Unsere Lehre


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Verlag Der Islam


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Titel der englischen Ausgabe

»Our Teaching«

Titel der deutschen Ausgabe

»Unsere Lehre«


© Verlag Der Islam

60437 Frankfurt am Main, Genfer Straße 11 http://www.verlagderislam.de/


  1. Auflage 1994

  2. überarbeitete Auflage 2001

  3. Auflage Oktober 2005

  4. Auflage November 2007


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ISBN 3-921458-25-0


Unsere Lehre


Verlag Der Islam

2007



Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen


Wahrlich, die wahre Religion vor Allah ist Islam


Seien wir uns ganz im Klaren darüber, dass ein Gelübde wertlos ist, wenn es sich nicht auf den echten und festen Entschluss stützt, unter allen Umständen danach zu leben. Nur derjenige, der voll und ganz und durch und durch nach meiner Lehre lebt, betritt mein Haus, von dem der allmächtige Gott verheißen hat:


„Ich Selbst beschütze alle diejenigen, die in diesem Hause sind.“

Diese Verheißung soll aber nicht so verstanden werden, dass dieser göttliche Schutz nur diejenigen begünstigt, die innerhalb der vier Wände meines aus Lehm und Ziegeln erbauten Hauses wohnen. Das Versprechen umfasst vielmehr auch alle diejenigen, die meine Lehre im weitesten und vollsten Ausmaße befolgen, und die deshalb wirklich als Bewohner meines geistigen Hauses gelten können.

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Voraussetzung für die richtige Befolgung meiner Lehre ist der feste Glaube an einen allmächtigen, allerhaltenden Gott, den Erschaffer al- ler Dinge, den Unveränderlichen, Immerwährenden und Ewigen. Er zeugt nicht und ward nicht gezeugt. Er ist so heilig, dass für Ihn weder Notwendigkeit noch Anlass besteht, an einem Kreuze oder sonst irgendwie zu leiden oder überhaupt dem Tode unterworfen zu sein. Obwohl weit entfernt, ist Er immer nah, und obwohl nah, ist Er doch fern. Obgleich Er einzigartig ist, sind Seine Manifestationen doch verschiedenartig und mannigfaltig. Jedes Mal, wenn sich im Menschen ein neuer Umbruch vollzieht, wird Er für den veränderten Menschen ein „neuer“ Gott, Der Sich mit dem Menschen durch eine neue Mani- festation befasst, wobei der Mensch im Verhältnis zu seiner eigenen Änderung auch eine Änderung in Gott sieht, was aber nicht etwa heißt,


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dass Gott Selbst Sich irgendwie ändert; denn Er ist ja ewig, unverän- derlich und vollkommen in Sich Selbst; aber mit jedem Wandel zum Besseren im Menschen enthüllt sich auch Gott Selbst in einer fri- schen und klareren Kundgebung. Mit jedem Fortschritt des Menschen wird eine höhere Manifestation der Allmacht Gottes sichtbar. Aber eine außergewöhnliche Offenbarung Seiner Macht und Seiner Herr- lichkeit zeigt Gott nur dann, wenn der Mensch seinerseits eine außergewöhnliche Besserung in sich selbst zeigt, das ist die Wurzel und die Wiege der Zeichen und Wunder, die durch alle Diener Gottes bezeugt wurde und wird. Glaube an Gott mit diesen Kräften, das ist die allerwesentlichste Vorbedingung unserer Bewegung. Diesen Glauben, prägt ihn ein in eure Herzen, aber so, dass er in all euren Regungen, Gefühlen und Wünschen jede Rücksicht auf Eigensucht, Bequemlich- keit und sogar auf Verwandtschaft verdrängt. Zeiget eure standhafte Treue auf Gottes Weg durch gute Taten in eurem täglichen Leben und durch unbeugsamen Mut. Andere in dieser Welt verweigern Ihm den Vorrang über materielle Mittel und über die Unterstützung, die sie von ihren Freunden und Beziehungen erhoffen. Aber ihr, gebt ihr Ihm den ersten Platz, auf das ihr im Jenseits zu Seinem Volke gerechnet werden könnet.

Zeichen der Gnade zu zeigen, das ist der ewige Weg Gottes. Aber ihr könnt an diesen Segnungen nur dann teilhaben, wenn kein Wi- derspruch und keine Trennung zwischen Ihm und euch verbleibt; nur wenn alle eure Wünsche, Hoffnungen und Anliegen in Seinem Willen verschmelzen; nur wenn ihr allezeit, bei Erfolg oder Fehlschlag, in Hoffnung oder Enttäuschung, in demütiger Niederwerfung vor Seinem Tore liegt, auf das Er mit euch tun möge, was Er will. Nur wenn ihr stets derart handelt, wird in euch dieser Gott erscheinen, Der für lange Zeit Sein Angesicht vor dieser Welt verborgen gehalten hat. Ist also einer unter euch, der nach dieser Lehre leben und wirken will, indem er einzig und allein Ihm zu gefallen sucht, und zwar ohne das leiseste Gefühl der Unzufriedenheit über den Weg, den Sein Wille bereitet? Sogar im Unglück sollt ihr frohen Mutes bleiben und Gutes tun, denn das ist das Geheimnis eures Erfolges. Ihr sollt nach allen Kräften streben, um den Gedanken von Gottes Unvergleichlichkeit und Einheit über die ganze Erde zu verbreiten. Seid freundlich und barmherzig zu seinen Dienern, zu allen Seinen Geschöpfen: Fügt ihnen

kein Leid zu, weder mit eurer Zunge noch mit euren Händen noch in irgendeiner anderen Weise. Wirket allezeit zum Wohle der Mensch- heit. Überhebt euch selbst niemals ungebührlich und stolz über ande- re, nicht einmal über jene, die unter euch stehen. Vermeidet jede herabsetzende oder entwürdigende Rede über oder gegen andere Men- schen, auch wenn sie euch schmähen oder verleumden. Seid demütig im Geiste, freundlich und sanft und nachsichtig, mitfühlend mit allen, und ihnen allen Gutes wünschend, auf das ihr angenommen werdet. Doch gibt es viele, die freundlich, sanft und nachsichtig zu sein be- haupten, aber innerlich Wölfe sind; manche sehen äußerlich rein aus, aber in ihrem Herzen nisten Schlangen. Ihr könnt nicht in die Nähe eures Herrn aufgenommen werden, wenn ihr nicht rein seid, und zwar rein sowohl äußerlich als auch innerlich. Seid ihr groß, so habt Erbarmen mit den Kleinen, statt sie zu verachten. Seid ihr weise und geistig gut gebildet, so dienet den Unwissenden mit Worten der Weisheit. Würdigt sie nicht herab durch eitles Prunken mit eurer Bildung. Seid ihr reich, so helfet den Armen, anstatt sie mit selbst- süchtigem und geringschätzigem Stolz zu demütigen. Hütet euch vor dem Pfade des Verderbens. Fürchtet den allmächtigen Herrn; seid rechtschaffen; erniedrigt euch nicht durch Götzendienst vor Dingen und Wesen, die selbst von Gott erschaffen wurden und von Ihm abhän- gig bleiben. Wendet euch gänzlich Ihm allein zu, so dass ihr das In- teresse an dieser Welt verliert. Werdet gänzlich Gottes, indem ihr ganz und gar Ihm allein zu gefallen trachtet und einzig seinetwillen lebt, indem ihr alles Unreine und Sündhafte hasset, denn Er ist wirk- lich Heilig. Jeder Morgen soll euch ein Zeugnis dafür sein, dass ihr die Nacht rechtschaffen verbrachtet, und jeder Abend soll euch be- zeugen, dass ihr tagsüber mit dem Herzen voll von Gottesfurcht wirktet.

Fürchtet nicht die Flüche, mit denen die Welt euch überschütten möchte, denn sie zergehen wie Rauch in der Luft. Sie können nicht den Tag in Nacht verwandeln. Was ihr fürchten sollt, das ist der Fluch, der von Gott kommt und die von ihm Getroffenen mitsamt ihren Wur- zeln ganz und gar aus den beiden Welten ausreißt. Mit Heuchelei und allerlei Ausreden und Vorwänden könnt ihr euch nicht retten, denn der Gott, Der euer Herr ist, kann bis in die tiefsten Winkel eures Wesens sehen. Wie also könnt ihr hoffen, Ihn betrügen zu können?

Deshalb: Richtet euch selbst gerade und läutert euch selbst, auf das ihr rein und edel werdet und ohne ein geringstes Stäubchen von Fin- sternis irgendwo in eurem Sein und Wesen, denn wenn ein solches Restchen irgendwo in euch zurückbleibt, so wird es euer Licht weg- nehmen. Und wenn in irgendeiner Ecke eures Herzens noch so etwas zurückbleibt wie Stolz, leere Anmaßung, nichtige Ansprüche, Heu- chelei, Eitelkeit, Eigenliebe oder Trägheit, dann könnt ihr in den Au- gen eures Herrn nicht angenommen werden. Gebt acht, dass ihr nicht wegen der vermeintlichen Erfüllung von einem oder zwei Geboten in die Einbildung fallet, alles Notwendige getan zu haben; denn Gott wünscht, dass euer ganzes Leben, euer ganzes Sein und Wesen, von einer tiefen und vollkommenen Revolution ergriffen werde. Tatsäch- lich fordert Er von euch, dass ihr einen Tod sterbet, auf das Er euch ein anderes Leben schenkt. Schlichtet sofort alle eure Streitigkeiten und schließt Frieden untereinander; vergesst die Übergriffe eurer Brüder, denn tatsächlich: der ist schlecht, der nicht gewillt ist, mit seinem Bruder Frieden zu schließen. Er wird abgeschnitten, weil er Zwietracht zu säen versucht. Befreit euch von Eitelkeit und Trotz und Selbstsucht und von allen gegenseitigen Rachegefühlen, von allen Sti- cheleien. Selbst wenn ihr Recht habt, sollt ihr so bescheiden sein, als wenn ihr im Unrecht wäret. Befreit euch von allem, was eure Eitel- keit mästet, denn das Tor, in das einzutreten ihr eingeladen seid, ist nicht weit genug für eine fette Person.

Wie unglücklich ist doch ein Mensch, der es verpasst, an Wahrhei- ten zu glauben, die von Gottes Mund kommen, und die ich für euch festhielt! Wenn ihr vor allem anderen wünscht, dass Gott mit euch zufrieden sei, so beeilt euch, untereinander so einig zu werden wie leibhaftige Brüder. Nur der ist der Geehrteste unter euch, der am meisten die Übergriffe seiner Brüder vergibt; und unglücklich ist derjenige, der verstockt bleibt und nicht vergibt. Der Letztere gehört nicht zu mir und hat keinen Anteil an mir. Bleibet in großer Furcht vor dem Fluche Gottes, denn Er ist heilig, äußerst eifersüchtig und außergewöhnlich in Seiner Heiligkeit. Ein Unzüchtiger kann nicht Seine Nähe erreichen; nicht ein einziger der Stolzen kann Seine Nähe gewinnen, noch der Unterdrücker und Ungerechte, noch ein Unredli- cher, noch einer, der den Namen Gottes missachtet. Diejenigen, die blindlings über weltliche Vorteile herfallen wie Hunde oder Ameisen

oder Geier über das Aas, diejenigen, die nur die Bequemlichkeiten des Lebens gesucht haben, sie können Seine Nähe nicht erreichen. Jedes unreine Auge bleibt weit entfernt von Ihm; jedes unreine Herz bleibt Seiner nicht gewahr. Aber wer immer für Ihn Qualen des Feuers er- duldet, der soll aus den Flammen gerettet werden; wer Seinetwillen weint, der soll glücklich gemacht werden, voll von freudigem Lachen und Jubel. Wer Seinetwegen mit dieser Welt bricht, der soll Ihn fin- den. Mit der tiefsten Aufrichtigkeit des Herzens und mit beständiger Kraft und Glut sollt ihr euch bemühen, die Freunde Gottes zu werden, so dass Er erst recht euer Freund werde. Seid barmherzig zu euren Untergebenen, freundlich zu euren Ehepartnern und zu euren Brü- dern, die arm sind, so dass auch euch im Himmel Barmherzigkeit er- wiesen werde. Werdet wirklich und wahrhaftig Gottes, so dass auch Er euer werde. Diese Welt ist ein Ort von Tausenden von Übeln, Verwir- rungen, Verirrungen und Versuchungen; ergreift darum in aller Auf- richtigkeit und Standhaftigkeit des Herzens die Hand Gottes, so dass Er diese Übel, Verwirrungen, Verirrungen und Versuchungen von euch fernhält. Kein Übel und kein Unglück entsteht auf dieser Erde ohne Befehl vom Himmel; und kein Unglück wird weggenommen, bevor Barmherzigkeit vom Himmel herabkommt. Darum liegt eure Weisheit darin, dass ihr an der Wurzel festhaltet, ohne über die Zweige zu kla- gen und zu seufzen. Es ist euch nicht verboten, vorhandene Mittel zu benutzen oder mit menschlichen Bemühungen zu planen: aber verbo- ten ist es, dass ihr euer ganzes Vertrauen auf sie setzt. Unter allen Umständen soll der Wille Gottes geschehen; und für einen, der die Kraft hat, sich auf diesen Standpunkt zu stellen, für den ist der Standort des Glaubens an Gott und des Vertrauens auf Gott immer noch der beste von allen Standorten.


Die den Heiligen Qur-ân ehren, werden im Jenseits geehrt


Für euch ist eine weitere, sehr wesentliche Lehre die, dass ihr den Heiligen Qur-ân nicht beiseite legt, wie irgendein Buch, das verges- sen worden ist, denn im Heiligen Qur-ân und sonst nirgends liegt euer Leben. Diejenigen, die dieses Heilige Buch ehren, sollen im Jenseits selbst geehrt werden. Diejenigen, die den Heiligen Qur-ân über jeder Tradition und über jeder anderen Aussage erhaben halten, sie sollen

im Jenseits bevorzugt werden. Nun gibt es für die ganze Menschheit überall auf der weiten Erdoberfläche kein göttliches Buch außer dem Heiligen Qur-ân; für die Söhne des Menschen gibt es keinen Gesandten und keinen Vermittler außer Muhammad, Allahs Friede und Segnun- gen auf ihm! So strebet denn, dass ihr für diesen Propheten der Macht und der Herrlichkeit die reinste Liebe heget und pfleget, und gebet sonst keinem den Vorrang vor ihm, so dass ihr im Jenseits als dieje- nigen aufgenommen werdet, die erlöst und gerettet worden sind. Und seid euch klar bewusst darüber, dass Erlösung nicht etwas ist, das ihr erst im Leben nach dem Tode erfahren werdet. Die wirkliche und wahrhafte Erlösung ist nur diejenige, die schon in diesem Leben ihr Licht zeigt. Wer ist der Erlöste? Nur derjenige, der fest daran glaubt, dass der lebendige Gott eine Wirklichkeit ist, und das Muhammad (Allahs Friede und Segnungen auf ihm) der Vermittler zwischen Ihm und der Menschheit ist; dass unter den Himmeln niemand seinen Rang und seine Erhabenheit erreicht; dass kein anderes Buch dem Heiligen Qur-ân gleichkommt; dass Gott für keinen Menschen ein immerwäh- rendes Leben wünschte außer für diesen gesegneten Propheten; dass Gott, um den Propheten Muhammad für immer lebend zu erhalten, dafür Sorge getragen, dass die Segnungen von Gesetz (Sharia) und Spiritualität des Propheten bis zum Tage der Auferstehung weiter- wirken. Und eben aus dieser Flut Seiner geistigen Wohltaten für die ganze Menschheit sandte Gott auf diese Welt zu guter Letzt den Ver- heißenen Messias, dessen Ankunft unerlässlich war für die Vollen- dung des Gebäudes des Islam. Denn es war notwendig, dass diese Welt nicht zu einem Ende kommen sollte, bevor der Bewegung Muhammads die Auffrischung eines geistigen Messias gegeben wurde. Dies ist es, was der folgende Satz des Heiligen Qur-ân anzeigt, nämlich:

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„Führe uns auf den geraden Weg, den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast.“ (Qur-ân 1:6)

Moses empfing den Schatz, der durch die früheren Zeitalter verlo- ren worden war, und Muhammad (Allahs Friede und Segnungen auf ihm) empfing den Schatz, den zu verlieren die Bewegung Mose un- glücklich genug war. Jetzt steht die Bewegung Muhammads an der Stelle der Bewegung Mose, aber solchermaßen, dass die Bewegung

Muhammads tausendmal größer ist als die Bewegung Mose. Desglei- chen übertrifft der Messias der Bewegung Muhammads tausendfach Jesus, den Messias der Bewegung Mose. Der Verheißene Messias der Muhammadi-Bewegung kam genau im vierzehnten Jahrhundert nach dem Heiligen Propheten, so wie Jesus vierzehn Jahrhunderte nach Mose erschienen war. Aber nicht genug mit dieser zahlenmäßigen Übereinstimmung der beiden Epochen: Der Verheißene Messias der Muhammadi-Bewegung kam zu einer Zeit, da der Zustand seiner mus- limischen Zeitgenossen gleich war wie der Zustand der Juden zur Zeit Jesu. Deshalb bin ich dieser Verheißene Messias, und sonst niemand. Wer immer ein aufrichtiges „Baiat“ (Treueschwur) mit mir eingeht und aus tiefstem Herzensgrunde mein Gefolgsmann wird, so dass er in ständig wachsendem Gehorsam zu mir alle seine persönlichen Ziele und Absichten aufgibt, wer immer das tut, – aber nur unter dieser Bedingung – der ist der eine, für den meine Seele in diesen Tagen gro- ßer Qual Fürbitte einlegen wird.

Also denn, all ihr Leute, die ihr euch zu Mitgliedern meiner Ge- meinde zählt! Vor Gott sollt ihr nur dann zu Mitgliedern meiner Ge- folgschaft gezählt werden, wenn ihr jetzt wahrhaftig auf den Pfaden der Rechtschaffenheit vorwärts zu schreiten beginnt. Verrichtet eure täglichen fünf Gebete mit solch straffer Sammlung und geistiger Ehr- furcht, als ob ihr Gott mit euren leibhaftigen Augen vor euch sähet. Haltet euch um Gotteswillen mit voller Aufrichtigkeit an die Fasten- tage! Alle unter euch, die der „Zakât“ pflichtig sind, sollten nie ver- fehlen, diese wichtige Verpflichtung zu erfüllen; und diejenigen, für die das Pilgern nach Mekka obligatorisch geworden ist, ohne dass sie stichhaltig daran gehindert werden, sollten diese segensreiche Reise nicht unterlassen. Tut alle guten Taten mit der ihnen gebührenden Sorgfalt und befreit euch von allem Schlechten mit einer wirklichen Abneigung, die aus dem Herzen aufsteigt. Seid sicher, dass keine Tat, was es auch immer sei, Gott erreichen kann, wenn sie ohne Recht- schaffenheit des Herzens ausgeführt wird. Die Wurzel aller guten Dinge ist „Taqwa“ (Gottesfurcht); jede Tat, in der diese Wurzel nicht verkümmert ist, wird niemals umsonst oder nichtig sein. Auch ist es für euch sehr notwendig, dass ihr durch verschiedene Kümmernisse, Qualen und Nöte, die sich sogar wiederholen können, immer wieder geprüft werdet, so wie die Gläubigen vor euch geprüft wurden. Darum

seid vorher gewarnt, damit ihr nicht strauchelt und stolpert, wenn es so weit ist. Diese Erde mit allem drum und dran und drin kann euch nichts anhaben – vorausgesetzt, dass eure Verbindung zum Himmel nicht abreißt. Wenn immer auch ein Unrecht über euch kommt, dann durch eure eigene Hand und nicht durch den Feind. Wenn ihr die irdische Ehre verliert, dann will Gott damit euch eine Ehre im Him- mel geben, die nie abnehmen soll. Also löst euch nicht von Ihm, was immer auch ihr durchzumachen habt. Euch ist auferlegt, auf verschiedenen Wegen verfolgt zu werden, und manche eurer Hoffnun- gen werden in nichts zergehen, aber in solchen Fällen sollt ihr euch nicht grämen, denn der Herr, euer Gott, will euch Versuchungen aussetzen, um euch zu prüfen, ob ihr fest und standhaft bleibt oder nicht. Wenn ihr wünscht, dass die Engel im Himmel euer Lob singen, dann nehmt die Schläge hin, die euch manche Leute verabreichen werden, und freut euch; erfahret Enttäuschungen, aber entfernt euch nicht von Ihm. Ihr seid das letzte Gottesvolk. Tut das Gute bis zu sei- ner höchsten Vollendung. Jeder von euch, der nachlässt und träge wird, soll aus der Gemeinde entfernt werden, wie ein schmutziges Ding ausgemerzt und weggeworfen wird. Er soll mit Reue in seinem Herzen sterben, und er wird doch nicht fähig sein, etwas gegen Gott zu unternehmen. Seht und betrachtet! Mit großer Freude übermittle ich euch die frohe Botschaft, dass euer Gott wirklich und wahrhaftig lebt. Obschon wir alle Seine Geschöpfe sind, wählt Er doch nur diejenigen aus, die Ihn auswählen. Er Selbst kommt zu jedem, der Ihm entgegen- geht. Er verleiht Ehre dem, der Ihn ehrt.

Nachdem ihr eure Herzen ausgerichtet und eure Zungen, Augen und Ohren gereinigt habt, kommt ihr zu Ihm, und Er nimmt euch an. Was den Glauben betrifft, so wünscht Gott von euch eigentlich nur dies, dass ihr an Gottes Alleinigkeit festhaltet, sowie daran, dass Muham- mad (Allahs Friede und Seine Segnungen seien auf ihm!) Sein Prophet ist, und zwar der „Khâtam-al-Anbia“, und der größte von allen Pro- pheten. Nach ihm hat kein anderer Prophet zu sein, außer einem, dem der Mantel der „Muhammadiyyat“ als ein „Burûz“ gegeben werden soll, da ja der Diener nicht von seinem Meister getrennt ist, noch ein Zweig verschieden ist von seiner Wurzel. Seid vollkommen sicher, dass Jesus, Sohn der Maria, gestorben ist, und sein Grab sich in Kaschmir befindet, nämlich im Khanyar-Viertel in Srinagar. Gott hat

über seinen Tod im Heiligen Qur-ân berichtet.

Es soll auch daran erinnert werden, dass ich die hervorragende Be- deutung Jesu (Friede sei auf ihm!) keineswegs verneine. Obwohl Gott mir mitgeteilt hat, dass der Muhammadi-Messias höher im Rang steht als der mosaische Messias, so hege ich für diesen, also für den Sohn der Maria, doch große Hochachtung, da ja vom geistigen Gesichtspunkt aus ich der „Khâtam-al-Khulafa“ im Islam bin, und der Sohn der Maria „Khâtam-al-Khulafa“ in der israelitischen Kette war. In der mosaischen Verleihung war der Sohn der Maria der Verheißene Mes- sias, und in der Verleihung Muhammads bin ich der Verheißene Mes- sias. Deshalb empfinde ich Hochachtung für Jesus, dessen Name ich trage; und wer da sagt, dass ich ihn nicht hochachte, der ist ein gro- ßer Lügner und ein Unheilstifter.


Wer zu meiner Gemeinde gehört, und wer nicht


Nachdem ich alles das erklärt habe, wiederhole ich einmal, dass ihr euch mit dem formellen Gelübde nicht zufrieden geben dürft. Die äu- ßere Form bedeutet nichts: Gott sieht, was innerhalb eurer Herzen liegt, und dementsprechend was Er sieht, behandelt Er euch. Seht! Euch gegenüber erfülle ich meine Pflicht, indem ich euch leicht ver- ständlich mache, dass Sünde ein Gift ist. Nehmt es nicht! Ungehorsam gegen Gott ist ein schmutziger Tod, den ihr vermeiden solltet. Wendet euch dem Gebet zu, auf das ihr Kraft bekommet! Wer beim Beten nicht fest daran glaubt, dass Gott die Macht hat, alle Dinge zu tun – bis auf Ausnahmen –, dann gehört er nicht zu meiner Gemeinde. Wer Lüge und Betrug nicht aufgibt, gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer der Reli- gion nicht den Vorzug vor den weltlichen Dingen gibt, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer in einer Verwirrung und Verirrung weltli- cher Gier gefangen ist und niemals zu Dingen des kommenden Lebens aufschaut, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer sich jeder Sün- de und jeder schlechten Tat – wie: Alkohol, Glücksspiel, geilem Hin- schauen nach Frauen, Unredlichkeit, aktiver und passiver Bestechung jeder Art – nicht ganz und gar enthält, der gehört nicht zu meiner Ge- meinde. Wer nicht unablässig dem Gebet zugewandt ist und nicht in tiefster Demut an Gott denkt, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer schlechte Gesellschaft mit ihrem unheilvollen Einfluss nicht

aufgibt und meidet, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer seine Eltern nicht ehrt, wer ihnen den Gehorsam verweigert in Dingen, die nicht dem Heiligen Qur-ân widersprechen, und wer nachlässig ist im Dienste, den er seinen Eltern ohne Zweifel schuldig ist, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer mit seiner Frau und ihren Verwand- ten nicht in Freundlichkeit, Güte und Großmut lebt, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer seinen Nachbarn das allerkleinste Wohl in seiner Macht entzieht, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer nicht den Wunsch hegt, die Fehler derer zu verzeihen, die gegen ihn gewirkt haben, und wer Bosheit zu nähren wünscht, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Ob Mann oder Frau, wer zu seinem Ehepartner unredlich ist, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer das zur Zeit der „Baiat“ mir in die Hand gelobte Versprechen irgendwie bricht, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer mich nicht wirklich für den Verheißenen Messias hält, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Wer nicht bereit ist, mir in allen für gut erkannten Dingen zu gehor- chen, der ist nicht von meiner Gemeinde. Und wer aus Gewohnheit un- ter denen sitzen bleibt, die mir feindlich gesonnen sind, und in still- schweigendem Einverständnis mit ihnen abgleitet, der gehört nicht zu meiner Gemeinde. Jeder Ehebrecher, Ausschweifende, Trunkenbold, Spieler, Mörder, Dieb, jede unredliche und korrupte Person, jeder Machtgierige, Unterdrücker, Tyrann, Lügner, Fälscher, und jeder Verbündete solcher Leute, und jeder, der falsche Beschuldigungen und Skandale über seine Brüder und Schwestern erfindet und erzählt, solche Leute gehören nicht zu meiner Gemeinde, solange sie ihre Mis- setaten nicht restlos bereuen und mit jeder schlechten Gesellschaft brechen und also ein neues Leben beginnen.

Alle diese Laster und Missetaten sind tatsächlich Gifte; ihr könnt sie nicht einnehmen und dennoch weiterleben, denn Licht und Finsternis vertragen sich nicht. Wer eine verwirrte und verirrte Natur hat, wer mit Gott nicht offen und klar ist, der kann nicht teilhaben an der Segnung, die nur zu denen kommt, die reinen Herzens sind. Wirklich sehr glückselig sind diejenigen, die ihre Herzen läutern, indem sie alle Unreinheiten davon wegwaschen und ihrem Gott unverbrüchliche Treue geloben, denn sie sollen nie verloren gehen. Es ist unmöglich, dass Gott ihnen Seine Gnade entzieht, denn sie sind Gottes, und Gott ist für sie. Sie sollen aus allen Verwirrungen und Verwicklungen er-

rettet werden. Sie zu belästigen wäre äußerst töricht, denn wahrlich, sie sind im Schoße Gottes, Der immer bereit ist, sie zu beschützen. Wer hat sich ganz und gar zum Glauben an Gott bekannt? Wirklich nur diejenigen, die so sind wie die eben Beschriebenen. – Aber tö- richt, schlecht und voll Unheils in seinem Herzen ist auch, wer sich um einen frechen Sünder ängstigt, denn dadurch würde er sich ja selbst vernichten. Seit dem Tage, da Gott diesen Himmel und diese Erde erschuf, ist es nie vorgekommen, dass Er diejenigen vernichte- te, die gut waren. Die Guten ließ Er allezeit gute Taten vollbringen, und Er wird es auch jetzt tun.


Unser Gott besitzt große und wundervolle Kräfte


Dieser Gott ist ein sehr treuer Gott, und denen, die Ihm treu blei- ben, zeigt Er wundervolle Werke. Die diesseitige Welt wünscht sie in Stücke zu zerreißen und aufzufressen; und jeder Feind wetzt seine Zähne an ihnen; aber Er, der Freund Seiner Getreuen, rettet sie vor jeder Gefahr und macht sie auf jedem Gebiete ruhmvoll und siegreich. Wie glücklich ist also, wer seinen Halt an solch einen Gott nicht los- lässt! Ihm bringen wir unseren Glauben und Ihn haben wir anerkannt. Von der ganzen Welt ist Er allein der Gott, Der Seine Offenbarung an mich herabgesandt hat; Der für mich machtvolle Zeichen gezeigt hat; Der mich als den Verheißenen Messias dieses Zeitalters herabgesandt hat. Es gibt keinen Gott außer Ihm, nirgends, weder in den Himmeln noch auf Erden. Wer sich Ihm nicht gläubig unterwirft, der bleibt Seiner Hilfe beraubt. Von unserm Gott haben wir Offenbarung emp- fangen, die wie die Sonne strahlt. Wir haben gesehen, dass Er allein der Gott der ganzen Welt ist, und es gibt keinen anderen Gott.

Wie machtvoll ist tatsächlich der Gott, Den wir gefunden haben, und wie allerhaltend ist Er! Und wie groß, wie wundervoll sind die Eigen- schaften des Gottes, Den wir gesehen haben! Die Wahrheit ist die, dass für Ihn nichts unmöglich ist, außer was Seinem eigenen Buch wider- spricht und Seinem eigenen Versprechen. Deshalb, wenn ihr Ihn bit- tet, sollt ihr nicht sein, wie jene unwissenden Naturalisten, die aus sich selbst ein Naturgesetz konstruiert haben, das nicht die Prägung Gottes trägt, denn sie gehören zu den Verworfenen, deren Gebete und Bitten nie angenommen werden. Sie sind blind, nicht mit Sehkraft be-

gabt; sie sind tot, nicht lebendig. Sie stellen ein von ihnen selbst kon- struiertes Gesetz vor Gott, und sie übertragen ihre eigene Be- schränktheit auf Seine Kräfte, indem sie Ihn noch über ihre eigene Beschränktheit hinaus für schwach und hilflos halten. Natürlich werden sie so behandelt, wie ihr Zustand es verlangt.

Wenn du dich zum Gebet bereit machst, so obliegt es dir, daran zu denken, dass dein Gott allmächtig ist, und dass kein einziges Ding au- ßerhalb Seiner Macht ist. Nur dann wird dein Gebet angenommen, und nur so kannst du jene Wunder der Macht deines Gottes bezeugen, die wir bezeugt haben. Und wohl gemerkt: unser Zeugnis beruht nicht auf Hörensagen, sondern es beruht auf Dingen, die wir selbst gesehen ha- ben. Wie können die Gebete eines Menschen angenommen werden, der nicht fest daran glaubt, dass alle Dinge von Gottes Macht abhängig sind? Und wie kann ein solcher Mensch in sich selbst den Mut haben, Gott um Abhilfe oder Änderungen zu bitten, die den von ihm gemeinten Naturgesetzen widersprechen würden? Aber du, o guter Mensch, dein Gott ist Er, Der ohne jeden Pfeiler darunter die zahllosen Sterne im Weltraum aufgehängt hat; und Der die Erde und die Himmel aus dem absoluten Null und Nichts erschuf. Wagst du etwa zu behaupten, dass Er nicht imstande sein wird, dir bei deinen Unternehmungen zu hel- fen? Tatsache ist, dass deine eigene irrige Auffassung dich Seiner Segnungen berauben wird. In unserm Gott gibt es unzählbare wunder- volle Dinge, aber diese sind nur von jenen bezeugt, die sich Ihm auf- richtig und vertrauensvoll unterworfen haben. Jene Wunder enthüllt Er nicht jenen, die kein Vertrauen zu Seinen Kräften haben und nicht treu und ehrlich sind.

Wie unglückselig ist doch ein Mensch, der nicht einmal weiß, dass er einen Gott hat, Der über alle Dinge mächtig ist! Unser Paradies ist tatsächlich unser Gott; unsere höchste Freude ist in Gott, denn wir haben Ihn gesehen, und alle Schönheit fanden wir in Ihm. Dieser Schatz ist wert, dass man ihn bekommt, sogar wenn er unser leibli- ches Leben kostet, und dies ist ein Juwel, das sogar dann erstrebt werden sollte, wenn es nur durch Aufopferung unseres ganzen Seins und Wesens erreichbar wäre. Oh ihr, die ihr beraubt seid, rennet zu diesem Quell, denn er wird euren Durst löschen. Es ist der Quell des Lebens, der euch retten wird. Was soll ich tun, und wie soll ich diese

frohe Botschaft in euren Geist einprägen? Mit welcher Trommel sollte ich durch die Straßen ziehen und ausrufen, dass Dieser euer Gott ist, so dass alle es hören können! Und mit welcher Salbe soll ich die Leute behandeln, damit ihre Ohren sich zum Hören öffnen!


Gott allein gibt uns Sicherheit


Wenn ihr euch Gott wirklich und wahrhaftig unterwerfet, dann könnt ihr ganz versichert bleiben, dass Gott euer eigentlicher Be- schützer und Helfer ist. Während ihr schlafet, wacht Er über euch und vereitelt die Anschläge eurer Feinde. Und doch habt ihr noch kei- nen richtigen Begriff von den wundervollen Kräften Gottes; sonst würdet ihr euch nie mehr um die materielle Not des kommenden Tages sorgen. Der Besitzer eines Schatzes verzweifelt nicht wegen eines verlorenen Pfennigs, als ob er zugrunde ginge. Hättet ihr aber diesen euren Schatz erkannt, hättet ihr die Gewissheit, dass Gott für all eure Bedürfnisse genügen wird, welchen Grund habt ihr dann noch, so eng an Dinge dieser Welt gefesselt zu bleiben? Gott ist der allerwertvoll- ste Schatz! Ohne Gott seid ihr gar nichts, weder ihr persönlich noch eure materiellen Mittel und Pläne. Folget nicht den Spuren anderer Völker, die schon so tief gesunken sind, dass sie gänzlich von materi- ellen Mitteln abhängig sind. Wie eine Schlange Erde frisst, so existie- ren sie nur noch durch niedere und minderwertige Materie. Gleich Aasgeiern und Hunden verbeißen auch sie sich in Kadaver. Tatsäch- lich, sie sind sehr weit von Gottes Weg abgewichen, indem sie zur Vergötzung menschlicher Wesen auch noch das Essen von Schweine- fleisch aufbrachten, und den freien Gebrauch von Wein, als ob er harmlos wäre wie Wasser. Weil sie zu sehr von materiellen Mitteln abhängig sind, anstatt die Hilfe Gottes zu suchen, deshalb sind sie tot, und der himmlische Geist ist von ihnen ausgeflogen wie eine Taube aus ihrem Nest. Die Lepra der Mammon-Vergötzung hat das Innere ihrer Herzen und die Organe ihres inneren Geisteslebens zersetzt. Hütet euch vor dieser Lepra! Ich verbiete euch nicht, die vernünftige An- wendung materieller Mittel innerhalb passender Grenzen zu erwägen; was ich verbiete, ist das, dass ihr gleich anderen Nationen gänzlich die Sklaven materieller Mittel werdet und dabei Gott vergesset. Wenn ihr die Augen zum Sehen hättet, werdet ihr erkennen: Es gibt nur

Gott, und Gott allein, und außer Ihm ist alles wertlos. Ihr könnt nicht einmal euren Arm ausstrecken, noch ihn beugen, es sei denn mit Sei- ner Erlaubnis. Ein geistig toter Mensch mag darüber lachen, aber es wäre besser für ihn, dass er stürbe, bevor er sich diesem Gelächter ergibt.


Hütet euch! Äfft nicht andere Nationen nach!


Hütet euch! Nachdem ihr gesehen habt, wie andere Nationen in ihren weltlichen Bestrebungen beachtliche Erfolge erreicht haben, sollt ihr nicht den Wunsch spüren, ihren Fußstapfen zu folgen. Höret und be- achtet sorgfältig, dass sie fremd und unbedachtsam der Tatsache ge- genüber sind, dass Gott es ist, Der euch alle zu Sich ruft. Was ist ihr

„Gott“ anderes als ein gebrechliches Menschenwesen, und deshalb wurden sie in solch einem selbstzufriedenen Irrtum gelassen und verlassen. Ich will euch nicht vom Streben nach weltlichem Gut ab- halten, aber ihr sollt nicht die Wege derer befolgen, die meinen, diese gegenwärtige Welt sei alles und Selbstzweck.

In allem, was ihr tut, ganz gleich, ob es eine weltliche oder religiö- se Angelegenheit ist, sollt ihr Hilfe und Unterstützung allein von Gott suchen, und das soll fortwährend der leitende Grundsatz eures Lebens sein und bleiben. Aber dieses Hilfesuchen soll nicht nur von den Lip- pen kommen: Im innersten Grunde eures Wesens sollt ihr unerschüt- terlich davon überzeugt sein, dass jeder Segen allein vom Himmel kommt. Ihr könnt nur dann wirklich rechtschaffen sein, wenn ihr in schwierigen Lagen und Zeiten vor dem Entwerfen eurer Pläne euch in eure Kammer einschließt und vor dem Throne des Allmächtigen Gottes niederfallet und Seine Gnade und Hilfe und Unterstützung laut erfle- het. Dann wird der heilige Geist euch zu Hilfe kommen, und durch un- gesehene Mittel wird euch ein Ausweg geöffnet werden. Habt Mitleid mit euren Seelen und seid nicht wie jene, die sich selbst von Gott ab- geschnitten haben und materiellen Mitteln verfallen sind, und zwar so übermäßig, dass sie nicht einmal mehr formell die Worte „Insha- Allah“ („so Gott will“) über ihre Lippen bringen. Möge Gott euch die Augen öffnen und euch erkennen lassen, dass Er der Stützbalken für alle eure Unternehmungen ist; ohne Seine Hilfe müssen sie unfehlbar wie Kartenhäuser in sich zusammenfallen. Wenn ihr Ihn nicht um

Seine Hilfe anflehet, wenn ihr das nicht zum ersten und letzten Grundsatz eures Lebens macht, so werdet ihr keinen Erfolg haben und müsset zuletzt in großer Reue sterben.

Wundert euch nicht, warum andere Völker so erfolgreich sind, ob- gleich sie nicht die geringste Idee von eurem Vollkommensten und Allmächtigsten Gott haben. Die Antwort ist einzig und allein die, dass sie mit materiellen Machtmitteln geprüft werden, weil sie Gott ver- lassen haben. Oft genug verläuft eine von Gott verfügte Prüfung der- art, dass gerade derjenige fast ungehindert von der materiellen Welt profitieren kann, der ihren leiblichen Genüssen frönt und seinen Verstand gänzlich auf materiellen Reichtum einstellt und ausrichtet und darob Gott vergisst. Doch in religiöser und geistlicher Hinsicht ist solch ein „Erfolgsmensch“ ganz hilflos und nackt. Ganz und gar an diese Welt gefesselt, wird er ihr zuletzt doch entrissen, nämlich durch den Tod, um in eine fast ewige Hölle geworfen zu werden. Manchmal aber verläuft die Prüfung auch so, dass solch ein Materia- list sogar in seinem einseitigen Streben nach materiellem Reichtum erfolglos bleibt. Aber diese Prüfung ist nicht so gefährlich wie die zuerst erwähnte, die maßlosen Stolz und Größenwahn züchtet. Auf je- den Fall gehören diese beiden Gruppen zu denen, auf die der Zorn fällt. Der wahre Urquell für jegliches Gedeihen ist Gott. Wenn also solche Leute diesem Lebendigen und Allerhaltenden Wesen gegenüber achtlos, ja sogar sorglos bleiben, oder sich von Ihm abwenden, wie kann ihnen dann wirkliches Gedeihen zugute kommen? Gesegnet sind alle, die die- ses Geheimnis verstehen, aber dem Verderben ausgeliefert ist der- jenige, der es nicht begreifen will.

Ähnlich verhält es sich mit den weltlichen Philosophen. Fangt gar nicht an, ihnen zu folgen, und schaut nicht ehrenvoll auf sie! All dies bildet nur reine Unwissenheit. Die wirkliche und wahre Philosophie ist einzig diejenige, die Gott euch in Seinem Heiligen Buche gegeben hat. Verdorben sind Leute, die jenen weltlichen Philosophien verfal- len sind; und erfolgreich sind alle, die wirkliche Wissenschaft und Philosophie aus dem Heiligen Qur-ân schöpfen. Warum wählt ihr die Pfade der Unwissenheit? Warum rennt ihr den Blinden nach? Etwa in der Hoffnung, sie könnten euch den Weg weisen? Oh ihr Toren, wie kann einer, der selbst blind ist, euch den Weg weisen? Die Wahrheit

liegt in der Tatsache, dass die wahrhaftige Philosophie einzig und al- lein durch den heiligen Geist vermittelt wird. Durch diesen Geist werdet ihr zu jenen Wissenschaften kommen, die anderen nicht zu- gänglich sind. Wenn ihr aufrichtig um diesen Geist bittet, so werdet ihr ihn zuletzt bekommen, und dann werdet ihr finden, dass dies die einzige Wissenschaft ist, die dem Herzen Frische und Leben verleiht und es auf einen festen Turm vollkommener Gewissheit und Sicher- heit erhebt. Wie kann ein Mensch, der sich selbst von Aas ernährt, euch reine und heilige Nahrung bringen? Wie kann einer, der selbst blind ist, euch den Weg weisen? Alle reine und heilige Weisheit kommt allein vom Himmel. Was sucht ihr bei jenen, die nur dieser Erde verhaftet sind? Weisheit erben allein die, deren Seelen sich zu den Himmeln emporschwingen. Jene aber, die selbst unzufrieden sind, wie können sie euch Zufriedenheit verschaffen? Das allererste und wesentlichste ist Lauterkeit des Herzens: Aufrichtigkeit und Reinheit müssen zuerst kommen; danach sollt ihr alles erhalten.


Das Tor der Offenbarung ist auch jetzt noch offen


Denket nicht, dass Offenbarung von Gott künftig nicht mehr möglich sei; dass sie nur in der Vergangenheit möglich war; denket nicht, dass der heilige Geist jetzt nicht mehr herabkommen könne. Ich sage euch wahrhaftig, dass jedes Tor geschlossen werden kann, nur nicht das Tor, durch das der heilige Geist herabkommt. Öffnet alle Türen eures Herzens zu seinem Empfange. Mit euren eigenen Händen beraubt ihr euch des Lichtes dieser Sonne, wenn ihr selbst die Fenster verhängt, durch die es hereinfluten könnte. Also rafft euch auf und reißt diese Fenster weit auf, so dass dieses Licht mit der Einfachheit und Unver- meidlichkeit eines natürlichen Vorganges in euer Herz eindringen kann. Wenn Gott die Tore Seiner materiellen Segnungen für die Welt nicht geschlossen, sondern im Gegenteil noch viel zahlreicher als früher machte, wagt ihr da zu vermuten, dass Er die Tore Seiner gei- stigen Segnungen über euch geschlossen habe, und dies gerade in einer Zeit, da sie am meisten benötigt werden? Nein, nein, keineswegs! Diese Tore sind geöffnet worden und jetzt noch offen; daran kann nicht im geringsten gezweifelt werden, und dies lehrte Gott schon in der Sura „Al-Fâteha“. Wenn nun das Tor aller früheren Segnungen für

euch geöffnet bleibt, warum vernachlässigt ihr es, diese Segnungen zu empfangen? Schaffet einen Durst für diese Quelle! Schreit wie ein Säugling, auf das diese Milch in der Brust aufquillt! Habt Mitleid, auf das euch Mitleid zuteil werde! Zeiget Besorgnis und tiefe Unruhe, auf das eure Gemüter beruhigt werden. Rufet immer wieder flehentlich um Hilfe, auf das eine Hand sich euch hinstreckt und euch Halt gibt. Wie schrecklich schwierig ist doch der Weg, der zu unserm Herrn führt! Aber leicht ist er gemacht für alle, die den Sprung in den Ab- grund wagen, d. h. fest entschlossen sind, dem [leiblichen] Tode zu begegnen. Gesegnet sind diejenigen, die um des Herrn willen einen Krieg gegen das eigene Ich wagen; aber wirklich engstirnig sind jene, die um ihres niederen Selbst willen sich zu einem Krieg gegen den Herrn erdreisten und sich weigern, unter Seinem Willen sich selbst gehorsam umzuformen. Wer auch immer um seines Selbst willen ei- nem Befehl Gottes ausweicht, der wird niemals in den Himmel einge- hen. Strebt also bis zum Äußersten danach, dass kein Jota und keine Silbe des Heiligen Qur-ân gegen euch zeugen kann, und diesem Ziel verpflichtet euch ganz und gar. Denn in Wirklichkeit ist sogar ein einziges Körnlein des Übels strafbar. Die Zeit ist sehr kurz, der Auf- trag eures Lebens noch nicht erfüllt. Beeilt euch, denn bald dämmert die Nacht herauf. Was immer auch ihr eurem Herrn anzubieten habt, prüft es genau und so oft ihr nur könnt, damit nicht irgendein Fehler verbleibt, der endgültigen Verlust verursachen könnte; oder: damit ihr nicht etwas mit euch nehmt, das sich in Wirklichkeit zu einem Haufen unechter und unflätigen Waren ansammeln könnte, die nicht wert wären, einem königlichen Hofe dargereicht zu werden.


Erhabene Stellung des Heiligen Qur-ân


Ich habe in Erfahrung gebracht, dass einige von euch das „Hadith“ in Bausch und Bogen verwerfen. Wer das tut, befindet sich in offen- barem Irrtum, den ich immer bekämpft habe. Ich betone nachdrück- lich, dass Gott für eure Führung drei Lehrmittel vorgesehen hat: Das erste von ihnen ist der Heilige Qur-ân, der kraftvoll auf die Einheit Gottes hinweist, sowie auf Seine Erhabenheit und Seine Größe; der Qur-ân entscheidet über alle Streitfragen zwischen den Juden und den Christen; ferner verbietet er, dass ihr irgendetwas außer Gott ver-

ehret, weder Mensch noch Tier, weder Sonne noch Mond, noch irgend- einen anderen Himmelskörper, noch materielle Mittel, noch euch selbst. Also hütet euch! Tut nicht das Geringste, das dem Heiligen Qur-ân widersprechen könnte. Wer immer auch nur das letzte von den siebenhundert Geboten und Verboten des Heiligen Qur-ân missachtet, der wirft sich selbst das Tor der Rettung zu. Die wirkli- chen und vollkommenen Wegweiser der Erlösung finden wir einzig und allein im Heiligen Qur-ân; alle anderen waren nur ihre Schatten. Deshalb sollt ihr diese Heilige Schrift sehr aufmerksam und nach- denklich studieren, und ihr solltet sie lieben, wie ihr sonst niemals etwas geliebt habt.

Gott hat mir wörtlich gesagt: „Das Gute allerart liegt im Qur-ân.“ – Gutes allerart finden wir in ihm, und das ist die Wahrheit. Unglück- lich sind tatsächlich die Leute, die ihm andere Dinge vorziehen. Der Heilige Qur-ân ist der Urquell für eure ganze Besserung und für eu- ren Erfolg. Es gibt nicht einen einzigen geistigen Nutzen, der nicht für euch in diesem Heiligen Buche enthalten ist.

Am Tage des Gerichts wird euer Glaube am Heiligen Qur-ân gemes- sen werden; und außer dem Qur-ân gibt es unter den Himmeln kein anderes Buch, das euer unmittelbarer Wegweiser sein könnte. Mit diesem erhabensten Buch hat Gott euch Seinen größten Segen verlie- hen. Wäre es den Christen offenbart worden, wie es euch offenbart wurde, dann hätten die Christen den Weg zu Gott nicht verloren; und wäre diese euch gewährte Führung auch auf die Juden ausgedehnt worden – anstelle ihrer Thora –, dann hätten sich viele ihrer Sekten nicht dahin verirrt, den Tag des Gerichts zu leugnen. Schätzt diese Gnade, die euch anvertraut worden ist! Sie ist unvergleichlich kost- bar und der allergrößte Schatz! Ohne den Heiligen Qur-ân wäre die ganze Welt nur ein Kloß halbgeformten Fleisches geblieben. Tatsäch- lich kann nicht einmal die Gesamtheit aller anderen Schriften und Führungsquellen würdig sein, mit dem Heiligen Qur-ân verglichen zu werden.

Der Heilige Qur-ân kann den Menschen innerhalb einer Woche rei- nigen und läutern, vorausgesetzt, dass nicht versucht wird, in Form oder Geist von ihm abzuweichen. Der Qur-ân kann euch wie die Pro- pheten machen, vorausgesetzt, dass ihr euch nicht dagegen sträubt.

Welches andere Buch hat jemals seine Leser ein Gebet gelehrt wie dieses, das am Anfang des Heiligen Qur-ân steht:

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Das bedeutet: Führe uns auf den geraden Weg, den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, und denen Du Deine Segnungen verliehen hast und damit eine große Hoffnung, nämlich die Hoffnung auf den Weg der

„Siddiqs“, der „Schohada“ und der „Salihin“; ihnen ist dieser Weg sichtbar gemacht, und auf ihm erreichen sie jene Segnungen, die schon denen verliehen wurden, die zu den Propheten gehörten. Des- halb erhebet euch zum edlen Entschluss und weist nicht die Einladung des Heiligen Qur-ân zurück, wenn er euch aufruft, mit allen euren Kräften die Segnungen zu erstreben, die schon den früheren Völkern gespendet wurden. Gott ist tatsächlich dazu geneigt, euch noch mehr zu verleihen. Gott hat euch zu den Erben ihres ganzen geistigen und ma- teriellen Vermögens gemacht, und bis zum Tage der „Qiyama“ wird es nicht von euch auf Ungläubige übergehen. Gott wird euch die Segnung der Offenbarung nicht vorenthalten, ebenso wenig wie die fühlbaren Formen der Verbindung mit Ihm, die man allgemein „Mokalamat“ und

„Mochatabat“ nennt. Gott wird euch alle jene Segnungen spenden, die Er auch schon früheren Gläubigen gewährte. – Sollte aber irgendein schamloser Lügner sich zu der unwahren Behauptung erdreisten, er habe von Gott eine Offenbarung erhalten, oder ihm sei die Ehre der Verbindung mit Gott, also die sogenannte „Mokalamat“ und „Mochata- bat“ verliehen worden – obgleich ihm tatsächlich keine solche Eh- rung und keine Offenbarung gewährt wurde –, dann rufe ich gegen einen solchen Lügner und Schwindler den allerhöchsten Richter an und Seine Engel als Zeugen.


Die erklärende Aufgabe der Sunna


Als zweites Führungsmittel wurde den Muslimen die Sunna gewährt,

d. h. die Maßnahmen, die der Heilige Prophet ergriffen hat, um die Lehren und das Wesen des Heiligen Qur-ân durch Anwendung zu er- klären. Hierzu ein Beispiel: Nur oberflächlich betrachtet scheint der Heilige Qur-ân keine Einzelheiten über die Anzahl der „Rakats“ für jedes der fünf täglichen Pflicht-Gebete zu enthalten; aber die Sunna

des Heiligen Propheten hat das alles sehr klar gemacht. Niemand soll- te dem Irrtum verfallen, dass das Hadith und die Sunna ein und das- selbe seien, denn mit der Sammlung der Ahadith wurde erst etwa 150 Jahre später begonnen, wogegen die Sunna schon vom ersten Anfang an und Seite an Seite mit dem Heiligen Qur-ân existierte. Nach dem Hei- ligen Qur-ân gibt es keine Gottesgabe, für die wir Muslime so dank- bar sein müssen wie für die Sunna. Für die Führung der ganzen Menschheit spendete Gott eigentlich nur zwei Lehrmittel:

  1. Durch das Heilige Buch, also durch Seine eigenen Worte, wies Er auf Seinen Willen und Sein Belieben, deren Erfüllung dem göttlichen Gesetz anhaftet.

  2. Gott verpflichtete den Heiligen Propheten, durch tägliche Anwen- dung die segensreichen Wirkungen der qur-ânischen Lehren in jeder Hinsicht klar und deutlich zu beweisen. Dadurch schenkte Gott uns die Sunna; diese zeigt uns also, wie der Heilige Prophet alles das in die Tat umsetzte, was durch Gottes Wort gelehrt worden war; und durch sein tägliches Vorbild löste der Heilige Prophet eine Menge von Schwierigkeiten. Es ist nicht richtig, zu sagen, dass diese Aufgabe dem Hadith auferlegt worden sei, denn der Islam hatte ja seine Herrschaft auf der Erde schon lange aufgerichtet, bevor mit der Sammlung der Ahadith begonnen wurde. Verrichteten die Muslime ihre Gebete nicht schon lange vorher? Zahlten sie nicht die „Zakât“ oder vollzogen sie nicht den „Hadsch“ oder wussten sie noch nicht, was ihnen erlaubt war und was nicht?


Unterstützende Stellung des Hadith


Als drittes Führungsmittel kann selbstredend auch das Hadith gel- ten, weil wir in ihm die volle Erklärung mancher geschichtlichen, ethischen und rechtlichen Probleme finden können; und die große Nützlichkeit des Hadith liegt in der Tatsache, dass es ein Diener des Qur-ân und der Sunna ist. Manche Leute wissen so wenig von der wirklichen Stellung des Heiligen Qur-ân, dass sie dem Hadith die Stellung eines Richters über den Qur-ân zuschreiben, wie es die Ju- den mit einigen ihrer Traditionen (hinsichtlich der Thora) machten. Wir aber betrachten das Hadith als einen Diener des Qur-ân und der

Sunna; nun soll aber ein Diener keineswegs den Meister herabsetzen, sondern dessen Wichtigkeit und Erhabenheit geradezu hervorheben. Das Heilige Buch ist das Wort Gottes, und die Sunna ist die Tat des Heiligen Propheten.

Das Hadith aber ist ein unterstützendes Zeugnis für die Sunna. Es ist falsch, zu sagen (Gott behüte uns davor!), dass das Hadith ein „Rich- ter über den Heiligen Qur-ân“ sei. Wenn es überhaupt einen Richter über das Heilige Buch gibt, so ist es der Heilige Qur-ân selbst. Aber dem Hadith kann keine höhere Stellung zugestanden werden, da es ja irgendwie ein Element der Vermutung in sich birgt und also besten- falls ein unterstützendes Argument sein kann. Der Qur-ân und die Sunna haben das ganze wirkliche Werk vollendet, das Hadith aber bringt nur etwas zusätzliche Bestätigung hinzu. Wie kann also das Hadith die Stellung eines „Richters“ über den Heiligen Qur-ân ein- nehmen? Das Heilige Buch und die Sunna erleuchteten die Menschheit schon zu einer Zeit, da von dem sogenannten „Richter“ noch nichts zu merken war. Sagt also niemals, das Hadith sei ein „Richter“ über den Heiligen Qur-ân! Sagt vielmehr, dass das Hadith zusätzlich unter- stützenden Beweis für den Qur-ân und die Sunna verschaffen kann. Selbstredend und zweifelsohne ist die Sunna der Ausdruck des qur- ânischen Willens und der Pfad, auf welchem der Heilige Prophet seine Gefährten stellte. Die Sunna ist nicht die Bezeichnung für Berichte, mit deren Niederschrift und Sammlung erst etwa hundert oder hun- dertfünfzig Jahre später begonnen wurde. Diese Berichte werden Ahadith genannt. Die Sunna dagegen ist das praktische Beispiel, das vom frühesten Beginn an das tägliche Tun und Lassen der damaligen Muslime bestimmte, also der Früh-Muslime, deren Anzahl nur einige Tausend betrug. Aber obgleich das Hadith nicht immer über alle Zweifel erhaben sein kann, so verdient es dennoch als nützlich ange- nommen zu werden, vorausgesetzt, dass es dem Heiligen Qur-ân nicht widerspricht. Als unterstützender Anhänger des Qur-ân und der Sunna nützt uns das Hadith auch als ein großes Archiv für mancherlei islamische Fragen.

Fehlende Würdigung des Hadith ist darum gleichbedeutend wie das Wegschneiden eines großen Teils des Islam-Körpers. Wenn aber ein Hadith dem Heiligen Qur-ân und der Sunna widerspricht, oder auch

nur anderen Ahadith, die ihrerseits mit dem Heiligen Buch überein- stimmen, oder wenn ein Hadith dem „Sahih Buchari“ widerspricht, dann soll es selbstverständlich nicht angenommen werden; denn seine Annahme wäre gleichbedeutend mit Verwerfung des Heiligen Qur-ân und auch aller jener Ahadith, die mit dem Heiligen Buche überein- stimmen. Und einen solchen Glauben würde doch keine rechtschaffene Person unterschreiben wollen! – Auf jeden Fall sollt ihr das Hadith gebührend anerkennen und ihm möglichst viel Gutes entnehmen, denn die Ahadith kommen vom Heiligen Propheten, und wenn sie durch den Heiligen Qur-ân und durch die Sunna nicht verworfen werden, dann sollt auch ihr sie nicht verwerfen. Im Gegenteil: Das echte Hadith soll die Grundlage all eures Tuns und Lassens sein, sowie auch eurer Hal- tung bei Erfolg und Misserfolg. Und wenn ein Hadith dem Heiligen Qur-ân widerspricht, dann sollt ihr versuchen, es durch bestmögli- che Auslegung mit dem Qur-ân in Einklang zu bringen. Möglicherwei- se könnte der Widerspruch auf einer falschen Auslegung beruhen. Wo aber solch eine Übereinstimmung nicht möglich ist, da sollte das be- treffende Hadith verworfen und ausgemerzt werden, weil es nicht vom Heiligen Propheten herkommen kann. Aber ein Hadith, das als

„schwach“ bezeichnet wird und trotzdem mit dem Heiligen Qur-ân übereinstimmt, muss angenommen werden, denn der Heilige Qur-ân hat es ja bestätigt.


Prüfstein zur Beurteilung von Ahadith, die Prophezeiungen enthalten


Auch ein von den „Mohaddithin“ als „schwach“ beurteiltes Hadith, das aber eine Prophezeiung enthält, die dann in eurer eigenen Zeit oder etwas zuvor erfüllt wurde – ein solches Hadith muss als authen- tisch angenommen werden; dann müssen wir eben feststellen, dass alle diejenigen geirrt haben, die das betreffende Hadith als „schwach“ beurteilten und ablehnten, weil sie es für „fabriziert“ hielten. Es gibt Hunderte von Ahadith, die Prophezeiungen enthalten, und die meisten von ihnen sind von den „Mohaddithin“ als „fabriziert“ oder

„mangelhaft“ bezeichnet worden. Wenn nun die Prophezeiung eines solchen Ahadith erfüllt ist, und ihr es trotzdem unter diesem oder je- nem Vorwand zu verwerfen sucht, dann würde solch eine Verwerfung

eure Ungläubigkeit beweisen, denn ihr würdet also ein Hadith ver- werfen, dessen Zuverlässigkeit durch Gott Selbst festgesetzt worden ist, und zwar sogar in dem hohen Grade der Erfüllung der in dem be- treffenden Hadith enthaltenen Prophezeiung. Vermutet nun einmal, dass tausend prophezeiende Ahadith von den „Mohaddithin“ für

„schwach“ und „unannehmbar“ gehalten werden, und vermutet wei- ter, dass die darin enthaltenen Prophezeiungen erfüllt werden, wür- det ihr dann diese Ahadith verwerfen und mit ihnen auch alle tausend Argumente gerade in der Erfüllung der betreffenden Prophezeiungen liegen! Wenn ihr so was tut, so macht ihr euch zu Feinden des Islam und Gott sagt:

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„Er offenbart nicht ghaib (Zukünftiges), außer wenn Er dazu einen Apostel auswählt.“ (72:27-28)

Von wem kann also eine wahre Prophezeiung stammen, wenn nicht einem wahren Propheten? Ist es dann also nicht ehrlicher zu sagen, dass der betreffende „Mohaddith“ sich insofern geirrt hat, als er ein wirklich ganz zuverlässiges Hadith als „schwach“ verworfen hat? Oder wäre es etwa besser für uns zu sagen, Gott Selbst habe „geirrt“, indem Er mit der Verwirklichung der betreffenden Prophezeiung das prophezeiende, aber ein von Menschen als „schwach“ bezeichnete Hadith als ein echtes hervorhob? Deshalb sollt ihr grundsätzlich selbst einem „schwachen“ Hadith folgen, vorausgesetzt, dass es dem Heiligen Qur-ân und der Sunna nicht widerspricht, und auch nicht anderen Ahadith, die mit dem Heiligen Qur-ân übereinstimmen.

Auf jeden Fall muss dieses Problem mit größter Sorgfalt behandelt werden, denn tatsächlich gibt es eine große Anzahl von fabrizierten Ahadith, die im Islam sehr viele Spaltungen verursacht haben. Alle die streitenden Richtungen begründen ihren Standpunkt mit diesem oder jenem Hadith, das ihren Dogmen entspricht. So streiten sie sogar über die doch so klare und gut geregelte Vorschrift für die täglichen Pflichtgebete; z. B.: Ob das „Amin“ laut und für alle hörbar ausgeru- fen oder nur gelispelt, beziehungsweise bei sich gedacht werden soll; ob und wann die „Fâteha“ von der ganzen Gemeinde oder nur vom

Imam rezitiert werden soll; ob die Hände auf der Brust oder etwas tiefer übereinander gelegt werden sollen usw. – Also, in den Ahadith liegt die wirkliche Ursache all dieser Streitereien.


Befreiung von Sünde liegt in vollkommener Überzeugung


Oh ihr, die ihr den Herrn suchet, öffnet eure Ohren und höret: Merkt euch, dass nichts anderes als vollkommene Überzeugung euch von Sünde befreit; Überzeugung gibt euch die Kraft, Gutes zu tun; und Überzeugung allein kann euch in einen liebenden Diener Gottes ver- wandeln. Könnt ihr euch etwa ohne vollkommene Überzeugung vom Schlechten abwenden? Könnt ihr eure niederen Triebe zügeln ohne die Hilfe eines sicheren Lichtes? Kann irgendjemand ohne diese vollkom- mene Überzeugung eine wirkliche Besserung in sich selbst zustande bringen? Könnt ihr ohne diese vollkommene Gewissheit einigermaßen geistige Befriedigung und Seelenfrieden erreichen? Oder überhaupt echten Fortschritt und Erfolg gewinnen? Gibt es in der weiten Welt irgendeine Sühnung, die euch vor der Sünde erretten könnte? Ist Jesus, Sohn der Maria, so, dass sein vermeintlicher Tod die Sünde beseitigen könnte? Oh Christen, erzählt nicht eine Lüge, dass darob diese unsere Erde in Stücke zerbrechen möchte! Für seine eigene Be- freiung war Jesus auf vollkommene Überzeugung angewiesen. Er glaubte mit voller Überzeugung, und er wurde befreit. Wehe darum jenen Christen, welche die Welt betrügen, indem sie behaupten, sie seien durch das „Blut“ Jesu Christi erlöst worden, und das noch, wenn sie von den Füßen bis zum Kopf im Bösen und Schlechten ver- sunken sind. Sie wissen ja nicht einmal, wer eigentlich ihr Gott ist. Ihr Leben ist religiöse Gleichgültigkeit verbunden mit materiellem Genuss und Behagen; durch die Alkoholisierung ihres Gehirns und ih- rer Nerven verloren sie jede Ahnung vom Leben mit Gott; deshalb ha- ben sie keinen Anteil an den Früchten eines rein geführten Lebens. Also bedenket stets, dass ihr ohne feste Überzeugung weder aus der Finsternis herausfinden, noch den heiligen Geist bekommen könnt. Gesegnet sind die, welche diese Überzeugung haben, denn sie werden Gott sehen, und gesegnet sind die, welche von Ungewissheiten und Zweifeln befreit worden sind, denn sie allein sollen von ihren Sünden erlöst werden; und gesegnet werdet ihr sein, wenn euch dieser große

Schatz fester Überzeugung gegeben wird, denn von jenem Tage an wird Sünde bei euch aufhören. Denn Sünde und Überzeugung vertragen sich nicht. Würdet ihr jemals bewusst mit bloßer Hand in einen Spalt greifen, in dem ihr eine giftige Schlange seht? Oder würdet ihr am Fuße eines Vulkans stehen bleiben, wo ein Hagel von rotglühenden Steinen euch trifft? Oder auf einem Berggipfel, der die Blitze eines Gewitters anzieht? Oder wo euch ein blutrünstiger Löwe angreifen könnte? Oder an einem Ort, wo eine tödliche Seuche wütet? Wenn ihr also mit ebenso fester Überzeugung an Gottes Strafe glaubt, wie ihr an die Gefahr einer giftigen Schlange oder eines Vulkans oder eines Blit- zes glaubt, dann könnt ihr doch unmöglich Gott herausfordern und Seine Strafe auf euch ziehen, sei es durch Ungehorsam oder durch Missachtung oder gar durch freche Verleugnung unserer Abhängigkeit von Ihm.

Oh ihr Leute, die ihr zu Rechtschaffenheit und Wahrhaftigkeit aufgerufen wurdet, seid ganz und gar versichert, dass die göttliche Anziehungskraft in euch zunehmen wird, und dass ihr von Sünde rein gewaschen werdet, aber erst dann, wenn eure Herzen randvoll sind von fester Überzeugung. Vielleicht sagt ihr jetzt oder später, dass ihr diese Überzeugung schon habet. Aber da solltet ihr sehr vorsichtig sein und nie vergessen, dass dieses Gefühl im Anfang meistens nur Selbsttäuschung ist. Diese feste Überzeugung ist ziemlich sicher mei- stens noch nicht in euch, denn ihr entfaltet noch nicht die geistige Verfassung, welche diese feste Überzeugung unbedingt und stets be- gleiten muss. Ihr habt euere sündhaften Wege noch nicht verlassen; ihr habt noch nicht den ersten Schritt getan, den ihr eigentlich in dem Augenblick hättet tun sollen, als ihr euch zu dieser festen Überzeu- gung bekanntet. Ihr fürchtet euch noch nicht, wie ihr solltet. Ihr könnt diese Frage sehr gut selbst ausdenken: Ein vernünftiger Mensch greift niemals mit bloßer Hand in eine Spalte, die er von einer gifti- gen Schlange besetzt weiß; noch isst er jemals bewusst eine Speise, die er aus einem triftigen Grunde für vergiftet hält, noch begibt er sich bewusst in einen Dschungel, wo es tausend blutrünstige Löwen gibt. Wenn ihr aber gleichermaßen davon überzeugt seid, dass Gott euch für euren Lebenswandel bestrafen oder belohnen wird, wie könnt ihr dann eure Hände und Füße, eure Augen und Ohren sündigen las- sen? Wie könnt ihr dann euch selbst in ein Feuer werfen, von dem ihr

wisset, dass es euch zu Asche verbrennen wird? Und denket stets dar- an, dass die aus fester Überzeugung errichteten und gegen Sünde schützenden Bollwerke wirklich bis zu den Himmeln hinauf ragen, so dass nachdem ihr selbst sie einmal erbaut habt, Satan sie nicht über- steigen und euch also auch nicht erwischen kann.

Jeder Gereinigte und Geläuterte ist allein durch feste Überzeugung gereinigt und geläutert. Nur die Überzeugung gibt euch die Kraft, Un- gemach zu ertragen, sie kann sogar einen König überreden, von sei- nem königlichen Throne abzudanken und fortan das Leben eines Bett- lers zu führen. Überzeugung löst alle Schwierigkeiten. Überzeugung befähigt einen Menschen, Gott zu sehen. Alle Ideen irgendeines soge- nannten Sühneopfers sind falsch, denn Reinheit jeder Art kommt ein- zig und allein von fester Überzeugung. Sie und nur sie allein ist das einzige Mittel, das einen Menschen von Sünde befreit und ihn in Auf- richtigkeit und Standhaftigkeit voranbringt. Man kann sogar die Engel darin übertreffen! Alle jene Religionen, die diese Festigkeit der Überzeugung nicht hervorbringen können, sind falsch. Und falsch sind jene Religionen, die nicht imstande sind, gegen jeden Zweifel einen überzeugenden Begriff von der Allgegenwart Gottes zu vermitteln; und falsch sind alle jene Religionen, die nichts anderes enthalten als eine Handvoll Erzählungen und Fabeln über längst vergangene Dinge.


Gebt euch nicht mit Fabeln zufrieden!


Gott lebt heute noch, wie Er in den vergangenen Tagen lebte; Seine Kräfte bleiben ewig die gleichen und wirken heute noch unvermindert und gleich, wie sie schon in der Vergangenheit wirkten; also ist Er auch heute noch fähig, Zeichen zu zeigen, wie Er es früher schon war. Warum solltet ihr euch dann mit Geschichten und Fabeln zufrieden geben? Tot und zerstört ist jede Religion, die weiter nichts enthält als Geschichten von Wundern, die in der Vergangenheit gezeigt wurden; und ein totes Volk wäre das Volk, auf das Gottes Gnade und Barmher- zigkeit nicht herabkommt – ein Volk, zu dessen Reinigung und Läute- rung sich nicht die göttliche Hand selbst hinab gestreckt hätte. Wie ein Mensch von den Freuden dieser Welt angezogen wird, wenn er ihre Reize mit seinen eigenen Augen sieht – gleichermaßen wird der Mensch von Gott angezogen, wenn er zu der vollkommenen Gewissheit

gelangt, dass die geistigen Freuden noch süßer, aber auch nachhaltig stärkender sind. Die Berufung durch die göttliche Schönheit ergreift seinen Geist und sein Gemüt dermaßen, dass ihm alles andere als wertloser Abfall erscheint. Der Mensch wird nur dann von Sünde be- freit, wenn er das überzeugte Wissen von Gottes Kraft und Allmacht und göttlicher Vergeltung erreicht. Unwissenheit ist die Wurzel jeder Fruchtlosigkeit; und unter denen, die an göttlicher Erkenntnis teilha- ben, kann keiner gefunden werden, der der Gottesfurcht bar wäre. Wer sein Haus von einer reißenden Flut oder von Feuer bedroht weiß, der wird doch unverzüglich daraus fliehen. Wie könnt ihr dann wagen, auf eurem sündigen Lebenswege weiterzugehen, wenn ihr behauptet, von göttlicher Vergeltung und Belohnung überzeugt zu sein. Öffnet also eure Augen und studiert sorgfältig das Gesetz Gottes, das im Weltall wirkt. Benehmt euch nicht wie Ratten, die nur in der Erde wühlen und hausen; seid wie die Taube, die sich von der Erde lösen kann, und die sich am glücklichsten fühlt, wenn sie in der reinen Luft der hohen Regionen fliegt. – Nachdem ihr das „Baiat“ in meine Hand versprochen habt, müsst ihr euch bessern und eure sündhaften Wege sorgsam meiden. Seid nicht wie die Schlange, die zwar ihre Haut ab- streift, aber doch dieselbe Schlange bleibt. Vergesst nie, dass der Tod euch jeden Augenblick näher kommt, obgleich ihr ihn nicht seht. Tut euer Bestes, um euch innerlich und äußerlich zu reinigen, denn nur der geläuterte und sich weiter läuternde Mensch erreicht die Nähe zu dem, was das Reinste vom Reinen ist. Der Weg zur Reinheit liegt im Gebet, das in wahrer Demut des Geistes dargeboten wird. Aber die al- lerwichtigste Frage ist die, wie man diese Gnade gewinnen kann. Auf diese Frage hat Gott selbst die Antwort gegeben. Er sagt:

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„Suchet Hilfe von Gott mit Geduld und Gebet.“ (2:154)

Was ist „Salât“? Das ist ein Gebet, das mit wahrhaft gedemütigtem Geiste an Gott gerichtet wird; dabei muss der Betende bewusst und ge- fühlsmäßig ganz durchdrungen sein von der Einsicht, dass es nichts Reineres und Heiligeres, nichts Vollkommeneres und Mächtigeres gibt als Gott, und dass also Ihm allein alles Lob und aller Dank gebührt; aus dieser vollen Überzeugung flammt dann der brennende Wunsch des Betenden nach göttlicher Vergebung seiner Sünden, aber auch nach

weiteren Segnungen für den Heiligen Propheten. Ohne diese Überzeu- gung und Wünsche würden die Gebete und „Istaghfar“ zur leeren Formsache, besonders bei Leuten, die den Sinn des vorgeschriebenen arabischen Gebetstextes nicht verstehen können. Deshalb sollt ihr euch bei euren Gebeten nicht auf den vorgeschriebenen arabischen Text beschränken, sondern überdies und außerdem eure Bitten an den Herrn noch in eurer eigenen Sprache aussprechen, und zwar mit in- nigst empfundener Demut, was eine dauerhafte Wirkung in eurem Sinn und Geist hinterlässt. Die arabischen Gebetstexte beruhen auf dem Heiligen Qur-ân, also auf Gottes Wort und teilweise auch auf dem echten Hadith, also auf dem Worte des Heiligen Propheten; um so we- niger dürfen sie verständnislos heruntergeleiert werden, wie es un- wissende Leute leider tun. Aber im richtig verstandenen und innigst empfundenen Gebet liegt das Heilmittel gegen alle kommenden Prü- fungen und Trübsal. Ihr könnt ja nicht wissen, was der kommende Tag für euch bereithält. Betet also zu jeder Zeit, ehe der Tag vergeht, auf das er für euch ein Tag der Segnungen und des Friedens sei.


Oh ihr Reichen und Wohlhabenden


Oh ihr, die ihr reich seid, die ihr Könige seid, die ihr Wohlhabende seid: Unter euch gibt es wenige, die Gott fürchten und in allen Seinen Wegen wahrhaftig und standhaft bleiben. Die meisten von euch sind derart, dass sie ihre Herzen an die Reichtümer dieser Welt heften und ihr Leben vorwiegend oder ganz und gar weltlichen Dingen opfern, ohne überhaupt an das Jenseits zu denken. Jeder reiche Mensch, der sich nicht im Gebet an Gott wendet, oder der Ihn sogar missachtet, wird die Sünden aller jener auf sich ziehen, die ihm untergeben sind. Jeder reiche Mensch, der Alkohol trinkt, soll auch die Sünden aller seiner Untergebenen tragen, die mit ihm trinken. Oh ihr Klugen! Die- se Welt wird nicht ewig dauern. Nehmt eine feste innere Haltung an! Gebt jedes Übermaß und jede Ausschweifung auf! Enthaltet euch aller Rauschgifte! Weine, Biere, Whiskies, Opium, „Gandscha“, „Tscha- ras“, „Bhang“, „Tarie“, und alle anderen Rauschgifte, durch deren Gebrauch ihr süchtig werdet, zerstören das Gehirn und erweisen sich deshalb als äußerst verhängnisvoll, ja sogar tödlich.

Von allen diesen Dingen sollt ihr euch fernhalten. Überhaupt können

wir gar nicht verstehen, wie und weshalb ihr zu Dingen greift, die doch alljährlich den offensichtlichen Beweis erbringen, dass sie Tau- sende von Menschen zuerst in Müßiggang und dann in den Tod ziehen, ganz abgesehen von der kommenden Strafe im Jenseits, die noch viel schlimmer sein wird als die diesseitigen Nachteile all dieser Rausch- gifte. Werdet rechtschaffen und gottesfürchtig, auf das ihr ein länge- res und von Gott gesegnetes Leben führen könnt. Schwelgerisches Le- ben ist ein Fluch; ebenso schlecht gesittet und herzlos ist es, vor dem Leid anderer gleichgültig zu bleiben.

Genauso wie ein armer Mensch schuldet jeder Reiche seinem Schöp- fer Rechenschaft über die gebührende Erfüllung seiner Verpflichtun- gen gegen seine Mitmenschen. Ja, die Verantwortung eines Reichen ist sogar noch größer. Wie unglückselig ist doch jeder, der seinem kur- zen diesseitigen Leben zuliebe sich ganz und gar von Gott abwendet und verbotene Dinge mit solcher Furchtlosigkeit gebraucht, als wären sie erlaubt; und der im Zorn wie ein Wahnsinniger gegen andere Leute tobt und sie mit Verleumdungen und vielleicht sogar mit Schlägen verletzt oder gar zu töten droht; und der sich von seinen Gelüsten zu äußerster Schamlosigkeit hinreißen lässt. Solch einer wird niemals wirkliches Wohlergehen kennen. Oh meine Lieben! In dieser Welt seid ihr nur für wenige Tage, und ein großer Teil von ihnen ist schon vor- bei. Erzürnt euren Meister nicht! Sogar eine weltliche Regierung kann euch vernichten, wenn sie über euch erzürnt ist. Wieviel mehr ziemt es sich also für euch, euren Schöpfer nicht zu erzürnen! Nie- mand kann euch vernichten, solange ihr in den Augen eures Herrn rechtschaffen seid. Er Selbst wird euch beschützen, und nicht einmal euer gefährlichster Feind soll euch schaden können. Sonst gibt es kei- nen Schutz für euch, und ihr müsstet in ständiger Furcht vor euren Feinden leben müssen, gehetzt und rastlos, voll von schlimmen Vor- ahnungen; und die letzten Tage eures Lebens müsstet ihr in großer Seelenpein verbringen. Gott Selbst wird der Beschützer derer, die zu Ihm stehen. Kommt also zu Gott und lasset ab von jeglicher Aufleh- nung gegen Ihn. Seid nie nachlässig in der Erfüllung der Verpflich- tungen, die Er euch auferlegt hat. Unterdrückt niemals Seine Ge- schöpfe, weder mit Hand noch mit Worten; und vor dem Zorn des Himmels fürchtet euch stets, denn in der Gottesfurcht liegt der einzige Weg zur Erlösung.

Oh ihr Gelehrten des Islam!


Oh ihr Gelehrten unter den Muslimen! Seid nicht so voreilig, mich als falsch zu verwerfen! Es gibt viele tiefe Geheimnisse, die der Mensch nicht sofort und alle auf einmal verstehen kann. Ihr sollt also nicht im Voraus bereit sein, etwas für euch Neues – kaum habt ihr es gehört – schon zu verwerfen, denn das ist nicht der Weg der Recht- schaffenheit. Hätte es unter euch keine Irrtümer gegeben, und hättet ihr gewisse Ahadith nicht in einer ihrem wahren Sinn entgegenge- setzten Weise ausgelegt, dann wäre die Ankunft des Verheißenen Mes- sias, als ein Richter unter euch, überflüssig gewesen. Die Mission, die ihr dieser Ankunft beimesset, nämlich, dass er seine Kräfte mit denen des „Mahdi“ vereinigen würde, um durch Krieg alle Leute zwangsweise zum Islam zu bekehren, dieser Glaube bringt dem Islam nur Schande. Wo steht überhaupt im Qur-ân geschrieben, dass Krieg für die zwangsweise Verbreitung der Religion zulässig sei? Im Gegen- teil, wir finden, dass Allah im Heiligen Buch sagt:

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„In Glaubensdingen ist kein Zwang.“ (2:257)

Woher denn also sollte der Messias, Sohn der Maria, das Recht be- kommen, andere Menschen mit Gewalt zum Islam zu bekehren? Der ganze Qur-ân ist voll von Versen, die lehren, dass es in Religions- fragen keinen Zwang geben darf; und es ist absolut klar, dass wenn der Heilige Prophet das Schwert zog, er das nicht zur Verbreitung des Islam tat, sondern:

  1. Als eine gebührende Bestrafung derjenigen, die eine große Anzahl von Muslimen getötet und viele andere Muslime von ihren Heim- stätten vertrieben hatten. Wir lesen darüber im Heiligen Buche:


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    „Erlaubnis (sich zu verteidigen) ist denen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen Unrecht geschah – und Allah hat fürwahr die Macht, ihnen zu helfen.“ (22:40)

  2. Oder diese Kriege waren defensiv und richteten sich gegen Leute, die jeden Stein umdrehten, um den Islam auszutilgen und durch Waf- fengewalt seine Verbreitung aufzuhalten.

  3. Oder jene Kriege wurden von den Muslimen geführt, um recht- mäßige Freiheiten wiederherzustellen.

Abgesehen von Feldzügen, die für eines dieser drei Ziele unternom- men wurden, führten der Heilige Prophet und seine Khalifa keinen Krieg. Im Gegenteil: Bevor der Islam zur Selbstverteidigung die Waf- fen ergriff, erduldete er die Unterdrückung gegen ihn mit einer See- lenstärke, für die es in der Geschichte anderer Völker kein Beispiel gibt. Welcher Art Messias und Mahdi würden also denn diese sein, die ihre Mission damit einleiten würden, ihren Widersachern von Anfang an das Recht auf das Schwert zu verschaffen?


Landesübliche „Gaddi-Naschins“ und „Pirzadas“


In ähnlicher Weise sind die Erbhäuptlinge der sogenannten geistli- chen Orden und die „Pirs“ dieses Landes so weit vom Islam abgewi- chen und Tag und Nacht mit ihren verderblichen Neuerungen beschäf- tigt, dass sie keine Ahnung haben von den schwierigen Zeiten, die der Islam gegenwärtig durchmachen muss. Wenn ihr ihren Versammlun- gen beiwohnt, so werdet ihr sehen, wie diese Leute sich über Musik- instrumenten und in „Qawwalis“ beugen und schwingen und zahlrei- che „Bid'ats“ bezeugen, anstatt im Heiligen Qur-ân und im Hadith zu lesen. Aber trotz alledem erheben sie Anspruch darauf, als religiöse Führer und Nachfolger des Heiligen Propheten zu gelten.

Zwar kann jedermann das Recht beanspruchen, Gott zu lieben. Aber nur der liebt Gott wirklich, dessen Liebe zu Gott vom Himmel bezeugt wird. Jedermann erhebt den Anspruch, ein Anhänger der wahren Re- ligion zu sein, aber nur die Religion ist wahr, deren Anhänger in sei- nem eigenen Leben selbst Licht bekommt.

Und jedermann sagt, er werde Erlösung erlangen, aber diesen An- spruch zu erheben ist nur der berechtigt, dem in diesem irdischen Leben selbst Licht gegeben wird.

Mein liebes Volk! Jetzt ist die Zeit, um der Sache der Religion zu dienen


Mein liebes Volk! Dies ist die Zeit für den Dienst an der Religion, zu der euch zu bekennen ihr Anspruch erhebt. Begreift den Wert dieser seltenen Gelegenheit, denn wenn ihr sie verschlafet, wird sie sich euch nicht ein zweites Mal anbieten. Warum verliert ihr den Mut, als Anhänger eines so großen und erhabenen Propheten? Bleibet fest im Glauben und gebt ein Beispiel, dass sogar die Engel im Himmel sich über eure Kraft und Standhaftigkeit wundern und um Segnungen für euch beten.

Damit ende ich und bete, dass diese meine Lehre für euch fruchtbar sein und in euren Herzen einen Wandel bewirken möge, der euch wie Sterne auf dieser Erde machen soll, so dass ihr den Globus mit dem Lichte und dem Leben erfüllet, das ihr vom Herrn bekommt. Amin!

Glossar fremdsprachiger Ausdrücke


Sharía: Islamisches Gesetz, das die ganzen religiösen und weltlichen Lebensfragen umfasst.

Bait, auch: Bai'at: Ein Gelübde der Treue und des Gehorsams eines Jüngers an seinen geistlichen Lehrer, (Wörtlich: "Tat der Selbst- verpfändung.")

Zakât : Vermögenssteuer zugunsten der Armen (gemäß einer Tabelle).

Einer der fünf Hauptpfeiler des Islam.

Taqwa: "Sorgfältig durch das Leben gehen.", Gottesfurcht.

Khátam-ul-Anbia: "Siegel der Propheten" – Titel des Heiligen Pro- pheten Muhammad (Friede und Segen Allahs seien auf ihm).

Muhammadiyyat: Stand und Rang der vollkommenen Zugehörigkeit zum Heiligen Propheten Muhammad.

Burûz: Zurückstrahlung von einer Person auf eine andere, oder Er- scheinung der Eigenschaften einer Person in einer anderen; wah- res Abbild.

Khátam-ul-Khulafá: "Siegel der Khalifa", d. h.: Der Vollkommenste von den Nachfolgern des Heiligen Propheten.

Sura Fáteha. Das eröffnende Kapitel des Heiligen Qur-ân; es verkör- pert ein überaus verständliches Gebet.

Hadith (Mehrzahl: Ahadith): Nachträgliche Berichte über Aussprüche oder Beispiele des Heiligen Propheten Muhammad. "Hadith" gilt für verschiedene Sammlungen solcher Berichte, die lange Zeit nur mündlich weitergereicht wurden, daher die deutsche Bezeichnung: "Tradition".

Siddieqin, Schohadâ, Sallihín: Mehrzahlformen von: Siddiêq, Schâhid und Sâllih: Ausdrücke, die der Heilige Qur-ân gebraucht, um drei aufeinander folgende Ränge im geistlichen Streben zu bezeichnen; Sallih ist auf der ersten Stufe, und Siddêq ist auf der höchsten Stu- fe unmittelbar unter dem Rang des Prophetentums.

Qiyâmah : Auferstehung, eine Art erstaunlicher Wandlung, die statt-

findet, wenn ihre Zeit reif dazu ist; steht im allgemeinen für: "Tag des Gerichts".

Mokálamát und Mochátabát: Von Gott in unmittelbarer Sprache erhal- tene Offenbarungen.

Sunna: Ausübung und Anwendung der qur-ânischen Lehren durch den Heiligen Propheten in Form praktischer Unterweisung seiner Ge- fährten und Anhänger.

Rak'aat: Mehrzahl: Rak'a: Teile des islamischen rituellen Gebets. Je- des Rak'a bildet eine Runde, bestehend aus: Qiyam (Stehen), Ruku (Beugen) und Sadschdah (Niederwerfen).

Hadsch: Pilgerreise nach Mekka.

Sahih Buchárí: Die hervorragendste und zuverlässigste Sammlung von Ahadith.

Mohaddithín: Mehrzahlform von Mohaddith: Ein in der Wissenschaft über das Hadith gelehrter Muslim.

Istighíâr: Bemühungen und Bitten um Vergebung der Sünden.

Gandscha, Tscharas, Bhang, Tari: Indische Namen für einige der Rauschgifte, die dort von den Süchtigen am meisten geraucht werden.

Gaddi-Naschin: Wörtlich: Der auf dem Thron sitzt. Nachfolger eines Heiligen (Gaddi = Sessel).

Pirzada: Nachkomme eines Pir, d. h. eines religiösen Lehrers und Vorstehers. Sie besetzen die Stelle eines Hüters von Schreinen be- rühmter Heiliger.

Qawwalis: Versammlungen zum Singen von Lobgesängen.

Bid'aat: Mehrzahlform von Bid'al: Irrglaube, Irrlehre, erfundene Religionspraxis

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Unsere Lehre

Diese Broschüre enthält die Übertragung der Urdu-Abhandlung

„Kashti-e-Nuh” (Arche Noah) geschrieben vom Heiligen Begründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hazrat Mirza Ghulam Ahmad von Qa- dian, Friede sei auf ihm, in welcher er eine Einführung in seine Leh- ren gibt. Die Übersetzung stammt von Hadayatullah Hübsch.


Our Teaching

This booklet contains the rendering into German from the Urdu treatise “Kashti-e-Nuh” (Noha's Ark) by the Holy Founder of the Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hazrat Mirza Ghulam Ahmad from Qadian, peace be upon him, the Promised Messiah and Mahdi, in which he gi- ves an introduction of his teachings. The German translation has been done by Hadayatullah Hübsch.


ISBN 3-921458-25-0