḥa folgt die Rezitation eines kurzen anderen Teils aus dem Qurʾan, laut bzw. leise. Diese Rezitationen werden in stehender Haltung vorgetragen. Die Betenden verneigen sich dann, die Hände auf den Knien, stehen anschließend wieder kurz auf und vollziehen anschließend zwei Niederwerfungen, unterbro- chen von kurzem Sitzen. Während der Gläubige sich beugt und niederwirft, verherrlicht er Gott und preist Ihn schweigend. Diese Haltungen bilden eine rakʿa. Nach jeder zweiten rakʿa und nach der abschließenden rakʿa beten die Verehrenden sit- zend. In dieser Haltung – neben anderen Gebeten – erbittet der Betende Allahs Segen für den Heiligen Propheten Muhammad- SAW. Andere Gebete mögen aus dem Heiligen Qurʾan ausgewählt werden oder aus jenen ausgesucht werden, die uns der Heilige ProphetSAW gelehrt hat, oder sie mögen vom Einzelnen in seiner Muttersprache nach seinen Bedürfnissen an Gott herangetragen werden. Mit Ausnahme der Rezitation des Imams wird nichts während des Gebetes laut gesprochen, es sei denn während des Wechsels von einer Haltung in die andere, bei dem der Imam laut sagt: „allāhu akbar“ (Allah ist der Größte), oder bei einem


    bestimmten Haltungswechsel: „Allah erhört den, der Ihn lob- preist“. Zum Abschluss des Gebetes wendet der Imam sich mit seinem Gesicht nach rechts und sagt: „Friede sei auf euch und die Segnungen Allahs“; dann wendet er sich nach links und wiederholt den Satz. Nach Abschluss des Gebetes sollte der Gläubige für ein paar Minuten im Gedenken Allahs verharren und Gott lobpreisen, indem er sagt: subḥānallāh(Heilig ist Al- lah); al-ḥamdu lillāh(Aller Preis gebührt Allah); allāhu akbar(Allah ist der Größte).

    Zu gewissen Zeiten, unter Zeitdruck oder in anderen Not- standssituationen können die beiden Mittagsgebete (ẓuhr und ʿasr) zusammengelegt werden und ebenso die beiden Nacht- gebete (maġrib und ʿišāʾ). In diesem Fall kann die Anzahl der täglichen Gebetsgottesdienste von 5 auf 3 reduziert werden.

    Die Freitagsgebetsgottesdienste sind in der Form die gleichen wie an anderen Tagen mit dem Unterschied, dass das Freitags- gebet das ẓuhr Gebet ersetzt. Zu diesem Gebet hält der Imam eine Ansprache.


  10. Die Moschee


    Normalerweise werden die Gebete in einem Gotteshaus ver- richtet, das masǧid(Moschee) genannt wird, aber sie können auch irgendwo sonst verrichtet werden. Es ist keine besondere Zeremonie notwendig, um eine Moschee „einzuweihen“. Die einzige Voraussetzung ist die, dass der Raum sauber sein soll- te. Wenn keine Moschee vorhanden ist, mag der Gebetsgottes- dienst in einem Raum, unter freiem Himmel, im Flugzeug, im Zug usw. gesprochen werden. Die Moschee sollte immer der Kaʿba gegenüberliegen, dem ersten Haus, das auf der Erde zur Verehrung Gottes errichtet worden ist.


    In der Moschee stehen reich und arm Schulter an Schulter. Das Oberhaupt eines Staates mag seinen Platz neben einem gewöhn- lichen Bürger finden. Alle stehen demütig und unterwürfig in der Gegenwart Gottes und beugen sich und fallen nieder unter der Leitung des Imams. Moscheen werden nicht ausschließlich zum Zwecke der Verehrung erbaut, sondern sie dienen für alle Arten von religiösen und geistigen Belangen zum Wohl und zum Fortschritt der Gemeinde.


  11. Frauen dürfen Moscheen betreten


    Dass Frauen nicht die Moscheen betreten dürfen, ist eine fal- sche Auffassung und entspricht nicht den Lehren des Islams. Das „ṣalāt“, der Gebetsgottesdienst, ist auch für Frauen obli- gatorisch, ausgenommen die Tage, in denen sie nicht in einem Zustand der Reinheit sind. Sie müssen nicht an den Gemein- schaftsgebeten teilnehmen, obgleich sie es natürlich dürfen, wenn die Gelegenheit sich dazu ergibt. Nur sollen Männer und Frauen nicht vermischt beten.


  12. Aḏān (Gebetsruf)


    Der aḏān wird in jeder Moschee oder wo auch immer ein Ge- meinschaftsgebet stattfindet, ausgerufen. Der muʾaḏḏin, d. h. der Mann, der zum Gebet ruft, steht auf dem Minarett oder ei- ner erhöhten Plattform und sagt in lauter Stimme:


    „Allāhu akbar (4 mal) (Allah ist der Größte); ašhadu an lā ilāha illallāh (2 mal) (Ich bezeuge, dass niemand anbetungswürdig ist außer Allah); ašhadu anna muḥammadan r-rasūlullāh (2 mal) (ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist); hayya


    ʿala ṣ-ṣalāh (2-mal) (kommt her zum Gebet); ḥayya ʿala l-falāḥ (2-mal) (kommt her zum Erfolg) (nur zum faǧr-Gebet: aṣ-ṣalātu ḫairun mina n-naum (2 mal) (das Gebet ist besser als der Schlaf); allāhu akbar (2 mal) (Allah ist der Größte); lā ilāha illallāh (Nie- mand ist anbetungswürdig außer Allah).“


    Sowie der Ruf des muʾaḏḏins erschallt, sollten die Gläubigen ihre augenblickliche Beschäftigung stehen und liegen lassen und sich auf das Gebet vorbereiten.


  13. Die Waschung (wuḍūʾ)


    Die Vorbereitung für das ṣalāt besteht aus Reinigung und Wa- schung. Nach dem Qurʾan ist das Gebet ein Mittel zur Reinigung der Seele und die Reinheit und Sauberkeit des Körpers ist eine notwendige Voraussetzung für das ṣalāt. Diese Vorbereitung hilft, sich auf das Ziel, die Verehrung Gottes, auszurichten.

    وَ ق

    ِفاَرمَ ۡلایَلاِ مۡ کُ َیدۡیََاوَ مۡ کُ ہَ ۡوج

    وُ اۡولُ س

    غافَ ةِ ولٰ صّ لایَلاِ مۡ تُ مۡ ُقُ اذَ اِ اۤۡونُ مَ ُاٰ ن

    ۡیذِ َّلااهَ ُیّ َای

    یضٰۤ رۡ مَ مۡ تُ نۡ کُ ناِ وَ ؕاوۡ ُرهَّ طافَ ابً نُ ج

    مۡ تُ نۡ کُ ناِ وَ ؕنۡیبَ عۡ کَ ۡلایَلُاِ مۡ کلَ جرۡ َاوَ مۡ کس

    وۡ ءُ ُربِ اۡوحسما

    اۡومُ مَّ یَ تَ فَ ءُ آمَ َ اوۡ د

    جَت مۡ لَ ف

    ءٰ آس

    نّ لامُ تُ سمَ ٰلوۡ َاطِ ِئآغَ ۡلانمِ

    ۡ

    مُۡ کنۡ مِ

    دحَ َا ءآج

    وۡ َ َا رٍ فَ سَ َ یلٰ عوۡ َا

    جٍ رَ ح

    نمِ

    مۡ کیۡ لعل

    عَ جیَ ِلہُ للاَدۡیرُِ یامؕہنمِ

    مۡ کۡیدۡیَاوَ مۡ کہِ ۡوجُوبِ اوۡ ح

    سمافابً یِّ طاد

    یۡ عِ ص

    ﴾۷﴿ن

    وۡ رُ کُ شۡ َتمۡ کُ لّ عَ َلمۡ کُ یۡ لَ ع

    ہٗ تَ مَ عۡ ِنمَّ تِ یُ ِلوَ مۡ ُکَرهِّ طَ یُ ِلد

    ۡیِرُیّ نکِ ٰلوَ


    „O die ihr glaubt! Wenn ihr zum Gebet hintretet, waschet euer Gesicht und eure Hände bis zu den Ellbogen und fahrt euch über den Kopf und (waschet) eure Füße bis zu den Knöcheln. Und wenn ihr im Zustand der Unreinheit seid, reinigt euch durch ein Bad (bezieht sich auf Samen-


    erguss). Und wenn ihr krank oder auf einer Reise seid (und dabei unrein), oder wenn einer von euch vom Abtritt kommt oder wenn ihr Frauen berührt habt, und ihr findet kein Wasser, so nehmt reinen Sand und reinigt euch damit Gesicht und Hände. Allah will euch nicht in Schwierigkei- ten bringen, sondern Er will euch nur reinigen und Seine Gnade an euch erfüllen, auf dass ihr dankbar seid.“ (5:7)


    Das Waschen ist eine säubernde Handlung und eine erfrischen- de Erfahrung. Zusammen mit dem Gebetsruf hilft sie, die Auf- merksamkeit des Gläubigen auf die nun folgenden Geschehnis- se zu wenden und sich auf die Gemeinschaft und Begegnung mit seinem Schöpfer zu konzentrieren. Nach der notwendigen Vorbereitung betritt der Gläubige den Platz, an dem er Gott verehren wird, indem er betet:

    ۔ہِ لٰ لالِ ْوسُ رَ یلٰ عوماَلس

    لاوَ ةُ ولٰ صّ لاہِ لٰ لامِ سْ ٰ ب

    کلِ ضْ فَ باَوبْ َایْ ِلحتَ فاوَ ی

    بِ ْوُنذیْ ِلرْ فِ غامَّ هُ للا


    „Im Namen Allahs betrete ich die Moschee. Friede und Segen sei auf dem Heiligen Propheten. O Allah vergib mir meine Sünden und öffne die Türen Deiner Gnade für mich.“


    Nun befindet sich der Gläubige in der Moschee, in der Gemein- schaft mit seinen Schwestern und Brüdern, woher auch immer sie kommen mögen. Sie haben sich alle zum gleichen Zweck in der Moschee versammelt. Es gibt keinen Unterschied in Rang, Reichtum, Beruf, Farbe oder Rasse im Hause Allahs. Alle sind gleich. Es gibt keine Sitze, die für irgendjemanden vorgesehen sind, noch ist irgendein Platz für irgendjemanden reserviert. Es ist jedoch leicht zu verstehen, dass der Imam, der den Gottes-


    dienst leiten wird, an einer bestimmten Stelle stehen wird. Nor- malerweise steht er direkt vor der ersten Reihe der Gläubigen, genau in der Mitte, wie alle anderen mit dem Gesicht in Rich- tung Mekka, der Kaʿba zugewandt.


  14. Ḏikr (Gedenken Allahs)


    Eine andere Form des Gebets ist das Gedenken Allahs, sozu- sagen ein Nachsinnen über Seine Eigenschaften, ein Feiern zu seinem Preis und Ruhm,

    یذِ َّلاَوہ

    ﴾۴۳﴿اًلیۡ صِ َا وَ ةً رَ کۡ ُب هُ ۡوحبِّ سوَّ ﴾۴۲﴿ارً ۡیثِ کَ ارً ۡکذ

    ہَ لٰ لااورُ ُکذااونُ م

    اٰ نۡیذِ َّلااهَ ُیّ َای

    ﴾۴۴﴿امً یۡ ح

    رَ نۡینِ مِ ؤۡ مُ ۡلابِ ناَكوَ ِؕرۡونّ لایلَ اِ ت

    مٰ لُ ظّ لان

    مِ مۡ کُ جرخیُ ِلہٗ تُ کَ ئِ لٰٓ م

    وَ مۡ کُ یۡ لَ ع

    یلِّ صَ ُی


    „O die ihr glaubt! Gedenket Allahs in häufigem Geden- ken; und lobpreist Ihn morgens und abends. Er ist es, Der euch segnet, und Seine Engel beten für euch, dass Er euch aus den Finsternissen zu Licht führe. Und er ist barmher- zig gegen die Gläubigen. « (33:42-44)


    Während das ṣalāt auf eine bestimmte Art und Weise vollzo- gen wird, und zu bestimmten Zeiten, lehrt der Islam, dass der Mensch von Zeit zu Zeit, inmitten seiner Beschäftigungen, über die göttlichen Eigenschaften nachdenken und reflektieren soll. So sollte das Gedenken Allahs und die Liebe zu Ihm andauernd wie ein Springbrunnen seine Seele erfrischen. Die bekanntesten Worte, die man zum Zwecke des Lobpreisens und Verherrli- chens Gottes nennt, sind subḥānallah“ (Heilig ist Allah); al- ḥamdu lillāh(Aller Preis gebührt Allah); „allāhu akbar(Allah ist der Größte und über allen stehend); wa lā ilāha ʾillallāh“ (Es


    gibt keinen Gott außer Allah); üblich sind auch Lobpreisungen wie „Heilig ist Allah und Ihm allein gebührt der Preis“; „Heilig ist Allah der Allerhöchste“; „Heilig ist Allah der Allergrößte“,

    „Es gibt keine Macht noch Kraft außer von Gott“.

    Die Verherrlichung Allahs und die Lobpreisungen Seiner Größe können nicht auf eine Formulierung, eine Redensart beschränkt sein. Die Sehnsucht der menschlichen Seele, mehr und mehr in Seine Nähe zu gelangen und Seine Heiligkeit zu rühmen, Seine Verehrung auszudrücken und Dank zu sagen für Seine Wohl- taten – all dies mag auf die verschiedenste Art getan werden. Wichtig allein ist die Bereitschaft, die Absicht des Menschen, sich in Ihm zu verankern und unablässig Seine Nähe zu suchen.


  15. Zakat oder obligatorische Armensteuer – die Grund- lage des Ökonomischen Systems des Islams


    Das Bezahlen der Zakat (obligatorische Armensteuer) ist eine der fünf grundlegenden Lehren des Islams. Das Wort Zakatbedeutet, „das was reinigt und das, was hegt und pflegt“. Der Vers

    ﴾۵﴿نۡولُ عِ فٰ ةِ وکٰ زّ لِل مۡ ہنۡیذِ َّلاو


    „und die Zakat zahlen (nach Reinheit streben)“ (23:5)


    zeigt an, dass der wahre Gläubige sich mit der Verfolgung jener Ziele beschäftigen sollte, die ihn reinigen, indem er seine wert- volle Zeit opfert und sein schwer verdientes Geld, und, indem er all seine natürlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten, die ihm Gott gegeben hat, auf dem Weg der Wahrheit aufwendet.

    Das Hauptziel des wirtschaftlichen Systems des Islams ist es,


    die weiteste und wohltätigste Verbreitung von Reichtum zu sichern. Der Reichtum muss ständig in allen Bereichen der Ge- sellschaft zirkulieren und sollte nicht ein Monopol der Reichen sein.

    وَ یمٰ تٰ یَ ۡلاوَ یبٰ رۡ قُ ۡلایذِ ِل وَ لِ ۡوسُ رّۢ لِلو ہِ لّٰ لِ ف یرٰ قُ ۡلالہۡ َا نم ہٖ ِلۡوسُ رَ یلٰ ع ہُ لٰ لا ءآفَ َا ۤام

    ۔ؕمۡ کُ نۡ مءآیَ نِ غۡ َاۡلانۡیَب ۃً َلوۡ د نۡوکُ َیاَلیکَ ۙلیۡ بِ سلانِ باوَ نۡیکِ سٰ مَ ۡلا

    „Was Allah Seinem Gesandten als Beute von den Bewoh- nern der Städte gegeben hat, das ist für Allah und für den Gesandten und für die nahen Verwandten und die Waisen und die Armen und den Wanderer, damit es nicht bloß bei den Reichen unter euch die Runde mache.“ (59:8)


    Die Grundlage des islamischen ökonomischen Systems ist die obligatorische Abgabe auf das Kapital, genannt Zakat. Wie oben bereits festgestellt, ist es auch Ziel der Zakat, den Reich- tum der Reichen zu reinigen.

    Durch die Einrichtung der Zakat sorgt der Islam für die Befrie- digung all jener Rechte, die die Armen am Reichtum der Rei- chen haben, denn, hinzugefügt zu dem Lohn, den ein Arbeiter für seine Arbeit erhält, auferlegt der Islam eine Erhebung von 2,5 % am totalen Reichtum der Kapitalisten zum Wohlergehen der Armen. Diese Erhebung auf das Kapital mag in vielen Ins- tanzen eine Höhe von bis zu 50% des Nettoprofits erreichen. In der Tat sieht der Islam das Teilnehmen der Armen am Reich- tum der Reichen als unverletzbares Recht der Armen an, und wenn ein reicher Mann die Schulden bezahlt, die er den Armen schuldig ist, indem er die Zakat entrichtet, hat er damit keinen begünstigt. Er gibt nur das, was jenen zusteht. Es wird berich- tet, dass der Heilige ProphetSAW gesagt hat:


    „Lasst nur keinen der Vorstellung anheim fallen, dass sein Reichtum, Stand oder seine Macht allein das Ergebnis sei- ner eigenen Anstrengungen oder Unternehmungen ist. Das ist nicht so. Deine Macht, dein Rang und dein Reich- tum sind alle durch die Armen verdient.“ (Tirmiḏī)


    Und wiederum erklärt er das Ziel der Erhebung der Zakat, wenn er sagt:


    „Gott hat die Zakat obligatorisch gemacht, sie muss von den Reichen erhoben und den Armen zurückgegeben werden.“ (Buḫārī)


    Der Gebrauch des Wortes „zurückgegeben“ weist darauf hin, dass der Arme ein Recht darauf hat und dass er berechtigt ist, am Reichtum der Reichen teilzuhaben. Der Ertrag der Zakat soll verwendet werden, um Armut und Elend zu beseitigen, denen zu helfen, die verschuldet sind, den Reisenden zu versorgen, Stipendien für Studenten und Wissenschaftler bereitzustellen, und allgemein um alle Dinge, die für das Wohl der Gemeinde wichtig sind, wie z. B. allgemeine Gesundheitsvorkehrungen, öffentliche Arbeiten, Erziehungsinstitutionen usw. zu finanzie- ren. Die Einrichtung der Zakat hegt und fördert das Wohlsein der Gemeinschaft, wie es schon der Name sagt.


  16. Freiwillige Mildtätigkeit

    ﴾۱۹۰﴿رٌ ۡیدق


    ءٍ یش

    لّ ِ ُكیلٰ ع

    ہُ لٰ لاوَ ؕض

    رۡ َاۡلاوَ ت

    وٰ مٰ س


    لاک

    لۡ م

    ہِ لّٰ ِلو

    „Allahs ist das Reich der Himmel und der Erde; und Allah ist mächtig über alle Dinge.“ (3:190)


    Dieser Vers des Qurʾans enthält die Konzeption des ökonomi- schen Systems des Islams. Das absolute Eigentumsrecht aller Dinge gebührt Gott allein und der Mensch ist Gottes Statthal- ter auf Erden. Gesetzliches Eigentumsrecht des Individuums wird vom Islam anerkannt, aber alles Eigentumsrecht ist aus- gerichtet auf die moralische Verpflichtung, dass alle Teile der Gemeinschaft, ja sogar Tiere, Anrecht auf einen Teil des Reich- tums haben.

    ۔مِ وۡ رُ حمَ ۡلاوَ لِئآسلِّل قٌّ حمۡ هِ ِلاَومۡ َا یۤ ِفو

    „Und in ihrem Vermögen war ein Anteil für den, der bat, wie für den, der es nicht konnte.“ (51:20)


    Ein Teil dieser gesetzlichen Verpflichtung ist in gesetzlicher Form bereits gegeben, der größere Teil der Verpflichtung ist freiwilligen Anstrengungen überlassen, die der Sehnsucht Aus- druck geben, die höchsten moralischen und geistigen Wohlta- ten zu erlangen. Über wohltätiges Spenden berichtet der Qurʾan durch bis ins Einzelne gehende Details. Die folgenden Verse erklären die Wichtigkeit und Philosophie des Spendens:

    لّ ِ ُكیِفلبانَ سع

    بۡ ستتَ بَ ۡۢنَاۃ

    بَّ ح

    لثَ مَ کَ ہِ لٰ لالیۡ بِ س

    یِفمۡ هُ َلاَومۡ َانۡوُقفِ نۡ ُین

    ۡیذِ َّلالثَ م

    نۡوُقفِ نۡ ُین

    ۡیذِ َّلَا﴾۲۶۲﴿مٌ یۡ لِ ععساو ہُ لٰ لاوَ ؕءآشَ َیّ ن

    مَ ِلفعِ ضٰ ُیہُ لٰ لاوَ ؕۃ

    بَّ حۃُ َئامِ ۃلَ بُ نۡۢ س

    ۚمۡ هِ بِّ رَ دنۡ ع

    مۡ ہُ ُرجۡ َامۡ هُ َّلۙیذً َا ۤاَلوَّ انًّ م

    اۡوُقفَ ۡنَا ۤامنۡوعُ بِ تۡ ُیاَلمَّ ُثہِ لٰ لال

    یۡ بِ سیِفمۡ هُ َلاَومۡ َا

    ۤاهَ عُ بَ تۡ َیّ ۃقَ دصنمِ رٌ ۡیخةٌ رَ فِ غۡ موَّ ف

    وۡ ُرعۡ مَ لۡوق﴾۲۶۳﴿نۡوُنزَ حَی مۡ ہاَلو

    مۡ هِ یۡ لَ عفۡوخاَلو

    ۙیذٰ َاۡلاوَ نِّ مَ ۡلابِ مۡ کُ تِ قٰ د

    صاۡولُ طِ بۡ ُتاَلاۡونُ ماٰ نۡیذِ َّلااهَ ُیّ َای﴾۲۶۴﴿مٌ یۡ لِ حینِ غہُ لٰ لاوَ ؕیذً َا

    ناَوفۡ صلثَ مَ کَ ہٗ لُ ثَ مَ فَ ؕرخِ اٰ ۡلامِ ۡویَ ۡلاوَ ہِ لٰ لابِ نمِ ؤۡ ُیاَلوَ سانّ لاءآَئِرہٗ َلام

    قُ فِ نۡ ُیی

    ذِ َّلاَك

    اَل ہُ لٰ لاوَ ؕاۡوبُ سکَ امَّ مِ ءٍ یشیلٰ عنوۡ رُ د

    قۡ َی اَلؕادلۡ ص

    ہٗ َکرَ َتفَ لباوَ ہٗ َباصَ َافَ باَرُتہ

    یۡ لَ ع

    وَ ہِ لٰ لاتاضَ رۡ مءآغَ تِ بامُ هُ َلاَومۡ َان

    ۡوُقفِ نۡ ُینۡیذِ َّلالثَ مو﴾۲۶۵﴿ن

    ۡیرِ فِ کٰ ۡلامَ ۡوَقۡلایدهۡ َی

    مۡ َّلناِ فَ ۚنۡیفَ عۡ ضاهَ لَ ُكُاتَتاٰ فَ لباوَ اهَ َباصَ َاةٍ َوبۡ َربِ ۃٍۭ نَّ ج

    لثَ مَ کَ مۡ هِ سفُ ۡنَانمِ اتً یۡ بِ ثۡ َت

    نمِ ۃٌ نَّ جہٗ َلنۡوکُ َتنَامۡ ُکدحَ َادُّ َوَیَا﴾۲۶۶﴿ رٌ ۡیصَب نۡولُ مَ عۡ َتامَ بِ ہُ لٰ لاوَ ؕلطَ فَ لباوَ اهَ بۡ صُی

    ہٗ َلوَ رُ َبکِ ۡلاہَباصَ َاوَ ۙترٰ مَ ثّ لالّ ِ ُكنماهَ یۡ ِفہٗ َلُۙرهٰ ۡنَاۡلااهَ تِ حَتنمی

    ِرجَتبانَ عۡ َاوَّ ل

    یۡ خِ َّن

    مۡ کُ لَّ عَ َلتیٰ اٰ ۡلامُ کُ َلہُ لٰ لانّیِ بَ ُیکِلذٰ کَ ؕتقَ رَ َتحافَ راَنہیۡ ِفراص

    عۡ اِ ۤاهَ َباصَ َافَ ۪ۖءآفَ عَ ضۃٌ َیّ ِرّ ذ

    نمِ مۡ کُ َلانَ جرَ خۡ َاۤامَّ موَ مۡ تُ بۡ سکَ امتبٰ یِّ طَ نماۡوُقفِ ۡنَااۡۤونُ ماٰ ن

    ۡیذِ َّلااهَ ُیّ َایٰۤ ﴾۲۶۷﴿نوۡ رُ کَّ فَ تَ َت

    اۤۡومُ لَ عاوَ ؕہیۡ ِفاۡوضُ مِ غۡ ُتنَاۤاَّلاِ ہۡیذخاٰ بِ مۡ تُ سۡ َلوَ نۡوُقفِ نۡ ُتہنۡ َمثیۡ بِ خَ ۡلااومُ مَّ یَ َتاَلوَ ۪ضرۡ َاۡلا

    مۡ ُکدعِ َیہُ لٰ لاوَ ۚءآشَ حفَ ۡلابِ مۡ ُکُرمُ ۡاَیوَ رَ قۡ فَ ۡلامُ ُکدعِ َینطٰ یۡ شلَا﴾۲۶۸﴿د

    یۡ مِ ح

    ینِ غ

    ہَ لٰ لانَّ َا

    ﴾۲۶۹﴿مٌ یۡ لِ ععساوَ ہُ لٰ لاوَ ؕالً ضۡ فَ و ہنۡ مِ ةً رَ فِ غۡ مَ


    „Die ihr Gut hingeben für Allahs Sache, sie gleichen einem Samenkorn, das sieben Ähren treibt, hundert Körner in je- der Ähre. Allah vermehrt (es) weiter, wem Er will; und Allah ist huldreich, allwissend. Die ihr Gut hingeben für


    Allahs Sache und dann ihrer Gabe nicht Vorhaltung und Anspruch folgen lassen, sie haben ihren Lohn bei ihrem Herrn; und keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie trauern. Ein gütiges Wort und Verzeihung sind besser als ein Almosen, gefolgt von Anspruch; und Allah ist Sich Selbst genügend, langmütig. O die ihr glaubt, machet eure Almosen nicht eitel durch Vorhaltung und Anspruch, dem gleich, der von seinem Reichtum spendet, um von den Leuten gesehen zu werden, und er glaubt nicht an Allah und an den Jüngsten Tag. Ihm ergeht es wie einem glatten Felsen, den Erdreich bedeckt: wenn ein Platzregen auf ihn fällt, legt er ihn bloß – glatt und hart. Sie haben nichts von ihrem Verdienst. Und Allah weist nicht dem ungläubigen Volk den Weg. Und jene, die ihr Gut hingeben im Trachten nach Allahs Wohlgefallen und zur Stärkung ihrer Seelen, sind gleich einem Garten auf erhöhtem Grund. Platzre- gen fällt darauf, und er bringt seine Frucht zwiefältig her- vor. Fällt aber kein Platzregen auf ihn, so (genügt auch) leichter. Allah sieht euer Tun. Wünscht einer von euch, dass ein Garten für ihn sei voll Palmen und Reben, den Ströme durchfließen, mit Früchten aller Art für ihn darin – die-weil das Alter ihn geschlagen und er schwächliche Nachkommen hat –, und ein feuriger Wirbelwind ihn (den Garten) schlage und er verbrenne? Also macht Allah die Gebote klar für euch, auf dass ihr nachdenkt. O die ihr glaubt, spendet von dem Guten, das ihr erwarbt, und von dem, was Wir für euch aus der Erde hervorbringen; und suchet zum Almosenspenden nicht das Schlechte aus, das ihr ja selbst nicht nähmet, es sei denn, ihr drücktet dabei ein Auge zu: und wisset, dass Allah Sich Selbst genügend, preiswürdig ist. Satan warnt euch vor Armut und befiehlt euch Schändliches, während Allah euch Seine Vergebung und Huld verheißt; und Allah ist huldreich, allwissend.“ (2:262-269)

    رُ فِّ کَ ُیوَ ؕمۡ کُ َّلرٌ ۡیخَوهُ فَ ءآرَ قَ فُ ۡلااہَ ۡوُتؤۡ ُتوَ اہَ ۡوفُ خ

    ُتناِ وَ ۚیہِ امَّ عِ نِ فَ تقٰ دصّ لااود

    بۡ ُتنا

    ہَ لٰ لانَ کِ ٰلوَ مۡ هُ ىدٰ ہک

    یۡ لَ عسیۡ َل﴾۲۷۲﴿رٌ ۡیبِ خ

    نۡولُ مَ عۡ َتامَ بِ ہُ لٰ لاوَ ؕمۡ کُ تِ اٰ یِّ سنمِ مۡ کُ نۡ ع

    ہِ لٰ لاہجوَ ءآغَ تِ بااَّلاِ نۡوُقفِ نۡ ُتاموَ ؕمۡ کُ س

    فُ ۡنَاِلفَ رٍ ۡیخنماۡوُقفِ نۡ ُتاموَ ؕءآشَ َیّ نمیدهۡ َی

    یِفاوۡ رُ صِ حۡ ُانۡیذِ َّلاءآرَ قَ فُ لۡ ِل﴾۲۷۳﴿ن

    ۡومُ لَ ظۡ ُتاَلمۡ تُ ۡنَاوَ مۡ کُ یۡ َلاِ فَ َوُیّ رٍ ۡیخنماۡوُقفِ نۡ ُتاموَ ؕ

    ففُّ عَ تّ لانمءآیَ نِ غۡ َالہاجۡلامُ هُ بُ س

    حَی۫ضرۡ َاۡلایِفابً رۡ ضنۡوعُ یۡ طِ تَ سَیاَلہِ لٰ لالیۡ بِ س

    مٌ یۡ لِ عہٖ بِ ہَ لٰ لانَ اِ فَ رٍ ۡیخنماۡوُقفِ نۡ ُتاموَ ؕافاحۡلاِ سانّ لانۡولُ َٔـسَیاَلۚمۡ هُ مٰ یۡ سبِ مۡ هُ فُ ِرعۡ َتۚ

    اَلوَ ۚمۡ هِ بِّ رَ دنۡ عمۡ ہُ ُرجۡ َامۡ هُ لَ فَ ۃً یَ ِناَلعوَّ ارًّ سِ ِراهَ نّ لاوَ لیۡ َّلابِ مۡ هُ َلاَومۡ َان

    ۡوُقفِ نۡ ُین

    ۡیذِ َّلَا﴾۲۷۴﴿

    ﴾۲۷۵﴿نۡوُنزَ حَیمۡ ہاَلوَ مۡ هِ یۡ لَ عف

    ۡوخ


    „Gebt ihr öffentlich Almosen, so ist es schön und gut; hält ihr sie aber geheim und gebt sie den Armen, so ist es noch besser für euch; und Er wird (viele) eurer Sünden von euch hinwegnehmen, denn Allah achtet wohl eures Tuns. Nicht deine Verantwortung ist es, ihnen den Weg zu weisen; doch Allah weist den Weg, wem Er will. Und was ihr an Gut spendet, es soll euch voll zurückgezahlt werden, und ihr sollt keinen Nachteil erleiden. (Diese Al- mosen sind) für die Armen, die auf Allahs Sache festgelegt und unfähig sind, im Land herumzuwandern. Der Unwis- sende hält sie wegen der Enthaltsamkeit für frei von Not. Du magst sie an ihrer Erscheinung erkennen, sie bitten die Leute nicht zudringlich. Und was ihr an Gut spendet, wahrlich, Allah hat genaue Kenntnis davon. Die ihr Gut hingeben bei Nacht und Tag, heimlich und öffentlich, ihr Lohn ist bei ihrem Herrn; keine Furcht soll über sie kom- men, noch sollen sie trauern.“ (2:272-275)


  17. Die Pilgerfahrt


    Ein anderer vom Islam vorgeschriebener Gottesdienst ist die Pilgerfahrt zum Hause Allahs in Mekka. Jeder erwachsene Muslim, ob Mann oder Frau, hat, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind, die Pflicht, mindestens einmal in seinem Leben die Pilgerfahrt zu vollziehen.

    Die Voraussetzungen hierzu sind: Die Möglichkeit, die Reise zu unternehmen (Sicherheit), die notwendigen Mittel für die Reise; die Gewissheit, dass in der Abwesenheit des Pilgers für seine nächsten Angehörigen gesorgt wird.

    ۔ؕاًلیۡ بِ س

    ہیۡ َلاِ عاطَ تَ سانِ مت

    یۡ بَ ۡلاجُ ح

    سانّ لایلَ ع

    ہِ لّٰ ِلو

    „Und Wallfahrt zu diesem Haus (Kaʿba) - wer nur immer einen Weg dahin finden kann – ist den Menschen eine Pflicht vor Allah.“ (3:98)


  18. Die Geschichte der Kaʿba und der Pilgerfahrt


    Die Geschichte der Kaʿba, des Hauses Allahs in Mekka, wird im Qurʾan so erzählt, dass Hadhrat AbrahamAS in einer Vision sah, dass er seinen einzigen Sohn Hadhrat IsmaelAS als ein Opfer für Gott darbringen solle. Er sagte zu dem Jungen:

    ُرم

    ؤۡ ُتامل

    عَ فات

    َبَایٰۤ لاقَ ؕیرٰ َتاذام

    َ

    رۡ ظُ ۡنافَ ک

    حَبذۡ َا یۤۡ ِّنَامانَ مَ ۡلایِفیرٰ َایۤۡ ِّناِ یَ

    نَ بُ یٰ لاق

    ہنٰ ۡیداَن وَ ﴾۱۰۴﴿نۡیبِ ج

    لۡ ِل ہٗ لّ َت وَ امَ لَ سۡ َا ۤامَّ لَ فَ ﴾۱۰۳﴿ن

    ۡیِرِبصٰ لانمہُ لٰ لاءآشناِ یۤ ِند

    جتَ س۫

    ﴾۱۰۶﴿نۡینِ سح

    مُ ۡلایزِ جۡ َنکِلذٰ کَ اَّناِ ۚاَیءۡ ُرلات

    قۡ دَ صدقَ ﴾۱۰۵﴿مُ یۡ ہِ رٰ بۡ اِ یّ نَا


    „‚O mein lieber Sohn, ich habe im Traum gesehen, dass ich dich schlachte. Nun schau, was meinst du dazu?‘ Er antwortete: ‚O mein Vater, tu, wie dir befohlen; du sollst mich, so Gott will, standhaft finden.‘ Als sie sich beide (Gott) ergeben hatten und er ihn mit der Stirn gegen den Boden gelegt hatte, da riefen Wir ihm zu: ‚O Abraham, erfüllt hast du bereits das Traumgesicht‘. Also lohnen Wir denen, die Gutes tun.“ (37:103-106)


    Die wirkliche Bedeutung des Traumgesichts war nicht so, dass Hadhrat AbrahamAS seinen Sohn auf die gleiche Weise opfern sollte, wie er sich selbst dies tuend in seinem Traum gesehen hatte, sondern dass beide, Vater und Sohn, bereit sein sollten, ein großes Opfer zu vollbringen, um das Gefallen Gottes zu ge- winnen.

    ﴾۱۰۸﴿مٍ یۡ ظِ عحبۡ ذبِ ہنٰ ۡیدفَ و

    „Und Wir lösten ihn aus durch ein großes Opfer.“ (37:108)


    Das große Opfer war, dass der Sohn und seine Mutter sich an einem entfernten, unfruchtbaren Tal ansiedeln sollten, auf dass der Sohn zu einem Instrument Gottes werden sollte zur Ver- wirklichung eines Planes, durch den die wahrhaftige Vereh- rung Gottes in und um das Heilige Haus herum deutlich wer- den sollte. Der Qurʾan stellt fest:

    ﴾۹۷﴿ن

    ۡیمِ لَ عٰ لۡ ِّل یدہ

    وَ اًكرَ بٰ م

    ۃَ کَّ بَ بِ ی

    ذلَّ َلسانّ لِلع

    ضِ وُّ ت

    یۡ َبل

    وَّ َانَ ا


    „Wahrlich, das erste Haus, das für die Menschheit gegrün- det wurde, ist das zu Bakka (Das Tal von Mekka) – über- reich an Segen und zur Richtschnur für alle Völker.“ (3:97)


    Es wurde zu einer Zuflucht der Pilger und zu einem Heiligtum.

    ۔ؕانً مۡ َاوَ سانّ لِّلۃً َباثَ مت

    یۡ بَ ۡلاانَ لۡ عَ ج

    ذۡ اِ و


    „Und (gedenket der Zeit) da Wir das Haus zu einem Ver- sammlungsort für die Menschheit machten und zu einer Sicherheit.“ (2:126)


    Hadhrat AbrahamAS und Ismael errichteten die Grundlagen für das Haus und beteten:

    وَ ہِ لٰ لابِ مۡ هُ نۡ من

    مَ اٰ نمترٰ مَ ثّ لان

    مہٗ لَ ہۡ َاقۡ زُ راوَّ انً مِ اٰ ادلَ َباذہٰ لعَ جابّ

    رَ مُ ہٖ رٰ بۡ اِ لاقَ ذۡ اِ و

    ﴾۱۲۷﴿رُ ۡیصمَ ۡلاسئۡ بِ وَ ِؕرانّ لاباذع

    یٰلاِ هۤٗ رُّ طَ ضۡ َا مَّ ُثاًلیۡ لِ قَ ہٗ عُ تِّ مَ ُافَ رَ فَ کَ نموَ لاقَ ؕرِ خِ اٰ ۡلامِ ۡویَ ۡلا

    مُ یۡ لِ عَ ۡلاعیۡ مِ سّ لاتۡنَاک

    َّناِ ؕانَّ مل

    بَّ َقَتانَ َبّ رَ ؕلیۡ عِ مٰ سۡ اِ وَ تیۡ بَ ۡلانمدعاَوَقۡلا مُ ہٖ رٰ بۡ اِ عفَ رۡ َیذۡ اِ و

    انَ یۡ لَ عبُتوَ انَ کَ سانَ م

    اَنِرَاوَ ۪کَّل ۃً مَ لِ سمُ ۃً مَّ ُاۤانَ تِ َیّ ِرّ ذُ نموَ کَلنۡیمَ لِ سمانَ لۡ عَ جاوَ انَ َبّ ر﴾۱۲۸﴿

    مُ هُ مُ لِّ عَ ُیوَ کتِ یٰ اٰ مۡ هِ یۡ لَ عاۡولُ تۡ َیمۡ هُ نۡ مِ اًلۡوسُ رَ مۡ هِ یۡ ِفث

    عَ ۡباوَ انَ َبّ ر﴾۱۲۹﴿مُ یۡ حِ َرلاباَوّ تّ لات

    ۡنَاک

    َّناِ ۚ

    ﴾۱۳۰﴿مُ یۡ کِ حَ ۡلازُ ۡیزِ عَ ۡلات

    ۡنَاک

    َّناِ ؕمۡ هِ یۡ ِّکزَ ُیوَ ۃَ مَ کۡ حِ ۡلاوَ بتٰ کِ ۡلا


    „Und (denkt daran) als Abraham sprach: ‚Mein Herr, ma- che dies zu einer Stadt des Friedens und versorge mit Früch- ten die unter ihren Bewohnern, die an Allah und den Jüngsten Tag glauben‘, da sprach Er: ‚Und auch dem, der nicht glaubt, will ich einstweilen Wohltaten erweisen; dann will Ich ihn in die Pein des Feuers treiben, und das ist eine üble Bestimmung.‘ Und (gedenket der Zeit) da Abraham und Ismael die Grundmauern des Hauses errichteten (indem sie beteten):

    ‚Unser Herr, nimm dies an von uns; denn Du bist der Allhören- de, der Allwissende. Unser Herr, mache uns beide Dir ergeben


    und (mache) aus unserer Nachkommenschaft eine Schar, die Dir ergeben sei. Und weise uns unsere Wege der Verehrung, und kehre Dich gnädig zu uns; denn Du bist der oft gnädig Sich Wendende, der Barmherzige, unser Herr, erwecke unter ihnen einen Gesandten aus ihrer Mitte, der ihnen Deine Zeichen ver- kündige und sie das Buch und die Weisheit lehre und sie reinige; gewiss, Du bist der Allmächtige, der Allweise.‘“ (2:127-130)


    Hadhrat AbrahamAS wurde anbefohlen:


    ﴾۲۸﴿ق

    یۡ مِ ع

    جٍّ فَ لّ ِ ُكنمن

    ۡیتِ ۡاَیّ رٍ ماض

    لّ ِ ُكیلٰ ع

    وَّ اًلاج

    ِر ک

    ۡوُتۡاَی جِ ح

    ۡلابِ سانّ لایِفن

    ذِّ َاو

    „Und verkünde den Menschen die Pilgerfahrt: Sie werden zu dir kommen zu Fuß und auf jedem hageren Kamel, auf allen fernen Wegen.“ (22:28)


    Somit wurde die Pilgerfahrt, gegründet von Hadhrat Abraha- mAS, eine wohlbekannte religiöse Einrichtung. Im Verlauf der Zeit jedoch wurde das wahre Ziel verdunkelt. Die reine Ver- ehrung Gottes degenerierte in die Verehrung von Götzen. Zur Zeit des Heiligen Propheten Hadhrat MuhammadSAW waren es sogar 360 Götzenbilder, die im Inneren des Heiligen Hauses selbst aufbewahrt wurden. Das Heiligtum Kaʿba wurde von ih- nen gereinigt, als Mekka im Jahre 10 nach der Hidschra (630 n. Chr.) dem Propheten seine Tore öffnete. Seit dieser Zeit ist die Pilgerfahrt obligatorisch für jeden erwachsenen Muslim, des- sen Mittel ihm die Reise erlauben.

    ۔ؕاًلیۡ بِ س

    ہیۡ َلاِ عاطَ تَ سانِ مت

    یۡ بَ ۡلاجُ ح

    سانّ لایلَ ع

    ہِ لّٰ ِلو


    „Und Wallfahrt zu diesem Haus – wer nur immer einen Weg dahin finden kann – ist den Menschen eine Pflicht vor Allah.“ (3:98)


  19. Das Hauptziel der Pilgerfahrt: Liebe zu Gott und Hingabe an Ihn zu erwecken


    Die Hauptziele der Pilgerfahrt sind ähnlich wie jene der Gebete und des Fastens, nämlich das Gefallen Gottes und Seine Nähe durch Konzentration und Reflektion zu suchen. Die Pilgerfahrt ist eine höhere geistige Erfahrung, die sehr gefühlsbetont ist. Die Pilgerfahrt ist ganz und gar eine Handlung der Liebe. Dass er sein Haus, seine ihm Nahen und Lieben verlässt, um diese Reise zu unternehmen, bewegt das Herz des Pilgers. Wenn er seine Reise beginnt, sind Herz und Kopf von tiefen Gefühlen berührt. Mit großem Eifer und stark bewegt erwartet er den Augenblick, in dem er den Teil der Erde sieht, der seit Ur-Tagen menschlichen Gedenkens ein Ort der Manifestation göttlichen Wohlwollens und göttlicher Liebe für Seine rechtschaffenen Diener gewesen ist. Indem er den Ruf Gottes beantwortet, alle seine anderen Beschäftigungen beiseite legend, indem er allen Bequemlichkeiten entsagt, um zu jenem unfruchtbaren Tal zu reisen, wo unter göttlicher Anweisung Hadhrat AbrahamAS, der Prophet Gottes, seine Gattin und seinen Sohn verlassen hatte, so dass ein Zentrum für einen wahren Gottesdienst er- richtet würde, indem er, der Pilger, teilnimmt an dieser Vereh- rung, hofft er, dass er selbst mit jenem Geist beflügelt würde, mit dem einst Hadhrat AbrahamAS und Ismael und später der Heilige Prophet MuhammadSAW so gut wie zahlreiche andere rechtschaffene Diener Gottes ausgestattet worden waren.


  20. Die Pilgerfahrt fördert Einheit und vollkommene Brüderschaft unter den Muslimen


    Alle islamischen Gottesdienste sind so beschaffen, dass sie die Zusammenarbeit aller Teile der muslimischen Gemeinschaft verstärken, um das Wohlergehen der Menschen in allen Aspek- ten zu fördern. Die fünf täglichen Gebete verschaffen dem Men- schen Gelegenheit, einen Ort aufzusuchen, um Grüße auszu- tauschen und vor oder nach dem Gebet Fragen von allgemeiner Wichtigkeit zu diskutieren. Das Freitagsgebet ist eine wöchent- liche Versammlung der Einwohner einer Stadt, mit einer An- sprache des Imams über Fragen betreffend irgendeine Sphäre des Lebens. Gelegentlich der zwei jährlichen Feste kommen die Gläubigen einer ganzen Stadt und der benachbarten Gegend zusammen, um am Gottesdienst teilzunehmen. Auch zu diesen jährlichen Festen hält der Imam eine Ansprache. Die Pilgerfahrt nun führt Muslime aus allen Teilen der Erde in Mekka zusam- men. Diese Zusammenkunft der Muslime zu einer geistigen Ge- meinschaft ist eine einzigartige Erfahrung, indem Sie alle Un- terscheidung der Rasse, Farbe und Rang abschüttelt. Es ist eine praktische Lehre der Gleichheit und der wahren Brüderlichkeit. Während des Vollzugs der Pilgerfahrt wird jeder Pilger, sei er ein König oder ein Bauer, reich oder arm, die gleiche Kleidung tragen, die aus zwei weißen, nahtlosen Umhängen besteht. Die Szenerie der Versammlung ergibt eine wundervolle Manifesta- tion der Einheit, Brüderlichkeit und Gleichheit, wenn alle Pilger aus den verschiedensten Ländern, die die unterschiedlichsten Sprachen sprechen, ihren Herrn in der einen, arabischen Spra- che anrufen, indem sie oft wiederholen:

    اَلک

    لْ مُ ْلاوَ ک

    َلۃَ مَ عْ نّ لاوَ د

    مْ ح

    ْلانَ ِإ،کیْ بَّ َلکَلک

    ْیرش

    اَلک

    یْ بَّ َل،ک

    یْ بَّ َلمَّ هُ لّ لَاک

    یْ بَّ َل

    )ہجامنباننس( ک

    َلک

    ْیرش


    „Hier bin ich, o Allah, hier bin ich, hier bin ich, es gibt kei- nen Partner zu Dir; aller Preis gebührt Dir und alle Wohl- tat; es gibt keinen, der Dir gleich wäre.“


  21. Die Vollziehung der Pilgerfahrt


    Die Zeit zur Vollziehung der Pilgerfahrt ist genau wie das Fas- ten nach dem Mondkalender festgelegt und bewegt sich somit im Laufe der Jahre durch alle Jahreszeiten. Die Pilgerfahrt kann nur an bestimmten Tagen, die für diesen Zweck vorgesehen sind, vollzogen werden. Die Andachtsübungen der Pilgerfahrt sind begrenzt auf den achten bis dreizehnten Tag des Ḏū l-Ḥiǧǧa.

    ʿumra“, auch die kleine Pilgerfahrt genannt, kann zu jeder Zeit des Jahres vollzogen werden. In den äußerlichen Handlungen sind Pilgerfahrt (Hadsch) und ʿumra nahezu die gleichen. Ob- gleich die Handlungen aus physischen Bewegungen bestehen, sind doch die physischen Aspekte nicht Selbstzweck. Sie tra- gen eine höhere geistige Zielsetzung in sich. Die Pilger sind, während sie die verschiedenen Handlungen ausüben, damit beschäftigt, Gott zu glorifizieren, Seine Lobpreisung zu bekräf- tigen und durch die verschiedensten Gebete Gott anzuflehen. Die Pilgerfahrt besteht aus folgenden Handlungen:


    Iḥrāmist ein Zustand, in den sich der Pilger selbst begeben sollte. Äußerlich bedeutet es, eine Kleidung anzulegen, die aus zwei nahtlosen weißen Laken besteht, eins für den oberen und eins für den unteren Teil des Körpers. Frauen können ihre ge-


    wöhnliche Kleidung anbehalten. Während des Zustandes Iḥrām sollten Liebschaften und sexuelle Beziehungen unterbleiben. Man ignoriert auch die Sorgfalt, die dem Körper zusteht, wie Haare schneiden, Fingernägel schneiden, Benutzung von Par- füm etc., so wie sich ein wahnsinniger Liebhaber auf die Suche nach seiner Geliebten begibt.


  22. Umlauf der Kaʿba (ṭawāf)


    Der Umlauf der Kaʿba ist eine der Haupthandlungen der Pil- gerfahrt. Indem er den Befehl hierzu erteilt, deutet der Qurʾan darauf hin, dass das, was von Allah für heilig erklärt wurde, Rechtschaffenheit in den Herzen erweckt.

    ۔ؕہٖ بِّ رَ دنۡ عہٗ َّلرٌ ۡیخَوهُ فَ ہِ لٰ لاتمٰ رُ حمۡ ظِ ّ عَ ُیّ نمو


    „Das (ist so). Und wer die heiligen Dinge Allahs ehrt, es wird gut für ihn sein vor seinem Herrn.“ (22:31)


    Ṭawāf(der Umlauf) der Kaʿba bedeutet, sie siebenmal zu um- kreisen. Die ersten drei Runden sollen mit großer Geschwindig- keit begangen werden, die restlichen vier in normalem Schritt. In jeder Runde bleibt die Kaʿba auf der rechten Seite. Im Verlauf der ṭawāf mögen Gebete und flehende Bitten an Gott gerichtet werden. Der Heilige ProphetSAW hat folgendes Gebet gespro-

    chen:

    ۔ِرانّ لاباذع

    انَ ِقوَ

    ۃً نَ سح

    ةِ رَ خِ اٰ ۡلایِفوَ

    ۃً نَ سح

    ایَ ۡند

    لایِفانَ تِ اٰ ۤانَ َبّ ر


    „Unser Herr, gewähre uns Gutes in diesem Leben und Gutes im Leben nach dem Tode und bewahre uns vor der Pein des Feuers.“ (2:201)


    Ṭawāf beginnt von der südlichen Seite der Kaʿba, in der der Schwarze Stein platziert ist.


  23. Der Schwarze Stein


    Während des Vollzugs der Umwandlung (»ṭawāf«), am Ende je- der Runde, mag der Pilger, wenn er nahe genug ist, den Schwar- zen Stein küssen, aber auch die Andeutung dazu genügt. Das Ereignis des Küssens des Schwarzen Steines ist für den Pilger eine sehr gefühlsbetonte Handlung. Sein Geist und seine Seele stehen fasziniert unter dem Schwall der Empfindungen, wenn er es sich ins Gedächtnis ruft, dass seine Lippen gerade die Stelle berührt haben, die einst von den gesegneten Lippen des Größten der Propheten berührt worden waren. Der Heilige Pro- phetSAW küsste ihn, nicht, weil er dem Stein irgendwelche heili- ge Funktion zuschrieb, sondern nur als einen Ausdruck seiner Gefühle, dass die Kaʿba, ursprünglich von Hadhrat AbrahamAS und Hadhrat IsmaelAS gegründet, nunmehr endgültig zur Ver- ehrung des Einen, wahren Gottes errichtet worden war. Weil er fürchtete, dass das Küssen des Schwarzen Steines dahingehend interpretiert werden könnte, dass der Stein selbst besondere Ei- genschaften und Kräfte habe, hat Hadhrat UmarRA, der Zweite Kalif, als er die Umwandlung vollzog, gesagt:


    „Ich weiß, dass dies nur ein Stück Stein ist, der sich nicht von anderen unterscheidet; und wäre es nicht um des Ge- denkens willen, dass der Heilige ProphetSAW seine Dank- barkeit gegen Gott dadurch gezeigt hat, dass er den Stein küsste, würde ich dem Stein keine Aufmerksamkeit zol- len.“


  24. Saʿī: das Rennen zwischen ṣafā und marwa


    Dies ist eine andere wichtige Handlung der Pilgerfahrt, wäh- rend der der Pilger daran erinnert wird, dass es die Not einer Mutter war, die, durch den bitteren Durst ihres Sohnes geängs- tigt, zwischen diesen beiden kleinen Hügeln, ṣafā und marwa, nahe bei Mekka, hin und her rannte, um Wasser zu suchen. Hadhrat HagarRA, die Gattin von Hadhrat AbrahamAS, war es, die Hilfe für den Durst ihres Sohnes suchte, vielleicht eine vor- beifahrende Karawane, die ihr etwas Wasser hätte geben kön- nen.


  25. Zamzam


    Zamzam ist die Quelle, die von Hadhrat HagarRA entdeckt wur- de, als sie in solcher Besorgnis über Hadhrat IsmaelAS war. Ob- wohl es nicht ein Bestandteil der Pilgerfahrt ist, trinken den- noch alle Pilger begierig von derselben Quelle, die Gott einer geängstigten Mutter zeigte.


  26. Minā, muzdalifa und die Ebene von ʿarafāt


    Dies sind Plätze, einige Kilometer außerhalb von Mekka, wo die Gebetsgottesdienste im Zusammenhang mit der Pilgerfahrt ab- gehalten werden. Am betreffenden Tag der Pilgerfahrt versam- meln sich die Pilger auf der Ebene von ʿarafāt, wo der Prophet Gottes Hadhrat MuhammadSAW seine Abschiedsrede gehalten hatte. In dieser riesigen und einzigartigen Versammlung von Menschen aus allen Enden der Welt werden die Pilger wiede- rum von dem Bewusstsein bewegt, sich auf einem Platz zu be- finden, der Zeugenschaft leistet für die Tatsache, dass hier einst


    der Heilige ProphetSAW zu jenen gesprochen hatte, die als erste dem Rufe Allahs gefolgt waren. An dieser Stelle möchte ich die Eindrücke, die mein geliebter Bruder im Islam, Dr. Muhammad

    A. H. Chiussi hatte, zitieren, die seinen Geist bewegten, als er durch die Gnade Allahs 1971 auf der Ebene von ʿarafāt wäh- rend der Pilgerfahrt anwesend war. Dr. Chiussi schrieb:


    „Eine Million Menschen aller Rassen und Hautfarben, die ihren Blick nach dem Dschabal-er-Rahmat richteten, nach dem Hügel, auf dem vor 14 Jahrhunderten der Ge- sandte Gottes Muhammad eine ‚Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten‘ verkündet hatte. Und ich fühlte, dass diese heiligen Pflichten, die uns der Heilige Prophet Gottes gelehrt hatte, in mir echte brüderliche Liebe zu al- len Menschen, den Anwesenden und den Fernen, zu allen Muslimen der Welt, erzeugt hatte. Das Band dieser brü- derlichen Liebe zu allen Mitmenschen, die der Islam lehrt, fühlte ich in jenem Augenblick stärker, als das zu meinen eigenen leiblichen Brüdern und Blutsverwandten. Und ich konnte aus den Augen meiner Gefährten ablesen, dass ich für sie kein fremder ‚weißer Mann‘, sondern ein echter Bruder war.

    Keiner von uns forderte Achtung seiner Rechte, sondern

    dachte als erstes daran, dass Muhammad, unser Prophet, uns auf Geheiß Gottes diese Haltung auferlegt hatte. Als natürliche Folge ergab sich aber, dass jeder von uns die Wärme der Liebe seiner Mitmenschen verspürte. Das ist die ‚Eskalation der Liebe‘, die die Menschheit braucht, anstelle derjenigen des Hasses, die das ständige Betonen der Forderungen und der Rechte in unserer modernen westlichen Gesellschaft zu Tage gefördert hat. Das Wort Muhammads am Arafat-Tag seiner ‚Pilgerfahrt des Ab- schieds‘ war:


    ‚Eure Habe, eure Ehre und euer Leben sind geheiligt und ge- schützt durch die Heiligkeit dieses Tages, dieses Monats und dieser Stadt, Mekka, und ihr Tal. Ihr werdet bald vor eurem Herrn erscheinen und Er wird euch für alle eure Taten zur Rechenschaft ziehen. Seid darauf bedacht, nachdem ich gegan- gen sein werde, dass ihr nicht in die Irre geht ... Erinnert euch immer eurer Pflichten gegenüber Allah im Hinblick auf eure Ehegattinnen. Ihr habt sie unter dem Schutz Allahs Namen ge- heiratet und sie sind eure gesetzlichen Frauen im Einklang mit Allahs Wort geworden.

    Erinnert euch deshalb gut eurer Verpflichtungen ... O Men- schen, euer Gott ist einer und eure Abstammung ist eine, ihr seid alle Brüder und alle gleich: ein Araber hat keinen Vorrang vor einem Nichtaraber und auch ein Nichtaraber kann keinen Vorrang vor einem Araber haben; ein weißer Mann hat keinen Vorrang gegenüber einem Farbigen und ein Farbiger soll kein Privileg gegenüber einem weißen Mann haben. Ich hinterlas- se euch etwas, das euch gegen jeden Irrtum und jeden Fehler schützen wird, wenn ihr euch danach richtet. Das ist Allahs Buch ... Betet euren Herrn an, verrichtet das Gebet, haltet das Fasten während des Monats Ramadan ein, zahlt mit Freude die Armensteuer, vollzieht die Pilgerfahrt zum Haus Allahs und gehorcht denen, die unter euch die Befehlsgewalt besitzen. Al- lah wird euch in Sein Paradies eintreten lassen ...‘“ (Der Islam, 5/72, Seiten 5, 6)


  27. Das Opfer


    Am Ende der Pilgerfahrt sollte jeder Pilger, wenn er es aufbrin- gen kann, ein Tier opfern. Symbolisch erklärt der Pilger hier- mit, dass er gleich dem Tier, das als ein niederes Wesen für ihn geopfert wurde, wenn es notwendig ist, freudig sein eigenes Leben für das aufgeben würde, was kostbarer ist als seine eige-


    ne Existenz. Der Qurʾan weist auf die Bedeutsamkeit des Opfers hin, wenn er sagt:

    ؕمۡ کُ نۡ م

    یوٰ قۡ تّ لاہُ ُلانَ َیّ ن

    کِ ٰلوَ اہَ ؤآم

    دِ اَلوَ اهَ مُ ۡوح

    ُل ہَ لٰ لالانَ َیّ نَل


    „Ihr Fleisch erreicht Allah nicht, noch tut es ihr Blut, son- dern eure Ehrfurcht ist es, die Ihn erreicht.“ (22:38)


  28. Der wahre Sinn der Pilgerfahrt


    Der wahre Sinn hinter den verschiedenen Handlungen der Pil- gerfahrt wird von einem großen Gelehrten des Islams, Junaid Bagdadi, so beschrieben:


    „Junaid erkundigte sich bei einem Muslim: ‚Wo bist du gewesen?‘ – ‚Ich war in Mekka, um die Pilgerfahrt zu vollziehen.‘ – ‚Nun, hast du sie vollzogen?‘ - ‚Ja, mit Al- lahs Gnade habe ich sie vollzogen.‘ ‚Nun erzähl mir doch, hast du auch, als du von zu Hause aufgebrochen bist und deine Reise angetreten hast, alle Fehler, Aufsässigkeiten und Ungehorsam zurückgelassen?‘ - ‚Nein, daran habe ich nicht gedacht.‘ ‚Dann bist du in Wahrheit niemals von zu Hause abgereist. Während du nun jede Stufe der Reise durchwandert hast, bist du dir da jeweils, wenn du zur Nacht Halt gemacht hast, auch bewusst gewesen, glei- chermaßen auch eine Stufe auf dem Pfad der Rechtschaf- fenheit durchwandert zu haben?‘ – ‚Nein, so etwas ist mir nicht zugestoßen.‘ – ‚Dann bist du in Wirklichkeit auf dei- ner Reise auch nicht vorwärtsgekommen. Als du nun an dem Platz angelangt warst, wo die Pilgergewänder ange- legt werden und du also die iḥrām angezogen hast, hast du da auch zusammen mit deinem Anzug deine menschli- chen Schwächen und Neigungen abgelegt?‘ – „Nein, diese


    Erfahrung habe ich nicht gemacht.‘ – ‚Dann hast du auch niemals die iḥrām angezogen. Als du nun die Umkreisun- gen um das Haus Allahs vollzogen hast, hat da dein geis- tiger Blick auch den Glanz göttlicher Schönheit geschaut?‘ – ‚Nein, ich war nicht so glücklich.‘ – ‚Dann hast du auch die Umkreisungen nicht vollzogen. Als du schnell zwi- schen ṣafā und marwa hin und her gelaufen bist, bist du dir da auch dessen symbolischer Bedeutung bewusst gewe- sen?‘ – ‚Nein, ich habe mich nicht daran erinnert.‘ – ‚Dann hast du diesen Lauf auch nicht gemacht. Als du in minā ankamst, warst du da frei von aller Begierde?‘ – ‚Nein, dieses Gefühl hatte ich nicht.‘ – ‚Dann hast du dich auch nicht nach minā begeben. Schließlich, als du dich selbst in der Ebene von ʿarafāt befandest, hast du da gefühlt, dass ein Schleier von deinem geistigen Auge fortgenommen worden war und das du der letzten Wirklichkeit in vol- ler Eindeutigkeit gegenüberstandest?‘ – ‚Nein, ein solches Gefühl hatte ich nicht.‘ – ‚Dann hast du auch nicht auf der Ebene von ʿarafāt gestanden. Als du nun in muzdalifa an- gekommen warst, nachdem sich also deine Sehnsucht, die Pilgerfahrt zu vollziehen, erfüllt hatte, warst du da so von Zuversicht erfüllt, dass du frei von aller weiteren Sehn- sucht warst?‘ – ‚Nein, ich habe nicht wahrgenommen, auf einer solchen Stufe angelangt gewesen zu sein.‘ – ‚Dann warst du auch nicht in muzdalifa. Nachdem du nun nach minā zurückgekehrt warst, als du das Opfer darbrachtest, hast du da auch alle deine Leidenschaften und Begierden geschlachtet‘?‘ – ‚Nein, dieses Ziel erreichte ich nicht.‘ –

    ‚Dann hast du auch nicht geopfert. Als du Steine in minā

    warfst, hast du da gleichzeitig allen Ehrgeiz und alle Wün- sche, die dich in die Irre führen könnten verjagt?‘ – ‚Nein, ich dachte nicht daran.‘ – ‚Dann hast du auch das Werfen nicht ausgeführt. Tatsächlich hast du keinen einzigen Teil der Pilgerfahrt vollzogen. So gehe das nächste Mal nach Mekka zurück und vollziehe die Pilgerfahrt im Geiste


    Hadhrat AbrahamsAS, so dass du den Rang Hadhrat Abra- hamsAS erreichen mögest.‘“


  29. Das Fasten


    Eine andere Form des Gottesdienstes, die der Islam vorschreibt, ist das Fasten. Die Einrichtung des Fastens hat es mehr oder weniger unter allen Völkern gegeben; heute jedoch hat sie in einigen von ihnen nur noch eine symbolische Bedeutung. Ohne Zweifel, man unterzieht sich beim Fasten der Pein des Durs- tes und Hungers, trotzdem ist Fasten keine Buße. Es ist eine körperliche, geistige und moralische Übung. Das Hauptziel des Fastens ist die Erlangung von Rechtschaffenheit. Durch die Er- fahrung des Fastens soll der Gläubige dahin geführt werden, Gott hochzuschätzen dafür, dass Er Vorsorge zu seiner Füh- rung getroffen und den wohltätigen Gebrauch Seiner Segnun- gen und Gaben gelehrt hat. Der Qurʾan sagt hierzu:

    ﴾۱۸۴﴿نۡوَ ُقتَّ َتمۡ کُ لَّ عَ َلمۡ کُ لِ بۡ قَ نمن

    ۡیذِ َّلایلَ عب

    تِ کُ امَ کَ مایَ صّ لامُ کُ یۡ لَ عب

    تِ کُ اۡونُ مَ اٰ ن

    ۡیذِ َّلااهَ ُیّ َای

    نۡیُذِ ّلایلَ ُ عََ وَ ؕرَ خَ ُاماَیّ َانمِ ةٌ دَّ عَِ فَ رٍ فَ سیلٰ ع

    وۡ َااضً ۡیِرمَ مۡ کُ نۡ مناَكن

    مَ فَ ؕتدٰ وۡ د

    ٌ

    عۡ مَ اماَیّ َا

    مۡ تُ نۡ کناِ مۡ کّلرٌ ۡیخاوۡ مُ ۡوصُ َتنۡ َاوَ ؕہٗ ّلرٌ ۡیخ

    َوهُ فَ ارً ۡیخعَ َوّ طَ َتنمَ فَ ؕنٍ ۡیکِ سم

    َ َ

    ماعَ طَ ۃَید

    ِفہٗ َنۡوُقیۡ طِ ُی

    ﴾۱۸۵﴿نۡومُ لعۡ ت


    „O die ihr glaubt! Fasten ist euch vorgeschrieben, wie es denen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr euch schützt – eine bestimmte Anzahl von Tagen. Wer von euch aber krank oder auf Reisen ist, (der faste) an eben so vielen anderen Tagen; und für jene, die es schwerlich bestehen würden, ist eine Ablösung: Speisung eines Ar- men. Und wer mit freiwilligem Gehorsam ein gutes Werk


    vollbringt, das ist noch besser für ihn. Und Fasten ist gut für euch, wenn ihr es begreift.“ (2:184, 185)

    نمَ فَ ۚناقَ رۡ فُ ۡلاوَ یدٰ هُ ۡلان

    مِ ت

    نٰ یِّ َبوَ سانّ لِّلیدہناٰرۡ قُ ۡلاہ

    یۡ ِفل

    زِ ۡنُایۤ ذِ َّلاناضَ مرَ ُرهۡ ش

    دۡیِرُیؕرَ خَ ُاماَیّ َانمِ ةٌ دَ عِ فَ رٍ فَ سیلٰ عوۡ َااضً ۡیِرمناَكنم

    وَ ؕہمۡ ص

    یَ لۡ فَ َرهۡ شّ لامُ کُ نۡ مدهِ ش

    وَ مۡ کىدٰ ہامیلٰ عہَ لٰ لااورُ ِّبکَ تُ ِلوَ ةَ دَ عِ ۡلااولُ مِ کۡ تُ ِلوَ ۫رَ سۡ عُ ۡلامُ کُ بِ د

    ۡیِرُیاَلوَ رَ سۡ یُ ۡلامُ کُ بِ ہُ لٰ لا

    ﴾۱۸۶﴿ن

    وۡ رُ کُ شۡ َتمۡ کُ لَّ عَ َل


    „Der Monat Ramadan ist der, in welchem der Qurʾan herabgesandt ward: eine Weisung für die Menschheit, deutliche Beweise der Führung und (göttliche) Zeichen. Wer also da ist von euch in diesem Monat, der möge ihn durchfasten; eben so viele andere Tage aber, wer krank oder auf Reisen ist. Allah wünscht euch erleichtert und wünscht euch nicht beschwert, und dass ihr die Zahl (der Tage) erfüllen und Allah preisen möchtet dafür, dass Er euch richtig geführt hat, und dass ihr dankbar sein möch- tet.“ (2:186)

    ہُ لٰ لامَ لِ عؕنَ هُ َّلسابَ ِلمۡ تُ ۡنَاوَ مۡ کُ َّلسابَ ِلنَ ہ

    ؕمۡ کُ ِئآس

    ِنیٰلاِ ثفَ َرلامایَ صّ لاۃَ لَ یۡ َلمۡ کُ َللَ

    حِ ُا

    اماۡوغُ تَ باوَ نَ ہُ وۡ رُ شاَبن

    ٔـٰ ۡلافَ ۚمۡ کُ نۡ عافَ عوَ مۡ کُ یۡ لَ ع

    باتَ فَ مۡ کُ سفُ ۡنَانۡوُناتَ خَتمۡ تُ نۡ کُ مۡ کُ َّنَا

    نم دِ َوسۡ َاۡلاطِ یۡ خَ ۡلانمضیَ بۡ َاۡلاطُ یۡ خَ ۡلامُ کُ َلن

    َّیبَ تَ َییتّٰ حاوُۡ برَ شاوَ اوۡ لُ ُكوَ ۪ مۡ کُ َل ہُ لٰ لاب

    تَ ک

    کلۡ تِ ؕدجسٰ مَ ۡلایِفۙ نۡوفُ کِ عٰ مۡ تُ ۡنَاوَ نَ ہُ وۡ رُ شابَ ُتاَلوَ ۚلیۡ َّلایَلاِ مایَ صّ لااومُّ تِ َا مَّ ُثِ۪رج

    فَ ۡلا

    ﴾۱۸۸﴿نۡوُقتَّ َی مۡ هُ لَّ عَ َلسانّ لِلہٖ تِ یٰ اٰ ہُ لٰ لان

    ّیِ بَ ُیک

    ِلذٰ کَ ؕاہَ ۡوُبرَ قۡ َتاَلفَ ہِ لٰ لا دُ وۡ دح


    „Erlaubt ist euch, in der Nacht des Fastens zu euren Frau- en einzugehen. Sie sind euch ein Gewand, und ihr seid


    ihnen ein Gewand. Allah weiß, dass ihr gegen euch selbst unrecht gehandelt habt, darum hat Er Sich gnädig zu euch gekehrt und euch Erleichterung vergönnt. So möget ihr nunmehr zu ihnen eingehen und trachten nach dem, was Allah euch bestimmte; und esset und trinket, bis der wei- ße Faden von dem schwarzen Faden der Morgenröte zu unterscheiden ist. Dann vollendet das Fasten bis zum Ein- bruch der Nacht; und gehet nicht zu ihnen ein, solange ihr in den Moscheen zur Andacht verweilt (während der letz- ten 10 Tage des Fastenmonats). Das sind die Schranken Allahs, so nähert euch ihnen nicht. Also macht Allah Seine Gebote den Menschen deutlich, auf dass sie sicher werden gegen das Böse.“ (2:188)


    Die Fastenzeit erstreckt sich jeden Tag vom ersten Aufkom- men der Morgendämmerung (ca. 1¼) Stunde vor dem Son- nenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Der Fastende enthält sich während dieser Zeitspanne des Essens und Trinkens so- wie sexueller Beziehungen. Auch dürfen keine Medikamente eingenommen werden noch andere Mittel, die in den Körper eingespritzt werden. Das Fasten kann jedoch bei gewissen Si- tuationen unterbrochen oder eingeschränkt werden, z.B. bei Er- krankung des Fastenden.

    Die Morgenmahlzeit ist so spät wie möglich einzunehmen und das Fasten brechen soll so früh wie möglich geschehen. Diese beiden Mahlzeiten sollten jedoch nicht zum übermäßigen Ge- nuss von Speisen und Getränken benutzt werden. Das wäre gegen den Geist des Fastens und darüber hinaus eine Missach- tung des Vorbildes, dass uns der Heilige ProphetSAW gegeben hat.

    Fasten ist obligatorisch für jeden Erwachsenen, mit gewissen Ausnahmen. Kranke, Reisende, Frauen, die stillen, sehr alte


    und gebrechliche Leute, die das Fasten als überaus schwierig empfinden, sind vom Fasten ausgenommen. Wenn die Ursache für die Befreiung vom Fasten nur zeitlich beschränkt ist, wie es z.B. bei einer Krankheit der Fall ist, dann muss die Zahl der Fastentage, die versäumt wurden, in den dem Ramadan folgen- den 11 Monaten nachgeholt werden. Ist es so, dass die Ursache für die Befreiung vom Fasten über eine längere Periode anhält und zu einer Dauererscheinung wird, zum Beispiel bei hohem Alter oder einer chronischen Erkrankung, dann gilt die Befrei- ung vom Fasten für immer. Ein Gläubiger, dem dies widerfährt, sollte jedoch, wenn seine Verhältnisse es erlauben, einer armen Person eine Mahlzeit spenden. Außerhalb des Ramadans kann man zu jeder Zeit fasten, ausgenommen die beiden Festtage, ʿīdu l-fiṭr und ʿīdu l-ʾadḥiya. Der Heilige ProphetSAW hat oft am Montag und am Donnerstag gefastet; er hat es aber nicht gern gesehen, wenn jemand am Freitag freiwillig fastet. Fasten kann vorgeschrieben werden als Sühne oder als alternative Strafe hinsichtlich gewisser Vergehen, Verfehlungen und Versäum- nisse, aber auch in solchen Fällen ist das Ziel die Förderung körperlicher, geistiger und moralischer Werte.


  30. Fasten im Mondmonat Ramadan


    Fasten ist vorgeschrieben während des Mondmonats Ramadan, dem Monat, der die größte geistige Erfahrung des Heiligen Pro- pheten Hadhrat MuhammadSAW bezeugt, weil die Offenbarung des Heiligen Qurʾans in diesem Monat begann. Der Fastenmo- nat ist ein Mondmonat und kommt demzufolge jedes Jahr im Vergleich zum Sonnenjahr 10-11 Tage früher; somit bewegt er sich durch das ganze Jahr, so dass er wechselweise in jedem


    Teil der Welt auf die verschiedenen Jahreszeiten fällt. Ein Son- nenmonat hätte den Vorzug des kühlen Wetters und der kür- zeren Tage einem Teil der Welt gegeben und dem anderen die Schwierigkeiten und Nachteile längerer und heißer Tage aufge- bürdet. Der Mondmonat ist in größerer Übereinstimmung mit der universellen Natur der Lehren des Islams. Alle Feste des Is- lams sind nach dem Mondkalender festgesetzt worden, so dass alle Menschen auf der Erde Vor- und Nachteile gleichermaßen empfinden können.

    Das eigentliche Ziel des Fastens ist, die Menschen näher zu ih- rem Schöpfer zu bringen. Wenngleich die gewohnte Tätigkeit, der Beruf und die Arbeit weitergehen wie sonst auch, so wird doch der Nachdruck auf moralische und geistige Werte gelegt und die Konzentration auf sie intensiviert. Erleichtert von der Notwendigkeit, Nahrung zuzubereiten und zu essen, und da- durch mit mehr freier Zeit ausgestattet, wird größere Aufmerk- samkeit auf geistige Angelegenheiten gelegt, und das Geden- ken Gottes nimmt einen bevorzugten Rang ein. Der Mensch unterwirft sich selbst mit all seinen Fähigkeiten und all seinen Handlungen diesem Hauptzweck. Das Hören, das Sehen, die Zunge, der Geist – sie alle sind unter verstärkter Kontrolle. Um ein Beispiel zu geben: Nicht nur leeres Gerede sondern auch viel Reden sollte vermieden werden. Der Heilige ProphetSAW

    sagte:

    ہُ بارَ شَ وَ ہ

    ماعَ طَ عَ د

    َیّ ن

    َأيِ فۃٌ جاح

    ہِ َلّ ِلس

    یْ لَ فَ ہ

    بِ ل

    مَ عَ ْلاوَ ِروزّ لال

    ْوقَ عْ د

    َیمْ َّلنم .


    „Wer sich während der Fastenzeit des Essens und Trin- kens enthält, sich selbst aber nicht zurückhält vom Äu- ßern von Falschheiten, hungert ohne Zweck.“ (Buḫārī)


    Während des Fastenmonats wird auch das Studium des Qurʾans intensiviert. Gelehrte halten Vorträge über den Qurʾan. Ein frei- williges Gebet während des späteren Teils der Nacht wird wäh- rend des Ramadans für einen besonders verdienstvollen Got- tesdienst gehalten. Es kann in Gemeinschaft oder individuell dargeboten werden. Zur Erleichterung derer, für die es schwie- rig ist, zu einer solchen Nachtzeit zur Moschee zu kommen, wird nach dem Nachtgebet ʿišāʾ ein Gemeinschaftsgebet ver- richtet, das tarāwīḥgenannt wird. Dieser Gottesdienst wird meistens von einem Imam geleitet, der ein Hafis ist, d.h. der den gesamten Qurʾan auswendig kann. Während dieser Gottes- dienste wird die Rezitation des ganzen Qurʾans im Monat Ra- madan vollendet. Die meisten Muslime lesen den Qurʾan min- destens einmal in diesem Monat durch.

    Während der letzten 10 Tage des Ramadans ziehen sich viele Gläubige in die Moschee zurück und widmen ihre gesamte Zeit den obligatorischen und freiwilligen Gottesdiensten, dem Stu- dium des Qurʾans und dem Gedenken Allahs. Dieser Zeitraum vollkommener Hingabe in Verehrung Gottes, zur Übung reiner geistiger Werte, wird iʿtikāfgenannt und ist der Höhepunkt körperlicher und moralischer geistiger Hingabe; mehr wäre eine Art Mönchstum oder asketischer Lebenswandel, was vom

    Islam abgelehnt wird:

    انَ لۡ عَ جوَ ۬ۙلیۡ جِ ۡنِاۡلاہنٰ یۡ َتاٰ و مَ َیرۡ منِ بایسیۡ عِ ِبانَ یۡ فَّ قَ وَ انَ لِ سُ ُربِ مۡ ہِ ِراَثاٰ یلٰۤ عانَ یۡ فَّ قَ مَّ ُث

    اَّلاِ مۡ هِ یۡ لَ عاهَ نٰ بۡ تَ کَ اماہَ ۡوعُ دتَ باۨۃَ یَّ ِنابَ ہۡ رَ وَ ؕۃً مَ حۡ رَ وَ ۃً فَ ۡار هُ ۡوعُ بَ َتانۡیذِ َّلابۡولُ ق یِف

    رٌ ۡیثِ کَ وَ ۚمۡ ہُ َرجۡ َامۡ هُ نۡ ماۡونُ ماٰ نۡیذِ َّلاانَ یۡ َتاٰ فَ ۚاهَ تِ َیاعَ ِرقَّ حاہَ ۡوعَ رَ امَ ف ہِ لٰ لاناَوضۡ ِرءآغَ تِ با

    ﴾۲۸﴿نۡوُقسفٰ مۡ هُ نۡ مِ


    „Dann ließen wir unsere Gesandten ihren Spuren folgen; und Wir ließen Jesus, den Sohn der Maria, (ihnen) folgen, und Wir gaben ihm das Evangelium. Und in die Herzen derer, die ihm folgten, legten Wir Güte und Barmherzig- keit. Das Mönchstum jedoch, das sie sich erfanden – das schrieben Wir ihnen nicht vor – um das Trachten nach Al- lahs Wohlgefallen; doch sie befolgten es nicht auf richtige Art. Dennoch gaben Wir denen unter ihnen, die gläubig waren, ihren Lohn, aber viele unter ihnen waren ruchlos.“ (57:28)


    Es wird auch überliefert, dass der Heilige Prophet Muhammad- SAW gesagt hat: „Es gibt kein Mönchstum im Islam.“ (ibn Aṯīr). Die geistige Belohnung des Fastens ist in der Tat hoch. Der Heilige ProphetSAW hat gesagt:


    „Es gibt entsprechende geistige Belohnungen für jede Gottesverehrung und alle rechtschaffenen Handlungen; die höchste Belohnung für eine Person, die das Fasten einhält, allein um das Gefallen Allahs zu finden, ist Allah

    Selbst.“ (Buḫārī)


  31. Moralische, soziale und physische Werte des Fasten- den


    Neben seiner geistigen Bedeutung ist der Fastenmonat Rama- dan eine Periode intensiver Übung in wohltätigen Werten.


    Moralische Werte: Das sich enthalten von Essen und Trinken und geschlechtlichen Beziehungen für eine gewisse Zahl von Stunden jeden Tag während eines Monats ist eine wertvolle Übung in Ausdauer und Standfestigkeit.

    Soziale Werte: Fasten bringt dem wohlhabenden Teil der Ge-


    sellschaft den Schmerz von Hunger und Durst nahe. Das Be- wusstsein, dass eine breite Schicht ihrer Mitbürger möglicher- weise die meiste Zeit über hungrig ist, wird geschärft und es besteht somit größere Bereitschaft, mit ihnen die Gnaden und Gaben Gottes zu teilen, die Er in Seiner Güte ihnen gewährt hat. Physische Werte: Das Fasten während eines festgesetzten Zeit- abschnitts ist solch eine Diät, die in vollkommener Überein- stimmung mit modernen Diätvorschriften steht, und somit für das körperliche Wohlergehen der Menschen von Nutzen ist.


  32. Die Vorschriften über das Essen und Trinken


    Der Qurʾan hat der Menschheit wohltuende Vorschriften für ein bewusstes und unter Selbstkontrolle stehendes Leben erlassen. Da die Nahrung eine bedeutende Rolle in der Gestaltung des menschlichen Charakters spielt, sind entsprechende Vorschrif- ten gegeben.

    Zur Frage des Essens erklärt der Islam einiges Essen als ḥalāl,

    d.h. vom Gesetz erlaubt, und anderes als ḥarām, d.h. verboten. Was das gesetzliche und erlaubte Essen und Trinken anbelangt, hat der Islam eine Voraussetzung hinzugefügt, und zwar soll die ḥalāl-Nahrung bekömmlich und angenehm sein.

    وٌّ دع

    مۡ کُ َلہٗ َّناِ ؕنِ طٰ یۡ شّ لات

    وٰ طُ خ

    اۡوعُ بِ تَّ َتاَلوَّ ۫ۖابً یِّ طَ اًللٰ حض

    رۡ َاۡلایِفامَّ م

    اۡولُ ُكسانّ لااهَ ُیّ َای

    ﴾۱۶۹﴿نۡیبِ مُ


    „O ihr Menschen, esset von dem, was erlaubt (und) gut auf der Erde ist; und folget nicht den Fußstapfen Satans; wahrlich, er ist euch ein offenkundiger Feind.“ (2:169)


    Somit werden manchmal sogar gesetzlich erlaubte Dinge ver- mieden. Zum Beispiel mag manchmal ein Nahrungsmittel ge- sund und heilsam für einen Erwachsenen sein, nicht aber für ein Kind oder einen Kranken. Der Islam geht dann noch einen Schritt weiter in dieser Richtung und sagt, dass sogar das, was erlaubt, rein und gesund ist, nur maßvoll und bescheiden ge- nossen werden darf.

    بُ ح

    ُی اَلہٗ َّناِ ۚاۡوفُ ر

    سۡ ُت اَلوَ اۡوُبرَ شاوَ اۡولُ ُكوَ

    دجسملّ ِ ُكد

    نۡ ع

    مۡ کُ تَ نَ ۡیِزاوۡ ذخ

    مَ دَ اٰ یۤ

    نِ بَ ی

    ﴾۳۲﴿ن

    ۡیِفرسۡ مُ ۡلا


    „O Kinder Adams, leget euren Schmuck an (zu jeder Zeit und) an jeder Stätte der Andacht, und esset und trinket, doch überschreitet das Maß nicht; wahrlich, Er liebt nicht die Unmäßigen.“ (7:32)


    Innerhalb dieser Begrenzungen liegt im Essen und Trinken von guten Dingen weder Sünde noch Schaden, solange es das Ziel des Genießers bleibt, sein Leben hierdurch zu verlängern, die Gesundheit zu erhalten und den Willen Gottes zu befolgen. An Nahrungsmitteln sind verboten:


    1. Blut;

    2. Das Fleisch eines Tieres, das von selbst verendet;

    3. Schweinefleisch;

    4. Das Fleisch eines Tieres, über das der Name von irgendje- mand anderem denn Allah ausgerufen wurde, was bedeu- tet, dass hierdurch Opferung für Götzen oder andere Götter oder Heilige oder irgendein anderes Wesen als Allah ge- macht worden ist.

    رَ ۡیغ

    رَّ طُ ضانِ مَ فَ ۚہِ لٰ لاِرۡیغَ ِلہٖ بِ لَ ہِ ُا ۤام

    وَ ِرۡیِزۡنخ

    ۡلامَ حۡ َلوَ مَ دلاوَ ۃَ تَ یۡ مَ ۡلامُ کُ یۡ لَ ع

    مَ رَّ ح

    امَ َّنا

    ﴾۱۷۴﴿مٌ یۡ حرَّ رٌ ۡوفُ غ

    ہَ لٰ لانَ اِ ؕہ

    یۡ لَ عمَ ۡثاِ ۤاَلفَ داع

    اَلوَّ غاَب


    „Verwehrt hat Er euch nur das von selbst verendete und Blut und Schweinefleisch und das, worüber ein anderer Name als Allahs ausgerufen worden ist. Wer aber durch Not getrieben wird nicht ungehorsam und das Maß über- schreitend – für ihn soll es keine Sünde sein. Allah ist all- vergebend, barmherzig.“ (2:174)

    وَ ۃُ َقنِ خنۡ مُ ۡلاوَ ہٖ بِ ہِ لٰ لاِرۡیغَ ِللَ ہِ ُاۤاموَ ِریزنِۡۡ خۡلامُ حۡ َلوَ مُ دلاوَ ۃُ تَ یۡ مَ ۡلامُ کُ یۡ لَ عتمرِّ ح

    ۔بصنّ لایلَ عحبِ ذاموَ ۟مۡ تُ یۡ کَّ ذاماَّلاِ عبُ سلالَكَاۤاموَ ۃُ حیۡ طِ نّ لاوَ ۃُ َیدِّ رَ َتمُ ۡلاوَ ةُ ذَ ۡوقُ ۡومَ ۡلا


    „Verboten ist euch das von selbst Verendete sowie Blut und Schweinefleisch und das, worüber ein anderer Name ausgerufen ward als Allahs; das Erdrosselte, das zu Tode Geschlagene; das zu Tode Gestürzte oder Gestoßene und das, was reißende Tiere angefressen haben, außerdem, was ihr geschlachtet habt; und das, was auf einem Altar (als Götzenopfer) geschlachtet worden ist.“ (5:4)


  33. Warum ist Schweinefleisch verboten?


    (Ein Abschnitt aus dem Buch „Die Philosophie der Lehren des Islam“ von Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS, dem Gründer der Ahmadiyya-Bewegung des Islams):


    „Das Fleisch des ḥinzīr‘, d.h. eines Schweines, ist eins der Dinge, die zu essen den Muslimen verboten worden sind. Eben der Name dieses unreinen Tieres enthält eine Anspielung auf den Grund, warum sein Fleisch verboten ist. Das Wort ist eine Zusammensetzung von ḫinzund


    arā‘; der erste Teil bedeutet ‚sehr unrein‘ und der zwei- te ‚ich sehe‘. Das Wort heißt somit: ‚Ich sehe es als sehr unrein‘. Der Name, den Gott diesem Tier gab, und zwar von Anfang an, weist demzufolge auf seine Unreinheit hin. Was aber noch bedeutsamer ist, ist der Umstand, dass in Hindi dieses Tier unter dem Namen ‚suar‘ bekannt ist, das zusammengesetzt ist aus den zwei Worten ‚su‘ und

    ‚ar‘, das letztere davon ist identisch mit dem arabischen Wort, während das erstere genau das Äquivalent zum ers- ten Teil des arabischen Wortes ist. Das Hindi-Wort heißt somit genau das gleiche wie das arabische Wort. Der ara- bische Ursprung eines Hindi-Wortes ist nicht erstaunlich, denn wie wir bereits in dem Buch Minanu r-Raḥmānge- zeigt haben, ist Arabisch die Mutter aller Sprachen und Worte aus dieser Sprache sind häufig in anderen Sprachen anzutreffen. ‚suar‘ ist somit ein arabisches Wort.

    In Hindi ist dieses Tier auch als ‚badd‘ bekannt, was

    ‚schlecht‘ oder ‚unrein‘ bedeutet, was möglicherweise eine Übersetzung des originalen arabischen Wortes ist. Es scheint so, dass zu einem frühen Alter der Weltgeschichte, als eine Zerstreuung der Menschen stattgefunden hatte, das Wort ‚suar‘, das wie gesagt ein Synonym für das noch gebräuchliche arabische Wort ḫinzīrist, gebraucht wor- den war, um dieses Tier zu bezeichnen und das es seine ursprüngliche Form im Verlauf von Tausenden von Jah- ren beibehalten hat. Die Sanskrit-Form des Wortes mag sich ein bißchen geändert haben, aber es kann keinen Zweifel daran geben, dass die Wurzel arabisch ist, denn sie liefert ebenfalls den Grund, für den der Name gegeben worden war, und das Wort ḫinzīrbescheinigt die Wahr- heit dieser Anschauungsweise. Es kann keine Frage sein, dass der Sinn des Wortes mit der Verhaltensweise des Tieres übereinstimmt. Jeder weiß, dass es außerordentlich hässlich ist und von Abfällen lebt, und darüber hinaus ist es die schamloseste von allen Kreaturen. Der Grund für


    das Essverbot des Schweinefleisches liegt somit klar auf der Hand. Wenn man es als Nahrung zu sich nimmt, wird sein unreines Fleisch den schädlichsten Einfluss sowohl auf den Körper als auch auf die Seele haben, denn wie wir schon gezeigt haben betrifft doch die Nahrung das Äuße- re und innere System des Menschen. Die vorislamischen Gelehrten der griechischen Schule waren auch der Mei- nung, dass das Fleisch dieses Tieres Schamlosigkeit be- wirkt. Aus ähnlichen Gründen hat der Heilige Qurʾan das Fleisch von Tieren verboten, die eines natürlichen Todes sterben, denn auch dies betrifft die körperliche Gesund- heit und die Moral. Tiere, die sich zu Tode gestürzt haben oder vom Schlag getroffen worden sind, werden so wie jene behandelt, die einen natürlichen Tod gestorben sind.“


  34. Das Alkoholverbot


    ِ َِ

    Der Trank, der durch den Qurʾan verboten worden ist, wird mit dem Namen ḫamrbeschrieben, was heißt: es ist verschleiert, es ist verdeckt oder verbirgt eine Sache: Wein wird ḫamrge- nant, weil er den Verstand verschleiert. Der Qurʾan verbietet Alkohol und alle berauschenden Mittel. Er zeigt zwar auf, dass einige Leute Vergnügen oder Vorteile aus dem Gebrauch von Alkohol oder anderen verbotenen Mitteln ziehen können, aber er weist darauf hin, dass der Schaden, der aus ihrem Gebrauch entsteht, weitaus größer ist als irgendein Nutzen.

    نمرُ َبۡکَا ۤامَ هُ مُ ۡثاِ وَ ۫سانّ لِل ع

    ِفانَ م

    وَ رٌ ۡیبکَ مٌ ۡثاِ ۤامَ هیۡ ِفل

    ؕامَ هِ عِ فۡ ّن

    قُ ؕر

    سِ یۡ مَ ۡلاوَ ِرمۡ خَ ۡلانِ عک

    َنۡولُ َٔـسَی


    „Sie fragen dich über Wein und Glücksspiel. Sprich: ‚In beiden ist großes Übel und auch Nutzen für die Menschen; doch ihr Übel ist größer als ihr Nutzen.‘“ (2:220)


    Der Schluss „Ihr Übel ist größer als ihr Nutzen“ birgt in sich ein wichtiges Prinzip. Eine Sache sollte nicht allein deswegen übernommen werden, weil sie einige Vorteile enthält, noch sollte etwas verurteilt werden, nur weil es in gewisser Hinsicht schadenbringend ist. Beide Seiten sollten sorgfältig abgewogen werden und ein Ding sollte nur dann verdammt werden, wenn sein Schaden den Nutzen überwiegt.

    In der Frage des Alkohols oder irgendeines anderen berau- schenden Mittels mag der Schaden im Falle eines einzelnen Menschen nicht sichtbar werden, aber das Gesetz richtet sich nach der großen Gemeinschaft und zieht in Betracht die Tat- sache, dass sie unter dem Gebrauch von Alkohol und anderen Rauschmitteln leidet.

    Es wird berichtet, das der Heilige ProphetSAW gesagt hat: „Jedes Rauschmittel ist verboten.“ (Buḫārī 64:61) Deswegen sind alle be- rauschenden Mittel wie Drogen und so weiter verboten, sogar in kleinen Mengen. Der Heilige ProphetSAW sagt hierzu: „Das, was in großen Mengen berauscht oder süchtig macht, ist auch in kleinen Mengen verboten.“ (Abū Dāwūd 25:5 – eine authentische Sammlung von Hadith)


  35. Die Stellung der Frau im Islam


    Materiell wie auch geistig lehrt der Islam Gleichheit von Mann und Frau. Gute Werke erwirken den gleichen Lohn, ob nun der Handelnde ein Mann oder eine Frau ist. Wir lesen im Qurʾan:

    ۚیثٰ ۡنُاوۡ َارٍ َکذنمِ مۡ کُ نۡ مِ لماعلمَ ععیۡ ضِ ُاۤاَلیۡ ِّنَا


    „Ich lasse das Werk des Wirkenden unter euch, ob Mann oder Weib, nicht verloren gehen.“ (3:196)


    Das Paradies und seine Freuden sind gleich für beide. Es heißt:

    نمِ ؤۡ م

    َوہ

    وَ یثٰ ۡنُاوۡ َارٍ َکذ نمِ

    احً ِلاصلمِ عنم

    وَ ۚاهَ لَ ثۡ م

    اَّلاِ یزٰۤ ج

    ُیاَلف ۃً ئَ یِّ سل

    مِ عنم

    ﴾۴۱﴿باسح

    ِرۡیغَ ِباهَ یۡ ِفن

    ۡوقُ زَ رۡ ُیۃَ نَّ جۡلان

    ۡولُ خدَیک

    ئِ ٰٓلوُاف


    „Wer Böses tut, dem soll nur mit Gleichem vergolten wer- den, wer aber Gutes tut – sei es Mann oder Weib – und gläubig ist, diese werden in den Garten eintreten; darin werden sie versorgt werden mit Unterhalt ohne zu rech- nen.“ (40:41)

    اَلو

    ۃَ نَّ ج

    ۡلان

    ۡولُ خد

    َیک

    ئِ ٰٓلوُافَ ن

    مِ ؤۡ مَوہوَ یثٰ ۡنُاوۡ َارٍ َکذنمت

    حٰ لِ صٰ لانمل

    مَ عۡ َیّ نمو

    ﴾۱۲۵﴿ارً ۡیقِ َن نۡومُ لَ ظۡ ُی


    „Wer aber gute Werke tut, sei es Mann oder Weib, und gläubig ist: sie sollen in den Himmel gelangen, und sie sollen auch nicht so viel Unrecht erleiden wie die kleine Rille auf der Rückseite eines Dattelkerns.“ (4:125)


    Beide werden sich eines höheren Lebens erfreuen.

    مۡ هُ نَّ َیزِ ج

    نَ َلوَ ۚۃً بَ یِّ ط

    ةً ویٰ ح ہٗ نَّ یَ یِ ح

    نُ لَ فَ نمِ ؤۡ م

    َوہ

    وَ یثٰ ۡنُاوۡ َارٍ َکذن

    مِ احً ِلاصل

    مِ عنم

    ﴾۹۸﴿ن

    ۡولُ مَ عۡ َیاۡوُناَكام

    نِ س

    حۡ َابِ مۡ ہُ َرجۡ َا

    „Wer recht handelt, ob Mann oder Frau, und gläubig ist, dem werden Wir gewisslich ein reines Leben gewähren; und Wir werden gewisslich solchen ihren Lohn bemessen nach dem Besten ihrer Werke.“ (16:98)


    Offenbarung, Gottes größtes geistiges Geschenk in diesem Le- ben, wird gleichermaßen Mann wie Frau gewährt. (3:43; 28:8) Vom materiellen Standpunkt aus gesehen, sind beide Ge- schlechter gleichgestellt. Ebenso wie der Mann kann auch die Frau Geld verdienen und Besitz haben und, wenn sie es für nö- tig erachtet, einem Beruf nachgehen.

    ءآسنّ لِلوَ ؕاوۡ بُ ستَ ۡکاامَّ مِ بیۡ صِ َنلاجرّ لِلؕضعۡ َبیلٰ عمۡ کُ ضَ عۡ َبہٖ بِ ہُ لٰ لالضَّ فَ اماۡونَّ مَ تَ َتاَلو

    ۔ؕنۡبستَ ۡکاامَّ مِ بیۡ صِ َن


    „Und begehret nicht das, womit Allah die einen von euch vor den anderen ausgezeichnet hat. Die Männer sollen ih- ren Anteil erhalten nach ihrem Verdienst, und die Frauen sollen ihren Anteil erhalten nach ihrem Verdienst.“ (4:33)


    Sie hat volle Verfügungsgewalt über ihren Besitz und kann sie völlig frei ausüben. (4:5); ebenso wie der Mann kann sie auch erben.

    نۡوُبرَ ۡقَاۡلاوَ نِ دٰ ِلاَوۡلاک

    َرَتامَّ مِ بیۡ صِ َنءآس

    نّ لِلوَ ۪نَُ ۡوُبرَ ۡقَاۡلاوَ نِ دٰ ِلاَوۡلاک

    َرَتامَّ مِ ب

    یۡ صِ َنلاجَ رّ لِل

    ﴾۸﴿اضً وۡ رُ فۡ مَ

    ابً یۡ صِ َنؕرَ ثکَ وۡ َاہنۡ ملَ قَ امَّ م


    „Den Männern gebührt ein Anteil von dem, was Eltern und nahe Verwandte hinterlassen, und den Frauen ge- bührt ein Anteil von dem, was Eltern und nahe Verwand- te hinterlassen, ob es wenig sei oder viel – ein bestimmter Anteil.“ (4:8)


  36. Ehe und Eheleben


    Der Drang zur Vermehrung der Menschheit ist ein natürliches Verlangen. Es ist falsch zu denken, dass die Ausübung dieses natürlichen Instinkts unvereinbar wäre mit dem höchsten geis- tigen Werte. Natürliche Instinkte sind in gleichem Maße wie geistige und physische Fähigkeiten eine Gnade Gottes. Die Ver- nachlässigung irgendeiner Fähigkeit an sich ist zu verwerfen, da dies einem Missbrauch der Fähigkeit gleichkommt. Deshalb erlaubt der Islam weder Zölibat noch Mönchstum als eine Le- bensform, erkennt aber an, dass diejenigen, die diese Systeme einrichteten, aus guten Motiven handelten. Da dieses System aber gegen das Prinzip der bestmöglichen Anwendung aller Fähigkeiten und Möglichkeiten verstößt, verfielen sie selbst dem Missbrauch und handelten unrichtig. (57:28) Der Islam lehrt, dass das eheliche Leben vorzuziehen sei, da es ein Mit- tel vollkommener und gemeinschaftlicher Entwicklung der Persönlichkeit ist; er drängt darauf hin, Ehen einzugehen, um eine solche Entwicklung zu begünstigen. Derjenige, der im heiratsfähigen Alter keinen passenden Gefährten findet, wird ermahnt, vollkommene Enthaltsamkeit zu wahren, bis sich die Gelegenheit bietet, eine Verbindung einzugehen. So der Qurʾan:

    ۔ؕہٖ لِ ضۡ فَ نم

    ہُ لٰ لامُ هُ یَ نِ غۡ ُییتّٰ ح

    احاَكِن ن

    وۡ د

    جِ َیاَلن

    ۡیذِ َّلا ف

    فِ عۡ تَ س

    یَ ۡلو


    „Und diejenigen, die keine (Gelegenheit) zur Ehe finden, sollen sich keusch halten, bis Allah sie aus Seiner Fülle reich macht.“ (24:34)


    Außereheliche Beziehungen sind verboten.

    ﴾۳۳﴿اًلیۡ بِ س

    ءآس

    وَ ؕۃً شَ حافَ ناَكہٗ َّناِ ینٰۤ زّ لااوُبرَ قۡ َتاَلو


    „Und nahet nicht dem Ehebruch; siehe, das ist eine Schändlichkeit und eine Übler Weg.“ (17:33)


    Eine der hauptsächlichen Erwägungen, die bei der Wahl des Ehepartners zu beachten ist, wird in einem Vers dargelegt, den der Heilige ProphetSAW stets bei Eheschließungen zu zitieren

    َ

    َ

    pflegte:

    ۡ َ ّ َ ّ ُ

    َ َ ۡ

    ۡ ُ ۡ َ ۡ َ ّ ُ َ

    ٰ َ َ ُّ َ

    امب

    ریبِ خ ہللاناِ ؕہللااوقتاوۚدٍ غِلتمدقامسفن رظنتلو ہللااوقتااونمانیذ

    ﴾۱۹﴿نولمعت

    لااهیای


    َ ۡ ُ َ ۡ َ

    „O die ihr glaubt, fürchtet Allah; und eine jede Seele schaue nach dem, was sie für morgen vorausschickt. Und fürchtet Allah; Allah ist wohl kundig dessen, was ihr tut.“ (59:19)


    Dies bedeutet, dass die Wahl nicht nur nach offensichtlichen, sich direkt anbietenden Überlegungen vollzogen werden sollte, sondern auch unter Beachtung der länger andauernden Kon- sequenz der beabsichtigten Verbindung in diesem als auch im nächsten Leben.

    Es ist eine Gnade Gottes, dass er männliche und weibliche We- sen derselben Art geschaffen und zwischen sie Liebe und Zärt- lichkeit gelegt hat, so dass sie füreinander eine Quelle des Frie- dens und der Ruhe sind.

    وَ ةً دَّ َومَ

    مۡ کُ نَ یۡ َبل

    عَ ج

    وَ اهَ یۡ َلاِ اۤۡونُ کُ س

    تَ ِّلاجاوَ زۡ َامۡ کُ س

    ۔ۃً مَ حۡ رَ

    فُ ۡنَان

    مِ مۡ کُ َلق

    لَ خ

    نَا ۤہٖ تِ یٰ اٰ نمو


    „Unter Seinen Zeichen ist dies, dass Er Gattinnen für euch schuf aus euch selber, auf dass ihr Frieden an ihnen fän- det, und Er hat Liebe und Zärtlichkeit zwischen euch ge- setzt.“ (30:22)


    Die Beziehungen zwischen den Ehepartnern werden verglichen mit einem Gewand und seinem Träger. Der Qurʾan sagt, dass die Frau ein Gewand für den Mann und der Mann ein Gewand für die Frau ist. Ein Gewand bietet Schutz, Behaglichkeit und Zierde, es ist auch dem Menschen – außerhalb seiner Person – physisch am nächsten.

    ۔ؕنَ هُ َّلسابَ ِلمۡ تُ ۡنَاوَ مۡ کُ َّلسابَ ِلنَ ہ


    „Sie (die Frauen) sind euch ein Gewand, und ihr seid ih- nen ein Gewand.“ (2:188)


    Die Frauen haben Rechte gegenüber den Männern, die denen der Männer gegenüber den Frauen entsprechen.

    Die Sorge um die Familie muss von Mann und Frau in wech- selseitiger Zusammenarbeit getragen werden. Die Aufgabe des Mannes ist es im Wesentlichen, den Unterhalt der Familie zu bestreiten und darum ist er auch das Familienoberhaupt –, und die Frau ist für die Erziehung der Kinder und den Haushalt verantwortlich. Aber jeder muss stets bereit sein, dem anderen zu helfen.

    Der Qurʾan legt größtmögliche Betonung auf eine freundliche und gute Behandlung der Gattin, so sehr, dass Freundlichkeit auch dann empfohlen wird, wenn dem Manne die Frau miss- fällt.

    ارً ۡیخ

    ہیۡ ِفہُ لٰ لال

    عَ ج

    َیوَّ ائً یۡ ش

    اۡوہُ رَ کۡ َتن

    َایسٰۤ عَ فَ نَ

    ۔ارً ۡیثِ کَ

    ہُ ۡومُ تُ ہۡ رِ َکن

    اِ فَ ۚف

    وۡ ُرعۡ مَ ۡلابِ نَ

    ہُ وۡ رُ شاعو


    „Und geht gütig mit ihnen (den Frauen) um. Wenn ihr eine Abneigung gegen sie empfindet, wer weiß, vielleicht empfindet ihr Abneigung gegen etwas, worein Allah aber viel Gutes gelegt hat.“ (4:20)


  37. Ehescheidung


    Obwohl die Ehe nach islamischer Auffassung lediglich ein Zi- vilvertrag ist, ergeben sich doch daraus Rechte und Pflichten von solcher Tragweite für das Wohl der Menschheit, dass ihr ein hohes Maß von Unverletzlichkeit zukommt. Aber trotz der Unverletzlichkeit der ehelichen Bindung erkennt der Is- lam unter außergewöhnlichen Umständen die Notwendigkeit an, einen Weg zur Auflösung offen zu lassen. Mit Ausnahme wohl des Hindu-Rechts ist die Notwendigkeit der Eheschei- dung in bestimmten Situationen wohl überall anerkannt. Nach jüdischem Gesetz liegt das Recht auf Scheidung ausschließlich beim Mann, der es frei nach seinem Willen ausüben kann. Das christliche Recht erkennt eine Ehescheidung nur an, wenn Un- treue bei einem Partner vorliegt, aber die Geschiedenen können nicht erneut heiraten. Nach dem Hindu-Recht kann eine ein- mal geschlossene Ehe unter keinen Umständen wieder aufge- löst werden. Der Islam bewirkte mehrere Reformen des Schei- dungsrechts. Er schränkt das Scheidungsrecht des Mannes ein, während er auf der anderen Seite der Frau das Recht dazu ein- räumt. Der Fachausdruck für das Scheidungsrecht des Mannes heißt ṭalāqund der Fachausdruck für das Scheidungsrecht


    der Frau ḫulaʿ“, das sie ausüben kann, indem sie ihre Braut- gabe zurückgibt. Der Scheidungsprozess dauert drei Monate; während dieser Zeit muss jeder Versuch gemacht werden, Mei- nungsverschiedenheiten aus dem Wege zu schaffen und eine Versöhnung herbeizuführen, wobei Verwandte beider Seiten vermitteln.


    قِفّ َوُیّ احاَلصۡ اِ ۤاد

    ۡیِرُیّ ن

    اِ ۚاهَ لِ ہۡ َانمِ امً کَ ح

    وَ ہٖ لِ ہۡ َانٰ مِ امً کَ حاوۡ ثُ عَ ۡباٰفَ امَ هِ نِ یۡ َبقاَقش

    مۡ تُ فۡ خ

    ناِ و

    ﴾۳۶﴿ارً ۡیبِ خ

    امً یۡ لِ ع

    ناَكہَ للانَّ اِ ؕامَ هُ نَ یۡ َبہُ للا


    „Befürchtet ihr ein Zerwürfnis zwischen ihnen, dann be- stimmt einen Schiedsrichter aus seiner Sippe und einen Schiedsrichter aus ihrer Sippe. Wenn diese dann eine Aus- söhnung herbeiführen wollen, so wird Allah zwischen ih- nen (den Ehepartnern) vergleichen. Siehe, Allah ist allwis- send, allkundig.“ (4:36)


    Hat man sich aber zur Scheidung entschlossen, so kann der Ehemann der Frau nichts von dem wegnehmen, was er ihr ge- geben hat.

    َؕائً یۡ ش

    ہنۡ ماوۡ ذخُ ۡاَتاَلفَ اراطَ نۡ ِقنَ

    ہُ دٰ حۡ اِ مۡ تُ یۡ َتاٰ وَّ ۙجٍ وۡ زَ ناَكمَ جٍ وۡ زَ لاد

    بۡ تِ سامُ ُتّ دۡ رَ َان

    اِ و

    نذخَ َاوَّ ض

    عۡ َبیٰلاِ مۡ کُ ضُ عۡ َبیضٰ فۡ َا دقَ وَ ہٗ َنوۡ ذخُ ۡاَتفیۡ کَ وَ ﴾۲۱﴿انً یۡ بِ مُ

    امً ۡثاِ وَّ اًناتَ هۡ ُبہٗ َنوۡ ذ

    خُ ۡاَتَا

    ﴾۲۲﴿اظً یۡ لِ غ

    اقاثَ یۡ مِ

    مۡ کُ نۡ م


    „Wenn ihr eine Frau gegen eine andere tauschen möchtet und habt der einen bereits einen Schatz gegeben, so nehmt nichts davon zurück. Möchtet ihr es etwa durch Lüge und offenbare Sünde zurücknehmen? Und wie könnt ihr es


    nehmen, wo ihr eins miteinander geworden seid und sie (die Frauen) ein festes Versprechen von euch abgenom- men haben?“ (4:21, 22)


    Der Ehemann muss eine angemessene Versorgung für sie für die Dauer von sechs Monaten schaffen, welche normalerwei- se für die Durchführung des Prozesses gebraucht wird. Wenn Frau und Mann sich jedoch während dieser Zeit versöhnen, wird der Prozess eingestellt.


  38. Erziehung der Kinder


    Große Betonung wird im Islam auf richtige Erziehung und Ausbildung der Kinder gelegt. Wie bereits bemerkt wurde, muss der Erziehung der Kinder schon lange vor der Geburt Be- achtung geschenkt werden. Das Gebet: „O Herr, bewahre uns vor dem Übel und auch unsere Kinder, die du uns gewähren magst“, das der Heilige ProphetSAW lehrte für den Zeitpunkt, wenn Mann und Frau zusammen kommen, ist eine eindringliche Erinne- rung an die Pflicht, die die Eltern in dieser Hinsicht ihren Kin- dern schuldig sind. Die Gebete, die in diesem Zusammenhang im Qurʾan gelehrt werden, haben den gleichen Inhalt; Hadhrat

    AbrahamsAS Gebet:

    ﴾۱۰۱﴿ن

    ۡیح

    لِ صٰ لا نم

    یۡ ِل ب

    ہبّ ر


    „Mein Herr, gewähre mir einen rechtschaffenen Sohn.“ (37:101)


    und Hadhrat ZachariasAS Gebet:

    ۚۃً بَ یِّ طَ ۃً َیّ ِرّ ذکۡندَّلنمیۡ ِلبہبّ ر


    „Mein Herr, gewähre Du mir einen reinen Sprössling.“ (3:39)


    verdeutlichen dies, wie auch die Gebete:


    ۔امام

    ِإن

    یقِ تَّ مُ لْ ِلانَ لْ عَ جاوَ ن

    ُیعْ َأةَ رَّ ُقانَ تاَیّ ِرّ ذُ وَ انَ جاوَ زْ َأن

    مانَ َلب

    ہانَ َبّ ر


    „Unser Herr, gewähre uns an unseren Frauen und Kin- dern Augentrost, und mache uns zu einem Vorbild für die Rechtschaffenen.“ (25:75)

    ۚؕی

    تِ َیّ ِرّ ذی

    ِف یۡ ِل ح

    لِ صۡ َاو


    „ ... lass mir meine Nachkommenschaft rechtschaffen sein.“ (46:16)


    Der Heilige ProphetSAW sagte: „Ehret eure Kinder“, und zeigte so, dass sie richtig erzogen werden sollen, um sie der Ehre wert zu machen. Da Frauen und Mädchen im Allgemeinen bei den Ara- bern nur gering geachtet wurden, legte der Heilige ProphetSAW besonderes Gewicht auf die richtige Erziehung der Mädchen und angemessenes Verhalten gegenüber Frauen. Er sagte:


    „Derjenige, der eine oder mehrere Töchter hat und kei- nen Unterschied zwischen ihnen und den Knaben macht und sie mit Freundlichkeit und Liebe erzieht, wird dem Paradies so nahe sein, wie mein Zeigefinger zu meinem Mittelfinger.“


    Der Qurʾan legt große Betonung auf Freundlichkeit gegenüber den Verwandten und besonders gegenüber den Eltern.

    ۔نۡیکِ سٰ مَ ۡلاوَ یمٰ تٰ یَ ۡلاوَ یبٰ رۡ قُ ۡلایذِ وَّ اًناس

    حۡ اِ نِ ۡید

    ِلاَوۡلابِ وَ ۟ہَ لٰ لااَّلاِ ن

    وۡ د

    بُ عۡ َتاَل

    „Ihr sollt nichts anbeten denn Allah; und Güte (erzeigen) den Eltern und den Verwandten und den Waisen und den Armen.“ (2:84)

    اَلفَ امَ هُ لٰ ِك وۡ َا ۤامَ ہُ د

    حَ َارَ َبکِ ۡلاکد

    نۡ عنَ غَ لُ بۡ َیامَّ اِ ؕاًناس

    حۡ اِ نِ ۡیدِلاَوۡلابِ وَ هُ اَیّ اِ ۤاَّلاِ اوۤۡ د

    بُ عۡ َتاَّلَا

    ۔امً ۡیرِ َکاًلۡوق

    امَ هُ َّل ل

    قُ وَ امَ ہُ رۡ هَ نۡ َت اَلوَ فّ ُا ۤامَ هُ َّلل

    ُقَت


    „Verehret keinen denn Ihn, und (erweist) Güte den Eltern. Wenn eines von ihnen oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, dann sage nie »Pfui« zu ihnen, und stoße sie nicht zurück, sondern sprich zu ihnen ein ehrerbietiges Wort.“ (17:24)


  39. Mehrehe


    Der Islam sieht die Verbindung zwischen einem Mann und ei- ner Frau als Regel an. Unter außergewöhnlichen Umständen erlaubt er aber mehrere Frauen, aber unter der Bedingung ab- solut gleicher Behandlung.

    ۚعبٰ رُ وَ ثلٰ ُثوَ ینٰ ثۡ مءآسنّ لانمِ مۡ کُ َلباطَ اماۡوحکِ ۡنافَ یمٰ تٰ یَ ۡلایِفاۡوطُ سقۡ ُتاَّلَامۡ تُ فۡ خناِ و

    ﴾۴﴿اۡوُلۡوعُ َتاَّلَاینٰۤ دۡ َاکِلذٰ ؕمۡ کُ ُنامَ ۡیَاتکَ لَ ماموۡ َاةً دحاوَ فَ اۡوُلدعۡ َتاَّلَامۡ تُ فۡ خناِ ف


    „Wenn ihr fürchtet, ihr würdet nicht gerecht gegen die Waisen handeln, dann heiratet Frauen, die euch genehm dünken, zwei oder drei oder vier; und wenn ihr fürchtet, ihr könntet nicht billig handeln, dann (heiratet nur) eine oder was eure Rechte besitzt. Also könnt ihr das Unrecht eher vermeiden.“ (4:4)


    Dies ist die einzige Stelle im Qurʾan, in der von Vielehe gespro- chen wird, und auch hier wird sie als mögliche Ausnahme be- zeichnet. Unter außergewöhnlichen Umständen gestattet der Islam dem Mann, mehr als eine Frau zu heiraten, aber er gestat- tet der Frau nicht mehr als einen Mann. Diese unterschiedliche Regelung zu verstehen ist nicht schwer, wenn man die natürli- che Aufgabe von Mann und Frau in Erhaltung und Erziehung der menschlichen Gattung in Betracht zieht. Die Natur hat die Aufgaben der Geschlechter in dieser Hinsicht so aufgeteilt, dass, während ein Mann mit mehreren Frauen Kinder haben kann, die Frau nur mit einem Mann gleichzeitig ein Kind haben kann. Vielehe kann so zeitweise hilfreich sein, das Wohl der Gesellschaft und die Bewahrung der Menschheit zu gewähr- leisten, Polyandrie aber hat keinen ersichtlichen Nutzen für die Menschen. Eine Betrachtung der historischen Umstände zu der Zeit, in der der Abschnitt im Qurʾan über Vielehe offenbart wur- de, ist von großem Nutzen. Zu jener Zeit waren die Muslime gezwungen gewesen, unaufhörlich gegen einen Feind Krieg zu führen, der ihre Ausrottung beabsichtigte. In diesen ungleichen Kriegen, die von einer kleinen Anzahl Muslime gegen überwäl- tigende Kräfte ausgefochten wurden, hatten die Frauen ihre Gatten und die Kinder ihre Väter verloren; und für diese Wit- wen und Waisen musste Sorge getroffen werden. Hätte man sie der Gnade der Umstände überlassen, wären sie zugrunde ge- gangen. In dieser Situation wurde die vierte Sura offenbart, die die Vielehe erlaubte, damit Witwen und Waisen einen Schutz finden konnten. Man könnte einwenden, andere Vorkehrungen hätten zu ihrem Schutz getroffen werden können. Aber Famili- enleben konnte ihnen auf keine andere Art und Weise gewährt werden; und das Familienleben ist die eigentliche Quelle von Liebe und Zuneigung, die die größten Werte jeder menschli-


    chen Gemeinschaft und jeder Kultur sind. Der Islam gründet seine Kultur auf das Familienleben; unter außergewöhnlichen Umständen, unter denen es bei Erhaltung der Monogamie un- möglich ist, ein Heim für Witwen und Waisen zu schaffen, er- laubt er Vielehe, um ihnen diesen Vorteil zu ermöglichen. Auch wenn es kein völlig zufriedenstellendes Zusammensein der Familie sein mag, das Frauen und Kinder in einer Mehrehen- Familie finden, so ist es doch weit besser als überhaupt kein Familienleben.

    Der moralische Aspekt dieser Frage ist nicht weniger wichtig. Der Krieg hatte die männliche Bevölkerung dezimiert, die Zahl der Frauen übertraf bei weitem die der Männer. Dies hätte ohne die Möglichkeit zur Vielehe leicht zu einer gefährlichen morali- schen Situation geführt und so eine Kultur wie die des Islams, die sich auf Moralität gründet, entscheidend gefährdet. Die Er- scheinung des Krieges ist nicht typisch für ein Zeitalter oder ein Land, sie ist vielmehr ein Problem, das die ganze Menschheit zu allen Zeiten angeht. Krieg führt immer zu einer Dezimie- rung des männlichen und zu einem relativen Anwachsen des weiblichen Teils der Bevölkerung. Jeder Freund der Menschheit muss bemüht sein, eine Lösung für dieses Problem zu finden. Monogamie ist zweifellos die normale Form des Ehelebens in normalen Zeiten. Treten aber außergewöhnliche Umstände auf, versagt sie. Nur durch begrenzte Vielehe kann diesem Problem begegnet werden. Man muss sicherlich feststellen, dass die Ein- richtung der Vielehe, die vom Islam in bestimmten Situationen als Ausweg erlaubt ist, von sinnlichen Leuten auch missbraucht wurde; aber in jeder Gesellschaft gibt es Menschen, die jede Einrichtung missbrauchen, wie notwendig sie auch immer zur Erhaltung einer menschlichen Gemeinschaft sein mag. In Ge- sellschaften, die die Vielehe nicht erlauben, hat die Sinnlichkeit


    des Menschen hunderte andere Wege gefunden, den fleischli- chen Leidenschaften nachzugehen. Diese aber sind ein weitaus größerer Fluch für die Gesellschaft als selbst der Missbrauch der Vielehe. Tatsächlich kann diesem Missbrauch von staatli- cher Seite leicht entgegengetreten werden, während hingegen der Staat völlig hilflos gegenüber dem Übel ist, das aus ihrer vollkommenen Ablehnung erwächst.


  40. Die Ehen des Heiligen Propheten Hadhrat Mu- hammadsaw


    Vor Abschluss dieses Kapitels erscheint es notwendig, Missver- ständnisse über die Ehen des Heiligen Propheten des Islams, Hadhrat MuhammadSAW, zu klären. Es wird allgemein behaup- tet, er habe für sich selbst ein Privileg in Anspruch genommen, das er anderen versagte. Dieser Vorwurf gründet auf einer falschen Annahme, die der Unkenntnis über die historische Situation entspringt. Alle seine Ehen wurden vor der Offenba- rung über die Einschränkung der im heidnischen Arabien un- begrenzten Vielehe geschlossen. Eine angesehene Orientalistin, Frau Prof. Laura Veccia Vaglieri, schrieb in ihrem Buch „Appo- logia dell Islamisco“:


    „Feinde des Islams haben darauf bestanden, Muhammad als einen sinnlichen und ausschweifenden Menschen dar- zustellen, indem sie versuchten in seinen Ehen einen Be- weis für einen labilen Charakter zu finden, der nicht mit seiner Botschaft vereinbar sei. Sie weigern sich die Tatsa- che in Betracht zu ziehen, dass er während der Jahre seines Lebens, in denen natürlicherweise der sexuelle Drang am stärksten ist und obwohl er in einer Gesellschaft wie der der Araber lebte, in der die Einrichtung der Ehe geradezu


    nicht existierte und in der Polygamie die Regel war, in der zudem die Scheidung außerordentlich leicht war, mit ei- ner einzigen, bedeutend älteren Frau verheiratet und ihr 25 Jahre ein treuer Gatte war. Erst nach ihrem Tode, im Alter von über 50 Jahren, heiratete er wieder und mehr als einmal. Jede dieser Ehen hatte soziale und politische Gründe ... Mit der einzigen Ausnahme von Hadhrat Ais- haRA heiratete er nur Frauen, die weder jungfräulich noch jung noch schön waren. War das Sinnlichkeit?“


  41. Rechte der Frauen in anderen Ländern


Dies war ein kurzer Abriss der Lehren des Qurʾans, die die Rechte der Frauen betreffen. Man sollte sich aber vor Augen halten, dass dies Lehren sind, die der Menschheit vor etwa 14 Jahrhunderten vorgetragen wurden. Bis vor kurzer Zeit besaß sogar in England eine verheiratete Frau unabhängig von ihrem Mann keine Rechte. Das englische Recht, das schlechtes Ver- halten, Misshandlung und Schläge bei einem Ehepartner als wesentliche Bedingung für die Scheidung forderte, wurde 1923 geändert. Neu-Seeland beschloss 1922, dass die Ehe einer Frau, die 7 Jahre lang geisteskrank gewesen war, aufgelöst werden sollte; 1925 wurde beschlossen, dass, wenn Mann oder Frau ihren ehelichen Pflichten nicht nachkämen, ihnen Scheidung oder Trennung erlaubt werden sollte; waren 3 Jahre vergangen, ohne dass der eine für den anderen sorgte, war Scheidung mög- lich. Italien gab 1919 den Frauen das Recht auf Besitz; 1917 hatte Mexiko, 1915 Portugal, 1909 Norwegen, 1920 Schweden, 1912 die Schweiz Scheidung und Trennung zugelassen. Eine gute Nachahmung muslimischer Juristen – sicherlich – aber nach 1300 Jahren Polemik gegen den Islam in dieser Sache.


Anmerkungen des Herausgebers


Die Verszählung des Heiligen Qur’an:


Der Heilige Qur’an beinhaltet 114 Suren, die jeweils aus einer unter- schiedlichen Anzahl an Versen bestehen. Jede Sure, mit Ausnahme der neunten Sure, fängt mit der Eröffnungsformel, der tasmiya beziehungs- weise basmala (bi-smillāhi r-raḥmāni r-raḥīm – Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen) an. In den Ausgaben des Heiligen Qur’an, die von der Ahmadiyya Muslim Jamaat veröffentlicht werden, wird diese Eröffnungsformel immer als erster Vers der jeweiligen Sure gezählt. An- dere Ausgaben berücksichtigen die basmala bei der Verszählung nicht, weshalb sich die Versangaben um einen Vers verschieben.


Islamische Eulogien


Im islamischen Sprachgebrauch werden hinter den Namen bestimmter Personen, denen Gott eine besondere Stellung gegeben hat, verschiede- ne Segensgebete (Eulogien) gesprochen. Folgende Abkürzungen wurden verwendet, deren vollständige Form im Arabischen (in deutscher Transli- teration) ebenfalls im Folgenden angegeben wird:


SAW ṣallallāhu ‘alaihi wa-sallam (taṣliya genannt) – Bedeu- tung: „Frieden und Segnungen Allahs seien auf ihm“ – wird nach dem Namen des Heiligen Propheten MuhammadSAW gesprochen.


AS ‘alaihi s-salām (taslīm genannt) – Bedeutung: „Friede sei auf ihm“ – wird nach dem Namen aller anderen Propheten gespro- chen.


RA raḍiyallāhu ‘anhu / ‘anhā / ‘anhum – (tarḍiya genannt) – Bedeutung: „Möge Allah Wohlgefallen an ihm/ihr/ihnen haben“ – wird nach den Namen der Gefährten des Heiligen Propheten MuhammadSAW oder des Verheißenen MessiasAS gesprochen.


RH raḥmatullāhi ‘alaih / raḥimahullāh – Bedeutung:

„Möge Allah ihm Barmherzigkeit erweisen“ – wird nach den Namen von bereits verstorbenen besonderen rechtschaffenen Menschen gesprochen, die aber keine Gefährten des Heiligen Propheten MuhammadSAW oder des Verheißenen MessiasAS waren.


ABA ayyadahullāhu ta‘ālā bi-naṣrihi l-‘azīz – Bedeutung:

„Möge Allah sein Helfer sein und ihn mit Seiner Kraft unterstützen“ – wird nach dem Namen des Kalifen der Zeit gesprochen.


Begriffserklärung Hadhrat: Ein Ausdruck des Respekts, welcher für eine Person von bewährter Rechtschaffenheit und Frömmigkeit verwen- det wird.


In diesem Buch verwendete Umschrift


Die Umschrift der arabischen Wörter und Namen folgt dem von der Deut- schen Morgenländischen Gesellschaft (DMG) empfohlenem Transkripti- onssystem (lautgerechte Wiedergabe).


Bei der Umschrift in diesem Buch, die der folgenden Tabelle folgt, wurde darauf Wert gelegt, dass die Aussprache des Originals möglichst erhalten bleibt und eine einfache Lesbarkeit gewährleistet wird. Insofern ergeben sich hier und da einige Unterschiede zu der in der Fachliteratur verwen- deten Transliteration, bei der jedem Buchstaben ein Symbol entspricht, so dass die Umschrift eine vollständige Rekonstruktion des Originals mög- lich macht.


Arabisch

DMG

Beschreibung

Lautschrift


ا


ʾ / a

in der Kehle gebildeter schwacher Explosionslaut, wie im deutschen vor jedem anlautenden Vokal gesprochen

Kurzer Vokal a

[ʔ]

[ʔ̴]

[a]

b

Konsonant b

[b]



t

Konsonant t

[t]

stimmloses englisches th

[θ]

ǧ

stimmhaftes dsch

[ʤ]

scharfes, ganz hinten in der Kehle gesprochenes h

[ħ]

raues ch wie in Bach

[χ]

d

an den Zähnen gebildeter Konsonant d

[d]

stimmhaftes englisches th

[ð]

r

stimmhaftes, gerolltes Zungespitzen-r

[r]

z

stimmhaftes s

[z]

s

stimmloses s

[s]

š

stimmloses sch

[ʃ]

breites stimmloses s

[sˁ]

ein etwas dumpf klingendes stimmhaftes d

[dˁ]

dumpfes t ohne folgenden Hauchlaut

[tˁ]

dumpfes, stimmhaftes s

[zˁ]

ʿ

ungewöhnlich gepresster, ganz weit hinten gebildeter a-haltiger Kehllaut

[ʕ]

ġ

ein erweichter, dem Gaumen-r ähnlicher Buchstabe (wie das r in Rauch)

[ɣ]

f

Konsonant f

[f]

q

ein hinten am Gaumensegel gesprochenes k ohne folgenden Hauchlaut

[q]

ك

k

Konsonant k

[k]

L

Konsonant l, außer in Allah

[l]

m

Konsonant m

[m]

n

Konsonant n

[n]

h

kräftig artikulierter Konsonant h

[h]


و


w/u

Konsonant w Kurzer Vokal u

[w]

[u]

ي

y/i

Konsonant j Kurzer Vokal i

[j]

[i]


Kurzvokale werden als a, i, u geschrieben, Langvokale als ā, ī, ū.


Folgende Wörter unterliegen entweder konventionsmäßig oder der Les- barkeit halber nicht oder nur bedingt den DMG Umschriftregeln. Eigen- namen werden in der Regel nicht transliteriert:


Unsere Konvention

DMG

Abu Bakr

abū bakr

Ahadith

aḥādīṯ

Ahmadiyya

aḥmadiyya

Ali

ʿalī

Allah

allāh

Amin

āmīn

Dschihad

ǧihād

Fatwa

fatwā

Hadhrat

ḥaḍrat

Hadith

ḥadīṯ

Hadsch

ḥaǧǧ

Hafis

āfiẓ

Hidschra

hiǧra

Hudhur

ḥuḍūr

Imam

Imām

Inshallah

inšāʾallāh

Islam

islām

Jalsa Gah

ǧalsa gāh

Jalsa Salana

ǧalsa sālāna

Jamaat

ǧamāʿah

Kalif / Khalifa

ḫalīfa

Khutba

ḫuṭba

Kalifat / Khilafat

ḫilāfa

Khadija

ḫadīǧa

Khalifat-ul-Masih

ḫalīfatu l-masīḥ

Majlis-e Mushawarat

maǧlis-e mušāwarat

Majlis-e Shura

maǧlis-e šūrā

Medina

madīna

Mekka

makka

Moschee

masǧid

Muhammad

muḥammad

Nikah

nikāḥ

Qurʾan

qurʾān

Quraisch

quraiš

Ramadan

ramaḍān

Ruhani Khazain

rūḥānī ḫazāʾin

Scharia

šarīʿa

Sura

sūra

Usman

ʿuṯmān

Umar

ʿumar

Zakat

zakat


Zum Autor


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1934 in Jhelum geboren, widmete sein Vater Masud Ahmad Jhelumi bereits in seiner Kindheit der Ahmadiyya Muslim Ja- maat. Sodann studierte er im T.I College in Ahmadanagar und in Rabwah erlangte er den M. A. in Arabisch. Der Ahmadiyya Muslim Jamaat diente er als Missionar in den Niederlanden, in Deutschland, den Vereinigten Staaten von Amerika und in der Schweiz. Hervorzuheben ist seine Tätigkeit als Wakilu t- Tabshir, als Sekretär der Nusrat Jahan Akademie und vor al- lem als Privatsekretär Seiner Heiligkeit Hadhrat Mirza Tahir AhmadABA, dem vierten Nachfolger, also Khalifa des Verhei- ßenen Messias des IslamAS. Masud Jhelumi verstarb 1992 in Frankfurt am Main.